Freßgier :: Hundeerziehung + Soziales

Freßgier

von B&S(YCH) am 20. April 2001 07:34

hallo Andrea,
füttere doch deinen hund nur noch draußen! natürlich nicht aus dem napf, sondern aus der hand. als belohnung für *sitz,platz,rolle*. wenn du dich die ganze zeit mit ihm beschäftigst und mit ihm übst, hat er ja keine zeit noch nach futter zu suchen! und warum sollte er auch suchen, du bist jetzt sein *futterautomat*, er muß nur mitspielen! gleichzeitig festigst du damit auch eure bindung. anfangs ist das sicherlich anstrengend, schließlich mußt du ja *program machen*, und daß Benni gleich mitspielt ist auch nicht gesagt ;-). aber mit der zeit...
nicht aufgeben! viel spaß und kondition!
Birgit & Scotty

von Christina(YCH) am 20. April 2001 08:15

Liebe Andrea!

Da ich mit meinem Hund das gleiche Problem habe, ausser dass er viel jünger ist (2 Jahre), von Anfang an bei mir war und nicht nur alles frisst, sondern sprichwörtlich auf die "Jagd" nach Fressbarem geht, bin ich gerade dabei einen (langfristigen) Plan auszuarbeiten.

Ich denke, wenn diese Fressgier wirklich einmal zur Sucht geworden ist und einen extrem triebbefriedigenden und selbstbelohnenden Charakter angenommen hat, muss man ganz von vorne beginnen mit dem Hund daran zu arbeiten.

Für den Anfang ist es wohl günstig, zu Hause (ohne Ablenkung, Stress etc.) mit dem Üben zu beginnen - draussen wäre es wohl von Vorteil, den Hund an der Leine (kann ja auch eine ganz lange Schlepp- oder Flexi sein) zu halten oder sogar zur weiteren Schadensbegrenzung (Hund sollte sich keinesfalls selbstbelohnen können) den Maulkorb anzulegen. Auf welche Weise man den Hund vom Selbstbelohnen abhält (Leine oder auch noch Maulkorb) hängt vom Hund, von deinem Verhältnis zum Hund, eben deiner persönlichen Einschätzung ab.

Zu Hause würde ich folgendermaßen vorgehen: Hund in der ausgestreckten Hand Futter anbieten, wenn er es nehmen will, die Hand schließen und ein geeignetes "Kommando" wie "Lass es" oder "Leave it". Wenn er dann irgendwann doch resigniert aufgibt und wegschaut, sofort jubeln und mit einem weiteren Kommando wie "Nimm es" oder "Gut so" etc. dem Hund das Leckerlie reichen.
Wenn das einmal hinhaut, dann das gleiche Spiel mit Leckerlie auf den Boden legen. Ein weiterer Schritt wäre, einem Bekannten ein Leckerlie zu geben, der Hund darf es aber erst VON DIR! bekommen, wenn er das Leckerlie in der fremden Hand ignoriert.

Ziel ist, dass der Hund lernt, er bekommt das Futter nur wenn Du es erlaubst und dass immer DU es bist, die es ihm gibt (aus deiner Hand, niemals Hund Leckerlie vom Boden aufheben lassen).

Das Spielchen kann man für den Hund umso lohnender erscheinen lassen, indem man etwas nicht so Tolles auslegt, und wenn der Hund es sein läßt, bekommt er aus deiner Hand etwas viiiieeel Besseres! (am besten etwas, dass sehr gut riecht - Hühnchen - oder sogar schon etwas stinkt - also hundegerecht).

Später führt man diese Übungen Outdoors weiter, eventuell kann man versuchen (habe ich auch noch nicht probiert), mit Pfeffer oder Tabasco bestückte Köder auszulegen (besser: auslegen lassen) und den Hund absichtlich in Versuchung führen, wegschauen und wenn man Glück hat, schmeckt es so fürchterlich, dass der Hund daraus die Lehre zieht: Nicht nur bekomme ich etwas, wenn ich Frauchen gehorche, sondern wenn ich etwas auf eigene Faust unternehme, kann es mir ganz übel ergehen.

Weiters wichtig ist das gemeinsame Jagd- und Beutespiel: Irgendwo in Parks oder Wald etc. entweder Spielzeug oder Futter (am besten in immer dem gleichen Behälter) verstecken und den Hund suchen lassen. Du kannst also diese Futtersuche auch selbst inszenieren, mit dem Vorteil, der Hund tut es nicht mehr alleine, sondern lernt, dass du ohnehin immer wieder zur gemeinsamen Jagd bläst! Da wird dann fröhlich gesucht (immer auf deinen Befehl hin) und ausgelassen gespielt, so dass jeder Spaziergang für den Hund NUR durch DICH spannend und lohnend ist.

Ich bin sicher, wenn man diese Maßnahmen konsequent einhält (kann vielleicht über ein Jahr dauern bis es klappt), wird der Hund bald nicht mehr alleine auf die Jagd gehen, weil er gelernt hat, dass die gemeinsamen Aktionen mit dir viel interessanter und gewinnbringender sind!

Tja, wie gesagt, ich habe das selbe Problem und bin gerade dabei alle relevanten Infos zum Thema Jagdtrieb, Selbstbelohnung etc. zusammenzusuchen, um meinen Hund, der bis vor einiger Zeit im Freine noch sehr zuverlässig war, wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Was ich aber bis jetzt herausgefunden habe: einfach verbieten haut in den meisten Fällen (vorallem wenn es schon so weit gekommen ist) nicht hin. Man muss dem Hund Alternativen zu seinen selbstbelohnenden Triebhandlungen geben und mit dem Hund arbeiten, nicht gegen ihn.
Wurfketten schmeissen oder ähnliches kann nach hinten losgehen (wie bei meinem Hund, der sehr bedacht ist, bei seiner Futtersuche nicht in meine Nähe zu kommen).

