Gruppenarbeit :: Hundeerziehung + Soziales

Gruppenarbeit

von Attila(YCH) am 14. Mai 2003 06:55

Hallo Leute,

Gebrauchshundesport ist an allen Fronten rückläufig, das läßt sich jedenfalls für die Region, in der ich wohne, ganz zweifelsfrei sagen. Die Vereine verlieren Mitglieder, Prüfungen fallen aus, Nachwuchs ist ohnehin Mangelware, und ganze Ortsgruppen lösen sich auf. Warum das so ist - ob es am Phlegma der Hundehalter liegt, die zwar ein liebes, bepelztes Wesen zu Hause haben möchten, jegliche Arbeit mit diesem Tier aber scheuen, oder ob sich der Schutzhundesport durch dumpfe Methoden von vorgestern einen schlechten Ruf erworben hat - das zu entscheiden überlasse ich der Diskussion. Jedenfalls wurde ich Samstag wieder einmal Zeuge einer Arbeitsweise, über die man nur den Kopf schütteln kann.

Ich wurde eingeladen, meinen Junghund (8 Monate) in die "Gruppenarbeit" zu integrieren, welche jeweils die Übungsstunden einleitet. Dieses Angebot lehnte ich freundlich, aber bestimmt ab mit der Begründung, der Hund beherrsche noch keine Kommandos wirklich sicher, geschweige denn unter Ablenkung; er würde in der Gruppe immer nur zu den anderen Hunden hinstreben, anstatt sich auf "fuß", "sitz" und "platz" zu konzentrieren - ist ja auch verständlich bei einem Junior. Die Gruppenarbeit, wurde mir erklärt, diene doch nur dazu, daß der Hund sich mit anderen Hunden zu sozialisieren lerne. Falsch! Ein Hund muß sozialisiert sein, um sinnvollerweise an einer Gruppenarbeit teilnehmen zu können. Minuten später wurde dann ein knurrender, zähnefletschender und kläffender Schäferhundrüde von zwei Jahren auf den Platz geführt, um durch "Gruppenarbeit" Benehmen zu lernen. Er strebte ebenfalls zu den anderen Hunden, aber nicht um mit ihnen zu spielen, sondern um sie anzugreifen - selbst Hündinnen ging er aggressiv an. Dieser Hund ist ein Fall für einen erfahrenen Hundetrainer oder einen Tierpsychologen, aber nicht für den Gebrauchshundeplatz. Jedesmal also, wenn der Rüde wieder einmal zu einem der anderen Hunde hinzerrte - und das war ständig der Fall - bekam er von seinem Besitzer einen Leinenruck, daß er sich fast überschlug, obwohl er "natürlich" ein Stachelhalsband trug. Das nenn ich mir doch einen ordnungsgemäßen und effektiven Gebrauch des Stachels! Der Ausbildungswart unterstützte die Aktion jeweils durch die Anweisung "einwirken, einwirken", woraufhin es dann zu den beschriebenen Flugversuchen des Rüden kam. Die anderen Hunde (etwa sechs) wurden selbstverständlich mit der Zeit nervös, ängstlich oder ebenfalls aggressiv. Einer der Hundeführer nahm seine Hündin, die verstört reagierte, schließlich aus der Übung. Und so wurde der arme Rüde (ein schöner Hund übrigens) eben hin- und hergeschleudert, bis das Martyrium für diesen Tag beendet war.

