Unsicherheit vorhanden - Mut fehlt :: Clickertraining

Unsicherheit vorhanden - Mut fehlt

von Jo C.(YCH) am 17. Juni 2003 10:26

Hallo liebe Clcker-Gemeinschaft.

Ich habe mittlerweile ein Buch von Martin Pietralla, zwei Bücher von Birgit Laser und das neue Buch von Karen Pryor zum Thema Clickertraining gelesen. Das Clickertraining reizt mich sehr, dennoch bleiben bei mir noch einige Fragen offen, auf die ich hoffe hier eine Antwort zu erhalten, um meine Unsicherheit zu mindern und meinen Mut auf einen Clicker-Einstieg zu vergrößern.

Zum Hintergrund: Ich bin selbst als Ausbilder tätig (habe jedoch noch nicht mit Clicker gearbeitet) und führe einen 4,5 Jahre alten Labrador Retriever. Dieser hat bereits mehrere Male sehr erfolgreich die BH abgelegt und ist fertig ausgebildeter Rettungshund für Fläche und Trümmer in der höchsten Stufe. Seine Prüfung muss er jährlich wiederholen, was ein ständiges trainieren erfordert.

Darüber hinaus arbeite ich mit ihm ein wenig zur Entspannung im Bereich Dummy-Training, ohne dass ich dies mit dem Ziel einer Prüfung verfolge. Aber dennoch üben wir auch dies regelmäßig.

Nun gibt es immer wieder Dinge, die sich durchaus verbessern lassen würden. Besonders sind dies Verhaltensweisen auf Distanz. Da würde sich der Clicker ja nahezu anbieten. Da mir die Vorgehensweise beim Clickertraing sowieso zusagt, würde ich gern mit dem Clickertraining beginnen. Zudem möchte ich mir demnächst einen zweiten Labrador zulegen und diesen dann mit dem Clicker ausbilden. Dazu möchte ich bereits jetzt erste Erfahrungen sammeln. Nun zu meinen Unsicherheiten.

Um mit meinem Hund jedes Jahr aufs neue die Rettungshundeprüfung erfolgreich ablegen zu können, muss ich ich ständig sehr verschiedene Dinge in verschiedenen Sparten (Fläche/Trümmer) üben. Wenn ich nun mit dem Clickertraining beginne, sollte ich zu Beginn erst einmal andere Dinge üben, um mit dem Clickern vertraut zu werden. Kann ich dennoch zunächst parallel nach der bisherigen Methode in der Rettungshundearbeit weiterarbeiten? Wenn wir uns dann ans clickern gewöhnt haben, kann dann die alte und neue Methode nebeneinander praktiziert werden? Das Problem jetzt ist, das mein Hund nichts neues mehr zu lernen braucht, vielmehr sollen bereits erlernte Verhaltensweisen verbessert werden, z.B. schnelleres Setzen nach dem Kommando "Sitz", schnellere Richtungsänderung auf Kommando "Rüber", größeren Abstand zum gefundenen Opfer einhalten etc.
Ist das jetzt noch mit Clickertraining möglich oder muss die Verhaltensweise ganz neu mittels Clicker aufgebaut werden?

Für Eure hilfreichen Antworten wäre ich dankbar.

Ciao

Jo


von Marina(YCH) am 17. Juni 2003 11:26

Hallo Jo,

Es ist zwar durchaus oft so, daß Hunde, die schon einige Jahre "herkömmlich" ausgebildet wurden sich anfangs etwas schwerer tun beim Clickertraining wirklich kreativ zu werden und aktiv Verhaltensweisen von sich aus anzubieten und auszuprobieren, das ist aber kein echter Hinderungsgrund parallel zur "normalen" Ausbildung einfach mal mit dem Clickern anzufangen.

Es ist überhaupt kein Problem, am Anfang erstmal nur bestimmte Dinge zu clickern und denn Rest erstmal so weiterzumachen wie bisher (Du hörst Dich ja auch nich so an, als würdest Du sonst viel über starken Zwang und Meideverhalten arbeiten), die Hunde sind dadurch in aller regel weit weniger verwirrt als wir Menschen befürchten (mir ging es da anfangs ähnlich).
Das Clickern ist für den Hund ja zunächst einfach eine neue Erfahrung, ein neues "Lernerlebnis" es ist nicht unbedingt nötig, daß Du das Prinzip des Clickern gleich auf einen Schlag auf Deine gesamte Ausbildung überträgst, denn das ist bei einem eigentlich schon gut augebildeten Hund etwas schwer durchführbar, das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Ich würde für den Anfang einfach ein paar kleinere Kunststückchen übers Clickertraining beibringen, die Du im täglichen Leben nicht unbedingt brauchst, um das richtige Gefühl dafür zu entwickeln (richtiges Timing etc.) ohne, daß kleine Anfangsfehler sich gleich auf wichtege Dinge auswirken.

