Zerstörungswut :: Hundeerziehung + Soziales

Zerstörungswut

von krissel am 10. Juli 2010 00:35
Guten Morgen an alle! Seit etwa 4 Stunden stöbere ich hier bei euch im Forum herum und habe mich grad eben registriert, nachdem ich wirklich nützliche und hilfreiche Tips hier gefunden hab. Hoffe nur, ich bin nun in der richtigen Rubrik um mein Problem zu schildern und um Hilfe zu bitten.

Ich selber habe einen 4 Jahre alten Collie (Moritz, unkastriert) und seit ca. 6 Monaten waren wir auf der Suche nach einem Hund für meinen Lebensgefährten. Vor etwa 6 Wochen bekam ich einen Anruf von einer Freundin, die uns einen in Not geratenen Hund "anbot". Die Besitzer wollten diesen unbedingt loswerden, da die Frau mit dem Hund und den Kindern völlig überfordert war. Wir haben uns Don (Deutsche Dogge) dann im Inet angesehen und uns sofort in diesen Hund verguckt. Das "Probetreffen" verlief sehr gut und Don zog bei uns ein.

Don wird im August 5 Jahre alt, ist unkastriert, gut abrufbar, lieb, verschmust und unheimlich anhänglich. Nun muss ich dazu sagen: Wir sind die 4.!!!! Besitzer. Als er bei uns abgeliefert wurde (leider kann ich es nicht anders sagen), war uns bekannt, dass er nicht gerne alleine bleibt, er würde dann jaulen. Das macht er hier nicht, er jammert nur leise vor sich hin, beruhigt sich auch nach einiger Zeit und legt sich wartend auf seinen Platz.

Heute musste er nun (das erste Mal) 4 Stunden alleine bleiben und das hat er nicht so gut vertragen. Er scheint Panik entwickelt zu haben, dass wir nicht wiederkommen und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hintertür (Holz) gekratzt. Da er sich ruhig verhielt als ich nach Hause kam, konnte ich ihn natürlich nicht bestrafen. Und leider habe ich auch keine Ahnung, wann er aufgehört hat zu kratzen. Hat er mich gehört und deshalb aufgehört oder hatte er schon vorher kein Interesse mehr an der Tür?

Zur Zeit traue ich mich noch nicht, die beiden Hunde zusammen zu lassen wenn ich nicht im Haus bin. Moritz hat Don einige Male heftig aus Eifersucht attackiert, aber das hat sich seit 2 Tagen nun gegeben. Allerdings habe ich immer noch Bedenken, was passiert, wenn niemand hier ist. Für kurze Zeit klappt es, das habe ich schon probiert.

Macht es Sinn, sich mit einem Tierheilpraktiker in Verbindung zu setzen, sich dort etwas für ihn "verschreiben" zu lassen, dass er sich entspannt? Oder helfen/reichen in dieser Situation auch die Notfall-Tropfen (Bachblüten)? Ich hab ihm die (nach Beratung in der Apotheke) am Tag seines Einzugs gegeben, da er doch sehr unter Stress stand (zittern, extremer Speichelfluss, unruhiges Hin- und Hergelaufe).

Hat jemand eine Idee, wie ich unsere Türen retten kann? Ich bin für jede Hilfe dankbar!!!!

LG, Kerstin

von Anila am 10. Juli 2010 21:48
Hallo Kerstin,

ich bin vermutlich auch die 4. Besitzerin von meinem Border Collie. Ich dachte immer, ich wäre Nr. 3, aber lt. Impfpass hat er zumindest schon 4 Namen gehabt. Er hatte diverse Macken: Hat sich mit anderen Hunden gebissen, hatte Stereotypien entwickelt (Lecken), hatte zu Menschen kein Vertrauen gehabt, hat dauergebellt, wenn er alleine war, hat dann auch Dinge zerstört, hat alles mögliche markiert.

Allerdings hat meine Vorgängerin schon intensiv mit ihm gearbeitet, was zumindest auch zeigt, was alles machbar ist! Daher also: Ihr bekommt das bestimmt auch hin.

Aber bis dahin mag es noch ein Weilchen dauern. Dass Alleinebleiben würde ich wirklich sachte üben - 4 Stunden sind für Don offenbar ganz klar zuviel. Dass du ihn unter diesen Umständen mit Moritz nicht alleine lassen möchtest, kann ich gut nachvollziehen.

