Aggression gegenüber ängstlichen Hunden :: Hundeerziehung + Soziales

Aggression gegenüber ängstlichen Hunden

von Morgaine(YCH) am 13. Januar 1999 16:20

Hallo an alle,

ich hab mal wieder ein Problem mit meinem Hund, wo ich nicht genau weiß, wie ich mich verhalten soll.

In letzter Zeit treffe ich des öfteren "ängstliche" Hunde. D.h., wenn mein Riese auf einen kleineren, oder jüngeren Hund zukommt, sind diese Hunde generell erstmal vorsichtig meinem Hund gegenüber (schätze mal, weil er so ein großer Trampel ist). Ist der andere Hund aber dermaßen ängstlich, daß er meinen nicht mal richitg schnuppern lässt, den Schwanz einkneift, und versucht, sich möglichst zu verkriechen, reagiert mein Hund immer irgendwie aggressiv, d.h. er knurrt, sträubt das Fell oder ähnliches. Da hab ich mir bisher nichts weiter bei gedacht, nur ist es letztens zu einem für mich ziemlich nervenaufreibenden Zwischenfall gekommen. Mein Hund ist zu einem jüngeren Rüden hingerannt, den ich schon vom sehen her kannte, und der auch eher zur ängstlichen Gattung gehört. Er hatte vorher mit einer jungen Hündin gespielt, die dort auch mit hingerannt ist. Ich war halt ziemlich weit eg und hab mich mit der Halterin von der Hündin unterhalten, als ich auf einmal einen ziemlich grausam klingenden Hundeschrei hörte, Ich schaute hin und sah, wie der kleine auf dem Rücken lag, meiner oben auf, und die Halter von dem Kleinen meinen Hund dort herunterzerrten. Danach kam mein Hund sofort zu mir, und ich bin mit ihm im Schlepptau dann dahin gegangen, um mich zu erkundigen, ob der Kleine irgendwas hat. In der ganzen Zeit hörte der Kleine nicht auf, zu schreien, so daß auch noch andere Hundehalter angelockt wurden. Nach etwa 10 Minuten hörte der Kleine endlich auf, zu schreien, und hatte sich offenbar nichts getan. Die Halter meinten, mein Hund wäre auf einmal einfach so auf den Kleinen losgegangen, ich selbst kann es nicht beurteilen, weil ich es nicht gesehen habe. Der Vorfall hat mich irgendwie sehr verunsichert, und ich weiß nicht, wie ich mich in Zukunft solchen ängstlichen Hunden gegenüber verhalten soll. Soll ich Kontakte zu solchen Hunden einfach vermeiden, oder soll ich meinen Hund trotzdem hinlassen? Oder ist das Verhalten meines Hundes vielleicht doch schon bedenklich?

Für ratschläge wäre ich sehr dankbar.

Bis dann

Morgaine

von stephan & Nash(YCH) am 13. Januar 1999 16:55

Hallo Morgaine,

da Du ja weit weg warst, kannst Du gar nicht so sicher sagen, ob Dein Hund wirklich agressiv war. Wahrscheinlich stand er nur oben, und der kleine hat aus Angst geschrien und sich in Demutspose geworfen. Ich habe schon Fälle erlebt, dass Hunde schreien, wenn andere Hunde auch nur in die Nähe kommen. Also das wäre mal das erste, was abzuklären ist.

Aber auch wenn es so gewesen sein sollte, würde ich schon aus Rücksicht versuchen, Deinen Hund mehr bei Dir zu lassen, bzw. nicht so weit weg, dass Du nicht mehr genau beurteilen kannst, was er eigentlich treibt.

Gruss Stephan & Nash

von Regula Bersinger(YCH) am 14. Januar 1999 07:44

Hallo Morgaine,

:In der ganzen Zeit hörte der Kleine nicht auf, zu schreien, so daß auch noch andere Hundehalter angelockt wurden. Nach etwa 10 Minuten hörte der Kleine endlich auf, zu schreien, und hatte sich offenbar nichts getan.

Meine Hündin, ein Löwchen, ist auch ein "Schreihals". Sobald sie erschrickt, beginnt sie zu schreien. Das hört sich dann gotterbärmlich an, îst aber nur halb so schlimm.

: Die Halter meinten, mein Hund wäre auf einmal einfach so auf den Kleinen losgegangen, ich selbst kann es nicht beurteilen, weil ich es nicht gesehen habe.

Ich kannte mal jemanden, dessen Hund (ein Mischling zwischen Deutsche Dogge und Labrador mit ca. 57 kg)alle Spielzeuge, seine wie die meiner Hunde, verteitigt hatte. Meine Hunde (4.5 kg und 7.5 kg) durften mit keinem der Spielzeuge spielen. Mein Rüde spielt jedoch fürs Leben gern und jedesmal, als er ein Spielzeug nehmen wollte, ist der Grosse auf meinen los und hat ihn auf den Rücken geworfen und ist eine Weile so verharrt. Dann war alles wieder gut Ausser diesem "Spielzeugsyndrom" war der Doggenmischling ganz lieb.

: Der Vorfall hat mich irgendwie sehr verunsichert, und ich weiß nicht, wie ich mich in Zukunft solchen ängstlichen Hunden gegenüber verhalten soll. Soll ich Kontakte zu solchen Hunden einfach vermeiden, oder soll ich meinen Hund trotzdem hinlassen? Oder ist das Verhalten meines Hundes vielleicht doch schon bedenklich?

Ich persönlich würde den Kontakt zu ängstlichen Hunden auf jeden Fall aufrechterhalten und den Hund im Auge lassen und allenfalls mit einem Spiel ablenken.

