Dominanz und Unsicherheit :: Hundeerziehung + Soziales

Dominanz und Unsicherheit

von Melli(YCH) am 04. Juni 2001 09:19

Hallo Doris,

:Ich kann mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass die Leute es Schick finden "Einen Dominaten Hund" zu haben, den sie aber mit Alphawürfen prima im GRiff haben. Könnte ja vielleicht am Image kratzen zuzugeben, dass der eigene Hund eher Angst hat oder mal zu hinterfragen warum der Hund die Rudelführerpostion des Halters in Frage stellt.


Oh ja, solche Leute kenne ich auch. Es gibt extrem viele Leute, die ihren Hund als dominant bezeichnen, weil er auf andere Hund los will. Wenn man dann mal die Möglichkeit in den Raum stellt, dass es Unsicherheit sein könnte, bekommt man unverständliche und böse Blicke und ich habe dann auch oft den Eindruck, dass die Leute es peinlich finden, denn wenn schon einen problematischen Hund, dann doch lieber einen dominanten als ängstlichen.

Viele Grüße, melli

von Melli(YCH) am 04. Juni 2001 09:23

Hallo Micha,

ist es also bei Deinem Kangal nicht so, dass er jeden Rüden auf Spaziergängen dominieren will ?
Ich frage nur so genau nach, weil wir einen Kangal Rüden als Nachbarhund haben und da sehr vieles schief läuft (habe auch schon viel über ihn hier berichtet, falls Du es gelesen hast) und ich Deine Erfahrungen sehr interessant finde.

Viele Grüße, Melli

von Melli(YCH) am 04. Juni 2001 09:44

Hallo Franziska,

: "Leinenaggressivität" habe ich noch nie aus "Dominanzgründen" erlebt.


Denke ich ja im allgemeinen auch, aber wie viele unsichere Hunde gibt es dann demnach....das ist ja unglaublich !

: Auch bei Hunden mit stark ausgeprägter territorialer Aggressivität, geschieht die Verteidigung des Territoriums aus der "Angst" heraus, jemand könnte sein Territorium streitig machen. Bei den HSH ist es eher die Angst, ein Feind könnte diejenigen Lebewesen, die zu seinem "Rudel" gehören verletzen oder sogar töten, ob es nun die Schafe sind oder der Besitzer.


Das heisst also, dass HSH auch eigentlich nur aus Angst ihre Herde verteidigen ? Dann ist ja wirklich fast jede aggressive Aktion Angst, wenn sie nicht als Zurechtweisung im Rudel geschieht ?
Dann zeigt ein wirklich dominanter sicherer Hund also z.B. seine Stärke wirklich nur über Schnauzengriffe und Drohgebärden an ? Aber wenn mal wollte, könnte man dahinter auch wieder Angst sehen, dass er seinen Rang in Gefahr sieht......irgendwie verwirrend.
Und was ist bei HSH, die jeden gleichgeschlechtlichen Hund dominieren wollen und so weit, dass sie beim kleinsten Knurren sofort extrem auf den anderen Hund losgehen ? Wenn dieses Knurren des unterlegenen Hundes auch nur aus Angst ist, müsste es der andere Hund doch kapieren und könnte es ignorieren !??
Hunde haben doch so viele Ausdrucksmöglichkeiten, dass ich es oftmals schon aus dem Grund gar nicht verstehe, dass manche Hunde so schnell losbeissen. Ich habe viele Hundebegegnungen erlebt, da zeigte ein Hund klar an, dass er sich unterwirft (gibt ja "tausend" andere Zeichen als gleich auf den Rücken werfen) und der andere Hund trotzdem auf ihn los ist.
Was ist das für ein Gehabe, wie kann das passieren ?

Viele Grüße, Melli


von Manuela(YCH) am 04. Juni 2001 10:12

Hallo Melli,

ich selber habe so eine Bullihündin, die auch an der Leine theater macht.nerv. Bei ihr fing es erst damit an, nachdem einige Male andere Hunde versucht haben sie zu beißen, wärend sie an der Leine war und sich nicht wehren konnte.Es wurde immer schlimmer nach jedem Angriff oder auch nur scheinangriff(das langt oft schon).Sie ist total unsicher, wenn uns ein Hund entgegen kommt und brüllt lieber gleich los, bevor der andere ihr zu nahe kommt.Das verstehen die anderen Hundehalter oft nicht und sie denken sie ist aggressiv.Einmal hat ein Mann zu mir gesagt, nachdem sie seine beiden Rüden die frei liefen,auch extrem angekläfft hat, ich solle sie mal von der Leine machen!! Ich dachte mir, wie mutig von ihm, denn ich wußte ja auch nicht wie maiene Hündin sich dann verhält.Ich hatte echt muffen, aber er beruhigt mich und sagte, das man die Hunde ja auch trennen kann, falls überhaupt was passiert.er hatten einen älteren mittelgroßen Mischlingsrüden und einen jungen Labrador ca 1 1/2 Jahre alt.Nun gut ich lies meine Kanalie von der Leine und sie brauste sofort zu dem Alten Rüden.Es gab ein kurzes Geknurre und dann war es das.Der Rüde war soselbstsicher und cool das er nur seinen Kopf über den Kopf meiner Hündin legte und diese stand dann schwanzwedelt!! unter ihm.Das war`s!!! Keiner hat auch nur eine schramme gehabt,nicht`s.Dann ging sie zu dem Kleineren( irgendwo muß sie doch glück haben)und dominierte ihn nur durch ihren Blick.Keine Knurren ect.Sie starrte den Jungen an und dieser verdrehte seinen Kopf falst wie eine Eule*g. Ich hatte vorher wirkich angst, das sie die anderen Hunde beissen würde, weil sie soooo ein alarm an der Leine macht.Aber es kommt wirklich auch darauf an, wie gut sozialisiert die anderen Hunde sind. Aber meine Alte(die Brüllerin) ist trotzdem dominant. Sie hat das sagen bei uns und jeder Junghund wird sofort unterworfen.Auch unsere andere Hündin (ihre Tochter 4 Jahre alt) weiß geanu wo ihre Grenzen sind. Also ich denke das auch dominante Hunde in bestimmten Situationen unsicher sein können.Wenn sie schon schlimme Situationen erlebt haben.

