Angstbeisser Verhalten wird unerträglich :: Hundeerziehung + Soziales

Angstbeisser Verhalten wird unerträglich

von josh(YCH) am 21. Februar 2003 11:00

Hi Jürgen
: Wir haben uns bisher immer durchgesetzt und es nicht respektiert wenn er uns angeknurrt hat.

Das heißt, ihr habt in dem Fall was gemacht? Ihn geschimpft? Wäre fatal, macht ihm nich mehr Angst. Ihm gut zugeredet? Auch schlecht, bestätigt die Angst. Ihn in Ruhe gelassen ("weil er sonst zubeißt"winking smiley? Am allerschlimmsten, er lernt, daß für ihn das Knurren die Situation angenehmer (angstfreier) macht. Schon wenn es zu solchen Situationen kommt, habt IHR einen Fehler gemacht. Die Fehler liegen zu 99% immer beim Menschen, nicht beim Hund. Er reagiert auf Euer Verhalten - er kann seins nicht ändern, wenn ihr Eures nicht verändert. Ihr als Menschen müßt Euch zuerst ändern (im Verhalten ihm gegenüber)...
versucht doch mal nicht in den "ich muß mich durchsetzen"-Kategorien zu denken, sondern in "wie nehme ich ihm die Angst" und vor allem "wie bekommt er Vertrauen zu mir". Ein Trainer wäre wirklich nötig, ansonsten Abgabe, und zwar SCHNELLSTMÖGLICH, bevor ihr noch mehr kaputt macht (das ist nicht böse gemeint, aber so scheint es zu sein).

Grüße
josh

von Jürgen(YCH) am 21. Februar 2003 11:07


: Wie verhältst Du dich denn, wenn ihr fremden Leuten begegnet?

Ist er an der Leine, dann nehme ich ihn kurz und gehe mit Abstand vorbei.

Ist er frei, dann nehme ich ihn sofort zu mir und leine ihn an. Kommt man mit den Leuten in Kontakt, dann beobchte ich ihn. Verhält er sich normal, kläre ich die Leute auf ihn zu igorieren und dass er sie eventuell stellt, dann mache ich ihn los und beobachte ihn. Dies klappt dann auch, wenn die Leute ihn tatsächlich ignorieren.

von Claudia(YCH) am 21. Februar 2003 11:18

Hallo, Jürgen!

Ich habe mir jetzt nicht alle Antworten an Dich durchgelesen. Deswegen kann es sein, dass Dich schon jemand darauf hingewiesen hat:

Wenn der Hund aus einem Tierheim ist, lies Dir den Vertrag bitte genau durch. Viele Tierheime haben schriftlich festgelegt, dass der Hund nicht ohne Zustimmung des Tierheimes eingeschläfert werden darf und falls er aus irgendeinem Grund abgegeben werden muss, an das Tierheim zurückgegeben werden muss.
Ansonsten drohen Vertragsstrafen!

Ich möchte Dir nicht zu Nahe treten, aber vielleicht hast Du nicht die erforderliche Hundeerfahrung für diesen Hund. Das ist nicht vorwurfsvoll gemeint. Nicht jeder kann DIE Hundeerfahrung haben. Das heißt aber auch nicht, dass es niemanden gibt, der Deinem Hund die Angst mit viel Geduld nehmen kann.
Deswegen finde ich es nicht gut, dass Du ans Einschläfern denkst.

Falls Du nicht mit ihm klarkommst, gib ihn zurück an das Tierheim und gib Deinem Hund die Chance, an denjenigen oder diejenigen vermittelt zu werden, der/die mit seinem Verhalten klarkommen.
Es ist keine Schande, wenn man feststellen muss, dass einem der Hund über den Kopf wächst, aber man sollte es früh genug und konsequent feststellen und dann eine sinnvolle Lösung suchen.

Gruß
Claudia


von Jürgen(YCH) am 21. Februar 2003 11:18

Josh, du schreibts schimpfen ist falsch, ihm gut zureden ist falsch und ihn in Ruhe lassen ist falsch.

Jetzt musst du mir nur noch erklären was da noch für Alternativen übrigbleiben?

Klar haben wir was falsch gemacht, dass es zu solchen Situationen kommt, aber nun sind sie da.

von Tina(YCH) am 21. Februar 2003 11:55

Hallo Jürgen,

für mich hört sich Euer Problem wie ein klassisches Rudelordnungsproblem an, das sich langsam immer weiter aufbaut. Kann es sein, dass Du für Deinen Hund nicht der souverän auftretende, alles im Griff habende Chef bist??
Das er nicht so recht weiss, an wen er sich orientieren soll, keiner übernimmt in seinen Augen die Rudelführung, also muß er es zwangsweise machen? Und damit ist er vollkommen überfordert.
Ein unsicherer Hund wie Eurer braucht einen sicheren, Ruhe ausstrahlenden Fuehrer, der ihm seine Grenzen aufzeigt und ihm somit ein "Gerüst" gibt, in dem er sich sicher bewegen kann. Dann hat er es nicht nötig, an der Leine fremde Kinder zu stellen, dafür ist der Chef da.
Ich würde raten, suche Dir wirklich professionelle Hilfe oder gib den Hund in kundige Hände. Der Hund kann nichts dafür:-(

Viele Grüße

Tina



von josh(YCH) am 21. Februar 2003 12:04

: Josh, du schreibts schimpfen ist falsch, ihm gut zureden ist falsch und ihn in Ruhe lassen ist falsch.
:
: Jetzt musst du mir nur noch erklären was da noch für Alternativen übrigbleiben?

