Alter Schäferhund - schlecht sozialisiert - Hoffnung? :: Hundeerziehung + Soziales

Alter Schäferhund - schlecht sozialisiert - Hoffnung?

von blodwyn am 11. Dezember 2009 19:23
Liebe Yorkies,

nach längerer Pause melde ich mich heute mal wieder - und prompt mit einem Problem. Wir haben in den vergangenen Wochen jede Menge Zeit und Nerven damit verbracht, nach einem neuen Hund zu suchen, der zu uns passen könnte, nachdem unsere Lene gestorben war.
Zunächst wollten wir KEINEN alten Schäferhund mehr, sondern etwas ganz anderes.
Nun haben wir aber seit gestern doch wieder eine alte Schäferhündin hier - vorerst zur Probe, weil wir nicht sicher sind, ob es gut geht......
Wir würden gerne mehrere Hunde haben - das könnte mit ihr schwierig werden. Und, wichtiger noch: Wir haben eine Katze und sie muß hier leben, ohne der Katze etwas zu tun oder die Katze auch nur zu stressen. Die Katze ist unser Ein und Alles und hat ältere Rechte.
Das zur Grundvoraussetzung.
Die Hündin ist 11 Jahre alt, körperlich noch fit. Und sie war von Welpe an bei ihrer Familie bzw. ihrem Herrchen. Ein echter Schäferhundmann, mit SV-Aktivitäten und so. Er hatte wohl immer Schäfis, hat die dann auch zum Schutzhund ausgebildet. Bei dieser Hündin kam er aber nicht mehr dazu, weil er sich den Oberschenkel brach und dann nicht mehr gut zu Fuß war. Folge: Die Hündin lebte sehr verwöhnt mit im Haus, hat einen guten Grundgehorsam, ist super zu Menschen, aber hat Null Sozialisierung mit anderen Hunden (oder sonstigen Tieren).
Sie reagiert an der Leine (denn ableinen tun wir sie nach einem Tag natürlich nicht) ätzend auf andere Hunde. Sie macht nicht total den Molly (zum Glück, ein Hoffnungsschimmer also), aber sie stellt die Nackenhaare und als sie heute zwei Hunden Nase an Nase begegnet ist, die an ihr Schnuffeln wollten, hat sie sofort geschnappt und Riesen-Aggressions-Theater gemacht. Vermutlich aus purer Unsicherheit.
Mit der Katze ist sie noch nicht zusammen gekommen, weil Katze sich verkrümelt bei so viel Hund im Haus hier. Das steht also noch aus, aber meine Vermutung ist auch hier, dass sie nicht brav bleiben wird und wir in ständiger Panik sind, dass sie der Katze was tun könnte - ja, ich weiß, keine guten Voraussetzungen.
Ich zwinge mich zu positivem Denken. Und zu Hoffnung. Und es gibt ja auch viele gute Dinge. Sie gehorcht prinzipiell gut (ist aber schwerhörig, um nicht zu sagen fast taub). Sie bleibt lieb im Haus auch allein (keine Randale, kein Terror, ist ruhig und pennt). Sie ist super gelehrig und möchte ihren Menschen gefallen, ist also kooperativ. Sie läßt alles mit sich machen (von Menschen), ist also nicht super dominant (meine Theorie).
Es gibt also "nur" die Katzenvergesellschaftung und die Sozialisierung mit Artgenossen zu lösen. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen. Ich bin jetzt schon komplett durch den Wind, weil ich totale Angst habe, dass es schief geht. Werden wir nie einen weiteren Hund hier haben können? Wird sie die Katze fressen?
Oder gibt es jemanden, der einen solchen Hund nehmen würde (wir haben sie aus Mitleid hier, weil es sonst niemanden gab, der sich für sie interessiert hat - würden sie gern in einem guten Zuhause sehen, das müssen nicht wir sein).
Ihr Herrchen ist Anfang des Jahres gestorben. Seitdem lebte sie allein auf dem Hof ihres Herrn und nachts dort im Haus. Die Angehörigen versorgten den Hund dort zwei Mal täglich. Aber viel Ansprache, viele Reize und viel richtiges Handling draußen wird sie nicht gehabt haben. Vermutlich ist sie eh nicht viel Gassi gegangen - schon gar nicht cool und relaxt, weil Opa nicht mehr laufen konnte und die Angehörigen nicht super viel Ahnung und Beziehung haben, was Hunde betrifft, so scheint es. Sind aber super liebe LEute, die alles tun möchten, damit die Süße nicht ins Tierheim muß und würden sie auch wieder zurück nehmen, wenn es hier nicht klappt. Nur mir tut der Hund einfach leid. Und ich bin echt Schäfifan. Allerdings hatte ich nie einen, der mit anderen Hunden gar nicht klar kam.
Nach langem Sermon meine Frage: Glaubt Ihr, es hat Sinn, es tapfer weiter zu versuchen mit ihr, oder ist es eher aussichtslos bei einem so alten Hund, der so gar nichts kennt außer Menschen?
Ich möchte uns und vor allem auch ihr den Stress nicht antun, dass sie, kaum eingelebt, doch wieder weg muß. Sie hier ständig von Katze (und damit auch lange von uns, denn Katze braucht auch viel Gesellschaft, da sie nicht raus kann) zu trennen, ist sicher nicht toll für den Hund.
Oder kennt Ihr jemanden, der sich für so einen Hund interessieren würde (als Einzelhund sicher toll)!
Selbst eine kleine mentale Aufmunterung und Hoffnung würde mir schon helfen. Ist zwar erst Tag zwei, aber meine Nerven liegen echt blank, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, diesen "Versuch" überhaupt gestartet zu haben, obwohl wir wußten, dass die Voraussetzungen schlecht sind....und EIGENTLICH warten in Norddeutschland zwei Notfallhunde (klein und verträglich auch mit Katzen) auf uns, denen ich nun erstmal absagen mußte - schweren Herzens.
Ein echter Konflikt, den Hündin sicher auch mitbekommt......
Ja, ich muß cooler werden und geduldig sein. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und es gibt viel Positives über sie - könnte also schlimmer sein.

