Ängstlicher Hund nimmt Reissaus. :: Hundeerziehung + Soziales

Ängstlicher Hund nimmt Reissaus.

von Regula(YCH) am 08. Februar 2001 10:59

Hallo Yorkies,
Ich hab da mal eine Frage. Eine gute Freundin von mir hat seit 2 1/2 Jahren eine Collie-Hündin. Sie hat sie mit 7 Monaten aus dem Tierheim geholt, wo ausschliesslich im Zwinger gehalten wurde. Angeblich wurde sie im zarten Welpenalter vom Besitzer schlecht behandelt.
Kira ist seit Beginn sehr ängstlich. Am Anfang wollte sie nicht mal spazieren gehen. Kira hat sich jedoch in den 2 1/2 Jahren wunderbar entwickelt, erschrickt jedoch immer noch bei jedem unbekannten Geräusch, und nimmt reissaus. Einmal nahm sie reissaus und kam erst nach 19 Tagen wieder heim.
Meine Freundin nimmt die Hündin nun meist an die Leine, sobald sie merkt, dass Kira wieder reissaus nehmen könnte. Nun hat Kira begonnen, wenn sie erschrickt, extrem rückwärts zu ziehen und versucht krampfhaft, aus dem Halsband, bzw. Geschirr zu entkommen. Meine Freundin lässt natürlich nicht locker und versucht weiterzugehen. Dabei spielt es sich so ab, dass Kira rückwärts zerrt, dabei auf- und abspringt, dann - wenn sie sich etwas beruhigt hat - weiter ganz dicht neben der Freundin weiterläuft, und dann wieder plötzlich stemmt, rückwärtszieht und auf- und abspringt. Das geht dann so lange, bis das Geräusch oder das, wovor sie gerade Angst hat (Fahrräder, Roller Blades, Hockeyspieler, schreiende Kinder, etc.) vorbei ist. Sie ist übrigens Kinder gewohnt!
Habt ihr für Kira und meine Freundin ein paar Tips?
Danke im voraus!
Gruss Regula

von Möni(YCH) am 08. Februar 2001 11:35

Hallo Regula!
Ich bin erst seit ein paar Tagen bei den Yorkies, ich möchte Dir trotzdem eine Antwort geben. Falls es nicht korrekt ist, kann man mich ja korrigieren.
Collies sind von Natur aus sehr sensibel (wie die meisten Hunde).
Das sie sich so gut entwickelt hat, spricht für Deine Freundin.
Wenn sie vor etwas extrem Angst bekommt und reißaus nehmen will, ist es wichtig, daß sie ein sicheres Geschirr trägt, woraus sie sich nicht winden kann, nicht daß sie vor Schreck vor ein Auto läuft.
Schön wäre es, wenn man ihr helfen könnte, ihre Angst zu überwinden.
Vielleicht könntest Du (bzw. die Freundin) mit dem Tierarzt sprechen.
Mir fallen spontan auch Bachblüten ein. Ein spezielles Training könnte ihr auch helfen, aber natürlich ganz behutsam und nicht zuviel auf einmal.
Der Tierpsychologe wäre gewiß auch der richtige Ansprechpartner.
Wichtig ist auch, daß man beim Gassigehen mit einem ängstlichen Hund immer locker, souverän und furchtlos sein sollte, aber das weiß Deine Freundin bestimmt auch selber.
Viele Grüße auch an Kira!

von Wilma u. Arno(YCH) am 08. Februar 2001 11:38

Hallo Regula,

wenn ein Hund nach so langer Zeit noch immer so extrem schreckhaft reagiert läuft wahrscheinlich etwas im Verhalten der Besitzerin total schief. Ich habe selber schon einige ängstliche Hunde korrigiert einfach indem ich sie mit den Situationen, in denen sie Angst hatten immer wieder konfrontiert habe und nicht auf ihre Angst eingegangen bin.
Das ist eigentlich der Kardinalfehler, den Besitzer in solchen Fällen machen, wenn ihr Hund Angst vor etwas hat reden sie ihm gut zu und bestärken damit den Hund.
Nach Deiner Schilderung denke ich, es ist ein Fehler, daß Deine Freundin den Hund erst dann an die Leine nimmt wenn etwas auftaucht, von dem sie weiß, daß es beim Hund Angst auslöst. Auch das bestärkt den Hund wieder. Ich würde einen so extrem ängstlichen Hund zunächst nur an der Leine (evtl. Schleppleine) und auf jeden Fall mit Geschirr führen, denn es gibt kaum ein Halsband, das wirklich sicher ist, wenn ein Hund raus will. Und dann ganz bewußt immer wieder die Situationen provozieren, vor denen sie Angst hat soweit sie zum natürlichen Alltag gehören.
Letzlich denke ich aber, daß so eine Situation nicht wirklich durch dieses Forum und entsprechende Ratschläge gelöst werden kann. Ich würde Deiner Freundin ganz dringend raten einen Fachmann aufzusuchen, damit der Hund ein wirklich schönes angstfreies Leben führen kann. So gefährdet sie ja wahrscheinlich auch immer wieder Deine Freundin und bringt sich selber evtl. in Lebensgefahr.
Viele Grüße
Wilma und Arno (zum Glück absolut nervenstark)

