Moritz: Stand der Dinge :: Hundeerziehung + Soziales

Moritz: Stand der Dinge

von K. Keck(YCH) am 10. Juni 1999 11:25

Hallo,

viele hier im Forum waren der Meinung, das Tierheim hätte den Hund nicht an
Harald vermitteln dürfen. Ich bin der Meinung, auch Harald hätte ihn nicht
nehmen dürfen (er hat sich bewußt für einen "Problemhund" entschieden)
Leider arbeiten keine Hunde-und Menschenpschologen in einem Tierheim. Meist
sind es Tierfreunde, die nur ihre eigene Erfahrung mit Tieren mitbringen
und keinerlei fundierte Ausbildung in Bezug auf Hunde- und Menschenpschologie.
Solches Personal kann sich kein Tierheim leisten. So macht man sich es ein
wenig einfach, zu sagen, das Tierheim hätte das wissen müssen usw.usw.

Und jetzt finden es die Forumsteilnehmer nicht in Ordnung, daß Moritz nicht
vermittelt werden soll?? Bei allen bisherigen schiefgelaufenen Vermittlungsversuchen
haben dann hinterher (hinterher ist man immer klüger) bestimmt alle gesagt:
wie hat das Tierheim nur ...

Vielleicht sollte man sich ein wenig in die
Situation der Leute dort hineinversetzen. Diese haben sich ja noch
gar nicht zu dem Fall hier äußern können. Wer weiß, was diese Leute zu sagen hätten.
Übrigends kenne ich viele, viele Fälle von dominanten Hunden (ich vermute mal, Moritz
ist sehr dominant) die mit Erwachsenen Probleme haben, aber die
Kinder der Familie niemals anrühren würden bzw. angerührt haben.

Als Außenstehender bzw jemanden, der die Geschichte nur von einer Seite
kennt, kann man leicht urteilen bzw. verurteilen. Aber glaubt mir, wenn
man in der Entscheidung drinnensteckt, ist das alles so eine Sache. Vielleicht
hat Moritz bisher bei den anderen Fällen ja gezeigt, daß er mit Kindern gut
kann, aber nicht mit Erwachsenen und deswegen wagte man den neuerlichen
Versuch. Wer weiß genau, was bei den anderen Versuchen alles bei den Leuten
gelaufen ist. Keiner so ganz genau, oder?

Ich hoffe für Moritz, daß das Tierheim seinen restlichen Mut zusammennimmt
und den Hund in die Schweiz gibt. Aber was dann dort passiert, darf keinesfalls
dem Tierheim angelastet werden, finde ich zumindest

von Heike(YCH) am 10. Juni 1999 11:17

Hallo Harald,

wer ist Hans Schlegel, der Wundermensch, der Moritz helfen kann?

Obwohl ich mich eigentlich für informiert rund um den Hund halte, habe ich von ihm noch nie gehört. Alle scheinen ja große Stücke auf ihn zu halten. Es wäre gut, jemanden empfehlen zu können, wenn Menschen mit ihren Hunden absolut nicht mehr klarkommen.

Grüße

Heike

von Martin + Mirko(YCH) am 10. Juni 1999 13:03

Grüß Euch zusammen,

Katharina schreibt:

: viele hier im Forum waren der Meinung, das Tierheim hätte den Hund nicht an
: Harald vermitteln dürfen. Ich bin der Meinung, auch Harald hätte ihn nicht
: nehmen dürfen (er hat sich bewußt für einen "Problemhund" entschieden)

