:: Hundeerziehung + Soziales

Drohen oder beschwichtigen?

von Anila am 17. Februar 2008 15:34
Hallo,

ich habe zwei sehr widersprüchliche Sachen gehört, wie man als Hundehalter auf einen fremden, aggressiven Hund reagieren sollte.

Die Situation: ein Hundehalter geht mit seinem kleinen oder mittelgroßen Hund an der Leine spazieren. Plötzlich kommt ein nicht angeleinter Schäferhund auf den eigenen, angeleinten Hund zugeschossen, und dieser Schäferhund macht einen aggressiven Eindruck, oder einen sehr dominanten Eindruck.

Wie soll man als Hundehalter von dem kleinen, angeleinten Hund reagieren?

In einem Buch habe ich zu einer solchen Situation gelesen: man solle Beschwichtigungssignale aussenden. Hunde würden das auch tun, und einem anderen Hund so signalisieren: Guck mal, ich bin völlig harmlos. Man schaut den anderen Hund also nicht an, sondern wendet ihm die Seite oder gar den Rücken zu.

In einem Hundeschul-Video habe ich zu der gleichen Situation gezeigt bekommen: Der Hundehalter von dem angeleinten, kleinen Hund stellt sich so, dass er möglichst einen Zaun oder eine Grenze im Rücken hat, er macht sich bedrohlich für den Schäferhund, schaut diesen direkt an, und ruft laut und bestimmt: "Geh weg!", begleitet von einer entsprechenden Bewegung.

Das sind ja nun zwei völlig unterschiedliche Reaktionsweisen auf die gleiche Situation. In so einer Situation müsste man ja auch sehr schnell entscheiden, da der nicht angeleinte Hund angerast kommt. Wie würdet Ihr reagieren?

Schöne Grüße
Anila

von martin am 17. Februar 2008 15:58
Hallo anila,

Quote :
Original geschrieben von Anila

In einem Hundeschul-Video habe ich zu der gleichen Situation gezeigt bekommen: Der Hundehalter von dem angeleinten, kleinen Hund stellt sich so, dass er möglichst einen Zaun oder eine Grenze im Rücken hat, er macht sich bedrohlich für den Schäferhund, schaut diesen direkt an, und ruft laut und bestimmt: "Geh weg!", begleitet von einer entsprechenden Bewegung.
Ja, ich kenne zwei Fälle, in denen der schützende Hundehalter heftig gebissen wurde. Dem kleinen Hund geschah nichts.

Es hängt alles davon ab, wie der andere ankommt, und das kann ein Hund normalerweise besser beurteilen, als wir.

tschüß martin

von cathy am 18. Februar 2008 06:46
nun, ich habe selbst einen kleineren hund, der nicht mehr so fit ist und dazu andere hunde nicht mag. ich persönlich habe inzwischen einiges an hundeerfahrung und ausbildung. trotztdem würde ich dir nicht empfehlen, wenn du ein unsicherer typ bist - das mit dem tip im video. denn in solchen situationen starrst du automatisch den anderen hund an - und das kann schlussendlich kontraproduktiv sein, wenn man nicht weiss wie man solche situationen liest und beherrscht.

sei lieber passiv. dh. wenn solch ein hund auf dich und deinen hund zugerast kommt, stell dich zwischen deinen hund, schaue eher weg und gehe ruhig weiter. und bittest den anderen hundehalter freundlich bitte das nächste mal seinen hudn unter kontrolle zu nehmen.

ich habe auch schon meinen hund schlussendlich kurz in den am genommen, (angehleint) weil der andere hund penetrant wurde und meine netterweise schon beim pepsodentlächeln mit deutlicher aussprache angelangt war. dann gabs noch einen kniestoss und der andere konnte entlich verschwinden, nachdem sein besitzer entrüstet war, dass ich seinen "ach so lieben und will nur spielen Hund" so behandelt habe. nur ich kenne meine Zicke . es gibt leider immer wie mehr respektlose hundebesitzer... mit entsprechenden 4beinigem Anhang.

viel spass.

von DS1 am 18. Februar 2008 09:19
Hi,
wir waren in den Semesterferien Ski fahren - meine Freundin und ich blieben mit unseren beiden Hunden (Rüden, mittelgroß) auf einer großen Rodelwiese, wo nicht viel los war, damit die Hunde spielen konnten. Plötzlich kam ein ebenfalls mittelgroßer Rüde ihm absoluten Imponiergehabe auf unsere Hunde, die noch spielten zu. Wir haben unsere angeleint und zu uns gestellt. Der Rüde kam unbeirrt im Imponierschritt auf uns zu - die Rute hoch erhoben steif, der Blick sehr direkt auf unsere Hunde gerichtet, der Schritt in direkter Linie langsam und bedächtig. Meine Freundin fragte:Was sollen wir jetzt tun?
Ich entschied mich für die Stell dich dazwischen Variante-nahm direkten Blickkontakt auf und bei jedem Schritt den er näher kommen wollte (er war noch ca.10m entfernt) - kam ein scharfes "Nein" von mir. Durch den Blickkontak hab ich ihm unmissverständlich klar zu machen versucht, dass er gemeint ist - er versuchte dann noch im Bogen um mich rum zu den Hunden zu kommen, gab aber dann doch auf und schlich genauso langsam wieder aus unserem Einflußbereich raus.
Der Hund gehörte anscheinend zu einem Haus am anderen Straßenende,weit und breit kein Besitzer.

