Panik beim Autofahren :: Clickertraining

Panik beim Autofahren

von Franziska Schwandt(YCH) am 02. Juni 1999 16:10

Hallo Clickergemeinde!

Heute wurde mir ein Fall geschildert, bei dem ich Euch gerne um Rat fragen möchte. Die Besitzerin des Hundes hat leider keinen Internet-Anschluß, deshalb frage ich für sie.

Sie hat eine Bouvierhündin (Baffy) und eine Mittelschnauzerhündin, Kessy. Kessy hat sie im Alter von ca. 1 ½ Jahren aus dem Tierheim bekommen, wo Kessy aber nur drei Wochen war. Kessys Frauchen war gestorben und der Mann hatte keine Zeit für den Hund.

Kessys Problem: Sie mag nicht Auto fahren. Sie springt zwar ohne Theater hinein und solange das Auto nicht fährt, ist auch alles okay. Aber sobald sich das Auto in Bewegung setzt, fängt Kessy an zu jaulen und zu winseln, in letzter Zeit auch zu kläffen. Es wurde schon alles versucht, Bal-drian, Bachblüten, starke Beruhigungsmittel, Unterordnung, Zurechtweisung mit Stachelhals-band, Hund sitzt vorne, Hund sitzt hinten, Baffy dabei, die keine Angst hat – null Erfolg. Nun hoffe ich, daß ich von Euch ein paar gute Tips bekomme, wie man dieses Verhalten vielleicht mit CT in den Griff bekommen könnte.

Kessy hat durch den Verlust ihres ersten Frauchens auch ungeheure Verlustängste, denn sobald einer das Auto verläßt, und sei es nur zum Tan-ken, dann ist Kessy kaum noch zu halten.

Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

Schöne Grüße von Franziska + Wonda


von Martin + Mirko(YCH) am 02. Juni 1999 16:21

Grüß Dich Franziska,

das problem, das du schilderst, ist nicht mal eben so zu lösen. auf dauer wird eine mischung von desensibilisierung und gewöhnung erfolgreich sein. ein test, der etwas darüber auskunft gibt, was in dem hund vorgeht, ist folgender:

sie ist im auto, gib eine stückchen futter. zunächst das allerbeste, bei folgeversuchen immer weniger tolles. nimmt sie es, frißt sie es?
das auto fährt langsam, der gleiche versuch. nimmt sie es, frißt sie es?

wenn sie das futter völlig verweigert, dann ist sie in hohem streß und so gesehen nicht lernfähig. dann muß man sehr behutsam eine desensibilisierung beginnen.
nimmt sie das futter und frißt es auch, dann kann man mit einem clicker-shaping weiterkommen.

tschüß martin & mirko

von Ingrid + Saskia(YCH) am 03. Juni 1999 09:11

Hallo Franziska,

Wir hatten mit Saskia anfangs ähnliche Schwierigkeiten. Hund im Auto und schon ging ein Riesentheater los. Bei uns hat folgendes geholfen:

1. Solange das Auto stand und wir in der Nähe waren, war sie ruhig. Trotzdem haben wir gerade diese Situation intensiv mit ihr geübt, also Auto im Hof, während wir draußen in der Nähe mit irgendwas anderem beschäftig waren. Sinn war, dem Hund das Auto als so eine Art Lieblingsplatz schmackhaft zu machen. Es kann auch helfen, immer wieder eine Handvoll Leckerbissen reinzuwerfen, die der Hund dann zufällig findet (also nicht extra suchen lassen). Radio leise an oder vielleicht noch besser eine bestimmte CD mit ruhiger Musik. Anfangs ist Saskia zwar (auf Aufforderung) ins Auto rein, aber spätestens nach 2 min wieder raus. Das haben wir ignoriert, sie dann aber immer wieder einsteigen lassen (nicht sofort, vielleicht nach einer halben Stunde). So als ob das alles ganz selbstverständlich wäre. Damals war noch zeitiger Frühling und es hat nicht lange gedauert, bis sie merkte, daß es dort schnuckelig warm und gar nicht so schlecht ist ohne Wind, nach ein paar Tagen gab sie uns nach Spazierengehen und Fressen zu verstehen, daß sie wieder ins Auto will, d.h. sie stand schwanzwedelnd vor der Autotür und war nicht wegzubewegen, war sie erstmal im Auto, war vom Hund nichts mehr zu hören.