Hat man denn da noch Töne? Ein Hundesportverein ist doch keine allgemeine Beratungspraxis für verhaltensgestörte Tiere! Der Schäferhund war wohlbekannt, und die Besitzer hatten eingangs der Stunde ihre Probleme mit diesem "schwierigen und anstrengenden Tier" eingehend geschildert. Die Frau sagte schließlich: "Ich habe auch schon daran gedacht, mit ihm in eine Hundeschule zu gehen..." Ach was! Daß ihr doch tatsächlich dieser Gedanke kommt! Mitleidiger Kommentar einer "erfahrenen Hundeführerin": "Ich glaub, dat bringt aber gar nix, dem Hund muß man zeigen, wer der Chef ist." Möglicherweise. Aber ein Chef, der sich so gebärdet wie beschrieben, hat seine Aufgabe ganz entschieden verfehlt. Wen wundert’s da, daß unser Schutzhundesport einen schlechten Ruf hat, wenn "Ausbildungswarte" und andere Fachleute agieren wie die Folterknechte, vom fehlenden methodischen Zugang zu einem Verhalten wie dem beschriebenen gar nicht zu reden? Und eben das wird's sein, was viele Hundefreunde von Gebrauchshundeplätzen fernhält: eine eindimensionale, gewalttätige Arbeitsweise, die dem Lebewesen Hund und seinem Lernverhalten in keiner Weise gerecht wird.

Ein Einzelfall? Keineswegs. Ein Trauerspiel: Aber ganz gewiß.

Gruß, Attila


von Jettie(YCH) am 14. Mai 2003 07:00

Hallo Attila,

genau so was habe ich auch immer wieder auf dem Schäferhundvereins-Übungsplatz beobachtet und genau das hat mich davon abgehalten mich näher mit dieser angeblichen "Hundearbeit" zu befassen.

Es gibt sicherlich auch seriöse Vereine oder Gruppen, aber leider keine in meiner Nähe......

Liebe Grüsse,

Jettie

von Attila(YCH) am 14. Mai 2003 07:07

Hi Jettie,

: genau so was habe ich auch immer wieder auf dem Schäferhundvereins-Übungsplatz beobachtet und genau das hat mich davon abgehalten mich näher mit dieser angeblichen "Hundearbeit" zu befassen.

es bleibt ja immerhin jedem selbst überlassen, wie er mit seinen Hunden arbeiten möchte. Aber in vielen Vereinen wird erwartet, daß die allgemeine Linie durchgehalten wird ("hart und kompromißlos"winking smiley, da hat man gerade als Neuling keine Chance. Und Interessenten werden in jedem Fall abgeschreckt.

Gruß, Attila

von Lars(YCH) am 14. Mai 2003 07:41

Hallo Attila,

: Gebrauchshundesport ist an allen Fronten rückläufig, das läßt sich jedenfalls für die Region, in der ich wohne, ganz zweifelsfrei sagen. Die Vereine verlieren Mitglieder, Prüfungen fallen aus, Nachwuchs ist ohnehin Mangelware, und ganze Ortsgruppen lösen sich auf. Warum das so ist - ob es am Phlegma der Hundehalter liegt, die zwar ein liebes, bepelztes Wesen zu Hause haben möchten, jegliche Arbeit mit diesem Tier aber scheuen,

Das glaube ich weniger, klar, solche gibt es auch viele, aber die gab es schon immer.

: oder ob sich der Schutzhundesport durch dumpfe Methoden von vorgestern einen schlechten Ruf erworben hat

Das halte ich eher für den Grund. Paralell zum starken Rückgang der Schutzhundsportbegeisterten beobachte ich einen extremen Run auf moderne Hundesportarten wie z.B Agility, Obedience, Dogdancing etc..
Wie Du ja auch mit Deinem Beispiel wieder eindrucksvoll darstellst, es ist eben leider immer noch so, daß sich die ewig gestrigen bevorzugt auf den Schutzhundplätzen tummeln, für Schutzhundsport einen Platz zu finden wo aufgeklärt und modern gearbeitet wird ist sicher möglich, aber eben extrem schwer.
Besonders Leute mit wenig eigener Erfahrung, die eben nunmal drauf angewiesen sind, daß andere im Verein ihnen Tips geben zum Umgang mit dem Hund und Aufbau der Übungen, haben kaum eine Chance, sich gegen die allgemein immer noch praktizierte "harte Linie" zu stellen.

