Clickern bei Aggression gegen andere Hunde? :: Clickertraining

Clickern bei Aggression gegen andere Hunde?

von kalinchen am 07. Oktober 2007 21:28
Hallo Yorkies,

ich meine natürlich nicht, diese Aggressionen zu clickern. winking smiley

Die Sache ist die, meine Schäfermixhündin hat sich in der Vergangenheit eine Strategie im Umgang mit entgegenkommenden Hunden angewöhnt, die mich nicht glücklich macht.

Sieht sie in der Ferne einen anderen Hund, wird sie sehr angespannt. Je näher er kommt, desto tiefer schleicht sie mit zur Seite abgespreizten Ohren und total steif auf ihn zu. Kommt er zu nah und wirkt er verunsichert, springt sie wie eine Wilde auf ihn zu (an der Leine). Geht er in die Offensive, geht sie, ihn die ganze Zeit anschauend, weiter. So geht das bei den normalen Spaziergängen. Mich belastete dieses Verhalten sehr, deshalb habe ich eine Hundetrainerin gebeten, sich meine Maus in Aktion anzuschauen.

Wir trafen uns auf einer großen Hundewiese und beim Freilauf bot sich uns eine neue Variante - das Über-den-Haufen-rennen. Was mich begreiflicherweise nicht begeisterte. Die Trainerin schätzte ihr Verhalten als großen Streß mit anderen Hunden ein und gab mir den Rat, um die Entgegenkommenden in großen Bögen herumzugehen und sie völlig zu ignorieren. Jedes freundliche Verhalten sollte ich mit einem Click bestätigen. Und hier habe ich ein Verständnisproblem: Auf jeden Click soll doch eine Belohnung folgen. Sie hat den Click zwar registriert, sie schaute kurz zu mir, aber hatte dann genug mit dem anderen Hund zu tun.

Ist der Clicker das richtige Mittel der Wahl und ist er so richtig eingesetzt? Oder mache ich mir die Begeisterung der Hündin für's Clickern so kaputt?

Ratlose Grüße
Kirsten

von cathy am 09. Oktober 2007 10:03
hallo, ich persönlich finde clickern für kommunikationsprobleme nicht das geeignete instrument. dein hund hat bei begegnungen mit artgenossen ein kommunikationsproblem, ist unsicher und hat irgendwo "deine" Unterstützung nicht so, wie er es bräuchte, so hat sich dein Hund strategien angewöhnt um dem ganzen aus dem weg zu gehen. Clickern ist in solch einem moment - dem hund relativ schnorz, da er andersweitig massiv beschäftigt ist. nähmlich mit dem anderen hund.

ich persönlich würde mal zuerst vertrauen schaffen mit deinem hund, dass du wichtiger wirst wie andere hunde. dann an der führung arbeiten, dass du führst, und dein hund diese dinge gar nicht mehr machen muss. dass du ihn vor hundebegegnungen abschirmst und gekeife in die leine schnellen, von anfang an gestoppt wird indem dein hund hinter dich kommt oder du dich gegen ihn drehst, dass ein vorbeischnellen an deinem bein endet.

unterbreche ein fixieren von vorne weg. stelle dich dazwischen. wenn dein hund ein ball liebt, so gib ihm in dem moment seinen ball und beschäftige ihn so. oder nimm ein leckerchen in die hand und zeig ihm dies aber gibs ihm erst wenn die ganze begegnung vorbei ist.

der click ist da zu kurz da im grunde schon das positive verhalten konditioniert wird, aber dies müsste mehrmals sein während der begegnung, damit du die spannung halten kanst nicht nur 1 click und fertig.

es gibt noch andere hundetrainer, die ohne clicker arbeiten, denn was passiert wenn du den clicker mal vergisst ? die stimme, augenkontakt, körpersprache hast du immer dabei.

von Anonymus am 09. Oktober 2007 14:20
Grüß Dich Kirsten,

der Rat der Trainerin ist schon sehr gut, wie ich nach deiner kurzen Schilderung vermute.


Die Trainerin schätzte ihr Verhalten als großen Streß mit anderen Hunden ein und gab mir den Rat, um die Entgegenkommenden in großen Bögen herumzugehen und sie völlig zu ignorieren. Jedes freundliche Verhalten sollte ich mit einem Click bestätigen.
(s. [www.clicker-training.org])

Vor allem das Beenden in Freundlichkeit ist einen Click wert. Die Belohnung ist Entspannung. Futter ist absolut unwichtig dabei, es sei denn der Hund fordert es ein. Und damit ist auch deine nächste Frage beantwortet.

