Mit Rehdecke Jagdtrieb gegen? :: Hundeerziehung + Soziales

Mit Rehdecke Jagdtrieb gegen?

von Rolf(YCH) am 04. Februar 2002 22:52

Hallo, Sandy.

Die Nummer mit der Rehdecke halte ich für völligen Blödsinn. In den bisherigen Antworten steckt viel Wahrheit, das muß ich nicht noch mal wiederholen. Aber ich will Dir erzählen, wie ich das Jagdproblem bei bisher 3 eigenen Hunden (Münsterländer, Flat Coated Retriever und Bosnische Bracke) und unzähligen Hundeschülern in den Griff bekommen habe. Das Problem ist die Flucht des Wildes. Rennt das Reh weg, läuft der Hund hinterher. Steht das Reh bewegungslos im Wald, passiert in der Regel gar nichts. Meiner Erfahrung nach ist es am einfachsten, den Hund an Wild zu gewöhnen. Dabei ist aber ungeheuer wichtig, daß das Wild nicht flüchtet. Das ist aber auch der Knackpunkt: Wild flüchtet immer vor Hunden! Einzige Ausnahme ist Wild in Wildparks, in denen Hunde erlaubt sind. Bei uns in Köln gibt es einen solchen Park, das ist ein wahrer Segen! Die Rehe, Hirsche uns Wildschweine sind Hunde gewöhnt und zeigen keinerlei Scheu, laufen also auch nicht weg. Und siehe da, selbst die eifrigsten Jäger unter meinen Hundeschülern haben nach einigen Trainingsstunden im Wildpark kaum noch Interesse an Wildsau und Co.
Vielleicht gibt es einen solchen Park auch in Deiner Nähe?

Gruß, Rolf

von Anne(YCH) am 05. Februar 2002 00:50

Hallo Sandy,

ich halte die Idee mit der Rehdecke auch für nicht besonders hilfreich (die Methode mit dem Schlagen ist sowieso völlig indiskutabel). Wir Jäger benutzen so eine Rehdecke eigentlich, um unsere Welpen im Spiel damit schon früh jagdlich zu prägen und den jungen Hund an die Witterung von Rehwild zu gewöhnen und es für ihn interessant zu machen ;-))). Insofern könnte die Sache mit der Rehdecke für Dich eher nach hinten losgehen, wenn nämlich Deine Hündin ihr Interesse erst recht auf die ihr damit immer vertrautere Witterung fokussiert.
Ich stimme meinen Vorredner zu, daß Du jegliches Hetzen nur durch geduldiges Gehorsamstraining (mit Umlenkung des Interesses auf etwas anderes ) in den Griff bekommen kannst. Also "Platz" oder "Down" oder was immer Dir gefällt auf konsequentes Kommando - erst an kurzer Leine, dann an langer (Schlepp-)Leine, erst ohne Ablenkung, dann mit Ablenkung, und zu guter Letzt sogar mit provoziertem Wildkontakt. Ist zwar ein langer Weg, aber bei einem Hund mit wirklichem Jagdtrieb meines Erachtens die einzige zuverlässige Methode.
Was hast Du eigentlich für einen Hund ?? Das wäre interessant zu wissen .

Gruß,
Anne

von Sandy(YCH) am 05. Februar 2002 09:11

Hallo Rolf,

zu Erklärung kurz: Die Sache war so entstanden, dass wir im Hundekurs mit einem echten Hasenfell (ausgestopft und aber bewegt) das Abrufen von Wild geübt haben. Dabei stellte sich heraus, dass unsere Hunde natürlich sehr an dem Fell interessiert waren und auf dieser Tour ausnahmsweise einmal keine Anstallten machten, sich zu verdrücken. Aus Spaß hab ich dann gesagt, ich würde am besten immer mit einem Hasenfell im Rucksack herum laufen, dann würde meine Dame nicht mehr ausbüchsen. Und promt kam eine wohlmeindende Freundin zwei Tage später mit dem Rehfell an - ich habe es mittlerweile entsorgt, da ich wirklich auch nicht wußte, was ich damit anfangen soll.

