Teletakt :: Hundeerziehung + Soziales

Teletakt

von Marisa(YCH) am 18. März 2003 10:40

Hi,
meine Hündin hat eine sehr gute Grundausbildung. Ich bekam sie mit 10 Monaten und habe lange viel und gut mit ihr gearbeitet. Sie ist als Rettungshund ausgebildet und fällt im Alltag durch vorbildlichen Gehorsam auf (mein Rüde auch). Leider ist meine Hündin (nun 5) als sie ein Jahr alt war, mit einem Nachbarshund hinter Rehen hergelaufen. Sie hat keinen wirklichen Jagdtrieb, aber sie läuft gerne. Außerdem ist sie nicht gerade dominant. Das Gefühl, dass ein Tier vor ihr wegläuft...schön.
Leider hat sie sich gemerkt, wie schön das ist. Ich habe lange trainiert und vieles ausprobiert (Schleppleine, das ganze Alternativprogramm). Oft habe ich über den Einsatz eines Teletakts nachgedacht und immer wieder verworfen. Das muss doch auch anders gehen. Es kam gar nicht oft vor, dass sie mir abging. Einmal ist aber schon zuviel. Da braucht nur ein Jäger stehen, ein Auto-für das Wild ist es auch nicht schön.
Beim Reiten würde sie nie hinter Wild hergehen-es ist viel zu schön, am Pferd zu laufen.
Beim Joggen musste sie ständig dicht bei mir laufen, damit ich im Fall eines den Weg kreuzenden Wildes den Hund noch abrufen konnte. Nervig, unsicher, nicht befriedigend.
Im Herbst habe ich mir ein Teletakt geliehen. Sie lief lange mit der Atrappe. Das Gerät habe ich bei mir ausprobiert. Dann sind wir durch den Wald. Dabei fiel auf, wie selten es zu kritischen Situationen kommt. Es gab nach Ewigkeiten ein Reh, das unseren Weg kreuzte. Ich hatte etwas Angst, dass mein recht sensibler Hund total geknickt sein könnte, Fehlverknüpfungen... Nichts dergleichen. Sie setzte an, bekam einen Stromschlag, ließ ab, wurde herangerufen und gelobt. Sie war fröhlich-wie immer. Mittlerweile habe ich ein eigenes Gerät, das sie zur Vorsicht noch beim Spazieren und Joggen im Wald trägt. Mein Verhalten hat sich verändert und damit auch ihres. Sie darf jetzt ein paar Meter vorlaufen. Sollte sie nochmal auf den Gedanken kommen, hinter Wild herzugehen, kann ich sie stoppen. Ich glaube, mein Gerät musste ich erst 1-2 Mal benutzen.
Ich bin zufrieden. Gleichzeitig wird mir ganz gruselig zumute, wenn ich mir vorstelle, was man mit so einem Gerät anrichten kann. Schrecklich. Letztens bin ich beim Joggen im Wald gestürzt. Ich habe beim Fallen nur an den Sender gedacht-bloß nicht drauffallen... Bin ich nicht, lieber hätte ich mir was gebrochen.
Man muss den Einsatz differenziert sehen. Ich kann mir keinen sinnvollen Einsatz vorstellen, außer dem an wildernden Hunden. Und auch dann nur in speziellen Fällen.
Marisa

von Antje(YCH) am 18. März 2003 10:55

Hallo martin,

: Und wenn man dann schon bereit und willens ist, aufwand mit verstand zu
: betreiben, erübrigt sich die frage nach dem gerät wohl in den
: allermeisten fällen.

Stimmt... Eine Möglichkeit der Anwendung habe ich übrigens außen vor gelassen, da sie für jemanden, der mit dem Gerät keine Erfahrung hat, ohnehin nicht in Betracht kommt (die Arbeit auf unterem Level). Habe mich lediglich auf den "Holzhammer-Effekt" bezogen, der ja von vielen Hundehaltern, die sich auf andere Weise nicht mehr zu helfen wisse, durchaus erwünscht wird.

Viele Grüße

Antje

von Antje(YCH) am 18. März 2003 11:19

Hallo Marisa,

: Man muss den Einsatz differenziert sehen. Ich kann mir keinen
: sinnvollen Einsatz vorstellen, außer dem an wildernden Hunden. Und auch
: dann nur in speziellen Fällen.

Irgendwie scheint es heute eine Zeiterscheinung zu sein, daß man nur das sinnvoll findet was man selbst tut...

Du findest, daß der Einsatz eines E-Reizgerätes sinnvoll sein kann beim wildernden Hund. Sprich mal mit unserem Schäfer darüber, der hat keinerlei Probleme mit seinen Hunden und Wild. Für ihn ist es viel sinnvoller, solch ein Gerät bei einem Hund einzusetzen, der, wenn die Schafe ins Rennen kommen, nicht an sich halten kann und die Gefahr besteht, daß er mit ihnen plötzlich auf einer stark befahrenen Bundesstraße steht oder ihnen ein paar derbe Löcher ins Leder schlägt. Oder mit dem Führer eines Sprengstoffsuchundes, der die Arbeit seines triebstarken Hundes über das Gerät absichert, damit er und sein Hund nicht eines Tages in die Luft fliegen. uswusf....