da ich mich auch mit schwierigen hunden beschäftige, fällt es mir schwer, mich weiter zurückzuhalten. leider ist es so, daß tierliebe menschen dazu tendieren, einen problemhund zu übernehmen. aufgrund von tierliebe ändert aber ein hund sein verhalten nicht. er greift auf der basis seiner erbanlagen auf seine bisherigen erfahrungen, d.h. das was er als erfolgreiches verhalten gelernt hat, zurück. z.b. kann ein hund gelernt haben, daß es verheißungsvoll ist, einen menschen, der futter in der hand hält, in den arm zu beißen. das futter fällt herunter, der hund schnappt es und schaut anschließend den menschen überaus freundlich an, ob eine zweite auflage vielleicht noch ein leckerle zutage fördert? fällt kein futter aus der hand, verleiht er seinem biß noch etwas nachdruck.
dies ist kein fiktives, sondern ein sehr reales beispiel.
man muß sich schon vorher überlegen, wie man in bestimmten situationen verfahren will. unser instinktives verhalten ist sicherlich das, auf das der hund bisher immer gestoßen ist. genau das müssen wir vermeiden. und genau das tun die meisten überraschten menschen nicht. folglich wird fehlverhalten bestärkt. wenn es untragbar wird, kommt der zurück. für den überraschten menschen kann da auch sofort der fall sein. was ist das ergebnis?
der hund hat kurzfristig mit seinem verhalten wieder erfolg gehabt. es wird gefestigt. daß er dadurch wieder im tierheim landet, ist für ihn nicht verknüpfbar, da zeitlich zu weit auseinanderliegend.
und so wird das fehlverhalten immer mehr zementiert.
für einen solchen hund ist es besser, er bleibt im tierheim und wird regelmäßig ausgeführt, als daß er eine familie in angst und schrecken versetzt.
wenn ich wieder einmal viktor erwähne. er lebt seit nunmehr 5 jahren im tierheim. seit 2 1/2 jahren führe ich ihn ~4x pro woche etwa 1- 1 1/2 h aus. der hund kann außer im stadtgebiet überall frei laufen. dem hund geht es so gesehen sehr gut. er lebt ohne sozialen streß, der bei einer falschen vermittlung vorprogrammiert ist. (einige infos über viktor sind zu finden unter [wwwex.physik.uni-ulm.de])
mit einem zweiten hund (o.a. beispiel) hatte ich weniger glück. zwar konnte ich ihm durch das zwingergitter hindurch aggressives verhalten in gegenwart von futterbrocken abgewöhnen. wie sich später zeigte, im zusammenhang mit mir völlig. aber der hund hatte als lebenserfahrung kettenhund dasein beim bauern und zwingerhunddasein im tierheim. als er die ersten male von derjenigen, die ihn übernehmen wollte, ausgeführt wurde, gab es mit anderen hunden keine probleme aber auto, jogger, radler, alles versetzte ihn in schrecken. worauf er dann mit einem biß antwortete. er erwischte einen jogger, der sehr dicht an ihm vorbeilief und ihn angeblich nicht gesehen hatte. das war´s dann. mein fazit aus dem erlebnis war, daß ich mich erst dann um die "therapie" eines hundes intensiver kümmern werde, wenn ein mensch da ist, bei dem ich mit gutem gewissen sagen kann, daß er genau weiß, was wann zu tun ist.

die änderung des verhaltens, wenn der hund in die familie kommt, ist vorprogrammiert. es treten ähnliche situationen und reize auf, wie er sie schon kannte. (man hebe bei einem solchen hund plötzlich die hand, schon duckt er weg? dann ist er geschlagen worden.)
und so gab es den hund, der die freundliche schmusigkeit war, bis die familie sich zum ersten mal an den mittagstisch setzte. der hund sprang auf den tisch und verteidigte alles mit zähnen und klauen.

dann gibt es noch die "zeig ihm wer der boß ist"-fraktion. naja, ein hund der sich anleinen läßt und am halse herumziehen und drücken, gehört nicht zu den problemhunden.
man muß aber damit rechnen, daß ein hund, der in panik gerät oder in frustrierte aggression, sich kommentarlos umdreht und das nächstmögliche opfer angeht und zubeißt. das ist dann der mensch am ende der leine. und dem hund ist es egal, ob der tierlieb ist oder nicht. auch dieses beispiel entstammt der realität

für moritz mag es sehr hilfreich sein, wenn er einige zeit in für ihn klaren umständen lebt. mit menschen im hause zusammenleben kann er sicherlich nur dann, wenn diese ohne ausnahme, wissen, wie sie sich verhalten sollten. ohne intensive beratung / schulung des hundehalters ist eine therapie augenwischerei.

