Private Staffeln :: Rettungshunde

Private Staffeln

von Marion(YCH) am 04. Februar 2002 22:41

Hallo!

Was haltet ihr von privaten Staffeln?

Wir in den Organisationen machen die vorgeschriebenen Prüfungen und Lehrgänge. Uns ist es ganz eindeutig vorgeschrieben was man darf und was man nicht darf.
Private Staffeln dagegen kontrolliert niemand. Sie halten sich an keine Gebietsgrenzen und haben nicht einmal richtig geprüften Hunde. In den letzten Jahren gibt es immer mehr von diesen Staffeln.

Was kann man dagegen machen? Wie geht ihr gegen private Staffeln vor die in eurem Gebiet unberechtigte Einsätze machen? Wie kann man den Dienststellen am geschicktesten klar machen, daß die Privaten keinesfalls seriös sind und nur die Organisationen zuständig sind?

Freue mich über eure Antworten

Liebe Grüße
Marion

von Daniela(YCH) am 04. Februar 2002 23:46

Hallo Marion!
Ich schätze, daß Du hier eine gewaltige Diskussion auslösen wirst.

Ich bin selbst überzeugtes HiO-Mitglied, aber ich kenne auch private Staffeln, die hervorragende Arbeit leisten und von uns (und umgekehrt) gerne nachalarmiert werden. Ich weiß, daß das in anderen Gegenden auch ganz anders läuft, aber man kann das wirklich nicht verallgemeinern.

Was das "Wildern in fremden Revieren" angeht: Dieser ganze z.T. öffentlich ausgetragene Konkurrenzkampf hängt auch den Verantwortlichen der Polizei und Feuerwehr ziemlich zum Hals raus, die haben da gar kein Verständnis für. Bevor sie sich da einen Kleinkrieg aufhalsen (RHS sind nun mal nicht der Nabel der Welt), alarmieren die lieber gar keine Staffeln!

Diese Stellen erwarten von uns eine Zusammenarbeit, d.h. man muß sich mit den Nachbarstaffeln halt an einen Tisch setzen und die Zuständigkeiten und Nachalarmierungswege ausklamüseln.

Ich möchte nie im Einsatz allein auf weiter Flur stehen müssen und keine "Kavallerie" mehr zur Verstärkung nachordern können! Einsätze können verdammt lang sein und riesige Gebiete umfassen. Da ist eine einzelne Staffel mit Platzhirsch-Mentalität schnell aufgeschmissen....

Unfähige Staffeln (ob privat oder nicht) machen sich ganz schnell ihren Ruf selbst kaputt, man muß nur darauf achten, daß das nicht auf alle anderen Staffeln zurückfällt. Im Zweifel kann man ja eine gemeinsame Übung anberaumen, wo Sachverständige der Polizei und der Feuerwehren anwesend sind. Die sind ja auch nicht blind...

LG
Daniela

von Kaya(YCH) am 05. Februar 2002 01:24

Hallo Marion!

Auch von mir erst mal: Ich bin ebenfalls HiO-Staffel-Mitglied, und wenn ich die Wahl hätte, würde ich wohl auch immer eine solche bevorzugen. Trotzdem:

: Was haltet ihr von privaten Staffeln?

Erst einmal genau das Gleiche wie von Verbandsstaffeln: Ich finde es gut, wenn Menschen ihre Freizeit dafür opfern, anderen Menschen helfen zu wollen. "Private" - eigentlich ein falscher Begriff, besser gefällt mir "Freie" - Staffeln haben es da wohl eher noch schwerer, weil sie nicht von Verbänden finanziell und mit Ausrüstung unterstützt werden und auch nicht von vornherein schon ein Plus haben, was den Ruf angeht, wie zum Beispiel eine DRK- oder THW-Staffel, die für Außenstehende schon als Institution gilt, bevor sie überhaupt etwas getan hat.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich selbst eine Staffel einer anerkannten Organisation bevorzugen würde - es macht das Leben leichter, man kommt ohne größere Probleme an Alarmierungen und bei größeren Sachen gibt es schon entsprechende Strukturen, auf die man zurückgreifen kann.

: Wir in den Organisationen machen die vorgeschriebenen Prüfungen und Lehrgänge.

