beißer :: Clickertraining

beißer

von Gaby(YCH) am 25. Juni 2000 14:18

Hallo, meine Schwester hat vor 5 Jahren einen ausgesetzten Deutschen
Pinscher aufgenommen. Von Anfang an, hatte sie Schwierigkeiten mit
dem Hund, er hat ein sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt, leider ver-
teidigt er manchmal alles gegen jeden ( auch gegen seine Besitzer). Er ist ein Hund, der sehr viel Liebe braucht, ist oft eifersüchtig( auf den
Mann). Wenn alles nach seiner Laune geht, kann jeder mit ihm spielen.
Leider kommt es in der letzten Zeit zu immer größeren Schwierigkeiten,
bei Regen oder auch an normalen Tagen will er nicht aus dem Haus,
er läßt sich die Leine nicht anlegen und versucht zu beißen. Da meine
Schwester kleine Kinder hat, ist sie durch dieses Verhalten sehr ver-
unsichert und überlegt schon ob sie den Hund weggeben oder einschläfern
lasser muss. Meiner Meinung nach, sieht sich der Hund als Alpha -Tier,
was meint Ihr dazu, was kann man tun, damit sich die Situation verbessert.
Gruss Gaby aus Hamburg

von Constanze+Jule(YCH) am 27. Juni 2000 20:19

Hallo Gabi,

ach herrjeh, das hört sich ja gar nicht gut an. Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich keinen Grund sehe, einen Hund, der körperlich vollkommen in Ordnung ist, einschläfern zu lassen. Und auch ein Weggeben fände ich nicht in Ordnung, schon gar nicht nach so langer Zeit.
Ich denke, Du liegst mit Deiner Vermutung, dass es sich um ein Dominanzproblem handelt, richtig. Natürlich kann man das letztlich nicht aus der Ferne beurteilen. Aber Deine Beschreibung (z.B. Eifersucht auf den Mann usw.) lassen dies stark vermuten. Pinscher sind zudem Hunde (so klein z.b. ein Rehpinscher auch ist), die meist ein sehr gutes Selbstbewusstsein besitzen und diese Führungsqualitäten natürlich auch anwenden möchten, wenn man dies zulässt. Gerade bei kleinen Hunden, die ja sooo goldig sind, neigt man aber schnell dazu, ihnen Prioritäten zu gewähren, die eigentlich nicht sein müssten.
Deine Schwester sollte mal ganz genau die Verhaltensmuster der Zweibeiner und des Vierbeiners in der Familie beobachten. Hat der Hund Plätze, möglichst noch hochgelegen, die ihm nie streitig gemacht werden? Dann gehören diese möglichst schnell eliminiert. Sessel oder Sofa sollte er nicht mehr unbedingt besetzen dürfen. Zumindest muss er aufstehen, wenn seine Menschen sich dort hinsetzten möchten. Ich würde es einem solchen Hund aber prinzipiell gar nicht gestatten. Verteidigt er das Bett oder ähnliches gegen den Mann Deiner Schwester, so ist auch dieses absolut tabu für ihn. Meckert er, wenn Deine Schwester ihren Mann umarmt, so darf das nicht als süß abgetan werden, sondern sie muss ihm das konsequent verbieten. Sie sollte auch demostrativ ihren Mann und die Kinder vor!!! dem Hund begrüßen.
Was das Problem mit dem Leine anlegen angeht, so beobachte ich folgenden Fehler immer wieder. Der Hund will sich dem Zugriff der Menschen entziehen und legt sich in sein Körbchen oder auf seinen Platz. Der Mensch geht dann dort hin und versucht ihm dann dort die Leine anzulegen oder anderen Einfluss zu nehmen. Das halte ich grundsätzlich für bedenklich. Erstens fühlt der Hund sich in einer solchen Situation schnell bedrängt. Zweitens vermittelt sein Platz ihm eine gewisse Sicherheit, die ihn schneller aggressiv reagieren lässt. Richtiger ist es, den Hund zu sich zu rufen und ihn dann anzuleinen. Am besten lässt man ihn vorher noch absitzen und gibt dieses Kommando sehr sicher. Auf keinen Fall sollte man dabei Unsicherheit zeigen. Situationen, von denen man weiß, dass sie ihn zu aggresivem Verhalten verleiten, sollte man nicht provozieren. Besser ist es, den Hund aus dieser Situation herauszurufen und dann mit der notwendigen Sicherheit, die Leine anzulegen oder was auch immer man vorhat.