Dabei brauchst Du Dir wirklich keine Sorgen machen, daß das den Hund verwirrt und es sich irgendwie negativ auf die "normale" Arbeit auswirkt. Der Hund wird genau unterscheiden können zwischen einer Clickersitzung und der Arbeit wie er sie schon seit Jahren kennt. Auf so ein paar Anfangsübungen kannst Du Dich also wirklich völlig unbefangen stürzen, ohne Dir zu viele Gedanken zu machen.

Ich persönlich habe dann so nach und nach meine "ernsthafte" Arbeit mit dem Hund aufs Clickertraining umgestellt, niocht auf einen Schlag, eben weil ich sonst doch eine gewisse Umstellungspause gebraucht hätte.
Zunächst habe ich alles was ich ohnehin neu aufbauen wollte mit dem Clicker gemacht und Übungen, die ich erst seit kurzem angefangen hatte aufs Clickertraining umgestellt, indem ich eich einfach wieder einige Schritte zurück gegangen bin und auch einiges nochmal ganz neu aufgebaut habe.

Bei Übungen, die eigentlich schon sehr sicher klappten, nur eben nicht schnell genug oder so bin ich unterschiedlich vorgegegangen. Bei einigen Dingen hat es ganz gut geklappt, die alten Kommandos beizubehalten und eben einfach immer nur die etwas bessere/ schnellere Ausführung anzuclicken (z.B.bei Platz aus der Bewegung hat das ganz gut funktioniert). Anderes , besonders etwas komplexere Sachen, die eine Vehaltenskette erfordern habe ich ganz neu aufgebaut (z.B. herankommen mit Vorsitzen, habe ich ganz neu als echte Verhaltenskette über reines Shaping von hinten her aufgebaut und dann auch mit einem neuen Kommando verknüpft).

Bei einigen Dingen aber wie gesagt, habe ich einfach wie zuvor weitergearbeitet und eben einfach besonders gute Ausführungen beclickt, das entspricht zwar nicht wirklich dem Prinzip des operanten Konditionierens, hat mit einem echten freien Shaping auch nicht wirklich was zu tun, bei einem von Anfang an geclickerten Hund würde ich das auch nicht tun; verwirrt hat es den Hund aber nicht. Er wurde trotzdem beim "echten" Shaping zunehmend krativer und schneller und es hat uns beim Aufbau von neuen Sachen rein über den Clicker nicht behindert.

Im Grunde ist Clickertraining ja nicht anderes, als konsequente Arbeit über positive Bestärkung unter zu Hilfe Nahme eines kleinen Plastikkästchens, das ein wesentlich besseres Timing ermöglichst ;-), also einfach angewandte Lerntheorie mit einem kleinen Hilfsmittel.

Ich würde mir also da nicht zu viele Sorgen machen, sondern einfach anfangen mit ein paar Spaßübungen, bei denen sowieso nichts schief gehen kann, der Rest ergibt sich dann fast von allein, besonders weil Du ja einige Vorbildung hast.

Viel Spaß und viele Grüße, Marina.

von Jo C.(YCH) am 17. Juni 2003 12:36

Hallo Marina!

Herzlichen Dank für Deine umfassende Antwort. Ich hatte sowieso vor, zunächst einige Spaßübungen zu clickern. Aber, nach einiger Zeit möchte ich den Clicker dann auch gerne für "ernsthafte" Verhaltensweisen in der Rettungshundeausbildung nutzen. Du scheinst ja durchaus positive Erfahrungen beim Umstieg gemacht zu haben!? Grundsätzlich habe ich keine Angst meinen Hund zu verwirren, vielmehr weiß ich nicht, wie ich später bereits mit der "herkömmlichen" Methode erlernte Verhaltensweisen dann mit Clicker kombinieren soll, ohne dass ich eine Umstellungs-Auszeit nehmen muss. Schließlich soll mein Hund ständig in Ausbildung bleiben, da er zum Katastrophenschutz gehört und er hat jedes Jahr aufs Neue die Prüfung abzulegen. Du hast mir aber schon gute Anregungen und Informationen gegeben.

Danke,

Jo


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