Leine los bei Angst? :: Hundeerziehung + Soziales

Leine los bei Angst?

von Simone(YCH) am 19. Mai 2003 08:03

Hallo an alle,

ich habe ein Posting von Josh gelesen, das für mich einen eigenen Thread darstellt:

: Noch ein Hinweis auf "Angst" und nicht auf "Dominanz": Das Verhalten besserte sich, schreibst Du, wenn man die Leine fallen läßt. Warum wohl? Weil der angeblich ach so dominante Hund dann keine Rückendeckung mehr hat und sich "allein gelassen" fühlt - ergo Angriff abbricht, da er alles mögliche, aber nicht selbstbewußt ist.

Ich habe das ehrlich gesagt noch nie so gesehen. Mein Hund ist kein ängstlicher Hund, er geht (leider oft zu gern) zu anderen Hunden, um zu schnüffeln und mit ihnen zu spielen.
Nachdem ich vorher abgecheckt habe, ob der andere Hundebesitzer damit einverstanden ist, lasse ich ihn von der Leine.
Wir hatten aber auch mal die Situation, dass ein Hund im Feld zu uns gestürmt kam, mein Hund anfing zu bellen, ich mich vor ihn stellte (ich erkannte nicht gleich, dass der vermeintliche Maulkorb doch ein Halti war)und ihn so schützen wollte. Das ging auch gut. Mein Hund kläffte ihn dann an, klar, er hatte sich ja auch erschrocken. Ich blieb trotzdem vor ihm.
Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, der Hundebesitzer auch nachkam und wir feststellten, dass alles ok ist, habe ich meinen Hund von der Leine abgemacht. Sofort merkte ich, dass er kurz erstarrte und "allein gelassen war".
Hätte ich wohl nicht machen sollen....aber wie bestärkt man einen Hund, keine Angst zu haben? Ihn einfach ohne Kommentar weiterziehen, wenn er einen bellenden Hund ebenfalls anbellt und ihn anstarrt?
Ihn ganz eng nehmen und einfach ohne was zu sagen weiterzugehen? Ist das die richtige Lösung??

Grüße
Simone


von Kerstin mit Rakker(YCH) am 19. Mai 2003 08:42

Hallo Simone,

:aber wie bestärkt man einen Hund, keine Angst zu haben?

Wenn ich merke, dass der andere Hund Rakker unheimlich ist, gebe ich ihm die Möglichkeit, sich auf mich zu konzentrieren. Also Fußlaufen mit Anschauen, im Gebüsch irgendetwas spannendes untersuchen oder so. Einfach versuchen, dass der andere sieht: die sind beschäftigt, da gehöre ich nicht dazu.
Wir gehen dann auch aus dem Weg, Hund immer auf der abgewandten Seite oder, das findet Rakker sicherer, ein Fahrrad zwischen den Hunden.
Seit wir das tun, wird er immer selbstsicherer und meistert brenzlige Situationen immer souveräner. Ohne Kommentar weiterziehen finde ich auch richtig, ganz eng nehmen ist prima. Am besten das Starren verhindern, darum funktionieren Haltis ja auch so gut.
Ich habe mal einen Satz gelesen, der auf uns zutrifft: aus der guten Erziehnung zieht der Hund sein Selbstvertrauen.
Gutes Thema, bin mal gespannt auf mehr Antworten!
Gruß, Kerstin

von josh(YCH) am 19. Mai 2003 09:18

Hey,

: : Noch ein Hinweis auf "Angst" und nicht auf "Dominanz": Das Verhalten besserte sich, schreibst Du, wenn man die Leine fallen läßt. Warum wohl? Weil der angeblich ach so dominante Hund dann keine Rückendeckung mehr hat und sich "allein gelassen" fühlt - ergo Angriff abbricht, da er alles mögliche, aber nicht selbstbewußt ist.
:
: Ich habe das ehrlich gesagt noch nie so gesehen.

