Angst :: Hundeerziehung + Soziales

Angst

von Ruth(YCH) am 07. Juni 2002 11:31

Unsere 1-jährige Golden-Retriever-Hündin, die wir mit 5 Monaten dummerweise bei einem zweifelhaften Züchter kauften, hat vor allem ausserhalb unseres Hauses/Grundstücks fürchterlich Angst: in erster Linie vor Autos, aber auch vor allem was sie nicht kennt. So hat sie auch im Haus beispielsweise nie versucht, in den ersten Stock zu gelangen oder ans Futter zu gehen, das eigentlich für sie gut erreichbar da steht. Keine Angst hat sie vor anderen Menschen und Hunden; sie spielt im Gegenteil sehr gerne mit ihnen. Wir können aber nicht mit ihr im Dorf an der Leine gehen; sie zieht und gerät geradezu in Panik. Wenn wir mit dem Auto in den Wald oder an einen Bach fahren, läuft sie davon, sobald sie merkt, dass wir wieder ans Auto zurück wollen. Wir brauchen manchmal Stunden, um sie zu überlisten. Ein Hundeerziehungskurs hat überhaupt nichts genützt. Wir überlegen uns jetzt, ob sie vielleicht von einem älteren Hund lernen könnte? Für alle Tipps und Anregungen sind wir sehr, sehr dankbar.

von Emily(YCH) am 07. Juni 2002 11:57

Hallo Ruth,

schreib doch mal grob, was ihr in den letzten 7 Monaten gegen die Angst unternommen habt? Wenn sie Angst vor Autos hat, habt ihr schonmal versucht, sie dahingehend zu desensiblisieren? Was wurde euch denn in dem Erziehungskurs geraten?
Wie reagiert ihr, wenn sie Angst zeigt?

Schreib nochmal ein bisken dazu, dann kann man sich leichter ein Bild von euch und dem Hund machen. Grüße, Emily

von Marianne(YCH) am 07. Juni 2002 16:39

Hallo Ruth

Unsere Labradormischlingshündin hatte ähnliche Verhaltensweisen. Sie wuchs bis fünf Monate auf einem Bauernhof auf. Schon die erste Autofahrt zu uns nach Hause war schwierig. Nora zitterte am ganzen Körper. Bei uns angekommen wollte sie nicht in den ersten Stock. Ein Spaziergang ins Dorf war nahezu unmöglich (Nora weigerte sich weiterzugehen, wenn ein Auto vorbeifuhr). Zugfahren kannte sie nicht, es war kaum möglich, mit ihr die Autobahnbrücke zum Wald zu überqueren usw. usw. Es war offensichtlich, dass sie ganz vieles nicht kannte. Mit Geduld und kleinen Schritten hat sie das ängstliche Verhalten mehrheitlich abgelegt. Mit Belohnungen und Locken mit Leckerbissen und schliesslich auch mit den guten Erfahrungen, die sie nach Überwindung von furchterregenden Situationen machte, verschwand die Ängstlichkeit. Anfangs haben wir siw Schritt für Schritt über die Autobahnbrücke gelockt. Heute will sie immer dort durch, weil auf der anderen Seite der für sie interessante Waldspaziergang stattfindet. Wichtig ist meines Erachtens, dass die zu überwindenden Hindernisse nicht zu schwierig sind, nicht zu lange dauern und sofort belohnt werden können (z.B. während eines Spaziergangs nur ein kurzes Stück (ein paar Meter) an einer verkehrsreichen Strasse entlang gehen,mit Leckerbissen locken, die freiwillig gemachten Schritte sofort belohnen, dann wieder weg von der "gefährlichen" Strasse. Oftmals habe ich in Strassennähe mit Nora gespielt, damit sie sich im Spiel an die Geräusche gewöhnen konnte. Zwang in kritischen Situationen wirkt sich kontraproduktiv aus und verstärkt die Ängste (z.B. an der Leine vorwärts zerren usw.). Na, ich wünsch dir jedenfalls viel Glück und viel Geduld und gehe davon aus, dass dein Hund noch ganz viele positive Erfahrungen machen muss.

