Bellen im Restaurant! :: Hundeerziehung + Soziales

Bellen im Restaurant!

von Veronika(YCH) am 16. Dezember 1998 13:38

Hallo!
Seit 2 Jahren besitze ich eine Mittelschnauzerhündin. Von klein auf haben wir sie in Restaurants mitgenommen und noch nie gab es Probleme. Die Leute merkten erst, daß ein Hund unterm Tisch lag, wenn wir aufstanden und gingen. Nun war ich übers Wochenende in GAP. Mit Hund waren wir schon 9 mal dort. Auch die Restaurants kennt der Hund schon. Nun geschah aber folgendes. Der Hund lag unterm Tisch. Die Tür ging auf und plötzlich fing der Hund an zu bellen. (Der Ecktisch stand direkt neben der Tür). Wir saßen schon früher an diesem Tisch und es hat sie nieee gestört. Am nächsten Tag waren wir wieder in demselben Lokal. Da war sie brav. Am dritten Tag saßen wir an einem anderen - Wicki bekannten- Ecktisch. Da ging ein Mann an uns vorbei zur Toilette und sie fing wieder an zu bellen. Als er zurück kam bellte sie wieder und grummelte dann einige Zeit vor sich hin. So richtig schön in Schwung knurrte sie auch den Mann am Nachbartisch leise an. Sie war nicht zu beruhigen.
Kam die Bedinung, gab es keine Probleme. Auch als wir dann zum Tisch des Mannes gegangen sind und uns unterhalten haben, zeigte sie keinerlei Reaktion. Am Mann selber kann es also nicht gelegen haben. Wir haben schon überlegt, ob sie vielleicht sehr tief geschlafen hat, aber wieso hat sie dann die Bedinung nicht angebellt? Außerdem war sie eben nicht zu beruhigen.
Wir sind nun ein klein bisschen beunruhigt. Denn wir wollen natürlich nicht, daß dieses Verhalten die Regel wird und sie sich einbildet, sie müsse nach einer gewissen Zeit ihren Platz vor allen fremden Leuten beschützen.

Danke schon im voraus für eure Tips

Veronika

von Roswitha(YCH) am 16. Dezember 1998 18:33

Hallo Veronika

Super, dass Du jetzt schon fragst und nicht erst, wenn sie schon dauerkläfft. Es hat sich in allen Situationen, in denen Aufregung (bellen, knurren) im Spiel ist mehr als bewährt, das NICHT-AUFREGEN zu belohnen.

Geht also ins Restaurant, etwas weiter weg von der Türe wäre optimal und belohnt sie fürs ignorieren des Personals, der anderen Gäste etc., die sich irgendwann in Eure Nähe bewegen. Haltet also die Leute im Auge und nicht den Hund, während ihr sprecht, esst (keine unnatürliche Stille aufkommen lassen) und lasst ihr ein Guetzli vor die Nase fallen (so fängt sie nicht zu betteln an). Bettelversuche einfach ignorieren, falls sie doch auf die Idee verfällt. Das gibt ihr eine andere Erwartungshaltung, die mit Aufregung nicht vereinbar ist und das Verhalten kann sich erst gar nicht festsetzen.

Es ist bewiesen, dass Tiere (Menschen wahrscheinlich auch, weiss ich aber nicht) falls sie die Möglichkeit erhalten, nicht aggressiv zu antworten, die friedliche Reaktion vorziehen.

PS: Nicht schimpfen, nett sein oder sonstwas, während sie knurrt, bellt, auch wenn Euch das ganze Restaurant böse ankuckt. Aufmerksamkeit verstärkt eben das Verhalten (das positive wie das negative). Also wenn sie gebellt hat, nach ganz kurzer Funkstille ihrerseits belohnen. So kapiert sie es noch schneller.

Liebe Grüsse
Roswitha

von Veronika(YCH) am 19. Dezember 1998 12:53

Hallo Roswitha!
Ich muß gestehen, daß ich Deinen Tip nicht so ganz kapiert habe. Wenn wir in ein Restaurant gehen, dann legt sich Wicki ganz brav unter den Tisch und dann, ganz plötzlich - wir waren einmal mitten beim essen, das andere Mal schon fertig - fängt sie zu bellen an. Das wird dann bei Ermahnung zum Knurren. Da hilft auch kein Schnauzengriff. Deine Methode würde doch bedeuten, das wir den Hund dazu bringen müßten, während des Restaurantbesuches nicht zu schlafen bzw. zu dösen, oder? Aber genau das wollen wir doch beibehalten.
Vielleicht kannst Du mir Deine Überlegungen nochmal erklären oder vielleicht hast Du ja noch ne andere Idee.
Schöne Grüße
Veronika

PS.: Liegt bei euch Schnee??

von Roswitha(YCH) am 19. Dezember 1998 20:22

Hallo Veronika

Danke fürs Nachhaken!!

:ganz plötzlich - wir waren einmal mitten beim essen, das andere Mal schon fertig - fängt sie zu bellen an. Das wird dann bei Ermahnung zum Knurren. Da hilft auch kein Schnauzengriff.

