Ist diese Erziehung effektiv? :: Hundeerziehung + Soziales

Ist diese Erziehung effektiv?

von Britta Beispiel(YCH) am 20. Februar 1999 19:22

Hallo Leute,

im folgenden stelle ich die Geschichte eines Problemverhaltens eines Hundes dar. Ich möchte Euch bitten, mir mitzuteilen, ob Ihr die angewandte Methode für effektiv haltet, unabhängig von der Kenntnis wie oder was angewendet wurde, sondern nur anhand des VORHER und NACHHER.

Inspirit wurde ich zu dieser Frage durch die Diskussion über Ausbilder, "richtige" Methode etc.

Rover und die Hasen.

Mit circa einem halben Jahr ist Rover das erstemal mit anderen Hunden zur Jagd gegangen, vorher ist er immer bei uns geblieben, wenn ein Teil der Truppe am Horizont verschwand. Bei den nächsten Spaziergängen ließ er sich noch abrufen, aber dann war es irgendwann vorbei. Startete ein Hund zum jagen war Rover sofort dabei, es war mir nicht möglich solche Kontakte zu verhindern, zumal Rover auch mit ihm (und mir) noch fremden Hunden loszog. Wenig später brauchte er auch keinen Kompagnon mehr, er kannte alle Karnickelbauten der Umgebung, hörte die Tiere im Dickicht oder sah sie gar. Dann half kein Rufen, kein Drohen, keine Klapperbüchse, keine Kette. Nur mit einer 10m Schleppleine war er zu kontrollieren, nach wenigen Einwirkungen hatte er begriffen, jagen mit Leine tut weh. Nur konnte er mit der Leine nicht mit anderen Hunden spielen, es führte zu ziemlichen Verwicklungen, aber er brauchte Sozialkontakte da er diesbezüglich sehr unsicher ist. Also mußte die Leine wieder ab, kurze Zeit später war Rover auch schon wieder weg.

Nach und nach steigerte sich das Verhalten, er ging nicht mehr nur in bekanntem Gebiet auf die Pirsch, sondern auch in fremdem. Dann verließ Rover auch mal während der Übungsstunden den Hundeplatz, immer öfter brach er auch Übungen ab, um einfach wild bellend über den Platz zu rennen, wenn schon kein Kaninchen in Sicht war so konnte er sie aufscheuchen. Zu allem Übel war er mit circa drei Jahren erfolgreich und erlegte ein Jungkarnickel, danach war er noch öfter weg. Nach Einsetzen der Dämmerung brauchte ich die Leine gar nicht erst lösen, dann startete Rover sofort durch.


Vergleich FRÜHER und HEUTE:

Wie lange ist Rover FRÜHER weggelaufen ?

Tagsüber zwischen fünf Minuten und einer Viertelstunde, ab Einsetzen der Dämmerung auch länger.

HEUTE: Längstens maximal eine Minute, sogar nachts in seinem Lieblingsjagdgebiet am Hundeplatz. Sonst oft auch viel kürzer 10 bis 20 Sekunden
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Wie oft ist Rover FRÜHER weggelaufen ?

Mindestens einmal pro Spaziergang, auf längeren (= 30 min) öfter, im Wäldchen fast ständig, näherten wir uns altbekannten Bauten war er ebenfalls weg.

HEUTE: Kaum noch, da ich ihn in der Orientierungsphase abrufe. Er hält aber immer noch Ausschau, nur viel weniger als früher, wir kommen meist unbeschadet durchs Wäldchen. Ist er wegen meiner Unachtsamkeit schon zur Jagd aufgebrochen rufe ich in der Regel nicht mehr.
Die Kaninchenbauten läßt er mittlerweile links liegen.
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Wie weit ist Rover FRÜHER weggelaufen ?

Bis zu einem Kilometer, andere Hundehalter haben ihn beobachtet.

HEUTE: maximal bis circa 300 Meter meist aber viel weniger weit (50-100m).
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Treffen wir sehr oft Wild oder nur selten?

Kaninchen treffen wir ständig, Rotwild haben wir erst einmal gesehen, da ging Rover auch hinterher, allerdings im Rudel mit zwei wildernden Landseern, das war aber vor Beginn der "neuen" Erziehung. Haustiere wie Rinder, Pferde, Schafe werden nicht beachtet, Hühner und Tauben werden aufgescheucht.


Fünf Monate nach dem ersten Abrufen aus der Orientierungsphase habe ich ihn das erstemal direkt aus der gerade gestarteten Jagd abgerufen, war gar keine Absicht, ich war abgelenkt. Trotz Sichtkontakt zum Kaninchen hat Rover sofort umgedreht. Selbiges hat sich seitdem schon mehrfach wiederholt.

Vor dem ersten Abrufen aus der Orientierungsphase gab es eine Vorlaufzeit von 2-3 Monaten, wo Abrufen aus anderen Situationen geübt wurde. Bei Umstellung der Erziehung war Rover knapp 5 Jahre alt.

