Rege mich auf! :: Hundezucht & Hundeaufzucht

Rege mich auf!

von Snake am 28. November 2009 20:00
Tja - wer mit Tieren Geld verdienen will darf sie nicht mögen. Kleine Züchter die ihre Tiere wirklich lieben und auf sie achten haben Kapazitätsgrenzen die sie auch nicht überschreiten. Das gilt übrigens für alle Tierarten - ich züchte Geflügel und Pferde. Heute waren wir erst stundenlang unterwegs um für einen Ganter dessen Frau gestorben war eine Ersatzdame zu finden weil er vor lauter Trauer nichts mehr gefressen hat. Wir haben eine gefunden die in den Kochtopf sollte aber perfekt zu ihm passt - die beiden scheinen sich auch ganz nett zu finden. Im Nachbarort hab ich einen Freund der ab und zu mal einen Wurf Welpen hat - zwar reinrassige Bordercollies, aber ohne Papiere. Sie können zwar nicht ins Haus und sind fast klassische Bauernhunde aber sie haben es trotzdem gut. Sie sehen immer sehr gepflegt aus und dürfen überall hin mit - sie sind menschenbezogen und freundlich und auch die Babies sind nie scheu oder ängstlich. Die Tiere werden alle ordentlich geimpft und entwurmt und dann gegen geringe Gebühr (ich hab gesagt: nimm etwas mehr wie ein Labor dafür zahlen würde - dann landen sie auch nicht dort - bei uns fahren immer mal Tierhändler rum - fürchterlich) und es wird sich viel drum gekümmert. Da gibt es meist nur alle 2 Jahre mal einen Wurf - das ist meist auch eher eine Entscheidung der Hündin die wieder mal ausbüchst (wenn sie heiss ist wird sie vorrübergehend eingesperrt und darf nur unter Aufsicht raus) und zu ihrem alten Freund rennt.
Der Tierschutz schaut da wo es nicht nötig ist und verurteilt die welche alte oder kranke Tiere aufnehmen und dort wo reihenweise Tiere wegen Vernachlässigung sterben wird nichts unternommen - zumindest ist das hier in der Gegend oft der Fall - da wird der Nachbar angemacht weil seine alte Katze angeblich todkrank und gequält ist (gut, sie sieht nicht mehr schön aus, aber sie frisst und wir werden im Alter auch nicht hübscher) und 2 Orte weiter sterben über 30 Tiere weil der Besitzer mit dem ich wegen fehlendem Wasser auf seiner Koppel selbst mal Krach hatte (seine Rinder waren ausgebrochen, in meine Koppel eingebrochen und haben meine Rösser rausgelassen und mein Wasserfass leergesoffen - das Problem was nicht das bißchen Wasser sondern meine Rösser auf der Bundesstrasse) weil da ja alles OK ist.
Das muss ich nicht verstehen - oder?

von Liesel am 28. November 2009 22:47
Hallo Ihr Lieben!

Nun habe ich Zeit für Nestbeschmutzung nerdy

Die beschriebenen Zustände in DSH-Zuchten sind traurige Realität im SV. Teilweise gehen Züchter aus beiden Lagern diesen Weg, nachdem sie sich irgendwann mal einen Namen durch qualitativ hochwertige Zucht gemacht haben.

Die Zuchtordnung sieht vor, dass in einer Zuchtstätte 10 Würfe pro Jahr fallen dürfen, pro Hündin 2 pro Jahr bei Wurfstärken bis 8 Welpen. Theoretisch ist es sinnlos, 20 Zuchthündinnen zu halten, praktisch sieht es so aus, dass bei solchen Züchtern mehrere ähnlich klingende Zwingernamen angemeldet sind. Ich darf hier nicht outen, deshalb anonymisiere ich mal: Zwinger von Musterhöhe (Gattin), Musterblick (Züchter), Haus Musterblick (Sohn des Züchters) und schon darf man 30 Würfe pro Jahr ziehen (Insider erkennen bereits, wer gemeint sein könnte. Natürlich geht auch von Muster, von Team Muster, vom Kap Muster. Irgendwie muss ein gemeinsamer Nenner zu finden sein, damit die Käufer mit dem Ursprungsnamen assoziieren können.

