Unkontrollierbare Wesensschwäche ? :: Hundeerziehung + Soziales

Unkontrollierbare Wesensschwäche ?

von Andrea(YCH) am 17. Juni 2003 19:58

"Durch Erziehung kann man kleinere Wesensschwächen beheben, aber gravierende Mängel können nicht "austraniert" werden. Spätestens nach 18 Lebensmonaten kommen sie wieder negativ und in verstärkter Form zum Vorschein." schreibt Hans Schlegel in einem Interview und trifft mich damit tief, denn ich habe so einen "wesensschwache" Hund, der Angst vor Menschen hat und zu Aggressivität neigt.
Ich habe mit viel Traininig erreicht, dass er Menschen aus dem Weg geht und sie möglichst ignoriert. Aber auf einmal, er ist jetzt genau 18 Monate alt, scheint alles vergessen, was wir so mühsam antrainiert haben. Besonders wenn Menschen (oder andere Hunde) in sein Revier kommen, bellt er (Angst-)aggressiv und bedrängt die Leute (auch diejenigen, die er seit Welpenalter kennt).
Das hatte ich ihm alles schon mal abgewöhnt und jetzt kommt es schlimmer als zuvor heraus. Jetzt habe ich schlicht Angst, dass es mal nicht beim Bellen bleibt und er Menschen verletzt. Und ich habe auch Angst, dass ich dann, meinen Hund den Rest seines Lebens an der Leine und mit Maulkorb laufen lassen muss.
Im Moment sperre ich ihn immer weg, wenn Menschen zu Besuch kommen, aber eine Dauerlösung ist das ja auch nicht und macht das Problem bestimmt nicht besser.
Habt Ihr Erfahrung mit "wesensschwachen" Hunden? Wie steht ihr zu der Aussage von Schlegel?
Übrigens, Ben ist ein sehr großer Schäferhund-Mix und wenn er jemals zubeißen sollte, wird es echt kriminell.

Verzweifelte Grüße

Andrea

von Karin & Rudel(YCH) am 17. Juni 2003 20:14

Hallo!

Mit 18 Monaten wird der Hund erwachsen und versucht noch einmal, seine Stellung in der Familie zu testen. Deshalb kommt es auch bei deinem Hund noch einmal zu einem Ausbruch seiner "Schwächen". Bei einem anderen, gefestigten Hund bemerkt man diesen Übergang ins Erwachsenensein oft gar nicht, dich trifft es härter. Wichtig ist, diese Phase gelassen zu überstehen (Ich weiß, ich hab gut reden). Den Hund korrigieren, Loben, wenn er sich richtig verhält. Und eben absichern, so wie du es schon tust. Wenn er jetzt evtl. von einem Besucher bedrängt wird und er nicht ausweichen kann, wird er beißen (Das Bedrängen kann je nach Stärke der Angst schon sein, dass der Besucher am anderen Ende des Raums aufsteht). Wenn er merkt, dass er mit Beißen Abstand erlangt, wird er es wieder tun. Wenn du es ihm schon einmal abgewöhnt hast, hast du ja ein erfolgreiches Programm. Führe es weiter durch, aber gehe kein Risiko ein. Im Normalfall dauert diese Phase um ein halbes Jahr, dann festigt sich der Hund wieder.

Viele Grüße von Karin!

von Cindy(YCH) am 17. Juni 2003 21:45

Hi Andrea,

zusätzlich zu dem was Karin schreibt, musst Du auch noch an Dir arbeiten.
Wenn Du einen unsicheren Hund hast, und selbst jetzt schon "Angst" bzw. Unsicherheiten zeigst, verschlimmerst Du das ganze noch.
Vergiss diese Aussage. Vergiss es einfach.
Konzentriere Dich nicht auf irgendwelche Aussagen, sondern auf deinen Hund. Wenn Du ständig mit dem Gedanken rumläufst, dass er das ja jetzt macht, und alles nur noch schlimmer wird, dann wird es das auch. Deine Unsicherheit überträgt sich noch auf deinen sowieso schon unsicheren Hund, und steigert dessen Unsicherheit dadurch noch mehr.

Und dann würde ich an deiner Stelle nochmal gezielt von vorn anfangen mit einer Art Desensibilisierung/Gegenkonditionierung.
Beschreib mal ein paar "typische" Situationen, in denen dein Hund reagiert.