Wäre trotzdem froh, wenn Ihr Tipps hättet.

Danke schon ganz herzlich im Voraus,

Sabine

von Ghizmo am 11. Dezember 2009 20:35
Puh, das klingt ja wirklich ziemlich verzwickt und anstrengend, fühl sich erstmal gedrückt!
Ich kann gut verstehen , dass du der alten Dame noch ein paar schöne letzte Jahre schenken möchtest. Leider traue ich mir da eine Einschätzung nicht wirklich zu, habt ihr vielleicht die Möglichkeit, dass sich ein Trainer einmal die problematischen Situationen anschaut und seine Einschätzung dazu abgibt?
Wie reagiert sie denn generell, wenn sie andere Hunde aus "sicherer" Entfernung sieht (sorry, falls ich das überlesen haben sollte). Reagiert sie nur bei direktem Kontakt gestresst? Wenn ja, dann würde ich versuchen, den Abstand mit der Zeit immer etwas zu verringern, immer nur so weit, wie sie noch entspannt ist. Wenn sie in den elf Jahren ihres Lebens noch nicht wirklich viel Kontakt zu Artgenossen hatte wird das wahrscheinlich erstmal sehr gewöhnungsbedürftig für sie sein.
Könntet ihr es vieleicht mit der Katze mal so probieren, dass ihr sie mit Geschirr und Leine "sichert", die Katze in den Raum lasst und ihre Reaktion beobachtet als erst Hinweise? Oder traut sich die Miez gar nicht mehr raus, seit ihr sie habt?
Ich hoffe, dass du noch viele viele Antworten zu denen Fragen bekommst, hier sind ja einige sehr hundeerfahrene Menschen unterwegs!
Alles Gute für euch!
Viele liebe Grüße von
Julia und Luna