Hi Jürgen,
sehr gute Frage. Erstmal: Hund genau beobachten (und gleichzeitig das eigene Verhalten) und so rausbekommen, in welchen Situationen ganz genau der Hund beginnt, angespannt und ängstlich zu werden. Und gleichzeitig notieren, wie ihr Euch dabei benehmt. Das ist mit einem Fremden, der Euch zusieht (Trainer) viel einfacher als allein... achte auf alles, Geräusche, Schatten, Deine Körperhaltung (!!), Körperhaltung des Hundes (sieh Dir z.B. die Bilder in dem Buch zur Hundepsychologie von Feddersen-Petersen (oder wie immer sie genau heißt, vergeß ich immer) mal an, da kann man sehr schön in den Zeichungen drohende Hunde betrachten, die ganz unterschiedliche Motivationen haben; ein ängstlicher Hund der droht macht ein ganz anderes Gesicht (und Körperhaltung) als einer, der Boß spielen will.)...
dann geht es daran, die angstmachenden Situationen vorerst komplett zu vermeiden. Wenn Du den Hund genau beobachtest weißt Du, wenn sowas ansteht - die Situationen wird vermieden, noch BEVOR der Hund ins Knurren, Meiden etc. geht (da sonst dieses Verhalten bestätigt würde durch Wegnahme von Angstreiz). Gleichzeitig müßt ihr an Desensibilisierung arbeiten - also die "schlimmsten" Situationen gezielt in ganz kleinen Schritten üben, ausschließlich mit Lob und positiver Bestätigung (Futter, siehe mein Posting unten). Das dauert und macht Mühe. Der Hund hat Jahre geraucht, um so ängstlich zu werden, wie er jetzt ist - man kann wohl kaum erwarten, daß eine solche Konditionierung in nur zwei Wochen oder so wieder gelöscht werden kann. Also: Extreme Angstauslöser vorerst vermeiden und Hund gleichzeitig schrittweise dran gewöhnen. Bei Rückschlag wieder Schritt zurück. Zeigt er doch mal während der Übung Angst, so wird das von Euch IGNORIERT - nicht schimpfen (verstärkt Angst, weil Du ihm zusätzlich zum Auslöser noch Angst machst), nicht loben (heißt für ihn ja doch nur "Fein hast Du jetzt Angst"winking smiley, einfach vorbei. Weigert er sich, weil er z.B. vor einem fremden Kind Angst hat, so zeigt man ihm Leckerchen und geht dann sofort zum Angstauslöser hin, die Leine mit Hund dran läßt man fallen. Kind (Angstauslöser) freundlich begrüßen (betont freundlich, Hund soll das mitbekommen). Folgt er Dir und begrüßt auch - super, Jackpottleckerchen, Kind soll ihn bloß nicht anfassen, sondern SOFORT Abbruch (Angstauslöser entfernen!!) und fettes Lob. Ende für heute. Folgt er Dir nicht - macht auch nichts, dann soll er halt mit Abstand auf Dich warten. Benimmt er sich dabei arg schlecht (Gekläff, Drohen usw.) nimmst Du beim Zurückkommen einfach kommentarlos die Leine wieder auf und läufst weiter, dann kurze Unterordnungsübung und Lob. Benimmt er sich im Abstand gut - umso besser, bei Deiner Rückkehr Jackpot und Ende für heute. So ähnlich Schritt für Schritt mit allen Angstauslösern.

Noch viel wichtiger und ebenfalls parallel dazu zu fahren: Vertrauen und Bindung aufbauen. Dazu eignet sich
a) Arbeit mit positiver Verstärkung; d.h. ihr übt mehrmals täglich, am besten immer zur selben Zeit, vorerst am selben Ort (Wohnung...), mit Leckerchen Grundkommandos. Alles sehr spielerisch und OHNE JEDEN DRÜCK ODER ZWANG. Dadurch bekommt der Hund Vetrauen zu Dir (er weiß, was Du willst und wofür er gelobt wird) und - klingt so als sei das bei Euch noch wichtiger - Du bekommst mehr Vertrauen in den Hund, da er für Dich "kontrollierbarer" wird. Dadurch wirst Du weniger mißtrauisch und wirkst auf den Hund sicherer und souveräner - was wiederum dem Hund Unsicherheit und Angst nimmt sowie Nervosität (Dauerstreß) abbaut. Bei diesen Übungen ist es wichtig, nicht in zu hohen Trieblagen zu arbeiten, sondern eher ruhig. Der Hund hat, wenn ich es richtig einschätze, eh schon genug Streß. Alles piano und sehr ruhig.

