Besser ohne Leine? :: Hundeerziehung + Soziales

Besser ohne Leine?

von Daniel(YCH) am 04. Februar 1999 06:34


Sorry Liane,

natürlich gibt es Menschen mit ausgeprägten Phobien, die auch vor einem sehr folgsamen, bei Fuß laufenden Hund Angst haben.
Mein Beitrag sollte auch keine Aufforderung sein, jetzt immer und überall einfach seinen Hund frei laufen zu lassen. Vielmehr ging es ja darum, daß eine Erziehung zur Leinenlosigkeit möglich und erstrebenswert ist.
Die meisten Hunde laufen eben viel zu oft an der Leine, das aber nur, weil die Halter ihrem Hund nicht trauen - und das läßt sich mit vernünftiger Erziehung eben stark einschränken.
Jeder muß doch für sich selbst entscheiden, wo und wann er den Hund frei läßt.

Andererseits - bei einem Menschen mit Hundephobie (der mir übrigens überall begegnen kann), liegt die Sache doch so, daß ER ein Problem damit hat. Wenn Freiheit des Einzelnen dort aufhört, wo die Freiheit eines Anderen beginnt, möchte ich doch hier den Umkehrschluß ziehen. Aufgrund eines Phobikers müssen hunderte von Haltern sich und ihren Hund einschränken - das kann so aber auch nicht richtig sein.
Angst ist etwas Irrationales und die Erklärungs- und Schlichtungsversuche eines Halters haben hier oft überhaupt keine nachhaltige Wirkung.
Rücksichtnahme ist richtig und wichtig - aber alles hat seine Grenzen.

Vom Ansatz der Freiheit Andersdenkender ausgehend, wird es bald bestimmte Hunderassen gar nicht mehr geben und andere dürfen nur noch mit Maulkorb existieren. Dies aber nicht, weil eine potentielle Gefahr von ihnen ausgeht, sondern weil sich einige wenige, auch von verlogenen Presseberichten ermuntert, "bedroht" fühlen. Persönliche Freiheit treibt oft seltsame Blüten.

Viele Phobiker haben noch nie schlechte Erfahrung mit dem Schlüsselreiz ihrer Phobie gemacht.
Käme irgendwer auf die Idee die Ausrottung der Spinnen zu fordern, weil ein hoher
Prozentsatz der Menschen Angst vor diesen Tieren hat?
Sicherlich nicht - weil hier auch kein "Halter" als Feindbild aufzubauen ist.

Der Hund ist - wie man so schön sagt - der älteste Freund des Menschen. Und im Verhältnis zum Nutzen, den uns Hunde in vielfältigster Weise bieten, sind die lächerlich geringen, negativen Vorfälle absolut vernachlässigbar.

Dazu kommt noch, daß mir persönlich in all den Jahren kein einziger Fall bekannt wurde, wonach ein Hund wirklich grundlos gebissen hat. Wenn man die bekannten Vorfälle mal näher beleuchtet, stellt sich immer wieder heraus, daß ein definitives Fehlverhalten des "Opfers" zugrundeliegt. Hinzu kommt, daß die meisten Opfer lügen (ich hab´gar nichts gemacht, ich war nur dagestanden und plötzlich ist er über mich hergefallen). So etwas ist bis auf "One in a million"- Ausnahmen ausgeschlossen. Nur - beweiß mal das Gegenteil.
Angst baut sich auch selbst eingeschränkt durch positive Erfahrung ab.
Und Du tust mehr gegen die Phobie eines anderen, wenn Du mit Deinem wohlerzogenen Hund freilaufend und ohne auf den Anderen einzugehen weiterläufst.
Einfach deshalb, weil der Akt des Anleinens als Eingeständnis Deiner Unsicherheit und der Gefährlichkeit des Hundes ausgelegt wird.
Wenn mir jemand mit einem freilaufenden Hund begegnet und er ihn anleint, wenn er mich sieht, denke ich automatisch, der Hund sei nicht ganz ungefährlich. Das ist der Punkt.

Deine Souveränität ist mit ausschlaggebend für das Verhalten Anderer.

Es wird immer Menschen geben, denen man nichts recht machen kann, aber was juckt es eine alte Eiche, wenn sich eine Sau dran kratzt.


Liebe Grüße

Daniel

von Daniel(YCH) am 04. Februar 1999 07:11

Hallo Gigi,

Meine Antworten "-" eingefügt.




Hallo Daniel,

jetzt habe ich alle (fast) Beiträge zu diesem Thema gelesen.

Mir geht es nicht anders als vielen anderen: aber an Strassen, aber im
Wald, aber....

- Wenn´s richtig gemacht ist, geht´s praktisch überall. Wenn Du nie damit anfängst, geht´s
nirgends.

Das es nur mit "Vertrauen gegen Vertrauen" geht, ist mir klar. Was ich nicht
weiss, aber gerne lernen möchte, ist: wie erziehe ich mich und Umbra um, dass
wir beide zu "Freigängern" werden ?

- Erkläre ich Dir gerne - aber spezifisch für Deinen Hund.