Und hier habe ich ein Verständnisproblem: Auf jeden Click soll doch eine Belohnung folgen. Sie hat den Click zwar registriert, sie schaute kurz zu mir, aber hatte dann genug mit dem anderen Hund zu tun.

Natürlich. Offensichtlich hat sie keine brauchbare Strategie entwickelt, sich fremden Hunden zu nähern. Und nun musst du entscheiden, was dein Hund lernen soll.

a) an anderern locker und selbstbewusst vorbeigehen?
b) sich einem anderen Hund regelgerecht nähern und Kontakt aufnehmen?

Zu a) Dazu brauchst du einen selbstbewussten, sicheren Hund. Den hast du nicht.
Zu b) Wenn er das gelernt hat, lernt er auch, dass man nicht mit allen Hunden näher Kontakt aufnehmen sollte. Es gibt auch unfreundliche darunter.

Noch ein Punkt zur Beachtung. Hat es deine Hündin besser gemacht als zuvor, bitte die Situation nicht wiederholen. Sie hat sich die Belohnung Entspannung verdient, nicht erneuten Stress "übungshalber".
Deine Körpersprache entwickelt sich dabei selber, wenn du nicht versuchst, den Hund zu beeinflussen, sondern nur seine Reaktionen beobachtest und gegebenenfalls wünschenswerte mit dem Clicker kennzeichnest. Im Gegensatz zu Cathy habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit dem Clicker ganz ausgezeichnet Kommunikation aufbauen kann.

tschüß Martin




von kalinchen am 09. Oktober 2007 20:40
Hallo Yorkies!

Zunächst einmal vielen Dank für die Antworten. Sie haben mir schon weitergeholfen.

Sandy ist in der Tat ein sehr unsicherer Hund. Sie soll als Welpe im Süden zur Welt gekommen sein. "Tierfreunde" haben sie nach Deutschland gebracht und sie - die offenbar kaum auf den Menschen geprägt ist - in die Bochumer Innenstadt verpflanzt. Und nach den unvermeidbaren Problemen auf den Rat der Tierheimhundeschule gehört und den Hund im Tierheim abgegeben.
Ihr Halsband wollten sie aber nicht dalassen, was dazu führte, dass die damals 5einhalb Monate alte Hündin zwei Stunden über das Tierheimgelände gejagt wurde, bis man sie endlich eingefangen hatte.

Als ich sie zum ersten Mal sah, war sie mit einem Hunderudel in einem großen Auslauf, mit einer 10-Meter-Leine am Halsband, um sie problemlos wieder einfangen zu können. Sie ließ sich nicht anfassen und vermied jedweden Blickkontakt. Wir haben sie auch nur bekommen, weil wir einen sehr selbstsicheren älteren Rüden hatten. Ich bin wochenlang mit ihm ins Tierheim gegangen und bin mit den beiden spazierengegangen. Ohne seinen Beistand hätte ich sie nie "geknackt". Nach fünf Wochen endlich freute sie sich, meine Schritte zu hören, und anleinen durfte ich sie auch.

Unterwegs wirkte sie wie unser Max verträglich mit allen Hunden. Das änderte sich jedoch leider nach ihrer Kastration. Sie begann, ihrerseits unsicher erscheinende Hunde regelrecht zu mobben und hebt das Bein wie ein Rüde. Sie markiert auch so häufig. Max ist nun seit Mai nicht mehr und nach den Erfahrungen mit ihr bislang soll sie Einzelhund bleiben. Das genießt sie ganz offensichtlich.

@ Cathy: Auf der Hundewiese laufen alle Hunde frei, auch Sandy. An der Leine ist sie noch eine Potenz unerträglicher. Es ist mir deshalb nicht möglich, das Fixieren zu unterbinden. Ball spielen mag sie erst seit ein paar Wochen, jedoch lange nicht so gerne, daß ich sie damit ablenken könnte. Auf einer vollen Hundewiese ist es, glaube ich sowieso keine gute Idee, ihr einen Ball in die Menge zu werfen.

@ Martin: Dass die Belohnung Entspannung ist, das ist die Antwort, die mir fehlte. Stimmt ja, für die Belohnung gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.

Das Verhängnis nimmt ja immer seinen Lauf, wenn sie wie eine Wilde losstürmt. Kann sie damit nicht beeindrucken, weicht sie in letzter Sekunde aus. Aus diesen Situationen entwickelt sich dann häufig eine Art Spiel. Unsichere Kanditaten werden kurz herumgescheucht, dann läßt sie sich abrufen. In eine ernsthafte Auseinandersetzung ist sie noch nie verwickelt gewesen. Ich sah sie schon vor selbstbewußten Rauhaardackeln flüchten.