Anschließend hab ich mich auch gefragt,ob diese provozierdende Variante von mir so schlau war? Aber was soll man da wircklich tun, wenn`s kein Herrchen gibt? Schließlich war das sein Revier (wußte ich natürlich,am Anfang noch nicht),kein Herrchen weit und breit ; mein Hund war mit seinem jüngeren Freund da, den er sicher verteidigt hätte, wenn sich der andere Rüde rülpelhaft verhalten hätte.
Ob aus dieser Konstellation ein Spiel oder ein Kampf entstanden wäre,hätten wir unsere Hund frei gegeben - ich weiß es nicht -es war doch einiges an Spannung im Verhalten des anderen Hundes- aber was ich weiß - ich hasse Begegnungen mit Hunde ohne Herrchen,die ich nicht kenne ;D - egal wie verträglich unsere Hunde sind - der Unsicherheitsfaktor ist mir hier zu groß ;D

aber bin offen für andere Vorgehensweisen!

DS

von martin am 18. Februar 2008 11:12
Hallo DS1,

du bist doch keine Nummer oder?

Quote :
Original geschrieben von DS1

- ich hasse Begegnungen mit Hunde ohne Herrchen,die ich nicht kenne ;D - egal wie verträglich unsere Hunde sind - der Unsicherheitsfaktor ist mir hier zu groß.
Bei mir ist das eher umgekehrt. Kommt ein Solitärhund, kann ich i.a, relaxen, da kein Halter irgendwie störend dazwischen geht. Ich kann mich auf meinen Hund verlassen. Ich kann den anderen unabgelenkt beobachten. Ich bin es von Bauernhöfen gewohnt, dass Hunde herkommen und imponieren / kontrollieren. Und? Unsicher und hektisch reagierende Halter sind in meinen Augen unangenehmer.

tschüß martin

von Anila am 18. Februar 2008 15:33
Hallo,

das ist ja spannend, was Ihr da schreibt. Ich hatte mich über den Tipp in dem Hundeschulvideo etwas gewundert. Oder zumindest hätte man vielleicht in dem Video sagen sollen, dass diese Methode besser nicht von Leuten eingesetzt werden solle, die Angst vor einem Hund mit "Pepsodentlächeln", wie Cathy so schön schreibt, bekommen.

Bei mir käme vermutlich nur noch ein dünnes Stimmchen hervor.... da würde auch ein kleiner Hund laut drüber lachen.

Für mich wäre es sicherlich sicherer, einem aggressiven Hund nicht auch noch imponieren zu wollen.

Mein Mann hatte neulich das Glück gehabt, dass 2 große Hunde (Schäferhund-Mix, so die Art) weggegangen sind, als er sie angebrüllt hat. Er ist Radsportler, war mit dem Rad unterwegs, und beide Hunde hatten ihr Grundstück problemlos verlassen können, als er dran vorbei gefahren war, weil es da keine geschlossene Pforte gab. Wenn er keine Besitzer sieht und am Joggen oder Radeln ist, hält er normalerweise an, oder wird langsamer, aber dann kamen beide Hunde zähnefletschend und knurrend angerannt - und kein Besitzer in Sicht. Das Anbrüllen hat in dem Fall geholfen. Jedenfalls sind erst beide weggegangen, einer von denen kam dann aber nochmal bellend und knurrend zurück, hat es sich dann aber nach ein paar Metern überlegt. Trotz Gebrülle und Gebelle - der Besitzer tauchte nicht auf.

Es ist ärgerlich, dass es viele Hundebesitzer gibt, die auf ihre Hunde nicht achten.

Aber ehrlich gesagt... neulich war ich ja selbst so einer. Die Besitzer von dem Labrador hatten keine Leine. Die gehen immer ohne Leine raus. Eigentlich hätte ich lieber eine Leine gehabt, aber ich wollte andererseits auch gerne mit dem Hund raus gehen und bin dann halt ohne Leine los. Als ich dann andere Hunde sah und der Labrador eine Bürste bekam, wurde mir doch ganz schön mulmig. Zum Glück ließ der Labrador sich immer entweder am Halsband nehmen, oder er ließ sich spielerisch ablenken, oder die Bürste legte sich ganz schnell wieder, wenn die Hunde sich begrüßt hatten, oder er ignorierte die anderen Hunde - trotz Bürste. Aber im Grunde denke ich: Glück gehabt.

Jetzt, wo ich die letzten Tage immens viel gelesen habe, denke ich: Das war leichtsinnig.



Viele Grüße
Anila

von Anila am 19. Februar 2008 09:39
Hallo

Also erstmal kommt es natürlich auch hier wieder auf die Situation an (Hund/Halter/Umgebung etc.).