Auch das Spielverhalten gibt reichlich Aufschluss über die Dominzverhältnisse. Wie oft wird mit dem Hund um ein Bällchen oder ähnliches gezankt und der Hund darf es dann anschließend immer wegtragen. Was der Hund dabei lernt ist, dass er bei diesem Spiel immer gewinnt und einseutig der Überlegenere ist. Wenn man unsicher ist, sollte man sich bei einem solchen Hund gar nicht auf solche Spielchen einlassen. Hat er also Spielzeug, dass er auch gegen andere verteidigt, dann würde ich dieses entfernen. Man kann es auf dem Schrank deponieren und beim Training einsetzen. Er bekommt es dann, wenn er etwas richtig ausgeführt hat. Allerdings nur für eine Weile. Dann kommt es wieder auf den Schrank. Natürlich muss er dafür das Kommando "aus" sicher beherrschen, denn wenn man es ihm erst dann wegnimmt, wenn er das Interesse verloren hat, bringt das auch nichts mehr.
Die Kinder (leider schreibst Du nicht, wie alt sie sind) sollten bestimmte Verhaltensregeln im Umgang mit dem Hund beherrschen. Welche, das kann ich jetzt nicht sagen, dafür müsste ich wissen, wie alt sie sind und wie ernst der Hund sie bereits nehmen kann. Auf gar keinen Fall sollte man ihnen erlauben, irgendwelche Zerr- oder Rangelspielchen mit dem Hund zu veranstalten.
Dies sind jetzt auch nur einige Tipps, die ich hier geben möchte. So ein Dominanzproblem ist aber eine sehr komplexe Angelegenheit, die man nur bewerten kann, wenn man die Verhaltensmuster aller Beteiligten genau kennt. Du kannst mich aber mal privat anmailen und mir Genaueres berichten.
Auf jeden Fall würde ich Deiner Schwester (und am besten auch ihrem Mann) empfehlen, mit dem Hund eine anständige Ausbildung zu machen. Möglichst unter fachlicher Anleitung. Meiner Erfahrung nach trägt regelmäßige Arbeit mit dem Hund immer zu wachsender Sicherheit und einem entspannten Verhältnis bei.
So viel mal für jetzt.
Liebe Grüße
Conny

von Katja + Indy(YCH) am 28. Juni 2000 08:01

Hallo Gaby!

Da hat sich Deine Schwester aber einen selbstbewußten kleinen Möchtegernchef an Land gezogen! Mit der Diagnose, daß sich der Pinscher für das Alphs-Tier hält, liegst Du nach Deiner Beschreibung sicher richtig. Der folgende Satz zumindest zeigt das sehr gut:

: Wenn alles nach seiner Laune geht, kann jeder mit ihm spielen.

Solange sein Rudel spurt, kann er generös sein.
ICh denke, gerade mit Kindern (wie alt?) im Haus sollte Deine Schwester professionelle Hilfe dazunehmen, bevor der Gernegroß jemanden verletzt. Das was Constanze schreibt ist alles sehr gut, aber die Umsetzung ist schwierig, wenn man es nicht gewohnt ist, sich dem Hund gegenüber als Rudelführer durchzusetzen, zumal der Rüde seinen Platz nicht ganz freiwillig abtreten wird.
Zusätzlich würde ich Deiner Schwester die Lektüre von Aldington, "Was tu ich nur mit diesem Hund?" empfehlen (die martilaischen Stachelhalsbandsachen bitte ich zu überlesen, aber das Buch ist in vielem ein AUgenöffner).
Viele Grüße,

Katja

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