Die Zuchtpolitik sieht bei sehr vielen, auch oder gerade bei kleinen Hobbyzüchtern, so aus, dass die Hündinnen mit 4-6 Jahren nach 2-8 Würfen verkauft werden, dann kann ein Zuchteinsteiger damit noch Würfe machen, ohne die Vorarbeit (Prüfung, Schau, Körung) zu leisten, und richtig Geld bringen die auch noch. Deckrüden kann man bis ans Lebensende einsetzen, sind die gut im Deckgeschäft, bleiben sie und wenn nicht: die Asiaten und Amerikaner sind immer auf der Suche nach Deckrüden zur Verbreiterung ihrer Blutbasis. Das Geschäft mit Zuchthunden blüht, besonders bei der Hochtzucht (das sind die Kommissar-Rex-Modelle, auch erhältlich als Fließheck).

Das ist keine Hundehaltung mit Herz, das ist knallhartes Geschäft. Getragen wird es von denen, die ihre Hunde nach Namen, Titeln, Aussehen oder aus Mitleid kaufen. Bei mir seht ihr das schicke Wohnzimmer, die beiden gepflegten Hündinnen, sogar einen gepflegten Rüden dazu und wenn ihr hinter die Kulissen schaut, sehr ihr einen recht ungepflegten Garten dazu, denn der ist den Dreien nicht gewachsen. Und alle paar Jahre seht ihr bei mir auch mal Welpis, wenn ihr schnell sein, denn die sind rasch auch wieder fort. Wer immer Welpen und auch ältere Hunde abzugeben hat, züchtet auf Kommerz.

Klar, wenn ich den Platz hätte, würde ich auch mal 2 Hündinnen behalten, bis sie 1 Jahr sind, und mich dann entscheiden, mit welcher ich weiterzüchten möchte, und dann die andere verkaufen (oder verschenken, wenn sie zuchtausschließende Mängel hat). Daran ist nichts Schlechtes. Nur ein Hund, der mit mir als Partner Sport getrieben hat bzw. Welpen für mich gezeugt oder geboren hat, der bleibt. Genau genommen, ist jeder Hund geblieben, für den ich mich entschieden habe. Aber so bin nun mal ich und andere sind anders und sehen ihre Bindung zu den Hunden nicht so emotional wie ich.

Wir müssen wohl mit dieser Tatsache leben. Mir bleibt nichts als solchen Züchtern keine Käufer zu vermitteln (als Zuchtwart vermittle ich ja auch), mich mit Terminschwierigkeiten aus Wurfabnahmen bei solchen Züchtern rauszureden (verhindern kann ich die Wurfabnahmen nämlich nicht, weil die nicht gegen die Zuchtordnung verstoßen) und meine Zucht so zu praktizieren, dass ich mein Spiegelbild ertrage.

Der Rest liegt an euch, den Interessenten.

LG, Liesel

von Liesel am 28. November 2009 22:53
Klar, wenn ich den Platz hätte, würde ich auch mal 2 Hündinnen behalten, bis sie 1 Jahr sind, und mich dann entscheiden, mit welcher ich weiterzüchten möchte, und dann die andere verkaufen (oder verschenken, wenn sie zuchtausschließende Mängel hat).

Könnt ihr eigentlich gleich wieder vergessen. Wenn ich mich für die eine entscheide, habe ich sofort schlechtes Gewissen, dass ich sie der anderen vorziehe und würde die genauso behalten, ich emotionaler Trottel. Darauf hat mich soeben mein Sohn aufmerksam gemacht, der mich damit aufzieht, meine Hunde als seine Geschwister zu bezeichnen und die Welpis als Nichten und Neffen the finger smiley

LG, Liesel

von Anila am 28. November 2009 23:39
Hallo Liesel,

das sind schon traurige Zustände. Was würdest du denn Leuten raten, wie sie vorgehen sollten, wenn sie sich einen gut sozialisierten Welpen anschaffen wollen?

Nicht, dass ich das jetzt vor hätte. Aber als ich mich überhaupt noch so orientiert hatte und noch nicht wußte, ob nun Welpe oder Second-Hand-Hund, da hätte ich mich im Falle eins Welpens für einen Züchter entschieden, der im Verband züchtet. Der hauptsächliche Grund: In der Hoffnung, dass bei der Zucht auf die Gesundheit der Tiere geachtet wird. Was du schreibst, klingt ganz schön ernüchternd - aber aus allen Bereichen können Insider vermutlich Ernüchterndes berichten. Wenn ich aus dem Bereich berichten würde, den ich gut kenne...... (der hat aber nichts mit Tieren zu tun).