Oft gesehen... ist oft meine erste Maßnahme bei Leinenaggression - selbstbewußte Hunde verlieren ein bißchen Selbstvertrauen und brechen eher ab (immer vorausgesetzt, es ist kein "Ich kill Dich"-Kläffen und die Situation ist inszeniert, fremde Hunde sollte man tunlichst aus dem Spiel lassen), eher unsichere Hunde sowieso. Das geht aber nur, wenn der Mensch dazu für den Hund Sicherheit darstellt. Sonst natürlich nicht.

Mein Hund ist kein ängstlicher Hund, er geht (leider oft zu gern) zu anderen Hunden, um zu schnüffeln und mit ihnen zu spielen.
: Nachdem ich vorher abgecheckt habe, ob der andere Hundebesitzer damit einverstanden ist, lasse ich ihn von der Leine.
:

:habe ich meinen Hund von der Leine abgemacht. Sofort merkte ich, dass er kurz erstarrte und "allein gelassen war".

Eben, genau der oben beschriebene Effekt. Ein unsicherer Hund bricht dann lieber ab und geht "in Deckung" bei Dir, solange die Bindung stimmt. Dein nicht so unsicherer Hund zeigt zumindest einen Moment der Irritation und des Schrecks - perfekt um zu intervenieren ("Watch", "Stop"winking smiley.
:
aber wie bestärkt man einen Hund, keine Angst zu haben? Ihn einfach ohne Kommentar weiterziehen, wenn er einen bellenden Hund ebenfalls anbellt und ihn anstarrt?

Es zu solchen Situationen vorerst nicht kommen lassen falls irgend möglich und schrittweise 'desensibilisieren'. Ablenken. Totquatschen (im Kreis laufen, Hund kurz nehmen und beruhigend labern). Immer dasselbe Ritual beim Anblick anderer Hunde (etwa "Watch", eng nehmen, flotter gehen). Sich selber zwischen eigenen und fremden Hund bringen.

: Ihn ganz eng nehmen und einfach ohne was zu sagen weiterzugehen? Ist das die richtige Lösung??

In jedem Fall besser als bei einem ängstlichen Hund Druck zu machen. Ignorieren ist neutral, also nicht verkehrt, falls tragbar. Wichtig ist natürlich der schrittweise Aufbau des Alternativverhaltens parallel dazu.
:
Grüße
josh
(deren ängstlicher Pflegedobi heute zum erstenmal draußen mit fremden Hunden ansatzweise Fangen gespielt hat. Nach nur zwei Wochen smiling smiley)).


von Simone(YCH) am 19. Mai 2003 11:32

Hallo Josh,.

wann benutzt Du "Watch" und wann "Stop"?
Bis jetzt habe ich nur "Stop" benutzt, vor allem, wenn es vom Feld zur Straße ging. Wird zur Zeit noch an der Leine geübt. Sitzt noch nicht perfekt. Vor allem, wenn ich weiter weg bin...

Grüße
Simone

von josh(YCH) am 19. Mai 2003 15:26

Hallo,
Stop ist bei mir die 'Notbremse am Hund'. Also auch Feld auf Straße, Straßenrand etc... immer dann, wenn der Hund schon zu weit weg/zu abgelenkt scheint verwende ich eher Stop als Watch. Watch ist mehr mein "Paß auf, achte auf mich" Kommando, das ich eher verwende, wenn die Ablenkung/anderweitige Aufregung noch nicht so groß ist, wenn ich gleich ein Leckerchen auf Distanz zuwerfen möchte, wenn ich gleich den Dummy werfe und Hund zusehen soll etc.
Grüße
josh

von Susanne & Zasko(YCH) am 20. Mai 2003 14:09

Hallo Josh,

es stimmt schon, dass viele Hunde, die aus Angst Aggressionen zeigen, ohne Leine viel friedlicher gestimmt sind. Deshalb ja bei vielen Hunden auch als "Leinenaggression" bezeichnet. Aber ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass sie sich an der Leine sicherer fühlen. Der Hund reagiert aus Unsicherheit aggressiv, wenn er sich an der Leine sicherer fühlt, als ohne Leine, müsste er an der Leine ruhiger sein und ohne Leine aggressiver.
Ich habe eher den Eindruck, dass der Hund an der Leine unsicherer ist als ohne. Er kann im Zweifelsfall nicht flüchten, wird durch die Leine in der Körpersprache behindert und hat vielleicht auch schon mal zusätzlich negatives vom anderen Ende der Leine erfahren.
Ohne Leine hat er sein ganzes Repertoire zur Verfügung und hat wesentlich weniger Einwirkung des Halters zu befürchten.