b) der Aufbau von ROUTINEN. Immer genau dasselbe in immer derselben Reihenfolge machen (nicht bei der Unterordnung, da sonst Langeweile, er soll die Arbeit mögen)- von Futterzeiten bis Rausgehen. Immer genau gleich, also z.B. Du rufst verheißungsvoll und lockend "Futter", gehst dabei zu seinem Napf, wanderst damit in die Küche (er sollte Dir jetzt schon erwartungsvoll folgen), holst das Futter, gehst mit Napf zu seinem Freßplatz, läßt ihn kurz sitzen (immer gut, aber nur, wenn er das ohne Druck von Dir schon kennt, sonst laß es bloß vorerst sein) und dann mit Kommando fressen. So bei jeder Fütterung. Immer dieselbe Person, immer dieselbe Uhrzeit. Und genauso bei allen anderen Interaktionen, die Du mit dem Hund hast (Schmusen, Zecken entfernen, Bürsten, An- und Ableinen, ins Auto einsteigen...). Er muß immer wissen, was gleich kommt - was von ihm erwartet wird und was Du tun wirst. Nur so bekommt er Sicherheit und nur so wird ergo die URSACHE (nicht immer nur das Symptom) der Unsicherheit abgebaut.

c) Laß ihn im Alltag mitarbeiten - Sachen tragen (wenn er gern trägt), öfters mal mit Futter einfach ein paar Sekunden, später Minuten hinter Dir durch die Wohnung locken, viel mit ihm spielen (er darf gewinnen und Beute triumphtragen!)...

Außerdem achte auf Deine Körpersprache und Stimmlage - hohe Stimme (auch wenn es albern klingt - wie mit einem Kleinkind reden), begeisterter Tonfall beim Lob, niemals laute Stimme (gerade auch bei Komnmandos, runter in den Hocke bei allen Interaktionen mit ihm, Hund Flanke/Rücken zuwenden, niemals frontal auf ihn zu; ihn nicht erschrecken; nicht in die Augen starren (am besten gar nicht anstarren); nicht unsicher oder steif werden/sich bewegen, nicht über den Hund beugen... und die Kinder entwas von ihm fernhalten - er braucht einen Rückzugsort (seinen Lieblingsliegeplatz nehmen), an den ihn die Kinder nicht berühren, sich nicht nähern, dort nicht rumrennen/brüllen etc. dürfen. Das müßt ihr bei den Kindern durchsetzen.

So, jetzt zu Deiner Ausgangsfrage zurück: Mit dem beschriebenen Langzeitprogramm sollte sich alles bessern. Seit ihr geschickt, so kommt es nicht mehr so oft (am besten so gut wie gar nicht mehr) zum Brummen. Falls doch: Menschenfehler. Was tun? Die Situationen entschärfen, indem Du in eine Routine übergehst/überleitest. Das sollte immer dieselbe sein und wird durch ein Kommando abgerufen, daß der Hund AUSSCHLIESSLICH positiv erlernt hat und sehr gerne ausführt; dabei ist ein Actionkommando besser als z.B. "Platz", was die meisten Hunde als unangenehm und "fixierend" empfinden. Grundsätzlich entspannt Bewegung und baut gleichzeitig Streß ab, während "fixieren" (auch nur verbal mit z.B. "Sitz!"winking smiley den Hund eher unsicher macht. Bei mir hat sich "Gib laut!" bewährt, der Hund kläfft die Angst sozusagen raus (nichts für Kläffer, da das natrülich kläffen verstärkt). Oder "Dreh!" - Hund dreht sich um seine eigene Achse. Ganz egal, Hauptsach was, das er mag und das die Spannung in der Situation abbaut. Dadurch hast Du a) Spannungsabbau (weniger Knurrgrund) b) hat der Hund getan, was Du wolltest, Dein Kommando befolgt, Du kannst also fett loben im Anschluß (da Du ihn immer für das letzte lobst, was er gemacht hat - hier Dein Kommando befolgen, also Du NICHT das Knurren bestätigst c)Du hast nicht den Angstauslöser weggenommen (in dem Fall Dich selber). Trotzdem: Solche Situationen sind nach Möglichkeit vorerst zu vermeiden und schrittweise zu trainieren.
LÄßt der Hund sich z.B. ungern bürsten, so belohnen (Futter) wir erstmal die Akzeptanz der Bürste neben dem Körper, am nächsten Tag vielleicht schon eine kurze Berührung damit am Rücken, dann auch mal länger am Rücken, dann dürfen wir schon mal bürsten, dann auch dei Brust etc. So mit allem, was Angst macht. Immer am Ende einer solchen Session folgt Jackpott und Hund wird in Ruhe gelassen. Mein Sensibelchen darf z.B. nach dem Bürsten die Bürste tragen - weshalb sie nach der obigen Methode gelernt hat, es trotz großer Angst über sich ergehen zu lassen ohne zu Brummen.

Lieben Gruß
josh



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