Briards :: Hundeerziehung + Soziales

Briards

von Dany(YCH) am 21. September 1998 09:46

Hallo Briardbesitzer!

Diese Meldung wird Euch entweder sehr verwundern oder Ihr sagt: Kenne ich! - und das will ich gerne wissen! Vor ueber vier Jahren kam ich auf die tolle Idee, mir einen Briardrueden zu kaufen. Die Aufzucht der Welpen war super, mit genau 8 Wochen zog Balzak bei uns ein. Hier lernte er meinen alten Tim kennen, der sofort die Vaterrolle uebernahm. Balzak besuchte von der ersten Woche an alles Moegliche: Welpengruppe, Agilityparcours, Ausstellungen, Stadtgaenge usw. usw. Kurzum: In den Hund wurde sehr viel Zeit investiert, war er doch mein Traumwelpe nach zwei anstrengenden Problemhunden. Nach vier Jahren muss ich jetzt sagen: das, was der Hund mich an Energie gekostet hat, ist kaum vorstellbar. Jede Kleinigkeit musste ich mir mit sehr viel Ausdauer, Konsequenz und Geduld erkaempfen. Beim Fahrradfahren biss er bei Tempo 30 in die Vorderreifen. Man kann ihm ueber die Pfoten fahren, er merkt es noch nicht einmal. Er rannte mit 100 Sachen durch einen Stacheldraht und haette es immer wieder gemacht, wenn ich es nicht fortwaehrend mit langer Leine geuebt haette. Jede Kommandogabe muss von meiner Seite aus absolut konzentriert ablaufen, sonst geht der erste Schritt schon schief. Dann habe ich vierzig Kilo, die restlos ausflippen! Nun ja, wir haben alles so halbwegs im Griff. Halbwegs deswegen, weil ich nie sicher bin, was naechste Woche paasiert. Nun ist er seit zwei Jahren extrem geraeuschempfindlich. Der Hund brach total zusammen, aus dem Haus gehen wurde zur Tortur. Er bekam Angst vor Menschen, vor Knallern der unterschiedlichsten Art, vor Regenschirmen usw.usw. Mit Clicker und vielen anderen Tricks habe ich heute wieder einen belastbaren Hund, der sogar einen extremen Aussenteil einer BH bestens ablegte. Briards - dein unbekanntes Wesen? Ich hoere immer mehr solche Briardgeschichten und blind bin ich auch nicht, wenn ich Treffen besuche. Wie geht es Euch? Dany

von Michaela(YCH) am 21. September 1998 12:29

Hallo, Dany,

meine beste Freundin hat ebenfalls einen Briardrueden und da ich mit den beiden oft zusammen unterwegs bin, kann ich einiges bestaetigen, z.B. ist Aaron geraeuschempfindlich, dies jedoch nur bei wirklich lauten Geraeuschen, das heisst er mag keine Knaller, keinen Donner, etc. Es spielt also eine eher untergeordnete Rolle, viel unertraeglicher ist sein Spielverhalten, er geraet wahnsinnig schnell ausser sich und beisst dann (um sich abzureagieren?) schon mal fester in den Jackenaermel (allerdings immer nur in den losen Stoff), oder er bellt ohne Unterbrechung ca. 5 Minuten, wenn eine Spielaufforderung erfolgt. Ich habe mir schon jegliche freundliche Begruessung abgewoehnt, weil ihn selbst diese dazu bringt, sich so zu verhalten. Er ist zu steuern, kurioserweise besonders dann, wenn mit ihm gearbeitet, bzw. gespielt wird. Wir dachten lange Zeit, er sei unterbeschaeftigt, doch mittlerweile ist meine Freundin bei 3 Stunden Auslauf taeglich (davon ca. die Haelfte am Rad), sie uebt dreimal die Woche am Hundeplatz mit ihn und ist sehr engagiert. Die Zuechterin meinte Huendinnen seien meistens einfacher zu erziehen, doch insgesamt zaehlt der Briard zu den triebstarken Rassen. Warum das jedoch mit "beinahe unkontrollierbar" gleichzusetzen ist, verstehe ich nicht wirklich. Was mich interessieren wuerde, wie lange ist Balzak wirklich konzentriert bei Uebungen? Bellt er auch gerne so lange und ohne sich davon abbringen zu lassen?