Andererseits kann die Leine auch zum "Sicherheitsfaktor" werden und der Hund somit an der Leine ruhiger. Ich hatte mit Zasko ganz massive Angstaggressionsprobleme nachdem er ein paarmal gebissen wurde. Es machte für ihn dabei keinen Unterschied, ob er an der Leine war oder nicht, dass Verhalten war immer gleich. Durch das Aufsuchen einer Verhaltenstherapeutin, einer Hundeschule, eigener Weiterbildung auf Seminaren zum Thema Verhalten, Aggression, Clicker usw. und v.a. viel Üben haben wir große Fortschritte gemacht - leider aber auch immer mal wieder Rückschritte, da Zasko in unregelmäßigen Abständen von "der tut nichts"-Hunden angefallen wurde - mal mit, mal ohne Bissverletzung, aber es hat ihm leider immer wieder gezeigt, dass andere Hunde eben doch gefährlich sein können. Den Durchbruch hat gebracht, dass ich ihm dann ein Signal fürs hinter mich setzen beigebracht habe und mich seitdem nach Kräften bemühe, andere Hunde, die auf uns zugestürmt kommen, nicht an ihn herankommen zu lassen. Mittlerweile können wir - mit Ausnahme seiner Erzfeinde - im Abstand von 1-2 m ruhig an anderen Hunden vorbeigehen und er erträgt es auch, wenn ein anderer kläffend angerannt kommt. VORAUSGESETZT ZASKO IST ANGELEINT! Ohne Leine ist er nach wie vor extrem unsicher und reagiert aggressiv. Wenn ich ihn mit einem anderen, ruhigen Hund kontakten lassen möchte, geht das auch nur, wenn Zasko angeleint ist. Sobald der erste Kontakt hergestellt ist und Zasko merkt, dass ihm der andere Hund nichts tut, kann ich die Leine abmachen.
Wir haben halt alles an der Leine geübt und damit hat er jetzt die nötige Sicherheit, die er braucht. Ohne Leine nicht.

Liebe Grüße,
Susanne & Zasko

Hundeforum Login

  • Bitte geben Sie für die Anmeldung Ihren Teilnehmernamen und das Kennwort ein.
    Keinen Account? Jetzt Registrieren!





Hundeshop: WWW.ZOOBIO.CH

Aus dem Hundeforum Archiv

  • vergrößerte Herzkammer

    Hallo Katrin! : Ist gemacht worden. Röntgen, EKG, Ultraschall. Und zwar tatsächlich von einem TA, der ...

  • Apportieren

    Hallo Heike! Was macht Nele, wenn Ihr den Ball nach dem Suchen eingesteckt habt? Sie wird ihn sicher ...

  • buch über Beauceron?

    Hallo, es gibt ein deutschsprachiges Buch: Anbei eine Beschreibung, die ich im Internet gefunden ...

  • Hilfe bei Bellen und Heulen!

    Hi, : Ich habe eine, wie ich finde, gute Lösung gefunden! es ist eine ALLERLETZTE Lösung. Eine gute ...

  • Typisches Rüdenverhalten?

    Hallo Sonja, : Ich dachte auf Dauer haben solche Hormonspritzen Nebenwirkungen, ist da eine ...

  • unhabängiger Welpe?

    : Ja er hat vorher geknurrt und als ich nur mit der Hand in der Nähe des Hundekekses war hat er ...

Hundebilder aus dem Hundeforum

Aktive Hundebesitzer


Hundeforum Yorkie - Statistiken

Alle Hundeforen
Themen: 43.417, Beiträge: 285.516, Hundebesitzer: 11.306.
Neuester Hundebesitzer: joshuan.stevens.

Aktuelles Hundeforum
Themen: 4.385, Beiträge: 44.175.

Startseite | Hundeforum | Hundefotos | Neueste Beiträge | | Registrieren