Behindertenbegleithund und Clickern :: Clickertraining

Behindertenbegleithund und Clickern

von Liane(YCH) am 12. Oktober 1998 00:49

Hallo Clickerfans,

ich möchte gerne meine Erfahrungen und Erfolge mitteilen, damit auch andere sehen können, was man
alles mit dem Clicker erreichen kann.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt (m)einen Hund zum Behindertenbegleithund auszubilden und zwar mit
dem Clicker Training.
Angefangen hat alles im April.1998, da hatte ich nur einen Hund, einen fünfjährigen Rauhhaardackel.
Mit Felix habe ich angefangen zu üben und er hat einfach ganz tolle Fortschritte gemacht.
Genau wie ich, denn es ist für uns beide Neuland und wir mußten und müssen beide lernen.

Inzwischen ist er soweit, daß er mir auch Dinge des Alltags, bzw. des täglichen Gebrauchs aufhebt und in die
Hand gibt. Einige Dinge benenne ich verbal, andere zeige ich ihm mit dem Stab oder Laser Pointer.
Natürlich ist er nicht perfekt, aber er ist einfach super.
Ihm fällt auch immer was ein, wie er den Höhenunterschied, zwischen mir und ihm, ausgleichen kann,
z.B. wenn ich im Bett liege.
Es gibt einige Dinge, die er im Normalfall nicht aufnehmen würde, weil es ihm unangenehm ist. Dazu gehört
z.B. harter dicker Kunststoff und Vollgummi. Das habe ich auch mit den tollsten Leckerchen noch nicht
hinbekommen.
Aber,... wenn außer mir und den Hunden niemand im Haus ist, konnte ich jetzt sehr überrascht feststellen,
daß er mir auch solche runtergefallenen Gegenstände aufhebt, wenn sonst niemand helfen kann.
Es ist als ob er wüßte, daß er es nun machen muß, weil ich seine Hilfe brauche.

Das hat mich unglaublich verblüfft und ich bin wirklich stolz auf meinen Dackel.
Da sage einer, Dackel sind keine richtigen Hunde.
Es gibt aber auch auch einen Haken, wie sich das für Dackel gehört. Ich habe es immer noch nicht
geschafft, daß er mir draußen etwas apportiert. Ich habe mich aber nun dazu entschlossen, es einfach zu
akzeptieren.
Natürlich kann Felix aufgrund seiner Größe kein Behindertenbegleithund im eigentlichen Sinne werden,
aber ich hätte es nie für möglich gehalten, daß er mir soooo viel helfen kann.

Schließlich haben wir auch noch Enya.
Enya kam im Juli zu uns (Deutscher Schäferhund)und sie soll nun zum Behindertenbegleithund ausgebildet werden.
Auch bei ihr (sie ist fast 6 Monate), komme ich sehr gut voran.
Heute habe ich angefangen mit ihr zu üben, eine Schublade aufzuziehen, weil man dabei mit einem Rollstuhl
immer sehr jonglieren muß.
Dazu habe ich ein Band am Griff befestigt und zuerst, jegliches Interesse geclickt. Sie hat dann 2-3 Mal, die
Schublade aus Versehen aufgezogen und schien sichtlich überrascht. Aber was ich von ihr wollte, hatte sie noch
nicht verstanden.
Das fand ich aber für das erste Üben, vollkommen ok.
Sie nahm das Band, zerrte auch doll daran, aber immer nach unten, anstatt zu sich. Ich wußte auch nicht so
recht, wie ich ihr zeigen könnte, daß sie nun ein bißchen rückwärts gehen muß.
Erst als sie gefrustet war, hat sie mal so richtig dran gerüttelt und siehe da, die Schublade öffnete
sich. Das war für sie ein Erfolg und auch ein Ansporn. An dieser Stelle wollte ich dann das Üben,
mit einem Erfolgserlebnis beenden.

