Teletacker Ja oder Nein ? :: Hundeerziehung + Soziales

Teletacker Ja oder Nein ?

von Monika(YCH) am 29. Januar 2001 14:05

Hallo Hundefreunde,

vor einem 3/4 Jahr haben wir zwei Hundedamen (kastriert) über eine Tierschutzorgenisation aus der Türkei übernommen. Eigentlich sollten die beiden bei uns nur einen Pflegeplatze bis zur entgültigen Vermittlung erhalten. Dies erwies sich allerdings als recht schwierig, weil die beiden recht groß und auch nicht mehr die Jüngsten sind. Kurzerhand haben wir es nach einer gewissen Zeit nicht mehr übers Herz gebracht, die beiden herzugeben, da sie sich bei uns sehr wohl gefühlt haben und im allgemeinen auch sehr unkompliziert sind.

Die eine Hündin (GARIP) ist ein Kangal-Owtscharka Mix und entgegen ihres Rassetyps sehr gehorsam und gemütlich.

Die andere Hündin (BERDUSHh) ist ein Beagle-Husky Mix und macht uns in Sachen Gehorsam so unsere Sorgen. Typisch Beagle- und Husky entsprechend ist sie sehr quirlig-temperamentvoll und "überhört" insbesondere beim Freilauf unsere Kommandos. Sobald sie abgeleint von weitem einen anderen Hund sieht, ignoriert sie jegliche Zurückrufe. Außerdem ist sie sehr neugierig und beschnüffelt jeden Spaziergänger. Dabei hat sie uns schon oft in heikle Situationen gebracht, zumal viele Leute die neue Hundeverordnung als Freibrief dahingehend sehen, uns Hundhalter zurechtzuweisen. Wir gehen mit unseren Tieren ausschließlich in einem nahegelgenen Wald spazieren, wo das ableinen der Hunde erlaubt ist. Trotzdem möchten wir jeglicher Konfrontation aus dem Weg gehen und uns auf unseren Hund verlassen können. Wir möchten eben nicht, dass sich irgendjemand durch unseren Hund belästigt fühlt.

Trotzdem, dass sie Zuhause einwandrei auf alle Komandos reagiert, bekomme ich sie ohne Leine einfach nicht in den Griff. Auch die Hundeschule blieb bisher in dieser Hinsicht ohne Erfolg.

Wie kann ich ihr verständlich machen, dass ihr eigenständiges Verhalten, wie beispielsweise weglaufen und erst dann wieder zurückkommen, "wenn sie es will" absolut nicht o.k. ist ?

Wenn sie nach ihren Ausbrüchen zu uns zurückkommt, wie kann ich sie (wenn überhaupt) dafür bestrafen, dass sie mein Kommando "hier hin" nicht befolgt hat.

Ist die einzigste Lösung denn nur noch die Leine ?
LIeget es einfach nur an ihrem Temperament ?

Nun haben wir des öfteren über die Erziehung mit einem Teletakker gehört. Lehnen Hundeerziehung mit "Gewalt" jedoch strikt ab. Es wäre nett, wenn Ihr uns ggf. Erfahrungswerte, oder besser noch, vielleicht ein paar andere Erziehungstips geben könntet.

Besten Dank im voraus !

von Gaby(YCH) am 29. Januar 2001 14:23

Hallo Monika,

also, erst mal vorab: Der Hund wird IMMER gelobt, wenn er zu Dir zurückkommt, egal, was er angestellt hat!
Er verknüpft dieses Lob oder jede andere Reaktion nämlich mit seiner aktuellen Handlung, also dem zu-Dir-kommen.

Ein Tacker ist absolut unangebracht, damit wirst Du das Problem auch nicht in den Griff bekommen.

Mein Tipp wäre die Schleppleine und wenn Du damit Erfolg hast, mußt Du am besten immer ein Leinen-Imitat am Halsband lassen. Das ist dann nur ein Karabiner mit 20 cm. Restleine.

Die Handhabung ist auch nicht ganz einfach zu erklären, aber im Wald ist es schwierig.

Um das Grundsätzliche einer Schleppleine mal zu nennen: Diese Leine schleift der Hund praktisch hinterher - startet er durch, kannst Du auf die Leine treten, wodurch der Hund gestoppt wird. Durch die Länge von 10 oder 20 Meter hast Du natürlich eine bessere Reichweite.