Ja, von dieser Einschätzung ging ich aus, es ist nicht verbietbar, auch bei gehorsamen Hunden nicht (jemand kennt sicher auch eine Ausnahme dieser Regel). Selbst habe ich aber noch keine getroffen in den letzten 20 Jahren.

grinning smileyeine Methode würde doch bedeuten, das wir den Hund dazu bringen müßten, während des Restaurantbesuches nicht zu schlafen bzw. zu dösen, oder? Aber genau das wollen wir doch beibehalten.

Das Dösen wird sofort unterbrochen, auch wenn sich nur ein Auge öffnet oder ein Ohr sich ausrichtet. Sie nimmt beim Dösen 100%ig jeden Gast war, der sich innerhalb ihres Gehör-, Gesichtskreises etc. bewegt. Deshalb denke nun bitte einen Schritt weiter. Irgendwann wird ein Gast für sie zum Grund, zu bellen etc. Eure verbale Intervention (wie auch immer) erregt sie noch mehr. Also wird sie in Kürze häufiger bellen. Auch ein 100%-Gesetz (s.o.): Aufmerksamkeit ober beruhigend nett oder verbietend, strafend, korrigierend verstärkt das Verhalten.

Als Mensch will man automatisch etwas dagegen tun (ist unser Erziehungskonzept). Genau da liegt der Hase im (Verständnis-)Pfeffer. NEIN, nicht dagegen, sondern FÜR das Ruhigsein. Auch hier verstärkt Aufmerksamkeit das Verhalten, nämlich das erwünschte. Ihr gebt ihr also einen Grund, sich wieder zu entspannen, wie es früher war. Pseudonyme dafür wären: Ihre Erwartung ändern, Erwünschtes positiv bestärken.

Nach einer Weile (manchmal eine lange)wird sie sich wieder so wohl fühlen, dass sie sich wieder entspannt.

tongue sticking out smileyS.: Liegt bei euch Schnee?? Gottseidank nicht, die salzen nämlich immer wie die Beknackten.

Für weitere Fragen jederzeit, das ist das einzige, was weiterbringt: nachfragen, nachhaken. Man soll schliesslich wissen, warum man was tut.

Nochmals also Danke
Roswitha

von Veronika(YCH) am 21. Dezember 1998 13:28

Hallo Roswitha!
Ich faß jetzt nochmal zusammen, wie ich Deine Tips verstanden habe.
Also: 1. einen ruhigen Tisch aussuchen. (Das Lokal ist aber sehr klein, eigentlich gibt es da keinen ruhigen Tisch, aber na gut, mal suchen...)
2. Immer, wenn die Bedienung an unseren Tisch kommt, gebe ich Wicki ein Gutti. (Auch, wenn ich keine Reaktion von Wicki merke?!)
3. Wenn jemand an unserem Tisch vorbei geht, gebe ich ihr auch ein Gutti. (Auch, wenn ich keine Reaktion von Wicki merke!?)
4. Bellt sie, dann werde ich nur rot und zucke zusammen, schau aber nicht unter den Tisch und rede auch nicht mit Wicki. Hört sie (von selber) auf, dann gebe ich ihr ein Gutti.
Ist das so richtig?
Wird sie sich dann nicht sagen, immer wenn ich ein Gutti haben will, brauche ich nur kurz zu bellen?? Und ich muß wirklich warten, bis sie von selber aufhört?

Hoffentlich wird das nicht zu peinlich. Wir sind jetzt schon seit 5 Jahren in diesem Lokal, da möchte man nicht plötzlich negativ auffallen...
Ich verstehe auch gar nicht, wieso Wicki plötzlich bellt. Sie ist es von klein auf gewöhnt, in Lokals brav unter dem Tisch zu liegen. Wir brauchten gar nichts dazu tun.

An Silvester sind wir wieder in Garmisch-Partenkirchen. Da kann ich es wieder ausprobieren - bei vollstem Restaurant!

Schöne Grüße
Veronika

von Roswitha(YCH) am 22. Dezember 1998 08:06

Salve Veronika

Du kennst doch sicher den Pawlow mit der Glocke und dem Speichelfluss. Gleichzeitig mit einer Futterdarbietung (Fressen = Speichelfluss) ertönt eine Glocke. Nach mehrmaligem gleichzeitigem Auftreten der Glocke mit dem Futter hat sich eine Verknüpfung gebildet, so dass das Hören der Glocke allein den Speichelfluss auslöst, weil der Hund (bzw. sein Körper) an Futter denkt.

Nun wird also Dein Gast / Bedienung zur Glocke für Deinen Hund, der das Futter "einläutet" (aber eben eigentlich fast gleichzeitig, "Gast-Sichtung, dann Futter). Eine Erinnerung an Futter kann keine Aggression auslösen. Somit hast Du eine Gegenkonditionierung vorgenommen. Anstelle eines Feindes, vor dem man warnen muss und den man vertreiben muss (klappt bei Gästen hervorragend), hast Du nun ein Futtersignal (sorry an alle Gäste). Zudem beruhigt Futter.