Die Erfahrung, die du mit den flüchtenden Tieren gemacht hast, hab ich mit Kühen gemacht. Sie ist ständig auf Kuhweiden und hat versucht, Kühe zu jagen. Irgendwann war es mir zu bunt und da ich gerade an einer Weide mit Jungbullen vorbei gekommen bin, dachte ich mir, die können sich schon wehren und habe sie laufen lassen. Sie hat bestimmt eine halbe Stunde versucht, die Viehcher in Bewegung zu bringen. Ist ihr auch geglückt, allerdings nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Die Bullen sind hinter ihr her gelaufen und haben sie gejagt. Danach war das Thema erst einmal durch, einzelne Versuche danach nur noch halbherzig.
Bei uns gibt es jedoch nur Tierparks, bei denen das Wild hinter Zäunen ist, das hat m.E. nicht den entsprechenden Effekt. Oder gibt es bei Euch in Köln etwas anderes und wenn ja, wo ist der Park denn? Vielleicht lohnen sich ja einige Ausflüge dort hin.

Danke schon mal und viele Grüße

Sandy

von Sandy(YCH) am 05. Februar 2002 09:31

Hallo Anne,

zum Thema "Rehdecke" schau doch mal kurz bei meiner Antwort an Rolf vorbei. Zu Deiner Frage:
Meine Hündin ist ein Husky-Mix, 1,3/4 Jahr alt. Wir haben sie mit 11 Monaten aus 5. (!) Hand bekommen. Sie hört mittlerweile ausgezeichnet (wenn sie will). Sitz, Platz auf Entfernung, Bleib (5 Minuten ohne Sichtkontakt) klappt alles (wenn sie will). Wenn ich sie rufe kommt sie ausgesprochen freudig, schnell, dreht auf dem Absatz um, es ist einfach Super, dass es besser nicht sein könnte - beeindruckt selbst Schäferhundbesitzer;-)) (wenn sie will).

Und eben das ist das Problem: "Wenn sie will":
Manchmal ist es bei ihr, als ob ein Schalter umgelegt würde und ich einfach nicht mehr da bin.
Leider kann ich ihr vorher nicht ansehen, ob sie denn zu hören gedenkt oder nicht, denn sie ist eine äußerst aufmerksame Hündin, die ständig die Nase im Wind trägt (manchmal zeigt sie eine Stunde lang ständig Wild an, ohne der Spur zu folgen). Sie schaut sich häufig nach mir um, hält von sich aus die Verbindung, bis sie auf einmal beschließt, davon zu rennen.
Alternativen wie Spiel helfen auch nur sehr bedingt, denn manchmal macht sie sich mitten im Spiel auf und davon und vergisst meist sogar noch, den Kong/Ball fallen zu lassen.

Schleppleine habe ich 2 Monate eingesetzt, hat auch für den Nahbereich gut geholfen, bringt aber letztlich für mein Problem nicht. Sie durchschaut das Spiel einfach.

Dummerweise wohnen wir in wildreichem Gebiet. Ich fahre zwar oft mit dem Auto in andere Gebiete, aber wenig Wild gibt es hier leider nirgens. Außerdem weiß ich nicht, ob es viel nutzt, sie ist mir auch schon bei Freunden mitten im Wohngebiet ausgebüchst - schließlich gibt es ja Katzen und wenn man schon mal unterwegs ist, hat doch sicher der ein oder andere ein Karninchen oder Meerschweinchen im Garten, dass man ein bischen erschrecken kann.

Alle, die ich bisher mit meinem Problemfall konfrontiert habe, sagen, dass der Husky durchschlägt und darum sollte ich mich besser von dem Wunsch verabschieden, sie jemals frei laufen lassen zu können. Wenn ich diese lebens- und bewegungshungrige, interessierte, wache, intelligente Hündin sehe, tut mir dies in der Seele weh, heißt es doch auch, dass sie nie mit anderen Hunden spielen darf, weil das an der Leine einfach nicht klappt.

Die Erfolgs/ bzw. Mißerfolgsquote liegt z.Zt. bei 1x weg laufen in 10 Tagen. Vielleicht ist das gar nicht schlecht, aber immer noch zu oft und bedeutet für mich, immer in größter Anspannung und Konzentration mit ihr unterwegs zu sein, weil ich ihr nicht trauen kann.