Ich muß sagen, so sehr mißfällt mir diese Enwicklung gar nicht. Wenn das Interesse an Schutzhundsport deshalb erstirbt, weil dort immernoch sehr viel mit sinnloser Gewalt gearbeitet wird (ich will nicht sagen, daß es überall noch so ist, aber extreme Negativbeispiele wie das von Dir beschriebene kommen eben noch immer überdurchschnittlich oft aus diesem Bereich), begrüße ich diese Entwicklung sogar.
Vielleicht bringt diese Enwicklung ja früher oder später noch etwas mehr Leute zum Umdenken und es fliegen dann noch etwas weniger Hunde an der Koralle durch die Gegend.

Ist natürlich schade für Leute wie Dich, die sich mit Hundeverhalten und Lernverhalten wirklich beschäftigen und vernünftig arbeiten wollen, würde sich das im Schutzhundbereich aber noch mehr ausbreiten würden sich viellciht auch wieder mehr Leute für diesen Sport interessieren.

Viele Grüße, Lars.

von Stefan(YCH) am 14. Mai 2003 08:06

Hi Attila,

du hast dir die im ersten Absatz gestellte Frage nachfolgend selbst beantwortet. Speziell Anfänger werden von solchen Anachronismen abgeschreckt bzw. gegen ihren Willen zum Mitmachen "gezwungen".

Dennoch platzt unsere Ortsgruppe bald aus allen Nähten, obwohl der Gebrauchshundesport auch rückläufig ist. Agility etc. steht dafür hoch im Kurs.

Ich denke allerdings, dass dies auch mit gewissen Rassenvorurteilen zu tun hat, wenn ich unsere Welpenstunden betrachte, dann sind Riesenschnauzer, Rottweiler oder Dobermänner leider echte Raritäten geworden.

Ich selbst bin allerdings auch kein Anhänger des Gebrauchshundesports, da ich einfach schon zu viele Dinge erlebt habe, die mir massiv gegen den Strich gehen. Du wirst wissen, was ich meine...
Schade nur für die (wenigen), die diesen Sport vernünftig im Sinne des Hundes betreiben.

Ciao
Stefan




von Attila(YCH) am 14. Mai 2003 08:05

Hi Lars,

: Ist natürlich schade für Leute wie Dich, die sich mit Hundeverhalten und Lernverhalten wirklich beschäftigen und vernünftig arbeiten wollen, würde sich das im Schutzhundbereich aber noch mehr ausbreiten würden sich viellciht auch wieder mehr Leute für diesen Sport interessieren.

das eben ist die Crux: auch der durchschnittliche Hundeplatzbesucher als jemand, der sich schon über Gebühr seinem Hund widmet (aber auch die Geselligkeit im Verein liebt), beschäftigt sich nämlich durchaus nicht mit Lernverhalten, Körpersprache usw., sondern überwiegend wird der Hund so zurechtgezupft, wie man ihn haben will, und DAS lehne ich strikt ab. Es ist, wenn man so will, ein Intelligenzproblem, durch das aber unseren Hunden Schaden entsteht. Auch in anderen Hundesportarten wird es Mißstände geben, aber diese Sportarten sind als Alternative zum SchH-Sport entstanden und zehren deswegen von der Denkungsart, die diese Alternative notwendig gemacht hat. Im Hundesport gibt es viel Profilierungssucht, das beginnt mit dem dicken Auto und dem protzig beschrifteten Hundeanhänger: je weniger die Leute sich selbst sind, um so mehr müssen sie haben und zeigen. Mit hundlichem Lernen, intensiver Beschäftigung und angemessen freundlichem Umgang mit den Tieren hat das alles jedenfalls herzlich wenig zu tun. Trotzdem mache ich weiter, meine Domäne ist die Unterordnung, wo man wirklich sein Können zeigen kann, während im Schutzdienst alles mit dem Helfer steht und fällt; deswegen finde ich auch eine Hundesportart wie Obedience höchst interessant, auch wenn sie noch nicht verbreitet ist.

Gruß, Attila


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