Oh, wenn das so einfach wäre. Lies mal die Prüfungsordnung der (Freien) Suchhundestaffel Freiburg - ich glaube kaum, daß es eine härtere Prüfung in Deutschland gibt. Und bevor jetzt einer sagt, da würde ja keiner kontrollieren und so - mag sein, aber wenn ich richtig informiert bin, haben sie keine Probleme mit Zuschauern, es ist also jedem unbenommen, sich ein eigenes Bild zu machen.

Im Gegensatz dazu gibt es genug Organisationsprüfungen, bei denen Zuschauer nicht erlaubt sind - das ist für mich immer ein Zeichen, daß man sich entweder vor Vergleichen scheut oder gemauschelt wird. Und es prüfen auch bei Organisationen die Prüfer Leute aus der eigenen Staffel - klasse! Prüfungen finden auf dem eigenen Gelände statt - sehr lebensecht! Oder man fährt vor der Prüfung eine Woche zum Üben ins Prüfungsgelände! Oder man besteht auf eigenen Opfern! Oder bekommt Lehrgänge bestätigt, bei denen man nicht war (und das habe ich alles persönlich erlebt)!

Abgesehen davon ist Papier ziemlich geduldig - ich kann mich auf Anhieb an mindestens fünf Trümmerprüfungen erinnern, bei denen das Gelände nicht mal annäherungsweise auch nur halb so groß war, wie es laut PO eigentlich sein sollte. Das gleiche gilt für andere Vorschriften - wer da denkt, alleine mit einer ordentlichen PO würde eine ordentliche Staffel sichergestellt, der ist bestenfalls ziemlich naiv.

: Uns ist es ganz eindeutig vorgeschrieben was man darf und was man nicht darf.

Jau. Nur - ob die Vorschriften alle sinnvoll sind, ist so eine Sache. Es soll Organisationen geben, die ihren Staffeln untersagen, verbandsfremde Staffeln nachzualarmieren. Das ist für mich der Gipfel der Perversität in der RH-Arbeit. Dafür fällt mir nur ein Begriff ein: Unterlassene Hilfeleistung, und die ist bekanntlich strafbar!

Und im Übrigen ist es da genau wie oben: Ob sich die Staffel dann an die Vorschriften hält, das ist eine ganz andere Sache. Da werden Hunde mit Trümmerprüfung in Flächeneinsätze geschickt, man trainiert ohne Erlaubnis auf Privatgelände anderer etc. Eine Staffel verhält sich nicht korrekt, weil sie dieser oder jener Organisation angehört oder nicht angehört, sondern, weil die entspechenden Leute das Sagen haben - und da gibt es auch bei "offiziellen" Staffeln Leute, die besser gestern als heute entfernt werden sollten.

: Private Staffeln dagegen kontrolliert niemand. Sie halten sich an keine Gebietsgrenzen und haben nicht einmal richtig geprüften Hunde.

Kontrolliert keiner ist richtig. Aber ich glaube auch nicht, daß eine DRK-, THW- oder Sonstwie-Staffel, die es darauf anlegt, von Leuten außerhalb der Organisation kontrolliert wird. Und wie geht das Sprichwort mit den Krähen?

Zu den Gebietsgrenzen: Kunststück, wenn die Organisationsstaffeln die Gebiete aufteilen, ohne die Freien zu berücksichtigen - wie bitte sollen die dann überhaupt in Einsätze, ohne gegen diese "Grenzen" zu verstoßen?

Im Übrigen bin ich bei diesem Thema der gleichen Meinung wie Daniela: Platzhirsche sind meiner Meinung nach das Letzte, was die RH-Arbeit braucht. Die nächstgelegene Staffel mit geprüften, guten Hunden muß alarmiert werden, und nachalarmiert werden sollte auch nach Nähe und nach keinem anderen Kriterium. Und die Qualität müßte eigentlich die Polizei überprüfen, weil die ja meistens die Oberleitung hat. Einsatztest einmal im Jahr mit allen Staffeln - wer nicht kommt, fliegt (spätestens im zweiten Jahr) aus dem Alarmierungsplan. Wer nur mit heißer Luft kocht, fällt da schon auf, keine Bange.

Bei regionalen Trümmereinsätzen kann das vielleicht anders sein - auf einem Haus können naturgemäß nicht fünf Staffeln gleichzeitig suchen. Aber da ist es Aufgabe der Polizei, Unbefugte (Passanten wie RH-ler) abzuhalten.