liebe Grüße
Manuela+Bullis

von Franziska(YCH) am 04. Juni 2001 10:44

Hi Melli,

: : "Leinenaggressivität" habe ich noch nie aus "Dominanzgründen" erlebt.
:
:
: Denke ich ja im allgemeinen auch, aber wie viele unsichere Hunde gibt es dann demnach....das ist ja unglaublich !

Naja, manche sind ja unangeleint völlig selbstsicher und souverän. Leine ist aber für manche Hunde je nach Erfahrung = keine Möglichkeit zu fliehen und starke Behinderung, sich im Falle eines Angriffs zu wehren. Also besser den potentiellen Feind vorher verjagen, als dann gegebenenfalls die schlechteren Karten zu haben, weil Frauchen oder Herrchen die Leine in diesem Moment nicht loslässt und stattdessen noch am Hund herumzerrt, dem damit jegliche artgerechte Kontaktaufnahme oder Verteidigung oder Flucht verwehrt bleibt.

: Das heisst also, dass HSH auch eigentlich nur aus Angst ihre Herde verteidigen ? Dann ist ja wirklich fast jede aggressive Aktion Angst, wenn sie nicht als Zurechtweisung im Rudel geschieht ?

Irgendwie schon. Nur ist es ein Unterschied, ob sich schon eine Rangordnung herausgebildet hat oder nicht, wie diese aussieht und worauf sie sich bezieht. Ein HSH, der seine "Herde" verteidigt hat mit dem vermeintlichen Feind gar keine Rangordnung und hat auch gar kein Interesse daran, eine herauszubilden, insofern kann hier von Dominanz keine Rede sein. Aggression innerhalb des Rudels kann auch lediglich objektbezogen sein. D.h. dass auch ein sozial rangniederer gestellter Hund seinen Ball gegebenenfalls verteidigen kann, ohne dass er dadurch dann automatisch immer das sagen hat.

: Dann zeigt ein wirklich dominanter sicherer Hund also z.B. seine Stärke wirklich nur über Schnauzengriffe und Drohgebärden an ? Aber wenn mal wollte, könnte man dahinter auch wieder Angst sehen, dass er seinen Rang in Gefahr sieht......irgendwie verwirrend.

Oft zeigt ein wirklich dominanter Hund seine Stärke über viel subtilere Signale an, die wir Menschen nichtmal wahrnehmen können, bzw. nur sehr sehr hundeerfahrene Menschen.

: Und was ist bei HSH, die jeden gleichgeschlechtlichen Hund dominieren wollen und so weit, dass sie beim kleinsten Knurren sofort extrem auf den anderen Hund losgehen ?

Mal abgesehen davon, dass es das nicht nur bei HSH gibt: Wenn ein Hund knurrt geschieht das immer als Drohgebärde. Auch wenn er aus Angst knurrt ist das ein Zeichen dafür, dass er sich ab jetzt verteidigen wird. Wenn ein Hund einen anderen anknurrt ohne zu fliehen, ist das immer eine Provokation. Und es kommt dabei auf beide Hunde an. Ein Hund, der anderem Hund sehr überlegen ist, wird von diesem nicht angeknurrt, da der andere schon vorher einsehen müsste, dass er keine Chance hat. Der in diesem Fall überlegene Hund kann aber einem anderen Hund gleichgestellt sein oder unterlegen sein. Allgemeine Dominanz gibt es kaum. Bei Hunden, die JEDEN gleichgeschlechtlichen Hund vertreiben geht es in der Regel auch wieder nicht um die Ausbildung einer Rangordnung sondern um objektbezogene Dinge, wie zum Beispiel den alleinigen Zugang zum anderen Geschlecht oder die Verteidigung von Herrchen und Frauchen.

:Wenn dieses Knurren des unterlegenen Hundes auch nur aus Angst ist, müsste es der andere Hund doch kapieren und könnte es ignorieren !??