Liebe Grüsse

Regula & Co.

von Briard-Jutta(YCH) am 14. Januar 1999 11:01

Liebe Morgaine,

das Phänomen, daß Hunde auf unsichere Hunde mit Zeichen von Aggression reagieren, ist bekannt. Vermutlich liegt es in der fehlerhaften Körpersprache des unsicheren Hundes, die der andere nicht eindeutig zuordnen kann. So zeigen sie beispielsweise oft eine Mischung aus Unterwürfigkeit und Aggression (ausweichen, aber knurren, geduckte Körperhaltung aber erhobene Rute...). Der andere Hund reitet also eine Attacke, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Das Problem dabei ist, daß der unsichere Hund ja nicht weiß, wie er sich "richtig" verhalten muß und im Falle eines Angriffs durch einen überlegenen Hund auch kein eindeutiges Verhalten signalisieren kann. Dadurch kommt es häufig zu heftigen Beißereien, die ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen können.

Unsichere Hunde verfallen häufig in das ihnen vertraute Welpenverhalten (schreien, sich bepinkeln, auf den Rücken drehen...). Sind sie aber eigentlich erwachsen, akzeptiert der andere Hund dieses Verhalten nicht als angemessen und greift erst recht an (einer der Gründe, warum "liebe" Golden Retriever oft attackiert und verletzt werden, obwohl sie selbst keinerlein Zeichen von Aggression zeigen). Aggression ist aber artgemäßes Verhalten, ein nicht aggressiver Hund könnte niemals in freier Wildbahn überleben. Das "erkennt" der andere Hund und verfährt nach dem Prinzip der Auslese: Was nicht lebensfähig ist, wird getötet. Sind mehrere Hunde zusammen, kann man oft ein regelrechtes Mobbing des unsicheren Hundes beobachten. Er wird ständig von allen Seiten attackiert und in die Enge getrieben.

Das Fehlverhalten liegt nun zwar eindeutig beim unsicheren Hund, aber wenn Du das Risiko ausschließen willst, daß Dein Hund den anderen u.U. ernsthaft verletzt, solltest Du vorsichtig sein. Der unsichere Hund wird ja nun auch nicht sicherer dadurch, daß er immer wieder attackiert wird. Der Spruch "die Hunde regeln das unter sich" stimmt zwar, bloß das WIE ist nicht unbedingt im Sinne der beteiligten Menschen.

Liebe Grüße,
Jutta

von Roswitha(YCH) am 14. Januar 1999 12:13

Hallo Regula und Morgaine

: :In der ganzen Zeit hörte der Kleine nicht auf, zu schreien, so daß auch noch andere Hundehalter angelockt wurden. Nach etwa 10 Minuten.....
: Meine Hündin, ein Löwchen, ist auch ein "Schreihals". Sobald sie erschrickt, beginnt sie zu schreien. Das hört sich dann gotterbärmlich an, îst aber nur halb so schlimm.

Sie schreit mehr als nötig? Hätte sie einen Grund dazu? Das sagt aus, dass sie mehr "Gefühl" zeigt, als sie empfindet, also grundsätzlich etwas vorgaukelt, das nicht ist.

Na, offensichtlich sind Tiere eben doch nicht so grund ehrlich oder?

: Ich persönlich würde den Kontakt zu ängstlichen Hunden auf jeden Fall aufrechterhalten und den Hund im Auge lassen und allenfalls mit einem Spiel ablenken.

Ich denke mir, ein ängstlicher Hund sendet immer das Signal aus: komm, trete mich, wenn Du aus irgendeinem Grund gerade sauer bist. Ängstliche (Meideverhalten) Hunde ziehen es geradezu an, angegriffen zu werden.

Darum halte ich es so, dass ich auf jeden Fall keinen meiner Hunde je ängstliche Hunde auf Distanz begrüssen lasse. Jedesmal, wenn sie selbst den "stärkeren, gefährlicheren" gegenüberstehen, bin ich heilfroh, wenn sie nicht angegriffen werden.

Der eigene Hund ist nicht immer der grössere, stärkere, belastbarere und wenn der dann ab und zu am Empfangsende der "Aufmerksamkeiten" eines "er-macht-schon-nichts-Hundes" ist, dann verstehe ich die Bedenken der Besitzer der anderen Hunde auch wieder besser.

Roswitha +R

von Regula Bersinger(YCH) am 14. Januar 1999 13:11

Hallo Roswitha,


: Sie schreit mehr als nötig? Hätte sie einen Grund dazu? Das sagt aus, dass sie mehr "Gefühl" zeigt, als sie empfindet, also grundsätzlich etwas vorgaukelt, das nicht ist.
:
: Na, offensichtlich sind Tiere eben doch nicht so grund ehrlich oder?

Ja, allerdings! Die Kleine nimmt uns alle auf den Arm. Dabei wird sie sogar von Gipsy ignoriert.

: Darum halte ich es so, dass ich auf jeden Fall keinen meiner Hunde je ängstliche Hunde auf Distanz begrüssen lasse. Jedesmal, wenn sie selbst den "stärkeren, gefährlicheren" gegenüberstehen, bin ich heilfroh, wenn sie nicht angegriffen werden.

Ja, stimmt schon. Aber ich denke, wenn Du dieser Situation stets aus dem Weg gehst, lernt der Hund ja nie damit umzugehen, oder? Nun, wenn der Hund nie damit konfrontiert wird, wird auch nie was geschehen. Aber was, wenn Du Deinen Hund einen Augenblick aus den Augen verlierst?

Regula


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