Liebe Grüße
Christina und der futterjagende Joscha

von Sylle(YCH) am 20. April 2001 08:23

Hallo Andrea,

Trotzdem oder gerade deshalb würde mich wirklich brennend bei der Sache mit dem "Tauschen" interessieren, wie oft Du tauschst.

Ich habe in der Wohnung angefangen, Spielzeug gegen Leckerlies. Aber es gab nicht jedesmal eins, oft habe ich nur gelobt. Ich denke, daß hat die Sache für sie spannender gemacht. Draußen gings dann weiter, sowohl mit Freßfunden, als auch mit Stöckchen. Insgesamt haben wir viel geübt, sie konnte fast gar nichts, kannte kein Kommando, war nicht leinenführig usw.

Na ja, ich habe ein bißchen Panik, mit Leckerlies zu üben, weil ich vielleicht damit diese Tendenz zum fressen noch verstärke und in Berlin liegt alle naselang etwas für ihn auf dem Boden.

Nicht nur in Berlin, eine Freßmaschine findet überall was: Eine Speckseite am Nordseestrand, eine komplette Fleischwurst im Stadtpark, ein Pfund Käse (verschweißt) neben dem Radweg. Du mußt anfangs ständig aufpassen, quasi Deinem Hund immer eine nasenlänge voraus sein.
Wichtig ist, daß der Hund das Abgeben mit der Belohnung verknüpft, also nicht das Suchen und finden von Müll.

Hing Dein Mädel Dir nicht permanent nur noch an der Tasche und geierte, etwas zu bekommen?

Teilweise ja, aber das war ok, daß sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf mich richtete.
"Komm" konnten wir so allerdings nicht üben, da sie permanent bei Fuß, bzw "bei Tüte" ging. Aber wie gesagt, sie wurde nicht jedesmal mit Leckerlie belohnt und ich hatte auch nicht immer welche dabei.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und so wenig Rückschläge wie möglich.

Das ist fast 9 Jahre her. Mittlerweile hört sie seit Jahren wirklich gut. Aber vor 2 Wochen hat sie einen Hühnerknochen gefunden und aufgepickt. Auf mein "nein, aus" (ganz ruhig) hat sie den sofort wieder asugespuckt. Fand ich klasse, aber Du siehst, so ganz hat sie das Interesse an Müll nicht verloren. Vor 9 Jahren wäre sie mit dem Knochen losgesprintet und erst zurückgekommen, wenn sie ihn vernascht hätte.
Viel Glück
Sylle

von Andrea(YCH) am 20. April 2001 10:59

Liebe Christina,

Was Du geschrieben hast, fand ich echt sehr sehr spannend - ich werde gleich mal mit ein paar Übungen anfangen.
Ich habe durch viele tolle Antworten auch meine Panik, mit Leckerlies zu arbeiten, abgelegt und bin wieder voller Enthusiasmus und Mut, daß es damit klappen könnte. Nur Lob und Tadel haben uns da einfach nicht weitergebracht und mich (und sicher auch ihn) total frustriert. Es leuchtet ein, daß es für ihn einen Anreiz geben muß und welcher Reiz wäre effektiver als dieser. Zusätzlich werde ich ihm jetzt (schweren Herzens) einen Maulkorb besorgen.
Habe übrigens zwar nicht mit Wurfkette sondern mit einer feinen Sprühpistole für Pflanzen (in einem Buch gelesen) probiert, sein Verhalten zu verändern, indem ich ihm beim betteln leicht auf die Nase gesprüht habe. Seitdem reagiert er schon ängstlich, wenn ich nur den Wasserhahn aufmache (was hab ich ihm bloß angetan).
Es ist gar nicht so einfach, daß richtige zu tun, aber ich glaube, das Ausnutzen seiner Gier zum positiven Lernen ist da schon besser.
Ich stimme Dir voll und ganz zu, daß es besser ist, mit ihm als gegen ihn zu arbeiten. Dieses Gefühl hatte ich die ganze Zeit und es hat mir richtig wehgetan, ihn immer nur zu tadeln oder wegzuziehen (ohne wirkliche Alternativen zu bieten - außer natürlich Lob Lob Lob, wenn er mal reagierte).

Ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg mit Deinem Joscha und möchte mich an dieser Stelle auch bei allen anderen bedanken, die mir geantwortet und Mut gemacht haben, so daß ich wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicke. Vielleicht bin ich ja irgendwann auch so weit, daß ich meine Erfahrungen dbzgl. an andere Ratsuchende weitergeben kann.
Dicker Gruß an alle Yorkies - Andrea -

von Andrea + Geronimo(YCH) am 20. April 2001 10:41

Eine Info für dich am Rande.
Mein Hund frisst Äpfel, Bananen, Apfelsinen (leidenschaftlich), Birnen, Kirchen (sauer + süss) Himbeeren, auch sehr gerne, Nektarinen, Mandarinen, Pfirsiche, eigentlich so alles an Obst und viel an Gemüse, (Blumenkohl+Brokkolie nicht in großen Mengen) grins
dass mit dem Apfel ist keine Seltenheit, also nicht wundern
Liebe Grüße und viel Geduld
Andrea+Geronimo

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