Angst beim Tierarzt :: Clickertraining

Angst beim Tierarzt

von Marcel(YCH) am 10. Mai 2003 00:40

Hallo zusammen,

mein (erster) Hund Xisca (ca.7 Monate) hat sich letztens böse die Pfote geklemmt. Die Behandlung beim Tierarzt war schmerzhaft (sie hat gebissen). Seitdem war ich noch zweimal dort. Und jedesmal zeigte sie seitdem (nur) auf dem Behandlungstisch (aber sofort, ohne dass überhaupt schon etwas passiert ist) Angstsyndrome (eingeklemmter Schwanz, gesenkter Kopf usw.). Verständlich nach der schmerzhaften Erfahrung mit der Pfote (obwohl ich auch erstaunt bin, wie schnell sich das eingeprägt hat; aber wie gesagt, ich bin Hundeanfänger). Als Reaktion auf die Angst wurde Xisca von der Tierärztin, der Arzthelferin und mir getröstet (streicheln, beruhigend einreden).
Nun frage ich mich, ob das eigentlich richtig ist oder ob es nicht eher die Angst noch verstärkt. Wäre es nicht besser, wenn zumindest ich mich absolut neutral verhalte und gelegentlich C&B für das Durchhalten gebe, wobei Belohnung hier Leckerchen meint. Ich denke, die bessere Belohnung wäre hier, Xisca vom Behandlungstisch zu nehmen, aber das ist ja nicht praktikabel.
Was meint ihr dazu?

Marcel

von Marina(YCH) am 10. Mai 2003 09:05


Hallo Marcel,

Du hast das genau richtig erkannt, streicheln und "beruhigend" auf den Hund einreden ist im Grunde genau das falsche in dem Moment wenn der Hund sich so ängstlich verhält. Sowohl Du als auch die TÄ/ Helferin, solltet lieber ganz ruhig vor Euch hinarbeiten oder Euch entspannt "über den Kopf des Hundes hinweg" unterhalten, das wäre eine Maßnahme die Situation für den Hund weniger furchteinflößend und furchtbestärkend zu machen.

Wohnst Du in der Nähe der Tierarztpraxis? Wenn ja, dann könntest Du mit der TÄ vielleicht absprechen, daß Du ab jetzt mehrmals pro Woche einfach mal kurz vorbeikommst, Deine Hündin dort fütterst und von der TÄ und Helferin füttern läßt (wenn sie entspannt genug ist um dort zu fressen auf dem Behandlungstisch, sonst erstmal daneben und überall sonst in der Praxis) ohne daß zunächst irgendjemand sie auch nur festhält oder sonstwie einengt. Dann könnt Ihr Euch langsam zu "Behandlungssimulationen" vorarbeiten, die völlig schmerzlos sind und die Hündin für angsfreies Verhalten belohnen usw.

Wärend sie sich auf dem Behandlungstisch bei einer nötigen Behandlung so ängstlich verhält solltest Du nicht clicken, sie würde höchstwahrscheinlich auch das als Belohnung für die Angst empfinden, nicht fürs "Durchhalten" o.ä.. Solange sie sich innerhalb der Praxis völlig entspannt verhält kannst Du das ruhig mit C+B belohnen.

Ist ist leider ganz normal, daß ein negatives Erlebnis ausreicht um eine langandauernde Angst vor einer Situation entstehen zu lassen. Dieser Mechanismus ist in der Natur ja auch oft überlebenswichtig. Es ist aber durchaus möglich, an dieser Angst zu arbeiten, wenn Deine TÄ da mitmacht (sollte sie tun). Ob es zu schaffen ist, daß Deine Hündin auf dem Behandlungstisch jemals wieder so entspannt ist wie vor der schmerzhaften Behandlung ist zwar fraglich, die Angst etwas tzu reduzieren könnt Ihr aber bestimmt schaffen.