von Martina(YCH) am 08. Februar 2001 11:45

: Hallo Regula,
sorry, aber das Problem, das Du beschreibst, ist nun mal das eines schlecht geprägten Hundes.
...wo ausschliesslich im Zwinger gehalten wurde. Angeblich wurde sie im zarten Welpenalter vom Besitzer schlecht behandelt....
Da hast Du es ...die so wichtige Prägungszeit ging vermutlich ungenutzt vorbei.
Dazu kommt, dass Collies sehr sensible Hunde sind, die man von Fall zu Fall ganz gezielt prägen muß und manchmal etwas länger brauchen :-). Ich habe eine 16 Wo alte Collie-Hündin und sie zeigt jetzt genau das Verhalten, wenn sie erschrickt, was Du beschreibst.
"....Nun hat Kira begonnen, wenn sie erschrickt, extrem rückwärts zu ziehen und versucht krampfhaft, aus dem Halsband, bzw. Geschirr zu entkommen...."
Ich kann nur empfehlen, mit der Hündin ganz langsam zu arbeiten und ihr immer wieder viele positive Erlebnisse zu beschehren. Sie wie einen "normal" geprägten Hund zu behandeln, kann sie immer weiter überfordern. Und sie immer nur an der Leine zu lassen, kann es ja auch nicht sein :-)
Viel Glück beim Prägen und viele Grüße von Langnase zu Langnase :-)
Martina

von Sylle(YCH) am 08. Februar 2001 12:12

Hallo,
ich kenne das nur zu gut.
Vorab: Meine Colliehündin kam mit 2,3 Jahren zu mir, hatte mehrere Vorbesitzer, keine Prägung im Welpenalter (ich habe den Züchter ´mal aufgesucht) und war ein ängstliches Nervenbündel - aber wir haben es geschafft!
Deine Freundin wird sehr viel Zeit und Geduld brauchen. Entgegen vieler Theorien ist es aber auch in höherem Alter möglich, eine Sozialisation zumindest teilweise nachzuholen.
Die Hündin muß vorsichtig, ohne Zwang, an alle Umweltreize gewöhnt werden. Konsequenz in allen Ehren, aber den ängstlichen Hund einfach weiterziehen bewirkt im allgemeinen eine Angstverstärkung.
Ablenken, Leckerchen, viel Ruhe, aber keinesfalls trösten.
Wichtig ist, angstauslösende Situationen erst einmal zu vermeiden, dann vorsichtig heranführen und mit positiven Erlebnissen verknüpfen. Keinesfalls überfordern, den Hund da abholen, wo er steht.
Klingt ziemlich theoretisch, aber ich muß gerade an mich halten, um hier kein mittleres Werk zu verfassen.
Aber: Alle Mühe lohnt. Meine Hündin, mit deutlich schlechterer Ausgangslage, ist mittlerweile sehr ausgeglichen, macht alles mit und hat sogar im Alter von 9,5 Jahren freiwillig schwimmen gelernt.
Alles Gute
Sylle

von Sylle(YCH) am 08. Februar 2001 12:20

Ich habe noch was vergessen:
1. bei Collies ist die Beziehungsarbeit das A&O. Seit ich für meinen Hund völlig verläßlich bin, sucht sie in unsicheren Situationen meine Nähe und haut nicht ab. Wir gucken sogar Sylvesterfeuerwerk gemeinsam vom Balkon aus.
2. Mit sogenannten Fachleuten und Hundetrainern habe ich nur schlechte Erfahrungen gemacht. Meist wollten sie den Hund durch Konfrontation an die Reize gewöhnen. Wer kann sich an Angst gewöhnen? Da muß neben der vorsichtigen Konfrontation noch was anderes entgegengesetzt werden.
3. Deine Freundin kennt die Hündin am besten, also sollte sie alle Ratschläge (natürlich auch meine) vor der Umsetzung mit ihrem Gefühl für den Hund prüfen und nur umsetzen, wenn sie voll dahinter steht.
Sylle

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