Meiner Meinung nach sind meistens die Hundehalter Schuld, die ihre eigenen Hunde nicht richtig sozialisiert haben. Denn meistens kann man solche Situationen (imponierende Hunde, Nackenhaare stellen, knurren etc.) ohne weiteres meistern. Bedingung ist, dass man seinen eigenen Hund im Griff hat. Für einige Hundehalter ist es halt wichtiger, dass ihr Hund in jeder Lebenssituation auf den Menschen fixiert wird (meiner Meinung nach zu extrem). Also so dass der Hund ja keine Hundekontakte knüpft oder gar darauf seriös sozialisiert wird. Oft höre ich von diesen: „Mein Hund muss mit Artgenossen nicht auskommen, der hat ja sein Rudel (sprich MICH)“. Nun ja, gut und Recht, aber genau diese Hundehalter bekommen dann in solchen Hund-ohne-Herrchen-kommt-Situation Probleme, weil sie ihren eigenen Hund nicht im Griff haben (und das ist nicht gerade förderlich wenn der andere schon mühsam ist). Ich bin auch der Meinung, dass mein Hund nicht jeden anderen Hund mögen muss, aber wenn er einfach keinen an sich ranlässt und sofort ohne Kontaktaufnahme mal auf böse stellt, dann ist das die alleinige Schuld des Halters (sich nicht genug damit beschäftigt, dass der Hund sozial zu Menschen UND Artgenossen ist). Achtung, natürlich muss man seinen Hund nicht zu jedem anderen lassen, aber der Hund sollte auch nicht gleich aggressiv werden, wenn es eben doch mal vorkommt, dass ein anderer unerwartet kommt. (es gibt aber auch hier Aspekte, die ich verstehe, wie z.B. wenn ein Hund gesundheitlich nicht mehr fit ist oder sonst gesundheitsbedingt nicht mehr zu anderen Hunden möchte etc… Schmerzen haben nix mit Erziehung zu tun)

In solchen Situationen (fremder Hund kommt ohne Halter) lasse ich meinen Hund bewusst auch frei, damit er mit dem anderen kommunizieren kann. Das kann ich aber nur machen, weil ich weiss, dass mein Hund solche Situationen souverän meistert und mich dazu nicht braucht. Ich greife erst ein, wenn ich merke, dass der andere Hund die klare Kommunikation nicht versteht oder es nicht gelöst werden kann (oder umgekehrt, wenn mein Hund irgendwie falsch reagieren sollte).

Wir haben in unserer Nähe einen Rentner mit einem Appenzellerrüden. Dieser geht auf jeden Hund los. Leider lässt der Rentner immer wieder die Leine los, weil der Kleine „unerwartet“ losprescht. Was natürlich bedeutet, dass der Hund die Chance nützt und loslegt. Meiner wehrt sich dann natürlich aber der andere lässt nicht ab. dort MUSS ich eingreifen, da es sonst nicht aufhört (auch nicht wenn man wegläuft) und auch wenn mein Hund in Raufereien abrufbar ist, kann er da nicht weg, weil der andere nicht loslässt (endet sowieso meistens mit kahlen Fellstellen oder gar ein bisschen Blut). Diesem musste ich letztes Mal (der Rentner kam erst nach ca. 10 Minuten in Ruhe angelaufen) das Knie auf die Stirn rammen, damit er schnell die Orientierung verlor, danach habe ich ihn festgehalten bis der Rentner kam und meinen natürlich weggeschickt. Diesen Situationen kann ich schlecht aus dem Weg gehen, da er wirklich in der Nàhe wohnt und oft der Hund eben 10-20 Minuten voraus läuft und er ihn somit nicht sieht.

Dann gibt es noch die „einfachen“ Raufereien zwischen Rüden (kann auch mit Hündinnen sein), diese sind oft sehr laut und man könnte meinen die bringen sich gegenseitig um, aber solche „Kämpfe“ sind meist nach 2-3 Sekunden wieder durch, sobald geklärt ist, wer hier das Sagen hat. Dort sollte man nicht dazwischen gehen. Ich unterstütze jedoch auch solche kleinen Raufereien überhaupt nicht bei meinem Hund. Als er früher damit angefangen hat, habe ich ihn mal in den Schwitzkasten genommen und danach hat er das nie wieder gemacht. Und noch was, ja nicht stehen bleiben sondern einfach weg laufen, am besten der eine Halter in die eine Richtung und der andere geht in die entgegen gesetzte Richtung.
Man kann aber erst zwischen den diversen Situationen unterscheiden, wenn man die Hundesprache kennengelernt und diverses erlebt hat.

Wie immer ist auch hier wichtig, dass der eigene Hund sich geschützt fühlt. Auch wenn ich meinen Hund manchmal machen lasse, weiss er, dass ich sofort einspringe, wenn es unangenehm wird oder er überfordert ist. Das ist sehr wichtig (aber eben man sollte es nicht übertreiben mit dem „er soll auf mich fixiert sein“).

So, von meiner Seite wärs das;-)

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