Gebell in der Wohnung abgewöhnen :: Clickertraining

Gebell in der Wohnung abgewöhnen

von Selma am 10. Januar 2010 20:30
Hallo, Anila,
habe erst jetzt gesehen, dass du mir geantwortet hast, was mich freut, hoffentlich siehst du auch meine Antwort noch.
Abegesehn davon, dass er sich noch nicht bei mir gemeldet hat, und ich mich ja nicht aufzwingen kann. Aber ich sehe ihn übermorgen bem Kurs wieder, mal sehen...

Meine Idee ist folgende.
Der Hund reagiert aus Angst/Unsicherheit heraus, das möchte ich vorher noch sagen.
Ich würde die "Probleme" aufsplitten. (er hat nämlich mehrere).
Punkt 1: Bellen in der Wohnung bei jedem kleinsten Gräusch
Punkt 2: Auf jeden bellend zurasen (Nur in der Nachbarschaft, also in seinem Revier). Wenn er dort ist, schnüffeln, und kein Problem mehr. (Der HF geht im Moment mit der 10m Leine spazieren).
Punkt 3 Beim Aus dem Haus gehen: Tür geht auf, und Hund bellend raus.

Punkt2 : Kürzere Leine (3m vielleicht), und entweder, sobald der Hund sich verspannt, Clickern (hier dient der Click nicht als Versprechen für eine folgende Bestätigung, sondern einerseits als eine kurze Ablenkung, andererseits als Entspannung), wenn er stehenbleibt, oder noch besser, den HF anschaut, bestätigen. Ziel wäre: Hund sieht Person, Hund wendet sich dem HF zu.
Oder, wenn der Hund bellend losschießt (die Nachbarn kennen ihn schon und der HF hat ein gutes Verhältnis zu ihnen), wortlos stehen bleiben, sobald die Leine wieder locker wird, Click und Bestätigung. Aber wirkt das "wauwauwau, verschwinde bloß" nicht selbstbestätigend? Des Weiteren möchte ich mit den gewissen Nachbarn einen "Futterkreis machen", die stehen in einem größeren Kreis, rufen abwechselnd den Hund, und wenn der kommt, oder auch nur hinsieht Click(hier clicke ich), und ein Würstel auf den Boden werfen.

Punkt 3 : Habe ich auch kein Problem, das denke ich, kann man auch gut "erklickern".

Aber Eben Punkt 1:
Der Hund ist unsicher, und meint, er muss in dieser Situation auf sein Rudel aufpassen, und alles, was Geräusch macht, profilaktisch vertreiben.
Der HF muss vermitteln: Danke für deinen Job, aber hier bin ich der Chef, das ist meine Aufgabe, aufs Rudel aufzupassen, und mich hier nichts beunruhigt, muss es dich auch nicht. Ich denke, dem Hund muss die Verantwortung genommen werden, indem man ihm ganz genaue Handlungsvorschriften gibt, und ihm wenig Freiraum für eigene Entscheidungen gibt.
Soll ich ihm nun das Bellen auf Befehl beibringen, um es dann auf Befehl abstellen zu können.
Soll ich Bellpausen beklickern.
Soll ich mit der Rütteldose arbeiten?

Vielleicht hast du eine Idee, verschiedene Wichtweisen sind immer interesssant.
Lg
Heidi

von Anila am 12. Januar 2010 01:44
Hallo Heidi (Selma),

ich schreibe mal deinen Nickname dazu, weil wir hier ja noch eine andere Heidi haben.

Zitat :
Punkt2 : Kürzere Leine (3m vielleicht), und entweder, sobald der Hund sich verspannt, Clickern (hier dient der Click nicht als Versprechen für eine folgende Bestätigung, sondern einerseits als eine kurze Ablenkung, andererseits als Entspannung), wenn er stehenbleibt, oder noch besser, den HF anschaut, bestätigen. Ziel wäre: Hund sieht Person, Hund wendet sich dem HF zu.

Schmeißt das nicht irgendwie die Bedeutung des Clickers durcheinander? Wenn „Click“ normalerweise sowas bedeutet, wie „Gut gemacht – wird gleich belohnt“, dann bekommt bei dir jetzt dasselbe Klick-Geräusch eine andere Bedeutung? Du nutzt es hier ja eher als Ablenkung. Aber wenn der Klick für den Hund halt bedeutet: „Gut gemacht – wird gleich belohnt“, dann würde er doch meinen, dass er es gut gemacht hat, wenn er sich verspannt? Wäre es da nicht vielleicht besser, ein „Schau“ mit supertollen Leckerchen aufzubauen? Und „Klick“ heißt dann nach wie vor: „Gut gemacht – wird gleich belohnt“, während „Schau“ eben ganz gezielt das Abwenden von dem, was er gerade im Visier hat, belohnt.