Wie können Umbra und ich üben ? Gibst du evtl. Kurse, in denen man lernen
kann, was zu beachten ist ?

- Kurse für Privathalter gebe ich schon seit längerem nicht mehr, aber mein obiges Angebot
steht.

Sicher ist es ein längerer Prozess, bis Mensch und Hund soweit sind, so ganz ohne
Anleitung wage ich mich allerdings nicht an Experimente, zum Schluss mache ich
mehr kaputt als gut.

- Weißt Du Gigi, das ist das Phantastische an unseren Hunden. Sie verzeihen Fehler viel
eher, als wir Menschen. Und so grobe Fehler, daß sie irreparabel sind, kannst Du mit Deiner Einstellung gar nicht machen.



Liebe Grüße

Daniel

von Monika Fuchs(YCH) am 04. Februar 1999 07:50

: Hallo Gigi, hallo Daniel,
:
:
: Mir geht es nicht anders als vielen anderen: aber an Strassen, aber im
: Wald, aber....
:
: - Wenn´s richtig gemacht ist, geht´s praktisch überall. Wenn Du nie damit anfängst, geht´s
: nirgends.

Wirklich, der Tip ist Gold wert. Ich gehe jetzt seit 3 Tagen mit Shirley ohne Leine gassi, obwohl es eine neue Umgebung ist (wegen Umzug) und obwohl hier viel mehr Autos fahren als in der alten Umgebung.

Es ist faszinierend....sie folgt viel besser, ich habe nicht den Ärger mit der Zieherei an der Leine (Shirley auch nicht) und das Vertrauensverhältnis wächst minütlich. Wirklich, ausprobieren, ist ein ganz neues Gefühl. Natürlich gibt es Situationen, wo ich Shirley doch noch lieber an die Leine nehme, aber es werden immer weniger.


Begeisterte Grüße
Monika + Shirley

von Andreas(YCH) am 05. Februar 1999 07:52

:
: Hallo an Alle,

nachdem ich bereits längst wußte, daß meine Hündin ohne Schwierigkeiten und vor allem mit viel größerer Freude für sie und mich ohne Leine geht, und ich dies am verganenen Wochenende mit ihr im Hundeverein mal demonstriert habe, bekqamen wir dort die entsprechende Quittung. Meine Hündin absolvierte ohne Leine und nur mit mir brav allerlei Übungen, die sie vorher mit Leine wesentlich schlechter machte.
Die anschließende Diskussion ließ die Ausbilderin dann anmerken, ein Hund gehöre außerhalb von Haus oder Wohnung immer und ohne Ausnahme an die Leine. Auf meine Frage nach dem Grund dieser Ansicht folgte dann die Antwort "alles andere ist verantwortungslos", womit das Ende der Argumentationskette erreicht war, ebenso übrigens wie mein weiterer Aufenthalt dort, da ich mich mit Ignoranz und borniertem Festhalten an einmal Erlerntem sehr schwer tue, ganz zu schweigen von der unterbewußten Geisteshaltung gegenüber anderen Lebewesen, die darin zum Ausdruck kommt.
Leider sieht es auf vielen anderen Hundeplätzen nicht sonderlich anders aus.
Wenn es anderen genauso ergeht: laßt Euch nicht entmutigen, habt ein offenes Auge für die Natur und den Umgang der Tiere miteinander und sucht nach Gleichgesinnten mit denen Ihr und Eure Hunde etwas unternehmen könnt. Vielleicht findet sich dann auch eine Hundeschule, die offener für diese Denkansätze sind, immerhin hat doch Konrad Lorenz schon vor solanger Zeit Verhaltensforschung mit Tieren betrieben, die eigentlich zeigen sollte, wie es geht.

Viele Grüße,

Andreas

von Juliane(YCH) am 05. Februar 1999 10:57

Hallo!
Auch ich bin der Meinung, dass ein Hund ohne Leine viel natuerlicher lebt. Ich leine
meinen Hund allerdings an sehr verkehrsreichen Strassen an.
Mit meiner ersten Huendin habe ich es naemlich erlebt, dass sie mir in ein Mofa gerannt ist.
Von Anfang an hatte ich ihr beigebracht, sich am Rand des Radweges niederzusetzen,
wenn ein Fahrrad kam. Auch damals habe ich sie hinsetzen lassen, als das Mofa noch weit weg war.
Sie hat auch ganz brav gesessen, aber als das Ding genau auf unserer Hoehe war, ist sie losgerannt.
Wahrscheinlich war da am Motor irgendein Geraeusch, was sie beunruhigt hat. Sie rannte genau vor das Fahrzeug,
der Mann stuerzte und brach sich Arm und Bein und war mehrere Monate im Krankenhaus.
Ich war zum Glueck gut versichert, sonst wuerden wir wahrscheinlich jetzt unter der Bruecke wohnen.
Man kann also nie ganz sicher sein.
Ausserdem leine ich meinen Hund an, wenn mir Muetter mit "freilaufenden" Kleinkindern entgegenkommen. Die
Schimpftiraden erspare ich mir so naemlich.
Ebenso ist ein Grund zum Anleinen ein anderer "Hundler" mit angeleintem Hund. Ich finde es einfach diesen
Leuten gegenueber fair, wenn man seinen Hund dann auch an die Leine nimmt.
Bei uns im Hundeverein war eine Hundehalterin mit einem Rueden, der auf jeden anderen Rueden losging. Also
nahm sie ihn an die Leine, wenn andere fremde Hunde sich naeherten. Leider ist sie oft auf Unverstaendnis
gestossen, wenn sie die anderen gebeten hat, auch ihren Hund an die Leine zu nehmen. Die Leute liessen
ihre Hunde in die Naehe ihres Rueden und schon hat's gefunkt. Fuer meine Bekannte war das oft ein
grosser Stress.
Es ist also genau abzuwaegen, wo man den Hund frei laufen laesst. In der heutigen Zivilisation kann man,
meiner Meinung nach, leider nicht ganz auf die Leine verzichten.
Gruesse an alle, Juliane