von Frieda am 11. Dezember 2009 20:57
Huhu,

also ich muss ehrlich sagen, dass ein anderes Heim für sie besser wär. Das hat weniger mich eurem Stress, als mit dem Stress zu tun, den vermutlich die Hündin auch erleiden wird. Für sie wird es schwer sein in ihrem doch hohen Alter sich noch anzupassen, dann kommt ihre Taubheit dazu, das eine Kommunikation mit euch und auch Sozialisierung mit anderen Hunden noch erschweren UND du bist nach zwei Tagen schon fertig UND du willst eigentlich mehr als nur einem Hund helfen UND du zweifelst selbst.
Ich denke ein Heim für sie zu finden ist möglich. Wird wohl etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber ich würde mir den Stress bei einem solch alten Hund nicht mehr aufhalsen. Ich arbeite selbst auch gern mir Hunden, würde aber aufgrund des Alters eher dazu tendieren ihr Ruhe und nicht ewige Herumdoktorei zuzumuten. Das würde ihr aber bei euch "blühen", denn ihr braucht einfach eine andere Grundlage, um mit ihr zu leben. Kann natürlich auch sein es regelt sich schnell, aber da sie wohl die letzten 11 Jahre so gelebt hat und die restliche Welt eher spärlich kennen gelernt hat würde das wohl eher eine schwierige Aufgabe werden.
Wenn ihr also eher was anderes wolltet, dann würde ich auch dem Hund zuliebe (sie spürt ja auch eure Bedenken) lieber eine andere Möglichkeit für sie suchen.

LG Frieda

von blodwyn am 11. Dezember 2009 21:24
Liebe Frieda,

danke für die ehrlichen Worte.
Einerseits waren das auch unsere Gedanken: Entweder es funktioniert, weil es so sein soll, oder wir trennen uns wieder von ihr.
Aber jetzt nach den beiden Tagen, ist es doch nicht ganz so eindeutig zu beurteilen.
Ja, sie kennt nur ein anderes Leben. Aber das, was sie hier nun erlebt, scheint sie nicht so arg zu stressen, wie Du vielleicht meinst. Sie ist super aufgeschlossen, freundlich, tut alles, um uns "zu gefallen" und schläft auch schon wieder tief und fest - sie kommt also schon zur Ruhe und diese Ruhephasen gönnen wir ihr auch. Wir doktern da auch nicht nur dran rum.
Die Katze wird sie kennenlernen und dann sehen wir, wie schlimm es ist. Das ist mal der Hauptfaktor. Katzenwohl geht über alles.

Ob sie mit anderen Hunden kann, ist weniger entscheidend. Ja, wir hätten gerne mehr als einen. Aber hatten die letzten Jahre auch nur unsere Lene, weil die nur als Einzelhund happy war (wir wollten auch kein Haus wie das, in dem wir jetzt glücklich sind und keine Beziehung und sind nun darin total glücklich - manchmal muß man offen für Veränderungen sein. Und bei einem oder zwei anderen "neuen" Hunden, wäre ja auch ein Risiko, dass es schief geht).

Sollte jetzt DAS perfekte Zuhause für sie auftauchen, geben wir sie gerne ab. Aber die Familie hat seit einem Dreivierteljahr - eben auch wegen der Probleme mit anderen Tieren - niemanden gefunden. Falls Dir jemand einfällt, bitte bescheid geben. Die Alternative für sie wäre es, weiterhin allein auf dem Hof zu leben, der aber verkauft werden soll, oder im Tierheim zu landen - was bei Antipathie gegen Artgenossen noch mehr Stress wäre.
Wir können hier unten im EG "Hundereich" machen - da trifft sie Katze dann auch nicht. So war es bei Lene auch.
Übrigens hat sie heute auch unsere Minschweine kennengelernt. Zuerst durch die Scheibe angekläfft, aber dann wr sie friedlich und als ich die beiden draußen gefüttert habe, saß sie interessiert vor der Tür. Sie machte auch keine Anstalten sich auf die beiden zu stürzen.
Sie ist also nicht in permanentem Stress. Aber alles Neue ist nun mal aufregend.
Dass wir grade etwas "am Rad drehen", ist vielleicht das größte Problem. Haben auch ehrlich gesagt Angst vor der eigenen Courage.
Wenn es nicht geht, werden wir sie zurück geben, keine Frage. Aber ich möchte das nicht nach zwei Tagen entscheiden. Sie hat eine Chance verdient. Und so wie sie wirkt, kann man ihr das auch zumuten. Denn sie findet neue Situationen - obwohl sie wenig kennt - spannend und ist neugierig.

Insofern: Einerseits gebe ich Dir recht. Aber so wie es grade läuft, spricht eben doch vieles für ein Fortführen des "Versuchs".

Allerdings wären ein paar Tipps von Leuten, die sich auskennen, schon hilfreich für uns.