2. Da sie auf Parkplätzen ein Riesentheater veranstaltete, wenn wir einkaufen gingen, habe ich an diesem Punkt (1.) angefangen, das mit ihr zu üben. Zum Spazierengehen sind wir mit dem Auto gefahren. Nach dem Spaziergang habe ich leise die Musik angemacht und bin dann kurz weggegangen (hinter einen Busch). Anfangs vielleicht 5 Sekunden aus ihrem Blickfeld, dann zurück, eingestiegen und heimgefahren, als ob das die normalste Sache der Welt wäre. Sie war anfangs so verdattert, daß sie in diesen Sekunden sogar ruhig war; die Zeiträume habe ich dann immer mehr ausgedehnt. Als wir dann nach einiger Zeit wieder auf Einkaufsparkplätze fuhren, half neben der Gewöhnung (also oft fahren), ihr beim Weggehen einen seltenen Leckerbissen zu geben, den hat sie anfangs zwar immer erst gefressen, wenn wir wieder da waren, aber wir wollten, daß das Alleinbleiben an Schrecken verliert, und nicht noch zusätzlich ihre Aufmerksamkeit auf den Zeitpunkt gelenkt wird, wenn wir wieder kommen, also nicht beim Zurückkommen belohnen.

3. Hohe Geschwindigkeiten (Landstraßen): ich fuhr IMMER mit ihr zum Spazierengehen auf einen Parkplatz (Autofahren ist keine Ausnahme mehr sondern kommt täglich mehrmals vor). Da ich mich auf den Verkehr konzentrieren mußte, habe ich auf Saskias Geheule einfach nicht reagieren können. Keine Bestärkung für's Winseln = nach einigen Tagen war sie ruhig (aber wehe, wir bogen langsam auf den Parkplatz ein...). Hier sollte der Fahrer allerdings selber in der Lage sein, ruhig zu bleiben, regt das Gewinsel den Fahrer auf, überträgt sich das leicht auf den Hund und nach 2 min hält es kein Lebewesen mehr in diesem Tollhaus aus.

4. Langsame Geschwindigkeiten (Ortschaften, aber auch längere Landstraßen, wo man ab und an abbiegen muß): da half lange Zeit nichts, je mehr Gewöhnungsrunden ich mit ihr auf dem Parkplatz drehte, umso mehr regte sie sich auf. Geschafft haben wir das schließlich mit dem Clicker, dazu muß man allerdings zu zweit sein. Einer fährt, der andere beobachtet den Hund. Bei der kleinsten Pause (Luftholen), C+B. Bereits nach ca. 20 min waren die Pausen deutlich häufiger, bei der nächsten Fahrt fingen wir dann an, die Pausen zu verlängern (C erst nach 1, dann nach 2 s...).

Wie Martin denke ich auch, daß man erstmal eine Möglichkeit finden muß, den Erregungspegel des Hundes soweit zu senken, daß er überhaupt irgendwas wahrnimmt. Und sich selber immer so verhalten, als ob alles das normalste der Welt wäre, und ganz bestimmt kein Grund besteht, sich über irgendwas aufzuregen. Übrigens: Saskia sitzt beim Fahren (angeschnallt) auf der Rückbank. Bleibt sie alleine, wird sie losgemacht und klettert oft nach vorne, um auf unseren Sitzen zu schlafen.

Viele Grüße
Ingrid

von Andrea Wahl(YCH) am 15. Juni 1999 13:02

Martin:

: das problem, das du schilderst, ist nicht mal eben so zu lösen. auf dauer wird eine mischung von desensibilisierung und gewöhnung erfolgreich sein. ein test, der etwas darüber auskunft gibt, was in dem hund vorgeht, ist folgender:
:
[...]
: wenn sie das futter völlig verweigert, dann ist sie in hohem streß und so gesehen nicht lernfähig. dann muß man sehr behutsam eine desensibilisierung beginnen.

Also, ich habe ja ein ähnliches Problem (wie sehr viele andere Saarloos-Besitzer auch): Hund sabbert im Auto.

: nimmt sie das futter und frißt es auch, dann kann man mit einem clicker-shaping weiterkommen.

Im Urlaub ist tolles geschehen: sie war des öfteren _ohne_ Dope relativ trocken und hat einmal sogar ein Lammkotelett verspeist! Es war zwar im stehenden Auto, aber immerhin! Wir waren relativ oft mit dem Auto unterwegs und ich konnte / wollte sie ja nicht ständig mit Reisetabletten zuknallen.

Schön zu lesen, daß Riva ein kleines bisschen auf dem richtigen Weg ist :-). Vielleicht hilft ihr nun unsere allerneueste Errungenschaft: das Wohnmobil, weil sie darin lebt, schläft und fährt. Die letzte Heimfahrt (2.5 Stunden) gab es jedenfalls nur ein feuchtes Handtuch und das ist phänomenal für Riva :-))

Was kann man den da Clickern? das nicht-tropfen oder was?
andrea (die jetzt endlich was sinnvolles clickern möchte ;-)

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