Viele Grüße, Marina.


von Maren(YCH) am 10. Mai 2003 11:41

Hallo zusammen, wir hatten neulich woanders mal eine Diskussion zum Thema Angst bei Feuerwerk. Dabei kam zur Sprache, dass Angst ja kein VERHALTEN ist sondern ein elementares GEFÜHL. Deshalb bin ich nicht sicher, ob man es wie ein Verhalten behandeln kann. Die vorgeschlagene Methode mit der Gewöhnung an den Tierarzt halte ich aber auch für gut.

Nur mal so in die Runde gefragt: Menschen, die Angst vor etwas haben, lassen die sich durch Belohnung davon abbringen? Beim Clickern kann man sonst ja auch gut am Menschen testen ob die Methode klappt, also wie ist es hiermit?

von Marcel(YCH) am 10. Mai 2003 23:44

Hallo Marina,

vielen Dank für deine Tipps.

: Wärend sie sich auf dem Behandlungstisch bei einer nötigen Behandlung so ängstlich verhält solltest Du nicht clicken, sie würde höchstwahrscheinlich auch das als Belohnung für die Angst empfinden, nicht fürs "Durchhalten" o.ä..

Das ist für mich eine wichtige Erkenntnis: es wird die Angst belohnt. Ich habe durch Beobachten irgendwie gefühlt, dass wir etwas verkehrt machen. Jetzt verstehe ich es.

Ich werde mal mit meiner TÄ sprechen, ob sie bereit ist, uns in deinem Sinn zu unterstützen.

: Ist ist leider ganz normal, daß ein negatives Erlebnis ausreicht um eine langandauernde Angst vor einer Situation entstehen zu lassen.

Da hoffe ich inständig, dass die nächsten Tierarztbesuche schmerzfrei und harmlos ablaufen werden!

Marcel

von Marcel(YCH) am 11. Mai 2003 00:55

Hallo Maren,

: Nur mal so in die Runde gefragt: Menschen, die Angst vor etwas haben, :lassen die sich durch Belohnung davon abbringen? Beim Clickern kann man :sonst ja auch gut am Menschen testen ob die Methode klappt, also wie ist es hiermit?

Meiner Meinung nach gibt es irrationale und rationale Ängste. Irrationale Ängste sind solche, die keine Begründung in der Umwelt haben, sondern in einem selbst existieren. Z.B. die Spinnenphobie. Die Spinnen tun uns (in der Regel) gar nichts, die Angst vor ihnen entsteht aus einer inneren Vorstellung heraus. Solche Ängste (die GEFÜHLE sind), lassen sich durchaus DURCH(!) VERHALTEN therarphieren. Stichwort Densensibilisierung. BELOHNUNG ist dabei nicht unwichtig. Meine bescheidene Erfahrung mit Hunden lässt mich allerdings glauben, dass irrationale Ängste bei Hunden (z.B. Angst vor wehenden Flaggen; wobei sich die Frage stellt, ob die Angst aus Hundesicht auch irrational ist oder er doch eine reale Umweltbedrohung empfindet) wesentlich schwieriger zu beseitigen sein können.

Rationale Ängste sind umwelt- oder erfahrungsbedingt. Wenn ich (Hund) schmerzhafte Erfahrungen beim Zahnarzt (Tierarzt) gemacht habe, gehe ich bestimmt nicht wieder gerne hin, auch wenn dreimal danach gar nichts passiert ist. Ich glaube, auch hier kann Belohnung helfen (z.B. bei Kindern: wenn du das durchstehst, bekommst du danach ein Eis), wenn die Angst auch nicht unbedingt beseitigt wird. Genau so verstehe ich Marinas letzten Satz: "Ob es zu schaffen ist, daß Deine Hündin auf dem Behandlungstisch jemals wieder so entspannt ist wie vor der schmerzhaften Behandlung ist zwar fraglich, die Angst etwas tzu reduzieren könnt Ihr aber bestimmt schaffen."

Marcel

von Roland(YCH) am 19. Mai 2003 11:36

Das gleiche Problem hab ich auch. Mein Border geht seit der Pfotenbehandlung nur sehr widerwillig zum Tierarzt. Und morgen steht doch schon wieder ein Besuch an (Sie wird zum Es :-))) Das kann wieder heiter werden.

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