Ich versuche nun, die Hunde näher kommen zu lassen und dieses Anschleichen und Fixieren zu vermeiden. Ist vielleicht eine Zwischenlösung, denn da kommt es zu ganz normalen Begrüßungsritualen, mit sich im Bogen annähern, es wirkt weitaus weniger stressig auf mich. Bislang wende ich mich dann zum Gehen und locke sie mit. Kommt sie, belohne ich mit Futter.

@ Martin: Ist die Hundewiese rappelvoll, etwa am Wochenende oder am späten Nachmittag, gibt es kaum Probleme. Nur, wenn nur wenige unterwegs sind. Sollte ich eher dann üben oder zur Prime Time (wo sie wahrscheinlich mächtig gestresst ist) das freundliche Verhalten, das sie dann zeigt, bestätigen und hoffen, dass sie es häufiger zeigt? Kann sie unter Stress überhaupt etwas lernen?

Eines möchte ich noch loswerden: Das Argument, ich gäbe meiner Hündin nicht genügend Führung und Sicherheit, finde ich unglücklich. Ein schlecht geprägter und kaum sozialisierter Hund hat keine Chance, diese Defizite restlos aufzuholen. Sandy ist in der Hundeschule vor Angst fast ohnmächtig geworden, als wir an den ersten Gruppenstunden teilnahmen. Mich hat man rundgemacht, weil ich einen in einer vollkommen ungewohnten Umgebung absolut panischen Hund nicht zu dauerndem Blickkontakt bringen konnte. Es wurde erst besser, als ich durchsetzen konnte, dass ich den Clicker benutzen durfte.

Kirsten und Fellkreis Sandy

von Anonymus am 07. November 2007 15:09
also ich kann nur von meiner strategie sprechen, die gott sei dank schon zu wirken beginnt. ich hab das gleiche problem mit einem rüden. also als erstes hab ich mir ein brustgeschirr gekauft, damit er in der für ihn eh schon stressigen situation nicht auch noch gewürgt wird. dann haben wir begonnen ein zuverlässiges sitz zu üben. sitzen aus der bewegung, vorsitzen, sitz und bleib. wenn er begonnen hat, nach sichtkontakt sich zu versteifen, dann hab ich ihn hinsetzen lassen - das geht natürlich anfangs nur auf eine große distanz. dann hab ich ihn mal schauen lassen und versucht mit aufmunternden worten blickkontakt zu mir herzustellen - daraufhin gab es ein leckerlie - aber nicht irgendeines sondern schinken oder putenextra. ich renn jetzt immer mit einer kleinen tasche herum, darin ein plastiksackerl, das schön raschelt. mittlerweile hat er begriffen, dass ihm an meiner seite nix passiert, sodaß es möglich ist die meisten hunde passieren zu lassen. das vorbeigehenan der leine ist noch schwierig, da er immer zu dem hund hinzieht, und die bewegung auf den hund zu ohne stress nicht möglich ist. seit ein paar tagen renn ich auch mit dem clicker herum, ich hab ihn einfach an der leine befestigt. wenn er von sich aus abdreht - clicker - wenn er mir folgt - clicker - wenn er blickkontakt zu mir sucht - clicker. ich hab anfangs versucht, jede hundebegegnung aus der ferne positiv zu beenden, das sitzen beruhigt ihn besser als das stehen oder gehen. oder wir sind an zäunen vorbeigegangen hinter denen hunde gesessen sind. dort hab ich ihn sitzen lassen, und nach einer weile wenn er sich beruhigt hat - leckerlie. anfangs hat er mir auch nicht immer das leckerlie genommen, denn da waren die distanzen oft zu gering. auch heute gibt es natürlich noch situationen, in denen er stress hat, manche hunde, geringe distanz - oft denk ich ist das tagesverfassung. aber auch aus solchen situationen lernt er - nämlich, dass es nix gibt für blöd sein. die problematischten situationen sind aber die, wenn du deinen hund sitzen lässt und es kommt ein unangeleinter hund auf dich zu. solche situationen gab es oft, und hat uns immer mal wieder zurückgeworfen. aber in denen ist er mir auch immer aufgestanden und ich hab auf das "sitz" nicht beharrt, denn das wäre zuviel verlangt und ein vertrauensbruch denk ich. heute lässt er sich schon schön ablenken - und wir haben unsere beziehung verbessert indem wir ein wenig unterordnung, fährte und viele spiele gemacht haben, das stärkt das vertrauen deines hundes zu dir, und auch ich vertrau ihm schon wesentlich mehr, mach auch aus fehlern kein drama mehr, und seh die sache ein wenig lockerer. gott sei dank überwiegen die positiven erlebnisse und so manch geweinte verzweifelte träne ist schon wieder vergessen.

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