Agression :: Hundeerziehung + Soziales

Agression

von Daniel(YCH) am 14. Juni 1999 17:24

Hallo Daniela,

grundsätzlich bin ich auch Deiner Meinung, daß der "Menschenschutz" dem Tierschutz vorrangig sein muß, und definitiv schwer verhaltensgestörte Hunde nahezu nicht vernünftig vermittelbar sind und somit eingeschläfert werden sollten.
Auf der anderen Seite ist diese Diskussion betreffend des geschilderten Falles vollkommen überflüssig, da ich hier kein hochaggressives Fehlverhalten des Hundes erkennen kann.

Sicherlich liegt das Fehlverhalten hier in falscher Behandlung und nicht in einer schweren Verhaltensstörung des Hundes.
Offensichtlich wurde und wird der Hund entsprechend verwöhnt und hierdurch auch sozial übersättigt, was die Führerrolle des Halters natürlich extrem in Frage stellt.
Dadurch aber, daß entsprechende Dominanz fehlt, fehlt auch die entsprechende innere Sicherheit des Hundes, die es ihm ermöglichen würde, mit bestimmten Situationen gelassener umzugehen.
Dazu kommt noch, daß speziell Hunde mit sehr ursprünglichem (wölfischem) Verhalten, die Schmuse- und Streichelattacken rudelfremder (und nicht nur derer) Personen allzuleicht mißverstehen.
Wer schmust und "streichelt" im Rudel denn überschwenglich?
Doch nur der untergebene und unterwürfige Part. Der dominante Part gewährt dieses nur.
Wenn Mensch also jetzt diese klare hierarchische Regelung verdreht, so muß er sich nicht wundern, wenn Hund sich auch entsprechend ""freimacht"" wenn es zuviel wird. Auch das nämlich, ist canidentypisch.
Die normale Reaktion in solchen Situationen ist das Verschnappen des Anderen. Dabei kommen rudelintern nahezu nie Verletzungen auf. Da aber der Mensch VIEL langsamer reagiert, als der Artgenosse, kann es durchaus passieren, daß er ab und an mal erwischt wird.

Sicherlich ist das für das "Opfer" nicht so lustig, von einer Verhaltensschädigung des Hundes aber, ist hier nicht zu sprechen.

Vielmehr ist es notwendig, dem Hund enge Grenzen zu stecken und ihm unmißverständlich klarzumachen, daß mit den Zweibeinern vorsichtiger umzugehen ist.

Vor allem aber ist es wichtig, den Besuchern zu erklären, daß sie es nicht mit einem schnaufenden Steiff-Tier zu tun haben, das alle ihre körperlichen Attacken ertragen muß.

Der leider so verbreitete Streichelwahn vieler Menschen und v.A. auch Kinder, ist oftmals Ursache für vermeidbare Unfälle.

Wie würdest Du reagieren, wenn Du mit Deinem Mann spazierengehst und plötzlich ein Wildfremder sagt: Och die ist aber süß, und sich auf Dich stürzt und Dich befummelt?
Wahrscheinlich würdest Du ihm eine reinhauen. - Nichts anderes machen manche Hunde.

Unsere Gesellschaft aber erwartet vom Hund ein überangepasstes Verhalten - erwartet von ihm, daß er sich Alles von Jedem gefallen läßt.
Das aber, ist ein bißchen viel verlangt.
Auch unsere heutigen Hunde, die - leider manchmal - schon immens degeneriert sind, sind immer noch domestizierte Raubtiere, die nach klar umrissenen sozialen Gesetzen leben - und keine willenlosen Automaten, die es jedem Idioten rechtmachen müssen.
Wer sich mit dieser Tatsache nicht auseinandersetzen kann oder will, sollte auch keinen Hund halten.
Es ist ein grundsätzliches Unding, fremde Hunde zu begrapschen und es ist auch kontraproduktiv für die Rudelbindung, wenn ich meinen Hund von jedem begrapschen lasse.
Hält man sich die Masse von täglichen "Übergriffen" in dieser Hinsicht vor Augen, so ist es verwunderlich, daß nicht noch mehr passiert.

Auch, wenn es von Vielen propagiert wird, so ist es doch keine positive Charaktereigenschaft, wenn ein Hund "Everybody´s Darling" ist und jedweden Fremden als Freund begrüßt.
Vielmehr sollte sich der vernünftig sozialisierte Hund, nonaggressiven Fremden gegenüber neutral verhalten. Das nämlich wäre eine wesenstypische Verhaltensweise.
Aus falschem Verständnis und öffentlichem Druck heraus, versuchen wir jedoch zu oft, ihn zu wesensfremdem Verhalten zu "(v)erziehen", was eben häufig zu Mißverständnissen führen kann.

Abschließend möchte ich kurz noch etwas zum Thema Verhaltensschäden schreiben.