tschüß martin & mirko




von Harald(YCH) am 10. Juni 1999 13:49

: Und jetzt finden es die Forumsteilnehmer nicht in Ordnung, daß Moritz nicht
: vermittelt werden soll?? Bei allen bisherigen schiefgelaufenen Vermittlungsversuchen
: haben dann hinterher (hinterher ist man immer klüger) bestimmt alle gesagt:
: wie hat das Tierheim nur ...
:

Ich bin mit Dir einer Meinung.

Man muss natürlich auch wissen, dass sich keiner bisher ernsthaft längere
Zeit mit Moritz beschäftigt hat. Nach meinem Wissen lief das in etwa so ab:

- Moritz wurde aufgegriffen und wie jeder solcher Hund kam er erst mal in
den Zwinger.
- dass er bei seiner Einlieferung gleich jemanden gebissen hat, hat man
wohl unter "besondere Umstände" verbucht und ihn deswegen nicht gleich
als Problemhund gesehen. Kann ich verstehen.
- Dann blieb er erst mal lange Zeit im Zwinger. Es kamen wohl hin und wieder
junge Mädchen, die mit den Tierheimhunden und mit Moritz rausgingen,
aber das war's dann auch.
- Die Leute, die sich für ihn interessierten, nahmen ihn einfach mit und
brachten ihn nach längstens 2 Tagen wieder, weil sie angeblich nicht
mit ihm zurecht kamen. Keiner hat sich die Mühe gemacht, den Hund vorher
wenigstens etwas kennenzulernen!
Die Stories, die ich hörte, klangen ziemlich verwirrend und widersprüchlich,
deswegen glaube ich da nicht alles.
- Während seines Zwingeraufenthalts gab es Beissereien mit anderen Hunden.
(durch das Gitter! Wie sowas passieren kann ist mir zwar schleierhaft,
aber so war's wohl).
- Nachdem man keine Chance auf Vermittlung mehr sah, wurde wohl (mehrmals)
seine Einschläferung beschlossen. Das hat man mir zumindest erzählt.
Da ich inzwischen weiss, dass das so einfach gar nicht geht,
lasse ich mal offen, ob das wirklich so stimmt...
- Die "Fakten" die mir von verschiedenen Seiten über Moritz zugetragen
wurden, reichten von "lieber Hund der nur in die richtige Familie
kommen muss" bis hin zu "Bestie -- gleich einschläfern!".
- Von der Tierheimleitung wurde mir erzählt, dass man über seine Herkunft
gar nichts wisse, und deshalb auch nur vermuten könne, wie er sich
wann verhält. Ich solle aber vorsichtig sein.
- von einem "Pfleger" wurde mir erzählt, dass er sich in jeden Hund
verbeisst, man ihn auf keinen Fall von der Leine lassen solle, dass
er Autos hinterherrennt, Radfahrer anfällt, usw. usw...

In dieser Situation lernte ich Moritz kennen.
Jetzt sagt mir bitte: was soll man da glauben?
Im Zweifel also erst mal für den Angeklagten!

Ich habe dann vorgeschlagen: dann geh ich halt erst mal mit ihm
ein paar Wochen raus und sehe wie er sich benimmt.
Schaden kann das auf keinen Fall.
Wenn überhaupt, nehmen wir ihn nur dann zu uns, wenn wir
absolut sicher sind, dass es keine Probleme gibt.
Das war die Vereinbarung mit dem Tierheim und das finde ich
auch immer noch richtig so.

Und jetzt kommt's: Moritz benimmt sich wie ein Engel!
Er verbeisst sich nicht in andere Hunde!
Er rennt auch keinen Autos hinterher!
Radfahrern, Spaziergängern und sonstigen Zeitgenossen schnuppert
er allerhöchstens mal nach.
Auch kann man ihn problemlos ohne Leine laufen lassen,
kommt auf Ruf, usw... usw...