Nein, Du musst jetzt nicht immer Wickis Nachtessen mit ins Restaurant nehmen. Die "Gast"-Futer-Darbietung kann weitgehend wieder abgebaut werden und muss nur ab und zu mal wieder nachgeladen werden. (Das Bild von Gast = Futter verwischt sich wieder, wenn die Kombination Gast + Futter nicht ab und zu zusammen auftritt.

Dass Wicki jetzt erst damit anfängt, ist eigentlich normal. Sie ist jetzt erwachsen und wollte Dich mal kurz darauf aufmerksam machen, dass Du offensichtlich nicht merkst, welche Bedrohung für Dein (ihr) Revier in Restaurants herrscht. Da Du auf ihre Warnung eingestiegen bist (Du hast auch mitgeschimpft, wenn auch gar nicht artgerecht), hält sie Dich richtigerweise nun häufiger auf Trab. Denn offensichtlich bist Du ein lausiger Wachhund und brauchst dringend ihre Unterstützung.

Noch "kurz" zu Deiner Auflistung:

:1. einen ruhigen Tisch aussuchen.

Du kannst Dir auch eine ähnliche Situation suchen (was im Sommer einfacher wäre mit Gartenrestaurants, Parkbänken). Sag' jetzt nicht, dort hat sie nie gebellt. Das ist es ja. Du kannst neues Verhalten am schnellsten einüben, wenn der Reiz (hier der Gast, DER NAHE VORBEIGEHT, während ihr irgendwo seid) noch KEINE Reaktion auslöst. Also folgende Situationen suchen: Gäste, die weiter weg vorbeigehen oder selbst nur kurz bleiben, z.B. Selbstbedienungsrestaurant, bevor Wicki so richtig "territorial" wird. Dann kannst Du nämlich das "nicht bellen" fördern. Du kannst es drehen, wenden und benennen wie Du willst und je nach "Fachrichtung" heisst es auch anders. Aber der Fakt bleibt: dort wo keine unerwünschte Reaktion auftritt in Anwesenheit des Reizes muss diese NICHT-REAKTION bestärkt werden.

:2. Immer, wenn die Bedienung an unseren Tisch kommt, gebe ich Wicki ein Gutti. (Auch, wenn ich keine Reaktion von Wicki merke?!)

s.o. NUR wenn Du KEINE Reaktion bemerkst.

:3. Wenn jemand an unserem Tisch vorbei geht, gebe ich ihr auch ein Gutti. (Auch, wenn ich keine Reaktion von Wicki merke!?)

s.o.

Neuer Punkt 3a) wenn sie den Gästen erwartungsvoll entgegenschaut und dann Dich wegen der fälligen Futterlieferung, dann fange an, die Futterspende zu verzögern, lasse mal einen Gast aus, sage ihr freundlich "Danke" statt Futter etc.

:4. Bellt sie, dann werde ich nur rot und zucke zusammen, schau aber nicht unter den Tisch und rede auch nicht mit Wicki. Hört sie (von selber) auf, dann gebe ich ihr ein Gutti.
Ist das so richtig?
Wird sie sich dann nicht sagen, immer wenn ich ein Gutti haben will, brauche ich nur kurz zu bellen?? Und ich muß wirklich warten, bis sie von selber aufhört?

Der springende Punkt. Die hundliche Reaktionszeit ist einiges kürzer als unsere. Er fühlt sich EXAKT dafür gelobt, was er gerade tut (Gegenwart, am besten in 1/10-Sekunden-Schritten gedacht). Darum sind u.a. gängige Erziehungsmethoden auch so umständlich (für den Hund).

Aber nur Mut. Erfahrungsgemäss ist nur der erste Bellversuch ohne Unterstützung Deinerseits etwas länger. Dann wird sie ziemlich verwirrt feststellen, dass Du nicht mit einsteigst (und sie auch nicht anschaust / Gästen erklärst, was los ist etc. Sobald sie Dich irritiert anschaut, loben und nett sein, Futter geben (wieder ist das Nicht-Bellen bestärkt).

PS: Wenn es Deine Stammkneipe ist, sag's doch dem Personal. Die haben oft Verständnis. Aber versuche um Himmels willen nicht, es ihnen zu erklären. Tu' einfach so, als müsse man das mit einem Hund (was ja auch stimmt). Und ich garantiere Dir, dass sie bedeutend weniger oft bellen wird, als wenn Du ein "netter" Gast sein willst und sie am bellen zu hindern versuchst.

Also, wenn Du nun sämtliche Nachrichten 10x gelesen und verdaut hast und auswendig kannst sowie langsam neugierig wirst, wie man auf solche Ideen kommen kann, dann lese einfach mal im Clicker-Forum in der Einführung nach oder über FAQ-Clicker. (Gute Ferienlektüre bei Sauwetter und Langeweile!!)

Schlussbemerkung: Ich kann es manchmal auch noch nicht glauben, dass es stimmt. Ich lasse es mir aber beinahe täglich beweisen.

Na, dann schöne Ferien Veronika.

und für alle, die mitgelesen haben, denen ist vielleicht auch der eine oder andere Zusammenhang aufgefallen.

Roswitha

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