Ich höre permanent, daß sich Halter an den angeblichen (oder tatsächlichen) schlechten Erfahrungen des Hundes orientieren und dadurch bestimmtes Fehlverhalten zu erklären versuchen.
Das ist nun aber in den meisten Fällen völlig widersinnig und dient höchstens der Absolution des Halters.
Sicherlich sind Erfahrungen prägend - jedoch nicht zwingend irreparabel.
Im Gegenteil - gerade der Hund, ist durch seine unglaubliche Anpassungsfähigkeit prädestiniert dafür, sehr schnell neue Erfahrungen, die Alten überdecken zu lassen.
Man sollte also nicht die humanpsychologischen Übertragungen gelten lassen, sondern vielmehr Neuanfänge wagen, die es dem Hund ermöglichen, seine Anpassungs- und Lernfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Geschichten, wie: "Mein Hund wurde einmal von einem schwarzen Hund gebissen, und seitdem haßt er alle schwarzen Hunde..." gehören in das Reich der Märchen.
Der Grund, weshalb der Hund dann so auf diese Hunde reagiert, ist die eigene Angst/Nervosität, die sich direkt auf den Hund überträgt.
Selbst eine Mißhandlung durch den Vorbesitzer, hat eigentlich nur positive Konsequenzen für den neuen Halter, da der Hund mit dem neugewonnenen Vertrauen, schnell sehr enge Bindungen eingeht.
Viel ausschlaggebender, als alte Erfahrungen für das Verhalten des Hundes sind, ist die Erfahrung, die er täglich im Zusammenleben mit seinem aktuellen "Rudel" macht.
Aus diesem Grunde, sollte man bei verhaltensauffälligen Hunden, eher sein eigenes tägliches Verhalten einer kritischen Prüfung unterziehen, anstatt Gründe und Entschuldigungen durch die Vergangenheit des Hundes zu suchen.

Liebe Grüße

Daniel

von Sonja und Nero(YCH) am 14. Juni 1999 20:05

Hallo,

bevor von Fehlverhalten geredet wird und der Ruf nach einschlaefern ertoent:

Hunde moegen es nicht "beschmust" zu werden, viel moegen noch nicht
einmal streicheln, auch wenn sie es dulden.

Wenn es um Koerperkontakt geht, ist uns der Hund gar nicht sooo unaehnlich.
Beruehungen von Fremden werden auch von uns als Belaestigung oder Bedrohung empfunden,
selbst Beruehungen von Menschen die wir kennen unterliegen Ritualen.
Der Nachbar oder Kollege, dem man jeden Tag die Hand gibt wird mit Sicherheit einen
Verweis erhalten wenn er einem ploetzlich "zu nahe tritt".

Mein Hund laesst sich von niemandem knuddeln, von "quasi Rudelmitgliedern"
wie Oma bedingt streicheln, und von Fremden ueberhaupt nicht anfassen und er
ist mit Sicherheit nicht "verhaltensauffaellig" sondern voellig klar im Kopf.

Und wenn ich ihn trotzdem mal "durchknuddel" spricht sein Gesichtsausdruck und seine
Koerpersprache Baende. Wuerde er hier mitdiskutieren koennen, wuerde er sicher sagen:
"Manchmal zeigt mein Alpha so ein komisches "Fehlverhalten" ".

Gruss
Sonja und Nero

von Chrischi(YCH) am 15. Juni 1999 01:24





:
: Auch, wenn es von Vielen propagiert wird, so ist es doch keine positive Charaktereigenschaft, wenn ein Hund "Everybody´s Darling" ist und jedweden Fremden als Freund begrüßt.
: Vielmehr sollte sich der vernünftig sozialisierte Hund, nonaggressiven Fremden gegenüber neutral verhalten. Das nämlich wäre eine wesenstypische Verhaltensweise.
: Aus falschem Verständnis und öffentlichem Druck heraus, versuchen wir jedoch zu oft, ihn zu wesensfremdem Verhalten zu "(v)erziehen", was eben häufig zu Mißverständnissen führen kann.

Hallo Daniel!
Ich stimme Dir in Deiner gesamten Aussage zu.Ich z.b habe so einen Everybodys Darling (Bearded Collie Hündin 9 Jahre).Vor lauter "Gott ist die süß",und das sie auch ja später mit allen gut auskommt habe ich sie so erzogen.Jetzt ist es so das sie jeden aber wirklich jeden ohne wenn und aber stürmisch begrüsst ,ob dieser es will oder nicht!
Sie macht keinen Unter schied,jeder ob Mensch oder Tier wird Bedingungslos ins Rudel aufgenommen.
Ich kenne viele Beardeds und alle sind sehr freundliche Hunde das liegt ihnen im Blut.Dennoch ein Everybodys Darling ist und bleibt wesensuntypisch und ich denke hätte ich meinen Hund , Hund sein lassen,und hätte sie damals in verschiedenen Situationen selbst entscheiden können,ohne mein "SEI LIEB",wäre sie trotz aller Bearded Freundlichkeit ein wesensfester Hund geworden!
Liebe Grüße Chrischi und Tinca!

von Daniel(YCH) am 15. Juni 1999 04:10

Hallo Martin,

sollte ich behaupten, ich gäbe Deinen Ausführungen nicht Recht, müßte ich lügen.