Ach ja, Master Plus habe ich auch probiert, interessiert sie nicht die Bohne. Teletakt kommt für mich nicht in Frage, dann doch lieber an der Leine lassen.

Solltest du oder sonst jemand vielleicht doch noch einen Idee haben, die mir nicht eingefallen ist, dann immer her damit!!!! Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben!

Viele Grüße

Sandy

von Rolf(YCH) am 05. Februar 2002 20:04

Hallo, Sandy.

In unserem Park ist das Wild auch hinterm Zaun. Aber das bisschen Maschendraht stört nicht weiter. Meine Niki macht mit den Wildschweinen immer ein großes "Steckdosenreiben" zur Begrüßung. Zwar ist der Zaun dazwischen, aber dennoch ist hautnaher Kontakt möglich. Es ist kaum zu glauben, aber manche Hunde entwickeln richtige Vorlieben. Besonders beliebt bei den Hunden sind die Wildschweine - Hunde und Schweine sind sich offensichtlich sehr ähnlich. Du kannst mir das jetzt glauben oder nicht, aber ich bringe den Schweinen innerhalb weniger Minuten das "Sitz" bei, und für meine menschlischen Hundeschüler ist das unheimlich motivierend. Klare Fall, was die blöde Sau in ein paar Minuten lernt, muß schließlich auch der eigene Hund können!

Wie Du selber bemerkt hast, ist die Flucht ein wesentlicher Auslöser des Jagdverhaltens. Als Dein Hund von den Rindern gejagt wurde, fand er das nicht annähernd so spannend wie selber jagen. Das deckt sich genau mit meinen Erfahrungen. Der beste Ablauf einer "Jagdentwöhnung" ist der: Zuerst braucht man typisch Opfer, die aber so cool sein sollten, das sie auf keinen Fall weglaufen. Dann gewöhnt man den Hund ans potentielle Opfer, bis das für den Bello die normalste Sache der Welt ist. Schon hat man gewonnen. Bei meiner Niki sieht das bei Rehwild und bei Katzen so aus: Reh oder Katze rennt über den Weg. Im ersten Moment spurtet Niki volle Kanne hinterher (das ist ein Reflex, da kann sie nicht anders). Im Laufe der Verfolgung erkennt sie aber irgendwann,daß sie einer Katze oder einem Reh folgt. Katze oder Reh? Bäääh, wie langweilig! Ganz anders sieht die Sache bei Hase, Kaninchen oder Fuchs aus. An diese Tiere konnte sie noch nicht gewöhnen. Bemerkt sie eines dieser Viecher, ist sie weg. Und es kommt Dir verdammt lang vor, wenn Dein Hund mit vorbildlichem Spur und/oder Sichtlaut im Wald unterwegs ist!

Gruß, Rolf
:

von Erik(YCH) am 06. Februar 2002 00:27

Hallo.
Ich habe gerade Dein Betrag gelesen. Also so bekommst Du das nicht in den Griff. Was da ein Jäger gesagt hat ist Jägerlatein und stimmt vorne und hinten nicht.
Das was Dein Hund da zeigt, ist nichts anderes als Instinkverhalten. Und Instinktverhalten kann man nicht wegdressieren. Einen Instinkt kann man nicht herausoperieren, dass geht nicht.
Also was tun.
Den Jagdinstinkt kann man sogar nutzen, ihn befriedigen und den Hund ausgeglichen und glücklich machen. Hierbei würde Dir Natural Dogmanship® helfen können. ES IST EINE Erziehungsphilosophie die sich mit den Instinktverhalten von Hunden beschäftigt.
Weitere Info bekommst Du unter www.natural-dogmanship.de, im Buch "Hunde erziehen mit Natural Dogmanship" Kosmosverlag, Autor Jan Nijboer oder eine Natural Dogmanship Hundeschule.
Aber bitte, laß es mit dieser Prügelmethode, es bringt nichts. Den der Körper Deines Hundes bestättigt sich selber für das verhalten, wenn er Jagd. Den dann stößt er ein Glückshormon aus, was Deinen Hund ein gutes Gefühl gibt.

Viel Glück
Erik

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