Viele Grüße

Antje

von Marisa(YCH) am 18. März 2003 19:35

Hi,
ist wohl normal, dass man sein Handeln sinnvoll findet, sonst würde man wohl anders Handeln. Glaube nicht, dass es sich dabei um eine Zeiterscheinung handelt.Vielleicht gibt es noch vertretbare Anwendungsbereiche, ich kann mir aber keine vorstellen. Deine Beispiele tragen zu meinem einen riesen Unterschied. Beim Wild hetzenden Hund möchtest du, dass dieser das unerwünschte Verhalten völlig lässt. Problematisch ist der Einsatz doch besonders dann, wenn der Hund ein ähnliches Verhalten aber zeigen soll. D.h. der Schäferhund soll weiter hüten, aber nicht so heftig reagieren, der Suchhund soll weiter suchen, der Schutzhund soll weiter gegen den Mann gehen und stellen- nur eben in anderer Form. Das soll Hund verstehen? Ich glaube nicht.
Ach, und Lernen, das geht sowieso nur mit positiver Verstärkung.
Gruß Marisa

von Antje(YCH) am 19. März 2003 06:37

Hallo Marisa,

: ist wohl normal, dass man sein Handeln sinnvoll findet, sonst würde man
: wohl anders Handeln. Glaube nicht, dass es sich dabei um eine
: Zeiterscheinung handelt.

Daß man sein eigenes Handeln sinnvoll findet ist normal. Aber daß man gleichzeitig alles, was man nicht selbst tut, für nicht sinnvoll hält, ist meinber Meinung nach eine Zeitgeisterscheinung. "Ich tue etwas nicht, also lehen ich es ab". Oder oftmals sogar "Ich KANN etwas nicht, also lehne ich es ab"....


: Vielleicht gibt es noch vertretbare Anwendungsbereiche, ich kann mir
: aber keine vorstellen. Deine Beispiele tragen zu meinem einen riesen
: Unterschied. Beim Wild hetzenden Hund möchtest du, dass dieser das
: unerwünschte Verhalten völlig lässt. Problematisch ist der Einsatz doch
: besonders dann, wenn der Hund ein ähnliches Verhalten aber zeigen soll.
: D.h. der Schäferhund soll weiter hüten, aber nicht so heftig reagieren,
: der Suchhund soll weiter suchen, der Schutzhund soll weiter gegen den
: Mann gehen und stellen- nur eben in anderer Form. Das soll Hund
: verstehen? Ich glaube nicht.

*lach* Warum denn nicht??? Natürlich kann man mit dem E-Reizgerät, übrigens auch auf niedrigem Level (welcher häufig auch beim Wildern ausreicht), z.B. bei einem Sprengstoffhund die Ablage vor dem anzuzeigendem Suchobjekt absichen, ohne daß er das Objekt anschließend meidet. Man muß es natürlich können...


: Ach, und Lernen, das geht sowieso nur mit positiver Verstärkung.

Da haben mir mein alter Biologielehrer und Lorenz aber etwas falsch vermittelt. Muß ich so verinnerlicht haben, daß zumindest ich auch auf anderer Schiene lerne. Wenn ich gleich meine Proben aus der PCR-Maschine nehme, dann passe ich dabei höllisch auf, daß ich nicht an den Deckel komme. Und zwar nicht deswegen, weil mir mein Chef dann jedesmal, wenn ich nicht dran komme, 'ne Praline gibt, sondern weil ich mir höllisch die Finger verbrenne, wenn ich ihn berühre. Deswegen meide ich die Maschine aber nicht und hole Proben hole ich trotzdem raus...

Viele Grüße

Antje

von Marisa(YCH) am 19. März 2003 18:16

Tja, du wirst den Deckel nicht berühren, denn er ist heiß. Du meidest ihn. Wenn es keinen Weg gebe, die Proben herauszuholen, ohne dich zu verbrennen-du würdest es nicht mehr tun (solange er heiß ist). Aber du hast einen Weg gefunden sie herauszuholen, ohne dich zu verbrennen. Der Erfolg war deine positive Verstärkung. Dieses Verhalten zeigst du wieder.
Dass wirkliches, erfolgreiches Lernen, der Aubau neuer Strukturen nur über positive Verstärkung möglich ist, weißt du ja-du hast ja aufgepasst in der Schule.
Ich übrigens auch, deshalb lobe ich meine Schüler auch, wenn sie etwas richtig machen. Ich könnte sie auch negativ verstärken, aber das wär dem Lernen wohl kaum zuträglich. Aber da spielen noch ein paar andere Faktoren ne Rolle. Komplexe Angelegenheit, nicht nur bei Menschen.
Marisa

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