Bonnies Mastzellentumor - ein Bericht :: Gesundheit & Hund

Bonnies Mastzellentumor - ein Bericht

von Antje und Bonnie(YCH) am 06. September 2002 09:32


Hallo Yorkies,

ich habe gerade die Geschichte von Bonnie für jemand anderen aufgeschriben und stelle sie jetzt ins Forum, damit andere nicht das Gleiche erleben müssen wie ich. Das ist also Bonnies Geschichte:

Bonnie hatte seit 4 Jahren einenn Knubbel. Mein damaliger Tierarzt meinte, dass es etwas mit den Talgdrüsen zu tun habe und dass man nichts unternehmen sollte, solange Bonnie der Knubbel nicht stört. Ich habe den Tierarzt darauf hingewiesen, dass der Knubbel mal dicker und mal dünner ist. Darauf hin meinte er, das liegt daran, dass sich die Talgdrüsen über Nacht entleeren. Heute weiss ich, dass dies typisch für einen Mastzellentumor ist. Über dreieinhalb Jahre habe ich Ihm oder seiner Assistentin bei jedem Besuch den Knubbel gezeigt. Ich weiss heute nicht, warum ich nicht früher zu einem anderen Tierarzt gegangen bin. Wahrscheinlich war ich froh, dass es nichts ernstes ist.

Im September letzten Jahres habe ich Bonnie vergolden (Goldakupunktur) lassen, weil sie schwerste Spondylose hat. Im Dezember hat Bonnie angefangen zu humpeln. Daraufhin bin ich zu einer anderen Tierärztin gegangen, weil mein damaliger Tierarzt gegen Goldakupunktur ist. Von der Tierärztin habe ich bis dahin viel Gutes gehört. Ich habe den Knubbel auch dem Tierarzt gezeigt, der die GA gemacht hat. Der meinte, es sei wahrscheinlich eine Fettgeschwulst.

Die Tierärztin hat den Knubbel sofort gesehen, bevor ich etwas sagen musste und meinte, dass er bösartig sein könne und raus müsse. Damals habe ich noch gedacht, dass sie wohl spinnt. Das Humpeln wurde durch einen Kreuzbandanrissverursacht. Die Entscheidung, das Knie operieren zu lassen, fiel aber erst im Januar. Aus beruflichen Gründen fand die OP dann erst am 06.02.02 statt. Der Chirurg meinte auch, dass es möglich sei, dass der Knubbel bösartig ist. Also wurde der Knubbel bei der Kreuzband-OP rausgenommen. Der Chirurg meinte, dass es weiträumig geschnitten habe, so dass wahrscheinlich nichts nachkommen werde. Gewebeproben wurden eingeschickt.

Nach einer Woche kam das Ergebnis. Ich war am Boden zerstört. Diagnose: Mastzellentumor Grad I-II, die Gefahr für ein Rezidiv ist sehr hoch, die Neigung Metastasen zu bilden gering. Damals fing ich das erste Mal an, Infos zu suchen. Aber im deutschen Internet war nichts Gescheites zu finden. Ich habe auch eine Anfrage im Yorkie-Forum gestartet. Auf die Anfrage hat sich Martina (Martina & A & A) bei mir gemeldet und mir einen Auszug aus einem medizinischen Lehrbuch geschickt. Mir sind die Augen übergegangen. Es ist ein typisches Verhalten von Mastzellentumoren, das sie schnell dicker und wieder dünner werden. Hunde mit Mastzellentumoren sterben nicht an den Metastasen, die die Organe zerstören, sondern an den Stoffen, die der Tumor abgibt. Diese können zu einem anaphylaktischen Schock oder zu Magen- und Darmgeschwüren führen. Der Hund stirbt in der Regel daran, dass er Nahrung nicht mehr bei sich behalten kann oder die Geschwüre aufbrechen. Manipulationen wie Betasten oder Chirurgie von Tumoren können dieses bereits auslösen. Der Mindestabstand bei einer OP ist 3-4 cm vom fühlbaren Tumorrand, auch in die Tiefe. Hunde die nach einer OP ein Rezidiv zeigen, haben eine sehr schlechte Prognose. Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich begriffen, dass die Lage nicht nur ernst, sondern höchst ernst ist. Der Mindestabstand konnte nicht eingehalten worden sein. Dazu war die Naht zu kurz! Nach der OP fiel mir auf, dass die Narbe in dem Bereich, in dem der Knubbel war schlechter heilt als die Narbe von der Kreuzband OP. Meine Ärztin meinte, das sei weil so tief geschnitten worden sei. Nach dem Fäden ziehen sollte ich nach 2 Wochen zur Kontrolle Knie kommen. In den zwei Wochen fiel mir auf, dass im Bereich der "Knubbel-Narbe" eine kleine Schwellung war. Die Tierärztin meinte bei der Kontrolle: das sind die Unterhautfäden, die sich auflösen.
bei der nächsten Kontrolle nach 14 Tagen das gleiche Bild.