Für absolut kurzsichtig halte ich Aussagen von RH-lern, die zum Beispiel bei Auslandseinsätzen anderen Staffeln - auch denen von Hilfsorganisationen - generell die Einsatzbefähigung absprechen, weil diese keine Bergetrupps dabeihaben. Okay, es ist ganz nett, wenn man den Gefundenen selbst rausholen kann - aber dann braucht man auch die San-Leute anderer Organisationen oder die vor Ort. Ist es besser, die Leute erst gar nicht zu suchen, nur weil man keinen Sani oder Bergemensch im Hintergrund hat? Das Optimum wäre eine bundesweite, organisationsunabhängige(!) Zusammenstellung von Fachleuten aller Couleur nach dem schweizer Vorbild, aber solange wir so etwas nicht haben, muß eben jeder seinen Teil beitragen.

Ich habe schon erlebt, daß die Leitstelle (in DRK-Besetzung) Alarmierungen verschleppt oder "vergessen" hat, weil die zu alarmierende Staffel bei den Krankentransporten als direkte Konkurrenz gesehen wird. Die entsprechende DRK-Staffel wird sich sicher nicht über zu wenig Einsätze beschweren können, aber die anderen Staffeln? (Wobei gerade diese DRK-Staffel beispielhaft ist, was Zusammenarbeit mit anderen Organisationen angeht!)

: In den letzten Jahren gibt es immer mehr von diesen Staffeln.

Nicht nur von diesen. Auch Staffeln von Organisationen schießen nachgerade wie Pilze aus dem Boden. Sehr zu Lasten der Qualität, denn wenn irgendein Hundeverein sich plötzlich BRH-Staffel nennt (um mal eine andere Organisation als DRK oder THW zu nennen), dann sind deshalb noch lange keine Leute vor Ort, die auch nur im Entferntesten eine Ahnung von RH-Arbeit hätten. Aber die große Klappe und das entsprechende Auftreten haben sie schon.

: Was kann man dagegen machen? Wie geht ihr gegen private Staffeln vor die in eurem Gebiet unberechtigte Einsätze machen?

Was sind "unberechtigte Einsätze"? Einsätze, von denen die Polizei nicht informiert wurde? Das finde ich auch indiskutabel, da würde ich auch versuchen, über Hinweise an die Polizei dagegen vorzugehen. Aber wenn die Freie Staffel die Polizei informiert, daß sie auch vor Ort sind und helfen wollen, sich sogar ganz normal in den Einsatz eingliedern läßt - dann ist das kein unberechtigter Einsatz, auch wenn keine Alarmierung über eine Leitstelle stattgefunden hat. Was soll das, worüber regt man sich denn da auf? Daß womöglich die anderen die eigene Chance auf einen Fund minimieren? Daß dabei die Chance auf einen schnellen Fund insgesamt ansteigt, sollte doch wohl das einzig Wichtige sein!

: Wie kann man den Dienststellen am geschicktesten klar machen, daß die Privaten keinesfalls seriös sind und nur die Organisationen zuständig sind?

Wenn ich so etwas lese, bekomme ich "einen tierischen Hals"! Freie Staffeln sind keinesfalls seriös? Das ist ja wohl der Gipfel von Vorverurteilung und Verallgemeinerung! Oder soll ich sagen, alle BRH-Staffeln sind unfähig, nur weil ich eine solche kenne? Alle JUH-Staffeln mauscheln bei Prüfungen, alle DRK-Staffeln sind Platzhirsche, die vergessen, daß es um Menschenleben geht, alle MHD-Staffeln lassen sich nicht in die Karten schauen, müssen also schlecht sein, alle THW-Staffeln halten sich nicht an Vorschriften, die Bergwacht ist grundsätzlich nur mit dem Mundwerk gut und ... habe ich noch jemanden vergessen? Vielen Dank für solch qualifizierte Bemerkungen!

Und die Organisationen sind "zuständig"?!?! Sorry, aber wenn es um Menschenleben geht, ist jeder von uns zuständig. Und wer in solchen Situationen an "Gebietsgrenzen" und "Zuständigkeiten" denkt, statt jede mögliche Hilfe anzunehmen, der ist meiner Meinung nach am falschen Platz. Wie wäre es mit einer Ausbildung als Wachmann / Wachfrau? Da macht es wenigstens Sinn, ein Gebiet gegen Eindringlinge zu verteidigen!

: Freue mich über eure Antworten

Wahrscheinlich nicht - aber ich hoffe, daß es nur unbedachtes, schnelles Formulieren war, was Dich zu solchen Sätzen verleitet hat.