Bei mir war es so, dass ich mir eine Hundepension gesucht habe. Mitunter haben wir Geschäftsbesuch und einmal pro Jahr muss ich auf Geschäftsreise. Damit das für Durian dann nicht die totale Umstellung ist, halte ich regelmäßigen Kontakt zu der Pension, er ist also immer mal wieder dort, er kennt die Leiterin und mag sie sehr gerne, und er kennt die Stammgäste und die Umgebung.

Ich denke, dass das auch für dich die beste Alternative ist. Oder ein oder eine sehr kompetente Gassigeherin.

Ich glaube, dass das wichtig ist, denn wenn Don in Panik gerät, kann es gut sein, dass er nächstes Mal noch früher in Panik gerät, dass weitere Auslöser hinzu kommen, die ihm dein Gehen ankündigen, usw..

Diese Pension- oder Gassigeher-Lösung muss nicht von Dauer sein, aber vorübergehend. Und in der Zeit kannst du gezielt das alleine bleiben üben.

Auch das leise Jaulen ist eigentlich schon zuviel. Schreib auf, ab wann genau die ersten Stressanzeichen sichtbar werden (jaulen, hecheln, bellen....) und arbeite dich in ganz kleinen Schritten voran. Gehe sofort einen Schritt zurück, falls er überfordert wurde.

Durian war bei mir noch nicht länger als 4 Stunden alleine, aber ganz selten ist das vorgekommen und das schafft er jetzt - nachdem er aber intensives Training (durch meine Vorgängerin) genossen hat.

Viele Grüße
Anila

von krissel am 13. Juli 2010 21:45
Hallo Anila!

Zunächst einmal vielen Dank für deine Antwort. Die Idee mit einer Gassigeherin haben wir schon diskutiert und auch für gut befunden. Nun müssen wir nur noch eine Person finden, die sich traut mit unserem "kleinen Bauerntrampel" loszugehen *lach.

Samstag morgen war ich in der Apotheke und habe dort mit einer Mitarbeiterin gesprochen, die auf Bachblüten für Tiere spezialisiert ist. Außerdem hat sie selber immer wieder Spanienhunde in Pflege, die hier in Deutschland vermittelt werden sollen. Sie hat für Don einen Cocktail zusamengemischt, der sehr gut anschlägt. Samstag hat er tatsächlich 2,5 Stunden ganz alleine verbracht. Er war so entspannt, dass er 2 Stunden geschlafen hat und nach dem Aufwachen noch 30 Min alleine verbracht hat, ohne Jaulen!!! Dann habe ich ihn erlöst und wie wild gelobt und Leckerlies verteilt. Sonntag hatten wir den gleichen Erfolg.

Seit Sonntag abend leckt Moritz Don die kleine Wunde, die er ihm selber verpasst hat. Und wenn ich die Wunde kontrollieren will, dann schaut "Oberschwester Moritz" mir ganz genau auf die Finger. Kein Geknurre und Gebeisse mehr im Haus, die beiden liegen friedlich nebeneinander und fressen sogar mittlerweile abwechselnd aus einem Napf.

Montag abend habe ich die beiden dann alleine in der Wohnung gelassen, ca. 45 MIn lang. Es lief wunderbar, kein Ärger, keine zerstörten Türen. Das werden wir nun weiter üben, wahrscheinlich beruhigt es Don, wenn Moritz dabei ist. Der legt sich nämlich faul auf sein Kissen und genießt die Ruhe im Haus.

Auch wenn noch nicht alles perfekt läuft, bin ich doch mit den Fortschritten in den letzten Tagen mehr als zufrieden. Don galt als sehr gelehrig und das beweist er mir jeden Tag wieder.

Moritz fühlt sich wieder wohl, Don hat endlich ein Zuhause, beide Hunde sind entspannt und zufrieden, Don frisst endlich wieder vernünftige Portionen (und wird sich hoffentlich bald die fehlenden 10 kg wieder angefressen haben), sein Fell glänzt und so sauber wie bei uns war er bestimmt die letzten 2 Jahre nicht (denke ich zumindest).

Und nun wird es Zeit, die Jungs und ich müssen ins Bett.

Wir wünschen euch allen eine charmante Nacht, schlaft gut und tws!

LG, Moritz, Don und Kerstin

von Anila am 15. Juli 2010 20:47
Hallo Kerstin,

das ist ja irre! Das sind doch tolle Fortschritte in so kurzer Zeit? Führst du es auf die Bachblüten zurück? Was für welche hat Don denn bekommen?

