Fresslust geht über Gehorsam :: Hundeerziehung + Soziales

Fresslust geht über Gehorsam

von Alex und Spike(YCH) am 18. Mai 2001 07:31

Ich habe ein grosses Problem. Mein sehr gehorsamer Labrador hat seit ein paar Monaten in unserem täglichen Spaziergebiet (Park) einen Busch entdeckt, in den die Anwohner für Vögel regelmässig Brötchen, Kuchen, etc. werfen. Anfangs ist er nur ab und zu mal hingelaufen, wenn wir in unmittelbarer Umgebung waren. Dies hat sich dann gesteigert, dass der Radius immer grösser wurde. Wir waren also ganz normal spazieren und plötzlich macht er einen Satz und prescht Richtung Busch davon, wenn ich damals schnell genug reagiert hatte und entschieden "Nein" gesagt habe, hat er umgedreht und kam zurück. Mittlerweile ist der Spaziergang eine Tortour, denn ich habe den Eindruck, dass mein Süsser als einzigen Grund für das Verlassen des Hauses sieht, das Zeug aus dem Busch zu fressen. Er hat gar keine Zeit zu spielen, da er ja nur auf seine Chance wartet, um auszubüchsen. Er kommt Sekunden später wieder, aber das hilft mir auch nichts. Ich kann ihn ja beim Zurückkommen nicht schimpfen und habe auch schon versucht ihn eben anfangs, bis wir weit an dem Busch vorbei sind, an der Leine zu lassen, aber wie gesagt, er setzt alles daran, dorthinzukommen und rast los, sobald wir in die Nähe kommen (das kann jetzt auch mehrer 100 m sein!!). Ich habe auch schon versucht, ihn auf Hin- und Rückweg an der Leine daran direkt vorbeizuführen, und habe immer "Pfui" gesagt, das Ergebnis ist, dass er beim direkten Vorbeigehen einen grossen Bogen macht, aber sobald wir vorbei sind und er abhauen kann, auf der Ferse kehrt macht und weg ist er!!! Mit Wurfkette und Erschrecken waren wir nicht sehr erfolgreich, ausserdem fordert dies immer sehr viel Planung und Organisation, was ich beim morgendlichen Spaziergang nicht immer aufbringen kann. Die Anziehungskraft des Fressens ist einfach zuuuuuuu gross. Weiss jemand Rat??

von Christina(YCH) am 18. Mai 2001 08:10

Hi Alex!

Oh, welch bekannt klingende Geschichte!
Ich muss mich seit ca. 2 Monaten mit diesem Problem auseinandersetzen, nur dass ich anfänglich aus Unbeherrschtheit und unklugen Vorgangsweisen alles nur noch schlimmer gemacht habe.
Da mein auf Futterjagd gehender Hund mind. zweimal von mir ziemlich harsch hergenommen wurde (ein sehr dummer Fehler von mir!) und ich sonst nach seinen Ausflügen ihn einfach mit Maulkorb "bestraft" habe, ist der Mistkerl jetzt so klug, und bleibt bei seinen Futtertouren auf ca. 10-20 Meter Distanz zu mir, damit ich ihm den Spass nicht vermiesen kann. Die gefährlichen Folgen waren unter anderem das Überqueren von stark befahrenen Strassen!

Ich gehe jetzt folgendermaßen vor (nach langen, ausführlichen Studien die mit diesem Problem zu tun haben):

1. Schleppleinentraining nach dem Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde. Parallel dazu werden im Sinne von Natural Dogmanship auf allen unseren Spaziergängen viele Futtersuchspiele und sonstige für Hunde attraktive Aktionen unternommen.
Resultat: Hund hat fast nur noch Augen für mich und ist nach den Unternehmungen auch angenehm ausgelastet und befriedigt!

2. Übungen zur Futterverweigerung: Ich beginne wieder ganz bei Adam und Eva und versuche das Fressverhalten so zu konditionieren, dass er Futter nur noch aus meiner Hand nimmt. Also: erst bei Freigabe (Kommando "O.k." oder "Nimm" etc.) darf er das Leckerlie, das ich ihm anbiete auch aus meiner Hand nehmen. Der nächste Schritt: auf dem Boden Liegendes oder von Fremden Gereichtes auch erst nach Genehmigung. Dazu legt man nicht ganz so Interessantes aus und wenn er es liegen lässt, kriegt er eventuell aus meiner Hand etwas viel Besseres (Jackpot!).
Dienlich dazu: Argusaugen und schnelle Reaktion deinerseits!

3. Zur Absicherung (habe ich aber noch nicht probiert und ist auch riskant, wenn man nicht alles ganz genau und richtig macht): Wurfkette oder Disc-Scheibe, für deren Anwendung man aber den Hund eigens konditionieren muss.
Eventuell Köder auslegen, bei deren Verzehr dem Hund sofort so richtig übel wird. In der "freien Natur" kann ein Tier auch nicht fünfmal hintereinander Futter ausprobieren, das ihm nicht guttut, sonst würde er das nicht überleben. (Eine noch nicht überprüfte Überlegung meinerseits ;-)

Nun, meines Erachtens ist solch ein langwieriges Training die einzige Möglichkeit letztendlich Erfolg zu haben. Denn als guter Rudelführer bist du ja nicht wirklich glaubhaft, wenn du instinktmäßiges Verhalten wie den Jagd- und Beutetrieb einfach verbietest. Letztendlich sollte sich der Hund an dir orientieren und MIT DIR zusammen "Jagderfolge" haben.

Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zu Verfügung, da ich selbst gerade mitten in der "Operation Anti-Futterjagd" eingesetzt bin!

LG
Christina

von elli & pina(YCH) am 18. Mai 2001 08:15

Die Anziehungskraft des Fressens ist einfach zuuuuuuu gross. Weiss jemand Rat??
:

Hallo Alex,

Du hast eben einen echten Labrador!!! Spaß beiseite. Ich habe eine Golden-Hündin, die wahnsinnig verfressen ist und solche Quellen auch genau kennt. Ich habe sehr viele Dinge ausprobiert, klar kann man ich sie jedesmal im vorhinein mit Spielzeug ablenken, apportieren lassen, mit viel Druck sie bei mir behalten etc.

Die meisten Quellen, die sie kennt, kenne ich auch und nehme sie ein Stück vorher einfach zu mir oder sogar an die Leine. Auch beobachte ich sie genau, wenn sie anfängt und wird immer schneller oder ihre Nase nimmt eine Witterung auf - sofort zu mir. Tue ich das nicht, weil ich im Gespräch vertieft bin o.ä. laufe ich Gefahr, daß sie nur mit dicken Backen und kauend rumläuft, denn was Fressbares findet sich überall.

Beim nächsten Hund wird alles anders :-)))))

Grüsse
Elli & Pina

von Melanie + Sammy(YCH) am 18. Mai 2001 14:47

Hallo Alex,

ich würde dir auch zu Schleppleine und Leckerlis oder Spielzeug raten.
Mache ihn an die Schleppleine und versuche ihn an der gewissen Stelle mit einem heißgeliebten Spielzeug oder ganz besonderen Leckerlis, die er sonst nicht bekommt, abzulenken. Wenn das doch nicht klappt, rügst du ihn und ziehst in dann einfach an der Schleppleine zu dir her. Und dann mit dem Leckerli belohnen. Auch die Idee mit dem für ihn eklig schmeckenden Köder finde ich gut. Das kannst du ja vielleicht paralell dazu ausbobieren. Dann wird er bestimmt bald begreifen, dass es bei dir sehr viel leckere Sachen gibt als in dem Busch.

Viele Grüße
Melanie + Sammy

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