Aber: Laß Dir das bitte von einem Fachmann erklären, wobei mich wundert, das die Hundeschule das noch nicht gemacht hat.

Als Sofortmaßnahme kann ich Dir nur raten, den Hund auf Spaziergängen auch an der Leine öfter mal zu Dir zu rufen und IMMER zu belohnen - Leckerchen, Lob, Streicheln, Spielen, was halt paßt und dann einfach wieder laufen zu lassen, damit verfestigst Du das entsprechende Kommando.

Vielleicht kann Dir hier jemand den Gebrauch einer Schleppleine besser als ich erklären.

Gruß, Gaby


von Monika(YCH) am 29. Januar 2001 14:50

Hallo Gaby,

zuerst einmal herzlichen Dank für die schnelle Antwort. Das mit der Hundeschule haben wir erstmal bis auf weiteres unterbrochen, weil wir uns in der Nähe unseres Wohnorts (Brühl-Rheinland) eine Hundeschule suchen. Bisher mußten wir immer 50 km weit fahren. Wenn die neue Schule in der Nähe ist, können wir da auch öfter spontan mit ihr hin. Zumal Berdush auch Spaß am lernen hat. Dass wir bei allen Erziehungsversuchen loben, ist selbstverständlich (auch wenn es mir namchmal schwerfällt, wenn sie abgehauen ist und dann irgendwann schwanzwedelnd wieder zu mir zurückkommt). Ich denke, die Erziehung bei diesen Hunden erfordert wohl allgemein ein bischen mehr Geduld, weil sie noch nie einen Menschen und geschweige denn ein Zuhause hatten. Ich möchte nur nicht, dass sich der Hund durch Ungehorsam selbst in Gefahr bringt. Außerdem muß ich ihr schon in allen Dingen des Alltags vertrauen und mich auf sie verlassen können. Ich werde mich - wie gesagt - nun nach einer anderen Hundeschule umsehen und das Thema mit der Schleppleine dort auf jeden Fall ansprechen. Ich würde auch viel lieber so eine art Einzelunterricht mit ihr machen. Bisher waren wir immer in einer Gruppe mit anderen Hunden zusammen. Komischerweise ist sie beim Unterricht auch sehr konzentriert und folgsam. Die Trainerin meinte "Berdush will Gefallen und das sollte ich ausnutzen". Richtig eingegangen ist man jedoch auf unser Problem leider nicht. Wir dachten eher, dass wir mit der Kangal Hündin ein Problem kriegen, doch das hat sich (zum Glück) nicht bewahrheitet.

Zuerst einmal vielen herzlichen Dank. Wir werden das auf jeden Fall umsetzen. Man ist verunsichert, wenn man etwas über eine anscheind "sorglose Hundeerziehungsmethode Namens Teletacker" hört. Ob es für den Hund ebenfalls gut ist, ist scheinbar eine andere Frage.

Ich würde mich gerne morgen noch einmal zu einem anderen Thema melden, (muß jetzt leider meinen PC runterfahren) vielleicht kannst Du mir da auch nochmal einen Tip geben.

Viele Grüße
Monika, Berdush und Garip

von Gaby(YCH) am 29. Januar 2001 15:18

Hi Monika,

das mit der Schleppleine mußt Du auch im Einzelunterricht machen - denn in der gruppe und meist auf dem Hundeplatz ist doch klar, das bei Unterordnungsübungen der Hund sich auf Dich konzentriert.

Viel Glück bei der Suche nach einer guten Hundeschule!

Grüße, Gaby

von Stefan(YCH) am 29. Januar 2001 21:16

Hallo Monika,

[...]
:Zumal Berdush auch Spaß am lernen hat. Dass wir bei allen Erziehungsversuchen loben, ist selbstverständlich (auch wenn es mir namchmal schwerfällt, wenn sie abgehauen ist und dann irgendwann schwanzwedelnd wieder zu mir zurückkommt).

Nur so klappt das aber. Hunde sind Egoisten, es muß sich letztlich schon für sie "lohnen" etwas zu machen.

[...]
:Ich würde auch viel lieber so eine art Einzelunterricht mit ihr machen. Bisher waren wir immer in einer Gruppe mit anderen Hunden zusammen.