Einzig im Bereich ängstlicher Personen, sehe ich das ursprüngliche Problem von einer
anderen Seite.

Es ist doch grundsätzlich nicht so, daß es für einen Hund essentiell ist, körperliche Fremdkontakte zu pflegen. Im Gegenteil - dies ist der Grund, warum sich viele Menschen belästigt fühlen - und Andere mit Zuneigung übertreiben.
Es ist doch viel leichter und erstrebenswerter, meinem Hund klarzumachen, daß Fremde,
(die sich nicht aggressiv verhalten), neutral zu behandeln sind - und eigentlich keines gesonderten Beachtens bedürfen.
Hierdurch erreiche ich nicht nur ein sicheres und gelassenes Verhalten des Hundes, sondern auch die erhöhte Rudel-und Führerbindung.

Durch die künstliche Extrovertierung des Hundes, die so häufig proklamiert wird, erreiche ich, daß sein Interesse an Rudelexternem, wie z.B. auch Wild, Radfahrern, Joggern, etc. erst so richtig erwacht.

Lasse ich ihn aber in einem Rudelverband leben, der sich in gewisser Hinsicht konstruktiv abschottet (wie es auch seiner Wesensart entspricht), so ist ihm die Wichtigkeit der Integration auch immer bewußt - und Fremdes, das ich nicht beachte, ist nur minder beachtenswert.

Das aber heißt eben nicht zwingend, daß mein Hund nun Fremdes ablehnt - im Gegenteil - ich ermögliche ihm, sich dem Fremden in seiner ihm eigenen Art und Weise zu "nähern" und sich mit ihm zu arrangieren, und somit relativ emotionslos mit dem Unbekannten umzugehen.
Die Folge ist, daß Hund im Umgang mit Unbekanntem sicherer ist und eigentlich gar nicht mehr zu unerwünschten Übersprungshandlungen neigt.
Die Basis für ein Fehlverhalten ist entzogen.

Hierfür sollte ich aber von Anfang an unterbinden, daß Fremde meinen Hund wie ihren Eigenen behandeln.

Schade, daß so viele Halter dies nicht verstehen wollen.

Liebe Grüße
Daniel

von Martin + Mirko(YCH) am 15. Juni 1999 08:25

Grüß Dich Daniel,

was du schreibst, kann ich nur unterstreichen. ich drücke es nur meist anders aus: "die meisten hunde mögen nicht gestreichelt werden." die menschen erkennen das nicht, weil sie die besänftigungssignale des hundes nicht wahrnehmen.

: Es ist doch grundsätzlich nicht so, daß es für einen Hund essentiell ist, körperliche Fremdkontakte zu pflegen. Im Gegenteil - dies ist der Grund, warum sich viele Menschen belästigt fühlen - und Andere mit Zuneigung übertreiben.
: Es ist doch viel leichter und erstrebenswerter, meinem Hund klarzumachen, daß Fremde,
: (die sich nicht aggressiv verhalten), neutral zu behandeln sind - und eigentlich keines gesonderten Beachtens bedürfen.
: Hierdurch erreiche ich nicht nur ein sicheres und gelassenes Verhalten des Hundes, sondern auch die erhöhte Rudel-und Führerbindung.

dreimal ja. neutral ist das stichwort. ist ein jogger / radler neutral, hat er keine bedeutung und der hund geht seinem schnuffelwerk nach. das signalisiert aber dem radler / jogger viel besser als alle beteuerungen des menschen, daß der hund sich nicht für ihn interessiert. wenn dann der halter auch noch freundlich gelangweilt schaut, funktioniert das meist prächtig.
ausnahme: hund bemerkt etwas für ihn aufmerksamkeit erregendes. kopf hoch ins auge fassen des kommenden. und dann? blick zurück / blickkontakt zum rudelführer, wenn die bindung stimmt. der kann nun seinerseits gespannte aufmerksamkeit signalisieren, um dann mit einem "mmpf" durch die backen geblasen wieder in sich zusammenzusinken. hund wendet sich wieder wichtigerem zu.

:Lasse ich ihn aber in einem Rudelverband leben, der sich in gewisser Hinsicht konstruktiv abschottet (wie es auch seiner Wesensart entspricht), so ist ihm die Wichtigkeit der Integration auch immer bewußt - und Fremdes, das ich nicht beachte, ist nur minder beachtenswert.

das ist genau der punkt. aber du hast das so gut geschrieben, da gibt es nichts zu kommentieren.

tschüß martin & mirko

von K. Keck(YCH) am 15. Juni 1999 10:44

Hallo,

: Ich würde die konkreten Umstände des Zwischenfalls untersuchen.
: Wenn der arme Hund tatsächlich grundlos zugebissen hat, würde
: ich das Tier einschläfern.

Es gibt kein grundloses Zubeißen bei Hunden!! Nur oft erkennt der Mensch
die Ursache nicht.

Viele Grüße

K. Keck

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