Vorpreschen lassen würde ich dem Aussie nicht erlauben. Neben „Schau“ würde ich auch „Fuß“ immer wieder üben. Also auch dann, wenn niemand, den man verbellen könnte, in der Nähe ist. Durian tendiert auch dazu, Leute anzubellen oder auch anzuknurren, die ihm nicht geheuer sind. Wenn ich Leute oder Hunde sehe, die „komisch“ sind, bekommt er sofort das Kommando „Fuß“, und dann entscheide ich, wann er wieder vorlaufen darf. Damit mache ich sehr gute Erfahrungen, so komme ich an allen komischen Menschen knurr- und bellfrei dran vorbei.

Zitat :
Punkt 1: Bellen in der Wohnung bei jedem kleinsten Gräusch

Aussies bellen ja mehr als Border Collies. Zwar sind es auch Hütehunde, aber sie hüten mit einer ganz anderen Technik, die halt mit Bellen zu tun hat. Von daher denke ich, dass man zumindest damit rechnen muss, dass ein Aussie mehr bellt als ein Border. Bei jedem kleinsten Geräusch… das ist natürlich etwas viel. Wird denn der Hund ordentlich ausgelastet? Auch geistig? (Das hast du vermutlich auch schon mal geschrieben, aber ich war gerade ein paar Tage nicht online und hab’s vergessen).

Könnte sein Bellen nicht auch eine Übersprunghandlung manchmal sein? Es sind ja recht unterschiedliche Situationen, die du aufzählst – und immer ist das Bellen im Spiel. Offenbar schon, wenn sich nur die Haustüre öffnet und vermutlich noch kein Nachbar vor der Tür steht, den man vertreiben könnte.

Zitat :
Soll ich ihm nun das Bellen auf Befehl beibringen, um es dann auf Befehl abstellen zu können.
Soll ich Bellpausen beklickern.
Soll ich mit der Rütteldose arbeiten?

Die ersten beiden Sachen würde ich machen. Dieser Aussie scheint sehr bellfreudig zu sein und vielleicht ist das Bellen für ihn auch ein Ventil. Da darf man dann nicht einfach „den Hahn abdrehen“, aber eine gute Alternative könnte gerade da sein, ihm noch 3 oder 4 Wuffs zu gönnen (sogar zu befehlen!), auf die er sich noch dazu konzentrieren muss und dann das Stillsein belohnen.

Das mit der Rütteldose höre ich immer wieder, aber hier handelt es sich ja noch um einen sehr geräuschempfindlichen Hund! Wenn dann vielleicht noch hinzukommt, dass bei dem Halter das Timing nicht optimal ist, dann würde ich die Rütteldose lieber bleiben lassen. Auch, wenn er unsicher ist. Dann lieber auf Alternativverhalten setzen, was toll belohnt wird.

Zitat :
Aber wirkt das "wauwauwau, verschwinde bloß" nicht selbstbestätigend?
Wenn er bellt, weil die Nachbarn verschwinden sollen und sie es dann auch tun: Ja.

Aber vielleicht will er sie gar nicht nur verscheuchen, sondern ist einfach zunächst aufgeregt, solange er sie noch nicht abschnüffeln konnte. Statt aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln, bellt er. Oder jedenfalls mag Aufregung halt auch eine Komponente sein

Bin sehr gespannt, wie Eure Erfolge sein werden.

Viele Grüße
Anila

von Selma am 15. Januar 2010 09:12
Hallo, Anila,
nur ganz kurz der neueste Stand:
HF hat jetzt ein Halsband aus Holland (er war dort auf Urlaub), das beim ersten Bell einen Ton von sich gibt (nur einen Ton, nix mit Sprühen, etc...) Hund war beim ersten Mal irritiert, hat aufgehört, und er hat ihn bestätigt, und er meint, das funktioniert so ganz gut.
Ich habe so meine Zweifel,aber vielleicht ist ja der Pfiff wirklich für den Hund das Signal, das ihn herausholt. Dennoch fürchte ich, es wird langfristig nichts bringen, die "Arbeit" an das Halsband abzugeben, weil er das Grundproblem nicht angeht. Aber ich wollte ihm nicht gleich wieder sagen das ist ein Schmarren. Was meinst du?
Heidi

von Anila am 16. Januar 2010 01:58
Hallo Heidi,

ich denke, so ein Halsband ist etwas ähnlich wie die Rütteldose. Wenn es den Hund nicht mehr verunsichert, finde ich es aber ganz brauchbar, solange der Halter wirklich im RICHTIGEN Moment den Ton auslöst und solange er im RICHTIGEN Moment bestätigt.

Kann er das?