Wenn Du die Unterordnung mit positiven Bestärkern angehen willst, dann klappt das am besten in der Einzelunterordnung. Dabei kannst Du Deine Reaktionen auf das Verhalten des Hundes zeitlich exakter und individueller abstimmen. Gruppenunterordnung ist super für die Sozialisierung, bei der Unterordnung stößt man aber schnell an Grenzen.

:Man ist verunsichert, wenn man etwas über eine anscheind "sorglose Hundeerziehungsmethode Namens Teletacker" hört. Ob es für den Hund ebenfalls gut ist, ist scheinbar eine andere Frage.

Sorglos kann man weder ein E-Gerät noch eine Schleppleine einsetzen. Mit der Schleppleine erzeugst Du durch den plötzlichen Ruck Meideverhalten, gleiches gilt je nach eingestellter Stufe für das E-Gerät.
In jedem Fall ist die Voraussetzung das sichere Beherrschen des Hörzeichens, das Du verwendest. Vermutlich etwas wie "Hier" oder auch "Platz". Was immer Du im Wald später einsetzt, es geht dabei nicht um das Weglaufen, sondern um das Nichtbefolgen dieses Hörzeichens.
Das Erlernen dieser Hörzeichen erreichst Du aber nicht mit einem E-Gerät, auch nicht mit der Schleppleine, sondern durch anhaltendes Training mit viel Lob und Leckerchen in zunächst reizarmer Umgebung. Bevor Du Dir nicht absolut sicher bist, ob Dein Hund diese Hörzeichen beherrscht solltest Du keine Mittel einsetzen, die Zwang bedeuten (können).
In Deine Gedanken, welche Methode für den Hund gut ist oder nicht solltest Du einbeziehen, daß ein Treten auf die Leine für den Hund nicht nur abruptes Bremsen bedeutet, sondern auch noch eine massive Verletzungsgefahr im Halsbereich darstellt. Beim E-Gerät besteht die Möglichkeit der Abstufung in der Einwirkung. Um den Hund von seinem momentanen Tun (so wie Du es beschrieben hattest) abzubringen und ihn an Dein gegebenes Hörzeichen zu erinnern, reicht in der Regel eine der unteren Stufen.
In jedem Fall solltest Du aber am untersten Level anfangen. Das bedeutet z.B. eine Wurfkette oder eine Klapperdose. Das reicht oftmals schon, den Hund aus seinem Konzept zu bringen.

Tschüß
Stefan

von Marita(YCH) am 29. Januar 2001 21:12

Hallo Monika,
da Du die Hundeerziehung mit Gewalt ablehnst(und das ist auch gut so), kannst Du den Teletakt (Elektroschock) vergessen. Durch Beschluss des dhv-Delegiertentages vom 1./2.09.1990 ist das Benutzen dieser Geräte (auf offiziellen Übungsplätzen)sogar verboten und das aus gutem Grund.
Die Idee mit der Schleppleine ist sicher gut, aber leider kann ich Dir darüber auch keine 100% richtige Anleitung geben, denn meine Ausbildung läuft fast immer über das positive Bestärken. Also, warum sollte Dein Hund zu Dir kommen, wenn es sich für ihn (in seinen Augen) nicht lohnt ?
Hunde sind Egoisten und suchen das für sie angenehmste heraus.
Was macht Dein Hund am allerliebsten ? Spielen, Essen, Toben ....???
Sollte er sich das nächste mal von Dir entfernen ruf ihn nach einigen Schritten (extrem fröhlich) zu Dir und mach Dich interessant. Z.B. indem Du mit einem Ball spielst, oder die Fleischwurst für ihn in der Hand hast, Dich hinhockst und in die Hände klatscht oder von mir aus auf einem Bein durch den Wald springst. Sobald er bei Dir ist lob ihn, aber richtig, nicht nur sagen fein gemacht, sondern tu so, als hättest Du den besten Hund der Welt. Meist erkläre ich Loben so: Wenn Deine Nachbarn denken, du hast sie nicht mehr alle, dann hast Du Deinen Hund richtig gelobt. Übrigens, wenn Dein Hund zu Dir kommt kannst Du nur noch für das Kommen bestrafen und das wäre natürlich fatal, wenn Du in dieser Situation nicht loben willst (oder kannst) ignoriere ihn, leine ihn an und fertig.
Ich wünsche Dir viel Erfolg (und Geduld)
viele Grüße
Marita ...und die Jungs

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