Sabine

von Frieda am 11. Dezember 2009 22:00
Huhu,

*g* die Antwort klingt aber schon wieder ganz anders, als dein Anfangsthread. Aber macht nichts. Naja ihr könnt es auch einfach auf euch zukommen lassen, aber wenn sie sich einmal eingelebt hat, dann wäre es halt doof sie wieder abzugeben. Für einen solch alten Hund ist das ja doch härter als für einen Jungspunt.
Aber in Sachen Sozialisierung mit anderen Hunden muss ich wirklich sagen, dass ihr es wohl verbessern könnt, aber ein Hund in dem Alter wirklich nicht mehr gut Freund mit anderen werden wird. Vielleicht wird sie lernen ruhig an ihnen vorbei zu gehen, aber nach so langer Zeit wird das wirklich schwierig. Mein Hund war an sich gut sozialisiert, aufgrund von schlechten Erfahrungen und mangelnder Kontrolle meinerseits wurde er aber auch garstig gegenüber anderen Rüden. Bei ihm hat es ZWEI Jahre gedauert, bis er wirklich verträglich war und man ihn ohne Schwierigkeiten mit allen fremden Hunden laufen lassen konnte. Und ja, das bedeutete harte Arbeit und sehr viel Stress für uns beide. Den würde ich einem alten Hund nicht mehr zumuten. Wenn sie keine Hunde mag, dann ist es eben so. Lasst sie sich einleben und dann geht eben mit Schleppleine spazieren. Wenn ihr euch unsicher seit, versucht es mit Maulkorb um so zu sehen, wie es klappt und dann kann man sich immernoch langsam an alles rantasten. Ist sie wirklich vollkommen unverträglich wird es ihr in ihrem Lebensabend wohl nich weh tun, wenn sie nun auch keinen Kontakt mehr zu Hunden hat. Ein gutes Zuhause ist da wohl wichtiger.
Tipps kann ich dir sicher geben und auch einige andere hier, aber am wichtigsten ist es sicher, dass ihr erstmal das mit der Katze und mit eurem Gewissen klärt und dann kann man den Rest angehen.

LG Frieda

P.S.: Leider kenne ich niemanden, der eine solch alte unverträgliche Hündin aufnehmen würde. Gerade da sie auch nicht gerade klein ist. Auf jeden Fall müsste es ja ländlich sein. Stadt wäre wohl sehr grausam.

von Sciuba am 12. Dezember 2009 13:38
Hallo Sabine und alle anderen,

die Lage ist bestimmt nicht die einfachste, aber ich frage mich hier erst einmal etwas ganz anderes: wie kann man sich nach 2 Tagen solche Fragen stellen? Ich meine: das Tier hat 11 Jahre lang ein besimmtes Leben gelebt, mit einer Person, die der Schäferhund wahrscheinlich geliebt hat. Und jetzt ist er in einer vollkommen anderen Umgebung, neue Menschen, Mitbewohner, Gerüche, neuer Rythmus. Ich denke, da reagert JEDER - zwei-, vier- oder wieviel-beinig - erst mal total gestresst, aggressiv, appatisch - je nach Typ eben. Sie ist vielleicht doch ganz sozial, aber im Moment eben kann sie sich nicht auch noch mit anderen befassen, will alle erst einmal weg haben, um zu begreifen, dass da was einschneidendes, veränderndes in ihrem Leben passiert.

Ich denke, dass man fühestens nach einer Woche die ersten Tendenzen entdecken kann. Meine Güte: selbst wenn man ein Kind adoptiert, hat man eine 'Eingewöhnungesfrist', um zu sehen, wie es sich wahrscheinlich entwickeln wird.

Deine Katze betreffend: Tiere sind um Lichtjahre toleranter als Menschen, die Katze nicht dumm. Wenn sie vielleicht nicht kuscheln werden später, so werden sie ganz bestimmt nicht 'Tom und Jerry' spielen. Da würde ich erst einmal gar keinen Gedanken verlieren.

Ich weiss, dass ich dir mit meiner Antwort keinen Tipp gebe und auch nicht weiterhelfe... wollte nur meine Meinung dazu sagen. Drücke dir alle Daumen, dass es so klappt, wie du es möchtest. Übrigens toll, dass du gleich nach dem Tod des einen schon wieder einen anderen hast. Da bin ich leider ganz anders gestrickt...

LG

Heidi

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