Viele Grüße
Anila

von blodwyn am 29. November 2009 00:00
Hallo Liesel,

Hut ab vor Deinen offenen, kritischen Worte! Ich bin froh, dass es wenigstens noch ein paar Züchter wie Dich (hoffe, Du bist kein Einzelfall!) gibt, die mit Herz und nicht nur Kommerz bei der Sache sind.
Ich kenne die Reglements nicht (will ich auch gar nicht so genau), aber als ich gerade las, dass die legal zwei Würfe pro Jahr machen dürfen pro Hündin, dachte ich: Ist das nicht schon totaler Mißbrauch des Hundes??? Ich weiß, dass unsere Dackelmixhündin schwanger war (niemand hat es gewußt), als wir sie vom Tierschutz bekamen. Sie kriegte "nur" vier Welpen, aber war fix und alle hinterher und irgendwann auch völlig ausgemergelt und entnervt von den Kleinen Milchsaugern mit ihren spitzen Zähnen.....Frage mit der Bitte um ganz ehrliche Antwort: Ist es für eine Hündin Deiner Ansicht nach gut/erträglich (angenehm wäre wohl das falsche Wort) zwei mal im Jahr zu werfen und das über Jahre hinweg? Oder ist es Quälerei und Vergewaltigung?
Solche Fragen muß man sich schon stellen, wenn man ohne kommerzielle Hintergedanken einfach nur nen guten Welpen (gesund und gut sozialisiert) haben möchte.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, beim Züchter zu kaufen. Mir kommt nur ein Notfall- bzw. Second-Hand-Hund ins Haus. Aber würde mich schon interessieren, wie Du es siehst (wobei Du ja indirekt mit der Aussage, dass ihr seltener Würfe habt, schon Deine Ansicht kundgetan hast).
Ist das alles furchtbar!
Die Tiere tun mir total leid.
Allerdings gibt es nicht nur bei Züchtern, sondern auch im Tierschutz den Kommerz, das Welpengeschäft und schlimme Zustände - das muß der Ehrlichkeit halber auch gesagt werden.
Den Begriff "Fließheck" finde ich sehr passend!
Sind die eigentlich mittlerweile davon weg? Oder ist das immer noch der Schönheitsstandard?

Danke im Voraus für Deine sicherlich aufschlußreichen Antworten,

Sabine

P.S: Ich weiß hier von einer 11-jährigen Schäferhündin, die ihr Herrchen im Frühjahr verloren hat und nun nur notdürftig versorgt einsam draußen im Garten lebt (Haus wird aber verkauft von den Erben, den Hund können die nicht gebrauchen). Hat irgend jemand von Euch eine Idee, wer so einen Hund nehmen würde? Sie tut mir so leid! Kenne sie nicht und habe sie noch nicht angeschaut, aber würde ihr so gerne helfen (nur bin ich nicht sicher, ob es gut wäre, wenn ich selbst sie nehme aus versch. Gründen). Wäre für jeden Tipp dankbar. Denn es ist Winter und der Hund leidet mit SIcherheit.

von Tara am 29. November 2009 01:58
Zitat straalster:
Mit fiel gerade was ein, man könnte Warnungen rausgeben über solche Züchter. Rausfinden auf welchen Kanälen sie ihre Welpen/Hunde vermitteln und dann da eben die Interessenten warnen. Allerdings weiß man auch nicht was man damit anrichten könnte und ich kenn die rechtliche Grundlage dazu nicht. Wenn diese fragwürdigen Halter ihre Hunde dann so nicht mehr loswerden würden vermutlich die Zahlen ausgesetzter Hunde und getöteter stark ansteigen. Und das ist ja auch nicht das was man damit erreichen will.

abgesehen von dem fragwürdigen Ausgang der Initative - den Du schon erkannt hast...........
wäre das Verleumndung.........für so was brauchst Du hieb- und stichfeste Beweise ..........
und wenn diese Praktiken erlaubt sind..........sagen dann alle nur: "na und?"

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