Nun, was denkt Ihr, könnte der eingeschlagene Weg sinnvoll sein? Rover ist übrigens ein Jagd- und Gebrauchshund-Mix.

freue mich auf Eure Antworten,

Britta Beispiel



von Franziska(YCH) am 20. Februar 1999 23:41

Hallo Britta Beispiel,

hört sich ja super an, was du so geschafft hast.
Ich finde aber, es gibt zwar viele Erziehungsmethoden, darunter auch viele effektive. Aber manche effektiven Erziehungsmethoden finde ich trotzdem aus den verschiedensten Gründen nicht gut. Deswegen würde ich die Methoden nicht ausschließlich am Erfolg messen, den sie bringen. Man kann zum Beispiel einem Hund das ziehen ander Leine durchaus mit Stachelhalsband und Leinenruck abgewöhnen. Aber das ist meiner Meinung nach dann effektive Tierquälerei.
Also effektiv ist deine Methode ja eindeutig, nur kann sie deswegen trotzdem für den einen oder anderen falsch, für den einen oder anderen richtig sein.

bis dann

Franziska

von Sonja(YCH) am 21. Februar 1999 01:01

Hallo,

nicht nur das "ob" sondern auch das "wie" einer Methode ist IMMER zu
hinterfragen.

Wenn Du diesen Erfolg mit einer hundegerechten Methode erzielt hast
wirst Du hier sicher wie ein Held gefeiert.

Also mal raus damit:-)

Und ich hoffe instaendig das sich da nicht TT oder aehnliches hinter verbirgt!!

MfG
Sonja und Nero

von Aurelia(YCH) am 21. Februar 1999 07:45


Liebe Britta

Aus der Sicht der Verhaltensauffälligkeit plus Umwelt (jagen von Wild ist
verboten) hast Du gute Arbeit geleistet.

Aus der Sicht des Hundes gesehen, hast Du viel geübt wie Du sagst. Durch die
Konditionierung zeigt der Hund die Auffälligkeiten nur noch kurz.

Üben ist etwas, aber Du musst den Hund ausbilden und gerade hier liegt
der Haken. Wenn Du den Hund richtig ausbildest, würde er die Karnickel
nach kurzer Zeit nicht mehr beachten.

Dein Problem ist nicht gelöst. Nur konditioniert und wenn Du mit der
Konsentration nachlässt, steigert sich das Verhalten wieder.

Liebe Grüsse
Aurelia

von Aurelia(YCH) am 21. Februar 1999 08:00



Liebe Sonja und liebe Franziska

Was für eine Konsumwirtschaft. Wetzt mal Eure Hirnzellen und versucht
herauszufinden, welche Methodik hier von Britta angewendet wurde. Wenn
Ihr genau auf das Thema und den Text eingeht, findet Ihr das heraus.
Ich hoffe, dass Britta mit einer Antwort noch zuwartet, bis Ihr Euch geäussert habt.

Viel Spass
Aurelia

von Daniel(YCH) am 21. Februar 1999 09:01

Hallo Britta Beispiel,


jetzt ist mir die Aurelia doch glatt zuvorgekommen....

Naja.
Also, ich würde diese Methode nicht gerade als erfolgreich bezeichnen, da ich hier den entsprechenden Ansatz vermisse - und auch den entsprechenden Erfolg.

Wenn ich ACHT Monate an einem Hund trainiere und nur partielle Erfolge aufweisen kann, so stimmt mein Ansatz sicher nicht.
Dein Hund wird nie verstehen, daß Jagen verboten ist - wie auch?, Du machst es ihm ja nicht begreiflich. Du zeigst ihm nur, daß Nicht-jagen belohnt wird - würden wir davon ausgehen, daß er das verstünde - tut er aber nicht. Er ist lediglich konditioniert.
Diese Methode ist einfach nicht praxisnah - möchte auch gar nicht wissen, wieviel Mühe Du investiert hast - und das für einen zweifelhaften Teilerfolg.

Ob ein Hund nach 5 Minuten, oder einer halben Stunde zurückkommt, wäre mir vollkommen gleichgültig - das ist Jacke, wie Hose.
Ich will doch, daß mein Hund gar nicht erst wegrennt - das aber kann ich mit positivem Konditionieren nie konsequent erreichen.
Im Übrigen reichen einem versierten Jäger auch die zehn Sekunden für einen gezielten Blattschuß.

Mit einer vernünftigen Methode, kannst Du selbst bei triebigen Hunden in längstens vier Wochen engagierten Trainings diese Unart über konsequentes Verbot erfolgreich unterbinden.
Und dann hast Du die nächsten langen Jahre Ruhe. - Weil er´s verstanden hat.

Ausbildung über Konditionierung aber kommt nie zum Abschluß - es ist eine permanente Aufgabe, die mir persönlich viel zu unsicher und zu stressig wäre, da ich MIT meinem Hund leben möchte und nicht FÜR ihn.
Ich kann doch keinen Spaziergang genießen, wenn ich immer in Alarmstufe stehe.

Vielleicht solltest Du Dir mal einen gut wesensgerecht erzogenen und ausgebildeten Hund für einen Spaziergang ausleihen, damit Du einmal diesen himmelweiten Unterschied erkennst.

Einen gut erzogenen Hund, kannst Du streßfrei überall mit hin nehmen und dieser genießt sein Leben sicher weitaus mehr, als einer, dessen Du Dir nie sicher sein kannst.

Leider kenne ich Aurelia nicht persönlich, aber nach dem, was ich bisher von ihr gelesen habe, würde ich Dir - falls Du in der Schweiz lebst - empfehlen, Dich einmal mit ihr in Verbindung zu setzen.
Vielleicht eröffnen sich da ganz neue Horizonte


Viele Grüße

Daniel

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