Fährte ohne Leckerchen :: Clickertraining

Fährte ohne Leckerchen

von Liesel am 08. Dezember 2009 00:49
Zitat boxerchris:
Bei dem Kleinen klappt es ganz gut, aber der Große steht einfach nicht auf Leckerchen. Für Leckerchen tut er mal 2 Minuten was, und dann ist Schluss. Zuweilen verweigert er 48 Stunden jedes Futter, und lässt sich dann immer noch nicht mit Leckerchen motivieren. Dazu kommt, dass ich bei der Wahl der Belohnung auf zahlreiche Allergien Rücksicht nehmen muss.

Das sind gute Gründe, ich habe mich schon gewundert. Bei Allergien kann man ja gut und gern gekochte Puten- oder Hähnchenbrust verwenden, was ja selbst ein mäkliger Fresser gern mal nimmt, oder rohes Rind, falls das nicht eine der Allergieursachen ist (Beinscheiben sind ja nicht sooo teuer).

Ein schlechter Fresser ist natürlich in der Fährte sehr schwer auszubilden. Hunger ist der beste Fährtenlehrer, auch Wölfe begeben sich erst auf die Futtersuche, wenn der Magen leer ist.

Zitat boxerchris:
Das macht Sinn.
Das würde aber auch bedeuten, dass die Fährte immer selbstbestärkend sein muss, denn jede Belohnung würde ablenken. Da bleibt fast nur Futter....

Eine Fährte, an deren Ende das Triebziel zu finden ist, dürfte eigentlich selbstbestärkend genug sein, es sei denn, dein Hund hat einen absoluten Triebausfall. Es gibt ein Fährtenvideo von Kufner, in dem diese Art der Fährtenkonditionierung gut umrissen ist. Jemand hält den Hund fest, der Fährtenleger legt die Fährte rückwärts in mittelhohes Gras und motiviert den Hund durch Kreisen eines Schleuderballs. Am Ende der Fährte wird der Ball gut verdeckt ins Gras gelegt. Nach einer Wartezeit wird der Hund an den Ansatz geführt und dazu motiviert, der Spur zu folgen, seine Bestätigung ist der Ball.

Verweisen ohne Leckerchen ist da schon schwieriger, ein verfressener Hund tauscht ja gern diese nutzlosen Gegenstände gegen Leckerchen. Da würde ich eher dazu tendieren, das Verweisen als eigene Übung zu konditionieren, bevor es in die Fährte eingebaut wird.


Zitat boxerchris:
Verwende ich also bestimmte Gegenstände um das Ablegen vor dem Spieli zu üben? Oder bringe ich es unter Signalkontrolle, verwende auf der Fährte anfangs das Signal und schleiche es dann wieder aus?

Wie gut dass es verschiedene Spielzeuge gibt! Sein Apportel ist für das zügige Spiel, für die Konzentrationsübung "Verweisen" nimmst du andere Spielzeuge. Das Ablegen vor einem Gegenstand ist ja, unabhängig von der Fährtenarbeit betrachtet, eine Gehorsamsübung. Das erwählte Spieli wird also erst bei dir zu holen sein. Mach ihn wild drauf, aus dem Spiel heraus drückst du das Objekt der Begierde auf den Boden und sperrst es dabei mit der Hand, gibst Hörzeichen Platz. Gib die Sicht auf das Spieli langsam und spannend frei, und der Hund bleibt liegen bis du per Klick oder Freigabe-Hörzeichen dem Hund erlaubst, die Beute zu ergattern und sie dir zum Spiel anzubieten. Später dann baust du die Fährtengegenstände in das Spiel ein, die du auf Klick gegen das Spieli tauschst. Bevor du die Gegenstände in die Fährtenarbeit integrierst, sollte das Spiel so weit ausgebaut sein, dass der Hund zu den von dir willkürlich in die Umgebung geworfene Fährtengegenstände verweist, um sie nach dem Zufallsprinzip (also notfalls auch erst der 10. Gegenstand) gegen sein Spieli getauscht zu bekommen.

Während du parallel die Fährtenlänge und den Schwirigkeitsgrad des Verlaufs gesteigert hast, hat der Hund das Verweisen gelernt, du musst nur noch beides in Einklang bringen, bis der Hund als Triebziel die Gegenstände ansieht, die er nur auf der Fährte findet und die nach dem Überraschungsprinzip zu seinem höchsten Triebziel, dem Spieli führen. Also müssen beide Teilübungen bei der Fusion erst wieder einige Schritte zurückgeführt werden, von der kurzen Fährte mit 1 Gegenstand bis zur verwinkelten Herausforderung mit x Gegenständen.

Natürlich ist das schwieriger und langwieriger als einen Vielfraß auszubilden, aber bestimmt nicht unmöglich. Dein Hund hat unsagbares Glück, dass er in diesem Jahrtausend geboren ist und einen netten Menschen hat, der sich Gedanken um tiergerechte Ausbildung macht. Ich könnte ja mal aus dem Nähkästchen plaudern, wie man solchen Hunden noch in den späten 80ern und frühen 90ern zu Leibe gerückt ist. Euch würde schlecht werden!

LG, Liesel

von boxerchris am 08. Dezember 2009 11:44
Wow, Liesel, danke.
Das ist ja mal eine ausführliche Besprechung.... bin ich froh, dass ich alles Schritt für Schritt angehen und ausprobieren kann, bei der Fülle von Informationen die du gibst.

Zitat Liesel:

Eine Fährte, an deren Ende das Triebziel zu finden ist, dürfte eigentlich selbstbestärkend genug sein, es sei denn, dein Hund hat einen absoluten Triebausfall.

Triebausfall würde ich nicht vermuten, ich habe ihn schon auf einer Wildspur am Ackerrand beobachtet, da lief er perfekt in der Spur, Nase dicht am Boden wie in einem Lehrvideo- ganz toll. Aber ich habe noch nichts gefunden, was ihn auf von mir gelegte Spuren lockt und bei der Stange hält. Ich habe leckere kleine Rindfleischbuletten gedreht, er hat 3 oder 4 aufgenommen, dann interessierte ihn der Rest gar nicht mehr. Nun kann man Fährten nicht in absolut ablenkungsfreier Umgebung machen, und die Hoffnung in der Ferne andere Hunde oder interessante Düfte zu erspüren ist einfach größer als sein Fährtentrieb.
Wenn der Welpe nicht so klasse seine Fährten absuchen würde, ich würde denken ich mache alles falsch.

Mit dem Spielen könnte es klappen, er macht für sein Leben gern Zerrspiele. Ich habe das bisher nicht in Erwägung gezogen, weil Fährte ja eher Konzentrationsarbeit ist und nicht zu Zerrspielen passt.

Was du von veralteten Erziehungsmethoden erzählst.... ich kann es mir vorstellen. Da würde ich doch lieber auf das Fährten verzichten, als meinen Hund zu drangsalieren. Was soll der Ehrgeiz, wenn es dem Hund keinen Spaß macht?

Jetzt drucke ich mir deine Tipps erst einmal aus, und dann mache ich mir einen Trainingsplan.

Chris

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