Leicht entsetzte Grüße, Kaya

von Andreas(YCH) am 05. Februar 2002 03:10

Hallo,

du scheinst ja nur aus Vorurteilen zu bestehen.
Dafür muß es doch Gründe geben, die sicherlich nicht nur mich sehr interessieren.
All das, was du den Privaten vorwirfst, habe ich alles auch schon bei Staffeln anerkannter HiOrgs erlebt.
Z.B. wird mal kurz eine Staffel gegründet mit dem Roten Kreuz auf dem Rücken und dann wird nach 3-4 Monaten wöchentlich in Einsätze gegangen. Wohlgemerkt, ohne einen einzigen geprüften Hund! Aber natürlich ohne benachbarte DRK-Staffeln mit geprüften Hunden zu alarmieren, in deren Gebiet die Einsätze teilweise stattfinden.

Gruß
Andreas

von Marion(YCH) am 05. Februar 2002 13:57

Hallo!


Vielen Dank für eure Antworten. Trotzdem bin ich anderer Meinung.

Wir stehen nicht nur im Licht der Öffentlichkeit. Wir müssen auch wenn wir Mist machen die Konsequenzen tragen. Da wird jede Kreisgeschäftsstelle oder der Landesverband schon aufpassen.

Wir werden kontrolliert und die privaten können machen was sie wollen.
Soll es etwa soweit kommen, daß bald in jedem Ort eine private Polizei oder Feuerwehr rumfährt? Wir von den HiO nehmen hoheitliche Aufgaben wahr. Deswegen dürfen wir auch funken oder mit Blaulicht fahren und die privaten nicht. Wenn aber immer mehr private sich in die Einsätze einmischen ist das Geschrei danach groß. Und wer darf es dann ausbaden - wir natürlich.

Die privaten prüfen sich selber und können dann viel erzählen. Papier ist da noch viel geduldiger. Von einer Urkunde die sich jemand selber austellen kann halt ich überhaupt nichts! Unsere Prüfer werden vom Landesverband bestimmt und die Prüfungen kontrolliert. Das kann man überhaupt nicht mit den angeblichen Prüfungen der privaten vergleichen.

Vielleicht gibt es hier und da eine gute Staffel die noch privat etwas macht. Über kurz oder lang wird sie sich aber einer HiO anschließen weil sie einsehen wird, daß nur die Arbeit in einer HiO seriös ist.

Die Verantwortlichen haben die Einsatzgebiete sicherlich mit Verstand eingeteilt. Für jedes Gebiet ist eine, meist sogar mehrere, Staffel einer HiO zuständig. Private brauchen wir da nicht auch noch. Oder braucht nun jedes Dorf 5 Feuerwehren? werden wirklich noch mehr gebraucht kann immer auf die anderen Staffeln der HiO oder aus anderen Gebieten zugegriffen werden. Genau dafür sind ja die Pläne gemacht worden.

Zuständige Staffeln sind die Staffeln die offiziell dafür eingeteilt wurden. Das ist genauso wie bei einem Verkehrsunfall. Wenn da ein Ersthelfer kommt ist erst einmal er zuständig, wenn dann der Notarzt vor Ort ist, ist der Ersthelfer nicht mehr zuständig. Genauso ist es mit den privaten Staffeln. Wenn sie wirklich einmal früher da sein sollten, haben sie zu gehen wenn die offiziellen Staffeln kommen. Allerdings wird das fast nie der Fall sein, weil wir viel besser ausgerüstet sind und viel schneller da sind. Wenn die dann trotzdem noch kommen haben sie ganz einfach wieder zu gehen. Wir brauchen dann nicht noch unqualifizierte Helfer mit dubiosen angeblichen Prüfungen die in unserem Gebiet rumrennen und unsere Arbeit behindern. Oder noch besser, Einsätze machen die wir als nicht sinnvoll ansehen.

Es ist für uns in den HiO schon schwer genug. Private brauchen wir da nicht auch noch!


Liebe Grüße (auch wenn ich eine andere Meinung habe :-)
Marion





von Andreas(YCH) am 05. Februar 2002 14:24

Hallo,

ich finde deine Meinung unglaublich! Du gehörst zu dem Platzhirschen, die der gesamten Rettungshundearbeit den allergrößten Schaden zufügen.
Als Mitglied einer anerkannten HiOrg distanziere ich mich aufs Entschiedenste von deiner Meinung!

Gruß
Andreas

PS: Ist deiner Meinung nach das BRH eine HiOrg oder ein privater Verein?

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