Gruss Cindy

von josh(YCH) am 17. Juni 2003 23:04

Hi,
naja, Gene sind Gene. Aber gegen jedes Verhalten kann man auch "ankonditionieren", auch wenn es genetisch bedingt ist. Will heißen, man kann was machen. Daß es jetzt nochmal so massiv kommt ist völlig normal, der Zeitpunkt ist wie aus dem Bilderbuch gewählt: Hund (großer Hund) wird mit 18 Monaten und noch ein Weilchen später erwachsen, seine Hormone erwachen und dann zeigt er so richtig, was in ihm steckt. Ich würde eine Kastration in Erwägung ziehen (wegen dem nach vorne gehen) und ansonsten genau dasselbe Programm, mit dem Du schon mal Erfolg hattest beim "Abgewöhnen" nochmal durchziehen. Die Chancen stehen gut, weil der Hund das schon mal konnte; jedenfalls besser, als wenn Du bei Null beginnen müsstest. Wird schon - und das Wesen Deines Hunde ist ja noch nicht fertig. Er kann sich noch massiv verändern, nicht nur durch Training, auch durch die biologische Entwicklung.
Wird schon - keine Angst haben, Deinem Hund vertrauen (soweit es geht) und nicht weiter wegsperren, sondern dran arbeiten. Vielleicht unter Anleitung. Und laß Dir nicht sagen, er sei "dominant" - er hat "bloß" Angst.

Grüße
josh
(mit einem ebenfalls wesensschwachen Monster, das zeitlebens nur geknurrt hat..).

von Antje(YCH) am 18. Juni 2003 06:32

Hallo Andrea,

auch wenn mich die anderen jetzt steinigen: Ich gebe Schlegel recht. Es gibt wirklich Wesensschwächen, die genetisch und/oder durch Frühprägung so tief "sitzen", daß man seines Lebens nicht mehr froh wird mit so einem Hund. Dann wäre das Einschläfern das beste für alle Beteiligten, auch für den Hund. Denn der steht ja lebenslang streßmäßig gesehen "unter Strom", d.h. kommt eigentlich gar nicht zum Relaxen. Für Menschen, die so gebacken sind, gibt es geschlossene Anstalten und Psychopharmaka, aber sind sie glücklich???

Das Problem ist, zu unterscheiden, wo eine Wesensschwäche so tief sitzt, daß man sie nicht korrigieren kann. Denn viele Wesensschwächen werden ja durch den Halter verstärkt (typisches Beispiel: Schußangst) und wären durch ein anderes Verhalten dem Hund gegenüber bzw. einem anderen Umgang mit dem Hund korrigierbar, teilweise und manchmal auch vollständig. Ein weiteres Problem ist, daß manche Leute, die ihren Hund nicht mehr haben wollen, sich über diese Masche rausreden, damit der Hund eingeschläfert wird. Es ist halt schwierig zu unterscheiden...

Ich würde Euch bei Eurem Hund zu folgenden raten: Einen guten Trainer suchen und mit diesem die Situation analysieren. Wo wird die Wesensschwäche des Hundes u.U. durch Euer Verhalten verstärkt? Ist die Grundausbildung solide? Wenn nein, muß unbedingt daran gearbeitet werden, erstens um den Hund sicherer "in der Hand zu haben" wenn Ihr in eine heikele Situation kommt und zweitens weil das dem Hund enorm viel Sicherheit gibt. Desweiteren würde ich raten, unbedingt einen Tierarzt aufzusuchen, u.U. hat der Hund ein gesundheitliches Problem (HD, ED, CES-Syndrom etc.) und die Schmerzen, auch wenn sie bisher nur gering sind, verstärken seine aggressive Haltung Fremden gegenüber. Hinzu kommt, daß der Hund so gehalten werden sollte, daß Dritte keine Möglichkeit haben, ohne Eure direkte Anwesenheit Kontakt zu dem Hund aufzunehmen.

