Verdammte Rudelhaltung :: Hundeerziehung + Soziales

Verdammte Rudelhaltung

von Attila(YCH) am 22. Dezember 2002 10:19

Hallo Leute,

Rudelhaltung wird allenthalben empfohlen, da sie für die Hunde "natürlicher" sei, die Welpen von den älteren Tieren lernten, ihnen vierbeinige Kameraden nun einmal näher seien als zweibeinige usw. Bloch sagt sogar, Einzelhundehaltung grenze an Tierquälerei! Aber ich frage mich, wo die Quälerei eigentlich anfängt.

Vor anderthalb Jahren gesellte ich meinem damals fünfjährigen Rüden, mit dem ich nach dem Tod meiner Hündin ca. ein Jahr lang allein gelebt hatte, eine knapp dreijährige Hündin zu. Der Rüde verfiel daraufhin ins Meiden, wurde "depressiv" (er schlich plötzlich in meiner Spur hinter mir her wie ein Welpe) und ist zum Hundesport nicht mehr zu gebrauchen - am erstaunlichsten: er ist seitdem nicht mehr schußfest!

Jetzt habe ich seit zweieinhalb Wochen meinen neuen Welpen, und nun fällt die Hündin ins Meiden. Die erste Woche war's ganz schlimm, die zweite Woche schien sie den Welpen anzunehmen, jetzt ist es schlimmer denn je - seit zwei Tagen frißt sie nicht mehr und läuft mit angelegten Ohren gedrückt herum. Wenn sie jetzt auch abbaut und nicht mehr arbeiten will (was sich im neuen Jahr zeigen wird), weiß ich wirklich nicht mehr, was ich machen soll. Ich hätte dann drei Hunde, alle zum Arbeiten veranlagt, aber zwei wollten "wegen psychischer Probleme" nicht mehr. Der Rüde liegt nur noch herum, seine Hauptaufgabe ist das Verbellen von Hunden, Nachbarn, Autos, Pferden usw. Das darf doch alles nicht wahr sein!

Soviel Spaß mehrere Hunde auch machen (könnten), so sehr sehne ich mich im Augenblick nach jenen goldenen Tagen zurück, als ich mit meinem Rüden allein war. Verfluchte Rudelhaltung!

Gruß, Attila


von Yna(YCH) am 22. Dezember 2002 12:41

Hi Attila,

kann ich nicht nachvollziehen. Und was heißt Hund fällt ins Meiden? Kommt dann auch nicht mehr da raus? Warmlaufphasen halte ich für völlig normal. Beim einen länger beim anderen kürzer. Meine Hündin hat eine ganze Weile immer verschiedene Hunde vorgesetzt bekommen. Anfangs hat sie Probleme damit gehabt, später hat die Akklimatisierung wesentlich weniger Zeit gebraucht. Und es gibt einfach auch Unterschiede in den Hundeindividuen, manche können extrem gut miteinander andere eben nicht, werden nie die dicken Freunde werden, die man sich vielleicht gewünscht hat. Allerdings wenn alle deine Hunde da mit solchen "psychischen Schwierigkeiten" drauf reagieren würde ich mich ernsthaft fragen wo das Problem eigentlich zu suchen ist. In der Rudelhaltung per se glaube ich nämlich nicht. Manche Hunde sind sicherlich glücklich oder auch zufiedener allein. Aber wenn ich sowas als Deja-vu Erlebnis habe, dann kann ich an solche Zufälle nicht mehr glauben.
Was auch immer da schief läuft, ich würde wirklich mal anfangen gründlich zu überlegen, eventuell jemanden bitten sich das anzuschauen, der auch mehrere Hunde hält oder zusammengeführt hat.

Gruß,
Yna, die durchaus auch manchmal Nachteile bei Rudelhaltung sieht, aber in den allermeisten Fällen nicht für die Hunde. ;-)


von Markus(YCH) am 22. Dezember 2002 16:43

Hallo Attila,

Deine Hunde scheinen ja ziemlich sensibel zu sein...
Liegt es nun an der Prägung?
Hast Du Dich vielleicht zu sehr dem Welpen gewidmet und die anderen zu sehr benachteiligt? Einem neuen Rudelmitgleid widmet man doch in der ersten Zeit sicher sehr viel Aufmerksamkeit.

Oder eher vielleicht an der Veranlagung?
Hast Du deine Hunde aus einer auf Leistung ausgerichteten Zucht, oder sind es welche aus einer auf Schönheit ausgerichteten Linie?

Eine Ursache muß dieses empfindliche Verhalten deiner doch Hunde haben. Ich kenne viele andere Hunde, die nicht derartige Probleme haben.