Aber dann kam Felix und hat geholfen (wie schon oft).
Er hatte schon vorher das clicken gehört und war schon wild darauf mitzumischen. Er guckte uns zu,
dann habe ich ihn mal an das Band gelassen. Er hatte sofort begriffen, zog daran, bekam einen
Schrecken, weil über ihm ein Riesen-Schatten (Schublade) auftauchte, aber er brachte es mutig zu Ende.
Eine großartige Leistung!!!

Enya hat es sich dabei abgeguckt und konnte danach auch mehrmals die Schublade aufziehen.
Sie hatte richtig Spaß dabei und auch als wir längst aufgehört hatten zu üben, hat sie immer
mal wieder die Schublade aufgezogen.
Ich bin wirklich froh, daß ich zufällig etwas über das Clickern gehört habe. Sonst wäre ich sicher noch
nicht so weit gekommen, vor allem nicht so gut.
So geht es bei uns öfter mal zu, wenn ich nicht weiß, wie sag ich´s meinem Hund, dann springt
Felix ein!:-)

Das sind die Vorteile, wenn man zwei Hunde hat, der jüngere schaut sich beim älteren viel ab.
Aber....natürlich auch das negative!;-)

Aber am allerwichtigsten ist, daß ich, trotz meiner Behinderung sehr viel selbst machen kann.
Die Beziehung zum Hund ist eine ganz andere und auch die Bindung ist viel intensiver, wenn man die
Ausbildung so gut es geht, selbst macht.
Ganz abgesehen für das eigene Selbstwertgefühl und viel, viel Freude, die man mit den Hunden hat.

Um soweit zu kommen, hat es mir natürlich auch sehr geholfen, daß Martin bereit war eine Clicker Demo
in Bonn zu machen.
Dank dieses Seminars gibt es nun auch in meiner Nähe einen Verein, der eine Gruppe für Clicker-Leute,
ins Leben gerufen hat. Ohne Seminar, hätte es diese Gruppe sicher nicht gegeben.
Auch einige andere Leute, die mir bereitwillig Fragen beantwortet und mir Tips gegeben haben,
waren und sind eine große Hilfe.
Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bedanken.

Ganz sicher, werde ich auch in Zukunft noch viele Fragen haben, Tips und Ratschläge brauchen, denn das
Ziel ist noch ziemlich weit:-)
Deswegen wird man von Felix, Enya und mir immer wieder mal etwas im Board finden.

Vielleicht hat mein Bericht geholfen auch anderen Behinderten Mut zu machen, mit ihrem Hund,
wieder selbst etwas zu machen.
Es muß ja nicht das große Ziel "Behindertenbegleithund" sein. Mit dem Clicker Training ist es möglich
selbst seinen Hund zu erziehen/auszubilden, auch wenn man Gehhilfen hat oder im Rollstuhl sitzt.

Es geht!! Ich habe es probiert und probiere weiter!:-)
Bisher gibt es nur sehr wenig, was ich nicht ganz allein machen kann (z.B.Leinenführigkeit).
Behinderung und Hund schließen sich wirklich, nicht aus.

Ich bin vom Clicker Training überzeugt.

Begeisterte Grüße
Liane, Felix und Enya

von Regine(YCH) am 13. Oktober 1998 22:24

:Hallo Liane,
:
: Deine Begeisterung über Deine Hunde und das Clickern sind richtig ansteckend. Wenn ich nicht schon dabei wäre, wäre ich zumindest sehr neugierig geworden. Klasse, daß Dein Felix Enya zeigt, was sie machen soll. Schubladen aufziehen ist ja auch nicht einfach. Ich finde es schon schwer genug, Mirco ein paar brotlose Künste beizubringen, da die "alten" Methoden bei mir doch sehr gut konditioniert sind, aber ich hoffe, wir hören weiter von Euren Fortschritten und dürfen uns dann einiges abkupfern.
:
:Viele Grüße
:
:Regine

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