Am folgenden Sonntag fing Bonnie plötzlich an zu brechen, mit ein wenig Blut. (zum ersten mal in Ihrem Leben) und ca 10 mal. Da sie sich nicht vergiftet haben konnte (sie ging wegen der Knie-OP immer noch an der Leine) bin ich erst Montag morgen zur Tierärztin. Bei dem Termin teilte sie mir mit, dass sie bei einer Fortbildung Dr. Kessler von der Tierklinik Hofheim kennengelernt habe. Sie habe ihm Bonnies Fall geschildert. Er habe ihr geraten 10 Wochen nach der OP (nachdem sich die Unterhautfäden aufgelöst haben) Feinnadelbiopsien aus dem OP-Bereich zu entnehmen und untersuchen zu lassen. Meine Tierärztin hatte den Eindruck, dass Dr. Kessler äußerst kompetent ist.

Dann kam eine Woche später, am Montag abend der Schock: eine kirschgroße Anschwellung an der Narbe. Dienstag morgen war sie weg. Das Verhalten kannte ich. Also Dienstag zur TA: Feinnadelaspiration, Samstag kam der Anruf: Mastzellentumor, Rezidiv, laut Pathologe Prognose äußerst ungünstig. Obwohl ich es geahnt habe, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Mir kommen auch jetzt wieder die Tränen.

Montag morgen habe ich dann sofort einen Termin in der Tierklinik Hofheim gemacht. Es dauerte 14 Tage bis es möglich war (die Tierklinik ist 250 km weg und ich war mir nicht sicher, ob ich die Fahrt an einem Tag schaffe). Die Zeit bis dahin war ich an meinem Arbeitsplatz nur noch körperlich anwesend. Ich habe die ganze Zeit genutzt Infos zu suchen. Ich habe mich dann zum ersten mal ins englischsprachige Internet gewagt und festgestellt, in den USA sind sie viel weiter als bei uns.

Dann kam der große Tag. Dr. Kessler machte nochmals eine Feinnadelaspiration, um sich selbst eine Bild zu machen. Er untersuchte die Probe sofort. Das Ergebnis war: Mastzellentumor Grad I-II. Da in den Proben so viele Krebszellen vorhanden waren, war klar, dass nicht der ganze Tumor entfernt worden ist. Gott sei Dank konnte man Bonnie nochmals operieren. Der OP-Termin war 10 Tage später (15.05.). Wir haben auch weitere Behandlungsoptionen besprochen. Insgesamt habe ich die Klinik mit dem Gefühl verlassen, Bonnie in guten Händen zu wissen. Zur OP bin ich richtig fröhlich gefahren. Ich wußte der Tag ist Bonnies einzige Chance und ich bin bei einem der besten Ärzte, die es für diesen Krebs in Deutschland gibt. Das habe ich auch per Internet herausgefunden.

Die OP ging gut, Bonnie ging es die nächsten Tage schlecht. Ich habe sie aber sofort mit nach Hause genommen. Bei ersten Verbandswechsel wusste ich dann, was eine radikale Operation ist. Die Narbe war 35 cm lang, die vordere Milchleiste ist entfernt worden und ein Teil der Brustmuskulatur. Das war notwendig, weil bei der ersten Tumor-OP durch den Tumorrand geschnitten worden ist und die Gefahr bestand, dass Krebszellen in den ganzen OP-Bereich versprengt worden sind. Also musste der Sicherheitsabstand um den ganzen OP-Bereich der ersten OP eingehalten werden. Herr Dr. Keßler hatte mich aber vorgewarnt. Trotzdem sind bei mir wieder einmal die Tränen geflossen, als ich die Wunde das erste mal gesehen habe. 9 Tage nach der OP rief mich Dr. Keßler persönlich an, um mir mitzuteilen, dass die Tumorbettbiopsien frei von Krebszellen sind. Bonnie hat damit gute Chancen. Von einer Chemotherapie wurde deswegen abgesehen.

Heute sieht man bis auf das noch etwas kürzere Fell nichts mehr. Vor drei Wochen habe ich dann einen Knubbel in der Achselhöhlen bemerkt. Also wieder Termin bei Dr. Kessler und Untersuchung. Ergebnis: keine Krebszellen zu finden.