Also: alles Quatsch, was da über ihn erzählt wurde.

Ich habe dann begonnen, ihn nachmittags zu uns nach Hause zu nehmen,
damit er die Familie, unsere Tiere, das Haus und den Garten kennenlernt.
Das ging so etwa drei Wochen. Es gab nie irgendwelche Probleme.

Als wir dann alle sicher waren, dass sich Moritz gut bei uns einleben
würde, nahmen wir ihn ganz zu uns.

Genau so war's.

Und jetzt erzähle mir bitte keiner, dass er es in einer solchen
Situation nicht mit Moritz probiert hätte!


: Vielleicht sollte man sich ein wenig in die
: Situation der Leute dort hineinversetzen. Diese haben sich ja noch
: gar nicht zu dem Fall hier äußern können. Wer weiß, was diese Leute zu sagen hätten.
: Übrigends kenne ich viele, viele Fälle von dominanten Hunden (ich vermute mal, Moritz
: ist sehr dominant) die mit Erwachsenen Probleme haben, aber die
: Kinder der Familie niemals anrühren würden bzw. angerührt haben.
:

Eigentlich dreht es sich _nur_ um diese Frage.
Wir können uns einen anderen, angeblich "problemlosen" Hund zulegen,
der dann irgendwann unsere Kleine beisst, aber wir können auch
Moritz behalten und nie irgendwelche Schwierigkeiten bekommen.
Wer weiss das schon?

Vielleicht Hans Schlegel aus der Schweiz...

Das dumme ist nur, _dass_ wir (ziemlich unspezifisch) vor Moritz
gewarnt wurden und _deshalb_ sein Verhalten auf
die Goldwaage legen (müssen).

: Als Außenstehender bzw jemanden, der die Geschichte nur von einer Seite
: kennt, kann man leicht urteilen bzw. verurteilen. Aber glaubt mir, wenn
: man in der Entscheidung drinnensteckt, ist das alles so eine Sache. Vielleicht
: hat Moritz bisher bei den anderen Fällen ja gezeigt, daß er mit Kindern gut
: kann, aber nicht mit Erwachsenen und deswegen wagte man den neuerlichen
: Versuch. Wer weiß genau, was bei den anderen Versuchen alles bei den Leuten
: gelaufen ist. Keiner so ganz genau, oder?
:

Nicht einmal das konnte man mir genau sagen.
Man hat sich kaum mit Moritz beschäftigt.
Also gab's auch keine zuverlässige Informationen über ihn.
Das ist wohl in vielen Tierheimen so.

: Ich hoffe für Moritz, daß das Tierheim seinen restlichen Mut zusammennimmt
: und den Hund in die Schweiz gibt. Aber was dann dort passiert, darf keinesfalls
: dem Tierheim angelastet werden, finde ich zumindest

Jetzt machen wir erst mal weiter wie in den Wochen davor.
Das ist auf jeden Fall besser als ihn komplett wegzusperren.
Die paar Nächte bei uns waren vielleicht etwas
stressig, gross geschadet haben sie aber auch nicht.

Nächste Woche sind wir schlauer.

Bis dann,

Harald.


von Kine(YCH) am 10. Juni 1999 13:15

Hallo Martin & Mirko!

Gratuliere! :-))))

Es wäre schön, noch mehr über Deine Erfahrungen mit "solchen" Hunden lesen zu können, da ich sehr viel davon in dem Verhalten meines Hundes wiederfinde.

Viele Grüsse

Kine

von Martin + Mirko(YCH) am 10. Juni 1999 13:49

Grüß Dich Kine,

du meinst

: Es wäre schön, noch mehr über Deine Erfahrungen mit "solchen" Hunden lesen zu können, da ich sehr viel davon in dem Verhalten meines Hundes wiederfinde.

es "wird", muß nur noch einige zeit ausgebrütet werden.

tschüß martin & mirko

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