Der Ton ist eigentlich nichts Anderes, als man vermutlich auch machen könnte durch ein Schnalzen mit der Zunge, ein Klatschen in die Hände, halt irgendein Geräusch, was ihn kurz unterbricht. Wenn das richtige Verhalten - das Stillsein - dann auch immer bestärkt wird, kann ich mir schon vorstellen, dass es was bringt.

Kann aber auch sein, dass der Hund sich bald an den Ton gewöhnt hat und sich dann nicht mehr dadurch unterbrechen lässt.

Ich denke wie du auch: Parallel dazu muss noch mehr passieren. Da muss der Hund eine klare Struktur haben und wissen, wo sein Platz ist, was von ihm erwartet wird und was nicht. Wird denn daran ebenfalls gearbeitet?

Zumindest scheinen die Halter doch aber auch bemüht zu sein und mitzuarbeiten, oder?

Wenn du Lust hast, erzähle doch auch mal von anderen Fällen und wie du die angegangen bist. Ich finde sowas immer total spannend zu lesen und man lernt ja nie aus.

Viele Grüße
Anila

von Selma am 17. Januar 2010 10:25
Hallo, Anila,
ja, das würde mich sehr freuen, wenn wir uns austauschen könnten.
Ich selber mache seit 8 Jahren Rettungshundearbeit und bin seit einem Jahr in der Ausbildung tätig, was ich sehr spannend finde, und mir Spaß macht, aber mich aus sehr in Anspruch nimmt, weil ich mich zuviel "verkopfe".

Der Halter ist wirklich sehr bemüht, und arbeitet gut mit mir zusammen. Ich bin auch gespannt, wie sich dieses Halsband entwickelt, und ja, an der Position den Hundes wird gearbeitet.
Das Ton wird durch den ersten Bell des Hundes von selbst ausgelöst. Ich habe ihn auf die GEfahr hingewiesen, dass der Hund beginnen könnte, das Halsband zu "kontrollieren", und zu bellen, um Bestätigung zu bekommen. Der HF weiß das also, und wie er dann darauf reagieren sollten.
Ich melde mich in ca. einer woche wieder, ich fahre mit der family auf Schiurluab.
Bis dann, also.
Lg
Heidi

von Anila am 17. Januar 2010 14:05
Hallo Heidi,

erstmal viel Spaß im Skiurlaub. Der Austausch wird allerdings eher einseitig sein, weil ich nicht soviel praktische Erfahrung vorweisen kann wie du. Ich habe mir irre viel angelesen und vor etwas über einem Jahr hatte unsere Tochter mir einen alten Labrador "organisiert", den ich mir einmal pro Woche ausleihe. Die Familie war vermutlich ganz froh, denn ich denke, der Hund wurde damals für die Kinder angeschafft und die sind nun alle erwachsen.

Der Labbi war sowas wie meine Laborratte. Alles, was ich gelesen hatte - auch Clickern und so - habe ich an dem ausprobiert.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr habe ich erst einen eigenen Hund, halt den Border Collie. Meine "Laborratte" kommt aber noch einmal pro Woche mit, nur trainieren tue ich mit dem nicht mehr, weil Durian sehr eifersüchtig ist.

Lesen tue ich nach wie vor viel, momentan gerade das Buch "Verhaltensfragen" von Jean Donaldson.

Da habe ich auch einen interessanten Ansatz zum Thema "Bellen abgewöhnen" gefunden, aber ich bin da sehr skeptisch:

Sie schreibt, man könnte auch zunächst das Bellen bestärken. Der Hund wird dann natürlich erst Recht bellen, das ist klar. Dafür wird er gelobt und bekommt ein Leckerli oder was ihm sonst so gefällt. Und irgendwann belohnt man ihn nicht mehr. Sie schreibt: Theoretisch müsste der Hund in den Streik treten und sein Verhalten, was jetzt nicht mehr belohnt wird, einstellen.

Würde mich sehr interessieren, ob das schon mal jemand ausprobiert hat? Zumindest bei Warnbellen glaube ich nicht, dass es funktionieren wird. Der Hund warnt ja nicht, weil er dafür belohnt wird, sondern, weil das in seinen Genen angelegt ist.

Auch wir Menschen schauen nach, wer vor der Tür ist, wenn wir mitbekommen, dass Fremde sich an der Tür zu schaffen machen. Und wir würden das mit und ohne Geld tun, um unserem Sicherheitsbedürfnis Genüge zu tun. Auch das Warnbellen hat mit einem Sicherheitsbedürfnis zu tun, deswegen halte ich diesen Ansatz für Quatsch.

Wenn ein Hund zum Warnbellen neigt, würde ich ihm das daher auch nicht abgewöhnen, aber in erwünschte Bahnen lenken. So mache ich das jedenfalls bei Durian, der - völlig borderuntypisch - ein exzellenter Wachhund ist.

Viele Grüße
Anila

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