So, das war eine lange Geschichte. Was ist also bei Bonnie falsch gelaufen:

Man hätte vor vier Jahren eine Feinnadelbiopsie machen müssen. In den USA machen sie das bei jeder Umfangsvermehrung der Haut, die nicht wieder vollständig zurückgeht. Sie ist für den Hund völlig unproblematisch und kann Mastzellentumoren ausschließen.
Vor der OP hätte eine Biopsie gemacht werden müssen, weil die OP dann anders geplantht worden wäre.

Ich habe Herrn Dr. Keßler damals gefragt, wie es möglich ist, dass keiner meiner Tierärzte auf die Idee mit der Feinnadelbiopsie gekommen ist. Er sagte: das wird in Deutschland nicht gelehrt und die Onkologie wird im Studium stiefmütterlich behandelt. Die Bestätigung habe ich kurz darauf bekommen, als ich eine Tierärztin kennengelernt habe, die gerade mit dem Studium fertig geworden ist. Als ich ihr von Bonnie erzählt habe und von der Biopsie meinte sie: bei einer Biopsie besteht doch immer die Gefahr, dass Krebszellen versprengt werden. Sie ist doch gefährlich. Ich habe sie dann "aufgeklärt" weil ich innerlich wütend geworden bin: Bei Hauttumoren schneidet man den Einstichbereich weg, wenn wegen Krebs operiert wird, weil dann die gesamte Haut mit weggeschnitten wird. Die Reaktion: große Augen. Davon hat sie im Studium noch nichts gehört. Aber ich konnte den Mund nicht halten, weil ich gedacht habe, vielleicht behandelt sie einmal einen Hund mit einem Knubbel und erinnert sich. Wahrscheinlich hat sie nur gedacht: blöde Kuh.

So, jetzt bin ich endlich fertig. Das ist das erste Mal, dass ich die ganze Geschichte aufgeschrieben habe. Ich bin der festen Überzeugung, dass Bonnie keine Chance gehabt hätte, wenn meine Tierärztin nicht Dr. Keßler ausfindig gemacht hätte. Auch bei den Menschen würde 18 % nicht an Krebs sterben, wenn sie von erfahrenen Onkologen behandelt worden wären. Ich muss jetzt noch ein dreiviertel Jahr abwarten. Wenn ein Jahr ohne Rezidiv überstanden ist, hat es Bonnie warscheinlich geschafft. Drückt mir die Daumen.

Antje

Bis dahin Liebe Grüße und alles Gute

Antje

von Pat(YCH) am 06. September 2002 09:40

Drückt mir die Daumen.

hei
tue ich hiermit von ganzem herzen.
und vielen dank,daß du es hier reingesetzt hast.man weiss nie,wann man selbst händeringend infos sucht.
gruss pat
:

von Brigitte(YCH) am 06. September 2002 09:42

. Drückt mir die Daumen.
: Antje
: Bis dahin Liebe Grüße und alles Gute
: Antje

DAS TUN WIR; alle Daumen und Pfoten!!!
Danke für den Bericht, in der Hoffnung ihn nie selbst "gebrauchen" zu müssen.
Viel Glück
Brigitte

von JanaLPN(YCH) am 06. September 2002 09:59

Hallo Antje,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Es ist nun mal leider so, dass die meisten Tierärzte keine Spezialisten sind. Sie sind eher so etwas wie beim Menschen Allgemein praktizierende Ärzte. Da wird man ja auch (hoffentlich) bei ernsten Dingen an Spezialisten überwiesen.

Als meine Hündin das erste Mal ein Lipom bekam, wurde von dem in Vertretung anwesenden Arzt nicht einmal abgetastet, keine Frage gestellt. Von meinem eigenen TA wurde mir gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen muss, solange es weich und beweglich ist. Nun hoffe ich mal, dass das so stimmt. Sie hat nämlich inzwischen schon drei von den Dingern, die auch wandern.

Ich werde mir gleich einen Link legen; man weiß ja nicht, ob man die Info mal selbst oder für jemand anderen braucht.

Ich drücke euch beide Daumen!

Liebe Grüße - JanaLPN

von heidrun+C(YCH) am 06. September 2002 10:19

Hallo Antje!

Vielen Dank für Deinen Bericht - hast Du gut gemacht!
Auch wir drücken Daumen und Pfoten!

Heidrun + Connie

von Ma.(YCH) am 06. September 2002 17:43

Hallo Antje und Bonnie, ich drücke Euch die Daumen für die Zukunft.
Gruss Ma

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