Wie gesagt, Knurren ist immer ein Signal zur Bereitschaft auf eine Auseinandersetzung. Ein Hund, der NUR Angst hat, flieht oder versucht durch Beschwichtigung einer Auseinandersetzung zu entgehen.

: Hunde haben doch so viele Ausdrucksmöglichkeiten, dass ich es oftmals schon aus dem Grund gar nicht verstehe, dass manche Hunde so schnell losbeissen. Ich habe viele Hundebegegnungen erlebt, da zeigte ein Hund klar an, dass er sich unterwirft (gibt ja "tausend" andere Zeichen als gleich auf den Rücken werfen) und der andere Hund trotzdem auf ihn los ist.

In solchen Fällen spielt auch wieder eine Rolle, worum es geht. Dringt ein Hund in das Territorium eines anderen ein (mal abgesehen davon, ob der Hund aus menschlicher Sicht das Recht hat, es als sein Territorium anzusehen), geht es nicht um die Herausbildung einer Rangordnung, sondern der "Territotiumsinhaber" will den anderen mit allen Mitteln aus seinem Territorium vertreiben. Da nutzt es dem anderen nicht sonderlich zu beschwichtigen, wenn er an Ort und Stelle bleibt.
Um mal wieder auf das Beispiel Wolfsrudel zu kommen: Dringt ein fremder Wolf in das Revier eines Rudels ein, wird er ziemlich brutal verjagt. Wenn dieser Wolf nun anfangen würde, zu beschwichtigen, wäre das vermutlich sein Tod. Bei Hunden ist das sicherlich nicht gleichzusetzen. Deswegen halte ich es für sehr wichtig, dass Welpen und Junghunde auch negative Erfahrungen mit anderen Hunden machen sollten (im Sinne von "harmlosen" Zurechtweisungen) um später eventuell vermeiden zu können, umwissend in eine solche Situation zu geraten, da sie so lernen, dass nicht-reagieren auf spezifische Drohgebärden auch Folgen hat. Es lässt sich halt nicht jeder Hund durch Beschwichtigungen "herumkriegen", gerade wenn der beschwichtigende Hund sich weiterhin in der Nähe seines Balls, Frauchens, Weibchens, Territoriums u.s.w. aufhält.

: Was ist das für ein Gehabe, wie kann das passieren ?

Durch Mißverständnisse halt, je nach Erfahrung des Hundes, die natürlich weitgehend vom Einfluss seines Besitzers abhängt.

Bis dann

Franziska (die auch sehr verträgliche HSH und Schäferhunde kennt ;o))

von Melli(YCH) am 04. Juni 2001 13:00

Hallo Franziska,

ich bin's noch mal....ich finde das Thema so super interessant:-) !!

Noch mal zu dem Punkt Territorialverhalten:
Aber selbst da handelt es sich doch irgendwie um Angst. Angst, dass der andere Hund sein Territorium streitig machen könnte.
Handelt der Hund jedoch nicht mit zielloser Beisserei, sondern mit gezielten Schnauzengriffen usw., soll es sich wiederum um ein sicheres Verhalten handeln.
Also hätte jeder sich territorial verhaltende Hund erstmal Angst um seine Revier und wäre gleichzeitig aber auch ein sicherer Hund, wenn er hundlich zurechtweist. Würde ein Hund gar nichts tun, wäre er demnach am sichersten, denn er reagiert nicht aggressiv. Aber dagegen steht wieder, dass ranghohe Tiere das Sagen haben und dies durch Agieren ausdrücken, also auch durch Zurechtweisung.

Oder zum Punkt Welpen: Ich sehe das sehr genau so, dass Welpen viele Erfahrungen mit sicheren Hunden machen sollten und auch solche, wo sie zurechtgewiesen werden.
Aber ist das Zurechtweisen nicht auch wieder eine Art von Angst. Angst, seinen Rang zu verlieren, weil man sich nicht autoritär genug verhält ?
Es geht nicht ohne Rangordnung, das ist klar, aber es geht doch immer wieder um die Angst, etwas zu verlieren oder nicht ?
Man könnte es einerseits so sehen, dass ein sicherer und dominanter Hund erstmal nicht aggressiv reagiert, weil er es nicht nötig hat.
Würde er jedoch alles mit sich machen lassen, hätte er bald keine Autorität mehr, d.h. er MUSS teilweise aggressives Verhalten zeigen, auch wenn es nur in Form von Drohgebärden, Schnauzengriff usw. ist.
Ein sicherer / dominanter Hund zeichnet sich im Umgang mit z.B. Welpen ja durch seine Klarheit aus und dass ER bestimmt, wann was gemacht werden darf. Und er beisst nicht wahllos, sondern fängt bei leichten Drohgebärden an und steigert das ganze wenn es sein muss bis hin zum Runterdrücken und Festhalten, bis der Welpe / Junghund es akzeptiert hat. Dem gegenüber steht aber dann wieder die Angst, dass der Althund dies nur macht, um seine Stellung zu behaupten.
Ist schon verwirrend, nicht wahr ?
Also hängen Angst, Aggression und Dominanz doch sehr dicht zusammen.

Viele Grüße, Melli

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