: Übrigens: Den sogenannten "Leinenzwang", den bestimmte Gemeinden, Länder (D) oder Kantone (CH) anordnen, gibt es so nicht.
: Dieser ist lediglich als Auflage zur Einwirkungsfähigkeit zu werten.
: Wäre auch ein Unsinn, da z.B. eine 50Kg- Frau kaum in der Lage wäre einen losstürmenden Zwei- Zentner- Mastiff zu halten, obwohl sie die Leinenauflage ja erfüllt.
: Niemand kann Sie zwingen, ihren Hund an der Leine zu halten, geschweige denn die Nicht-
: Beachtung dieser "Auflage" unter Strafe stellen, solange Sie nachweisen können, "gebührenden" Einfluß auf Ihren Hund zu haben.

Leider gibt es in Karlsruhe auch Leinenzwang und ein fettes Bussgeld, wenn man ohne Leine erwischt wird. Die Behoerden lassen sich auch nicht darauf ein sich vorfuehren zu lassen,
dass man den Hund "im Griff" hat. Was soll man da tun?

von Ariane(YCH) am 05. Februar 1999 14:47

:
: Hallo Daniel

Ich antworte Dir aus der Motivation heraus, neuen und unerfahrenen
Hundebesitzern (vorallem von Wind- Lauf und Jagdhunden) die traurige Erfahrung zu ersparen, ihren Hund unter einem Auto hervor-
ziehen zu müssen beim Versuch ihre Hunde zur VOLLKOMMENEN Leinenlosigkeit zu erziehen.
Wenn man bedenkt, dass als Beispiel das Zuchtziel der Windhunde von jeher auf Schnelligkeit, Scharfsichtigkeit und Ausdauer bei der Verfolgung der Beute und nicht auf Dressurfähigkeit wie bei den sogenannten "führigen" Hunderassen ausgerichtet ist, erkennt man, dass von den ca. 400 anerkannten Hunderassen und den daraus resultierenden Mischlingen nicht alle über einen Kamm zu scheren sind. Sondern es sind die Grenzen zu beachten die bei jeder Hunderasse als veranlagungsmässige Eigenart besteht.
Natürlich ist auch ein Windhund zu erziehen, nur sind der Erziehung Grenzen gesetzt (aus oben erwähnten Gründen). Aus einem Windhund kann nie ein Schäferhund werden.
Das Risiko den Hund zu verlieren beim Praktizieren VOLLKOMMENER Leinenlosigekeit ist bei den erwähnten Hunderassen sehr gross.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich bin keine Verfechterin von Leinenzwang. Im Gegenteil meine Windhündin läuft von den täglichen 3-4 Stunden Auslauf nur gerade ca. 30 Minuten an der Leine (nachts). Nur suche ich für den täglichen Auslauf das entsprechende Gelände auf, wo die Bedürfnisse wie freie Bewegung, soziale Kontakte mit Artgenossen aller Rassen, etc.,ohne Strassenverkehr gewährleistet ist. Obschon sie
sehr gehorsam ist für eine Vertreterin ihrer Rasse und auch auf dem Hundeplatz ihre Leistung beweist, würde ich sie NIE in der Nähe einer Strasse oder einer Bahnlinie ohne Leine laufen lassen. Es ist gefährlich sich in falscher Sicherheit zu wiegen.
Die Führerbindung geht beim Windhund bis zum Erblicken eines begehrten Objektes (kann sogar ein Stoffband an der Radio-Antenne eines fahrenden Autos sein).
Nicht alle Hunde sind in der selben Art gestrickt! Das ist halt meine
Meinung.
Die weiteren Aspekte, wie Rücksichtnahme auf andere Menschen oder Hundebesitzer mit angeleintem Hund lass ich jetzt weg. Denn jetzt packt
mich das schlechte Gewissen, ich habe arbeitsmässig in der letzten halben Stunde wieder gar nicht rentiert.

Es grüsst

Ariane (bitte, ich bin NICHT Rosi)

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