Ich denke oft, dass es vielleicht doch nicht so falsch ist, die Hunde schon im Welpenalter in gewisser Weise abzuhärten. Mein Rüde hat als Welpe öfter mal einen Klaps mit der Zeitung bekommen. Eine Einwirkung, die ihm glaube ich nicht geschadet hat.
Vielleicht ist doch etwas daran, dass bei einer zu fürgsorglichen, menschenbezogenen Prägung die Hunde "verweichlichen"?
Es hat natürlich aber auch Vorteile, dass der Hund menschenbezogener ist, das läßt sich nicht leugnen.

Viele Grüße
Markus

von Attila(YCH) am 22. Dezember 2002 17:16

Hi Markus,

mein Rüde ist ein Langhaar ohne Papiere - er steckt DIESEN Zuwachs ohne Probleme weg, hat aber SEINEN Durchhänger erlebt, als die Hündin kam.

Die Hündin kommt aus einer sehr erfolgreichen Leistungszucht, ist SchH2 und eine triebige und belastbare Arbeitshündin, die auch eine Zwangseinwirkung wegsteckt wie nichts - das ist ja gerade das Rätsel! Mit dem Welpen kann sie absolut nichts anfangen, dreht den Kopf weg, wenn er zu ihr kommt, nimmt nicht einmal mehr ihr Lieblingsleckerchen, wenn er in der Nähe ist. Zum Verzweifeln! Ich habe sie allerdings als schon erwachsenen Hund erworben, müßte mal nachfragen, ob sie überhaupt Erfahrungen mit Welpen hatte.

Natürlich kümmert man sich um den neuen Welpen besonders intensiv, aber ich versuche da immer ausgleichend zu wirken und mich sofort wieder den beiden anderen zuzuwenden. Sie sind aber auch alle viel im Freien, wo sie meines Erachtens besser aufgehoben sind und die verschiedensten Eindrücke sammeln können; ins Haus kommen sie nur stundenweise. Von Anfang an habe ich den Welpen auch mit den beiden anderen allein gelassen. Glaub mir, ich lasse ihn nicht verweichlichen, sondern zeige ihm von Anfang an, wo der Weg langgeht, was ich schon deswegen tun muß, weil ich seine Mutter kenne, denn die ist nicht zu unterschätzen. Ein kleiner Schubser hier, ein Griff ins Fell da, ein scharfer Ton dort - der Kleine hat schon eine Menge gelernt in den ersten zweieinhalb Wochen, bekommt aber auch viel Zuwendung. Was mache ich bloß falsch? Ich sehe mir dieses Spiel jetzt zwei, drei Monate an, dann kommt der Welpe weg, ganz klar.

Gruß, Attila


von Margot(YCH) am 22. Dezember 2002 18:08

Hallo Attila,

: Soviel Spaß mehrere Hunde auch machen (könnten), so sehr sehne ich mich im Augenblick nach jenen goldenen Tagen zurück, als ich mit meinem Rüden allein war. Verfluchte Rudelhaltung!

Sorry - aber ich versteh's nicht...

In meinem Rudel arbeitet jeder - und zwar mit Begeisterung - "endlich darf ich auch mal" - ausgenommen meine erste Dalmi-Hündin Isa, die aber ein grundsätzliches Wesensproblem hat.

Ich glaube du solltest den Ansatzpunkt mal bei dir selbst suchen, und versuchen möglichst objektiv dein Verhalten in verschiedenen Situationen zu analysieren, oder noch besser, jemanden finden, der dir das abnimmt...

Grüße
Margot+Foxies+Dalmis

von Yna(YCH) am 22. Dezember 2002 18:35

Hi Attila,

ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich habe wirklich den eindruck, dass du dich auf irgendeine Art und Weise gegen den welpen sträubst. Klar, kannste jetzt sagen, dass das lächerlich ist, aber das schwingt mit bei dir. Ohne deine absolute Überzeugung kannste von deinen Hunden nich viel erwarten.

: Was mache ich bloß falsch?

Willste das denn überhaupt wirklich wissen? Dann such dir jemanden, der dir auf die Finger kuckt und dich berät!

: Ich sehe mir dieses Spiel jetzt zwei, drei Monate an, dann kommt der Welpe weg, ganz klar.

Falls die Entscheidung jetzt schon eher gegen den Welpen stehen sollte, dann würde ich keine drei monate mehr zukucken, sondern den Hund lieber direkt vermitteln. Die neuen Halter dürften dankbar sein. Meine ich jetzt nicht böse, sondern völlig ernst. Wenn man merkt, dass man sich verschätzt hat, dann lieber zugeben und nicht aus schlechtem Gewissen noch länger mit etwas rumhampeln was man eigentlich schon abgeschrieben hat. Dann ist es einfach besser den neuen Haltern die Möglichkeit zu geben mehr der wertvollen Welpen/Junghundzeit für sich zu nutzen.

Ich kann mir das alles so nicht vorstellen. Tu dir und den Hunden den Gefallen und lass dir helfen. Würde ich zumindest an deiner Stelle sofort machen.

Nachdenklichen Gruß,
Yna


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