Das alles erfordert einigen Aufwand, auch finanziell, und krempelt u.U. das Leben etwas um. Aber das ist man dem Tier und vor allem seiner Umwelt gegenüber schuldig. Problematisch wird es, wenn der Mensch dabei fortwährend unter Streß steht, weil er Angst hat, entweder daß etwas passiert mit dem Hund, weil Dritte vielleicht Zugang zu ihm haben, oder daß er die Situation nicht im Griff hat, z.B. auf Spaziergängen, oder wenn er sogar vor dem Hund selbst Angst bekommt. Dann muß ernsthaft über eine Abgabe oder das Einschläfern des Hundes nachgedacht werden (bei einer stark ausgeprägten Wesensschwäche halte ich es für unverantwortlich, den Hund Marke "Schwarzem Peter" einfach abzugeben), aber zuvor sollte man sein möglichstes probieren.

Viele Grüße

Antje



von Andrea(YCH) am 18. Juni 2003 06:50

Hallo,

also bereits als 8 Wo alter Welpe ließ er sich nicht von Fremden anfassen und ging nie!!! zu jemanden hin (nicht mal, wenn er mit Futter gelockt wurde). Erstaunlicherweise war das bei den Familienmitgliedern aber nie ein Problem, uns vertraut er völlig und bis auf wenige (berechtigte) Brummer den Kindern gegenüber ist er total lieb.
Aber zurück: Ich habe versucht die Leute zu bremsen, wenn sie mit "ach ist das ein süßer Teddybär" auf ihn zu sind. Manchmal ist mir aber auch schon mal ein Mensch durchgeschlüpft und wenn ich nicht aufgepasst habe, hat er sofort geschnappt. Dann gab es Schnautzgriff und energisches "NEin". Insgesammt ist es damit viel besser geworden, so dass er heute Menschen unterwegs aus dem Weg geht - dazu muss er aber auch immer die Gelegenheit haben. Will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn er aus irgend einem Grund mal nicht ausweichen kann.

In der Hundeschule haben wir ein spezielles Trainingsprogramm mit ihm gemacht. Verknüpfung Mensch mit etwas Positivem. Er spielt mittlerweile sogar mit Fremden. Sobald er seine Beute im Maul hat ist er viel selbstbewußter und lässt sich sogar berühren und wir sind schon so weit, dass er auch mit Fremden spielt, wenn ich nicht mitspiele. Übrigens kennt er die Leute von der Hundeschule jetzt seit Welpenzeit und trotzdem behandelt er sie immer noch als Fremde, da macht er keinen Unterschied.
Wenn er im Auto ist, wo er nicht ausweichen kann, warnt er durch Brummen.
Wenn Leute zu uns nach Hause kommen (oder am Tor vorbei gehen), geht er sie allerdings direkt an, bellt aggressiv und springt (wenn ich es nicht verhindere) die Leute an. Auch hier ist es völlig egal, wie lange er die Leute schon kennt (weil er sie ja gar nicht kennen will).
Wenn ich aufspringe und energisch "Nein" rufe, duckt er sich sofort und kommt zu mir. Dabei läßt er den "Feind" nicht aus den Augen sondern knurrt im Platz weiter und ist sozusagen wie eine Sprungfeder gespannt. Erst wenn er ruhig ist und der Besucher sitzt, gebe ich ihn frei. Dann springt er wieder auf die Leute zu (diesmal leise), schnüffelt kurz und trollt sich in seine Ecke. Dann ist es gut. Nur, dass kann man den wenigstens Besuchern zumuten, die bekommen ja einen Herzinfakt, wenn das Monster auf sie zustürmt.

Muss gestehen, dass ich meine Angst, dass etwas passiert nicht ganz weg stecken kann. Ich versuche trotzdem, so gelassen wie möglich zu sein.

Einer der Trainer in einer Hundeschule riet mir schon als er ein halbes Jahr alt war und den Trainer gebissen hat (weil der ihn festhalten wollte), ich solle ihn einschläfern lassen - schon um meine Kinder zu schützen. Da er aufgrund seiner Angst und der daraus resultierenden Aggressivität auf Dauer nicht kontrollierbar sei. Ich könne halt nicht immer alle Situationen im Auge/Griff haben und dann wäre das Risiko bei so einem Monster zu groß, dass er jmd. (vielleicht sogar ernsthaft) verletzt.
Die Worte hab ich immer noch im Ohr und wenn ich dann solche Aussagen wie von Schlegel lese, kommt es mir wieder hoch.


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