Marianne

von ChristineHd(YCH) am 07. Juni 2002 19:01

Hallo,

Wir überlegen uns jetzt, ob sie vielleicht von einem älteren Hund lernen könnte? Für alle Tipps und Anregungen sind wir sehr, sehr dankbar.

Ja, nur was ist die Frage.
Mein Husky war extrem scheu als Welpe und hatte einen sehr weisen, erwachsenen Ziehvater, von dem er sicher sehr viel positives lernte.

Meine jetztige Hündin Bambuli findet Stütze im Husky.

Was passiert nicht, normalerweise: Daß der Hund die Angst verliert durch einen weiteren Hund, ein erfahrener Hund kann aber sehr wohl Hilfe sein, Assistent vielleicht.


Du schreibst:
Wenn wir mit dem Auto in den Wald oder an einen Bach fahren, läuft sie davon, sobald sie merkt, dass wir wieder ans Auto zurück wollen. Wir brauchen manchmal Stunden, um sie zu überlisten.

??? Ihr laßt sie frei, obwohl ihr wißt, daß es so endet?

Ihr müßt lernen, richtig mit dem Hund umzugehen und dabei hilft Euch ein Zweithund nicht.
Angst ist kein Erziehungsproblem, sondern ein seelisches. Der Hund braucht Hilfe und die könnt nur ihr ihm geben.
Schrittchenweises gewöhnen, kein Freilauf, solange es in "überlisten" endet, Training mit positivem Bestärken, viele kleine Alltagserfolge usw.
Christine

von Gisi(YCH) am 07. Juni 2002 21:25


Hallo Ruth,
ich kann Dir nur empfehlen, alles mit Geduld zu üben, immer kleine Schritte und keinen Zwang ausüben. Ich habe eine Hündin, die mit 7 Jahren aus dem Versuchslabor zu uns kam, sie kannte nichts und war
auch nicht stubenrein. Vor allem hat sie Angst. Ich habe anfangs kleine
Spaziergänge gemacht und immer den gleichen Weg, so daß sie hier Ver-
trauen gewonnen hat. Erst viel später habe ich meine Spaziergänge aus-
gedehnt. War auf dem Weg etwas wo sie Angst hatte, bin ich bis dahin und
dann wieder zurück und jeden Tag ein kleines Stückchen näher rangegangen. Meine Mühe und Geduld hat sich gelohnt. So habe ich auch das mit dem Autofahren geübt. Die erste Zeit ist mein Mann gefahren und
ich habe bei meinem Hund auf dem Rücksitz gesessen, so haben wir monate-
lang geübt. Das Sabbern und Brechen hat nachgelassen und heute ist das
Autofahren auch kein Problem mehr.
Du musst Geduld haben und freue Dich über die kleinen Fortschritte, die
auch belohnt werden müssen. Stecke Dir ruhig Leckerli ein wenn Du aus
dem Haus gehst und übe mit kleinen Sachen. Es lohnt sich den unsicheren
und ängstlichen Hunden eine Chance zu geben.
Ich wünsche viel Erfolg beim Üben.
Gruß
Gisi

von babs(YCH) am 10. Juni 2002 07:15

hallo marianne!
ich kann das nur unterstreichen! viel, viel geduld und den hund ganz
langsam an solche situationen heranführen...und immer mit was positivem verbinden, resp. ablenken.
ich habs bei meiner genauso gemacht, war auch so ein angsthase. heute haben wir in den meisten (auch ihr unbekannten) situationen kein problem mehr. durch die lange aufbauarbeit im anti-angst training wird auch die bindung und das vertrauen sehr gestärkt, was sich später nur positiv auswirkt! was mir noch sehr geholfen hat, ist das training auf dem hundeplatz, wo auf solche probleme speziell eingegangen werden konnte...mein hundi hatte auch vor den verschiedenen geräten eine heidenangst...da konnte ich in aller ruhe und über wochen meinen hund mit fachkundiger hilfe dran gewöhnen und konnte das mir vermittelte wissen dann auch auf alltagssituationen anwenden. die schwierigkeit ist einfach eine solche hundeschule zu finden.
ich wünsche viel erfolg beim training!
babs

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