Viele Grüße
Anila

von krissel am 16. Juli 2010 19:31
Hallo Anila!

Es gibt sogar noch mehr Erfolge zu verbuchen: Moritz und Don bleiben nun morgens zusammen hier in der Wohnung. Das klappt super, kein Gejaule, kein Gestreite!!

Ja, ich führe es auf die Bachblüten zurück, ich glaube an natürliche Heilmethoden, gebe ja selber auch Reiki. Moritz bekommt Holly und Heather (gegen Aggressionen aufgrund von Eifersucht und Verlustangst). Don bekommt einen Cocktail aus Aspen, Mumulus, Centaury, Rock Rose, Star of Beth. und Spir. (?). Bei ihm mussten ja mehrere Sachen in Angriff genommen werden, deswegen die verschiedenen Sachen. Der arme Kerl hatte ja bis jetzt nicht viel Glück in seinem bisherigen Leben. Wurde körperlich misshandelt, ständig angebrüllt, wurde immer irgendwo in der Ecke abgelegt und vernachlässigt. Dazu kam dann Bestrafung durch Liebesentzug (ich glaube, das war das schlimmste für ihn, er ist die größte Schmusebacke die ich kenne). Aber die Zeiten sind nun vorbei, nun sitze ich ständig im Garten auf dem Rasen und schmuse mit beiden, einen rechts, einen links. Die Dosis der Tropfen konnte ich mittlerweile auch runtersetzten: Anstatt 4 mal am Tag bekommen die beiden nur noch 2 mal am Tag (morgens und abends) und auch nur noch die Hälfte der ursprünglichen Dosierung.

Vorhin hab ich Don erstmal "gebadet": 2 Eimer lauwarmes Wasser und einen Mikrofaser-Handschuh (eigentlich zum Staubwischen entwickelt) in den Garten und los gings. Er war nicht sehr begeistert, hat es aber brav über sich ergehen lassen. Danach eine kräftige Rubbelmassage zum Abtrocknen und die Welt war wieder in Ordnung. Nun sieht er aus, als ob er eine Politur bekommen hat *lach.

Übrigens: Diesen Mikrofaser-Handschuh kann ich für kurzhaarige Hunde wirklich empfehlen, auch im trockenen Zustand, das Fell glänzt danach ganz einfach super!!! (Versuch macht eben klug *fg)

Hier noch ein Tip, wer sich für Bachblüten für Hunde interessiert: Es gibt ein sehr schönes Buch, heisst "Bachblüten für Hunde" von Petra Stein, erschienen im Kosmos Verlag. Habe kurz reingeschaut in der Apotheke als ich auf Dons Cocktail gewartet hab und beschlossen, dass muss in meine Sammlung.

Und nun fange ich an, seine körperlichen Probleme zu behandeln. Da er ein wenig steif in den Hüften ist, bekommt er dort nun jeden Tag Reiki, jeden Tag lange Spaziergänge, spielen im Teich (flaches Wasser). Ich hoffe ja, das er irgendwann mal mit mir schwimmen geht, zur Zeit traut er sich nur bis zum Bauch rein. Böschungen hoch und runter (irgendwie muss er doch mal ein paar mehr Muskeln aufbauen). Und vor allem muss er sich noch ein wenig mehr Gewicht anfressen, damit man seine Rippen und Rückenwirbel nicht mehr so sieht, die stehen ziemlich raus zur Zeit.

Das alles kommt mir sehr bekannt vor. Als Moritz bei mir einzog, hab ich mit ihm das gleiche Programm durchgezogen, er war damals 5 Monate alt und auch völlig unterentwickelt (er war Schmuggelware aus Polen, ich hab ihn von einer Bekannten, die solche Tiere wieder aufpäppelt). Meine Tierärztin hatte schon Verdacht auf HD geäußert, als er 9 Monate alt war. Heute ist er ein kräftiger, gut bemuskelter, ausdauernder Collie, keine Rede mehr von HD. Werde die nächsten Tage mal ein schönes Foto machen und schicken.

Was sagen mir diese positiven Erfolge: Es lohnt sich immer Zeit, Arbeit und viiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeellllllllllll Liebe in ein Tier zu stecken, man bekommt es mindestens hundertfach zurück.

Und nun muss ich mich leider verabschieden, mein neues "Dreamteam" drängelt, die wollen rennen.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende!

LG, das glückliche Trio Moritz, Don und Kerstin

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