Liebe Gruesse,

Michaela

von Dany(YCH) am 23. September 1998 08:43

Hallo Michaela,

da sehe ich wirklich mal wieder viele Aehnlichkeiten! Neulich war ich bei den Trumler-Vortraegen. Als erstes fragt mich eine Frau mit Briardhuendin: Hoer mal, weisst Du, wo man noch einen vernuenftigen Briard herbekommt? Es ist immer das gleiche: Die Leute wollen schon wieder einen Briard, aber nicht so einen bescheuerten wie sie gerade haben! DIe Zuechter haben allerdings eine ganz andere Meinung. Die Hunde waeren eben temperamentvoll, arbeitswuetig etc. etc. Balzak bekommt genauso viel Beschaeftigung geboten wie Aaron - das muesste doch bei einem normalen Hund reichen oder? Ich habe dauernd geschwankt zwischen: Ist es zuwenig, ist es zuviel? Was machst du falsch? Die Huendinnen sind zum Teil noch viel schlimmer. Die sind dann ueberaus hektisch und schnappen nach recht und links...Balzak kann sich nicht sehr lange konzentrieren. Das merkte ich zum Beispiel beim Ueben Richtung BH - 50 Schritte geradeaus waren ein Problem! Dagegen kann er ohne Probleme auf Entfernung von Sitz in Platz in Steh, Fussgehen mit viel Abwechslung, Tempowechsel, Richtungsaenderung, viele Handzeichen usw. Ich kann ihn ablegen und mich eine halbe Stunde mit fremden Hunden beschaeftigen, da ruehrt er sich nicht mehr.Ich baue viel Futterspiele, Ballspiele, Apportieren ein, damit er sich abreagieren kann. Das braucht er einfach, anders geht es nicht. Vergesse ich es, habe ich ihn auch sehr schnell an der Jacke haengen! Ein Schnappen und schon himmelt er dich wieder schwanzwedelnd an! Ich hatte ihn drei Jahre lang beim Fuss schraeg vor mir rennen, bis es mir endgueltig reichte. Nach Obedience- Manier habe ich nur noch einen halben Schritt geuebt und bin sofort wieder rueckwaerts, wenn er nicht auf den Zentimeter genau an meiner Seite war. Hat nach drei Wochen tatsaechlich Wirkung gezeigt! Klaeffen tut er ueberhaupt nicht, das habe ich ihm sofort abgewoehnt. Wenn er wirklich wieder einmal ausflippt, drehe ich mich um und gehe. Das ist das Schlimmste fuer ihn - sein geliebtes Frauchen laesst ihn allein. Der Briard ist eine Mixtur aus Huete- und Hirtenhund - mal tendiert er zur einen, dann zur anderen Seite. Das beguenstigt die vielen Schwierigkeiten, mit denen man so oft zu kaempfen hat. Ich hatte jetzt schon mehrere Anrufe - alles dasselbe. Ein paar sind allerings auch anders - das sind die absoluten Traumbriards. Und so einen haette ich gerne einmal! Die Geraeuschempfindlichkeit entwickelt sich uebrigens ganz langsam, manchmal erst im Alter von drei, vier, fuenf Jahren! Dany

von Michaela(YCH) am 23. September 1998 09:21

Hallo, Dany,

ich habe meiner Freundin eben am Telefon Deine Antwort vorgelesen (sie hat leider keinen Zugang zum Internet) und sie würde nun gerne wissen, wie du das Bellen unter Kontrolle gebracht hast. Aaron bellt nur so viel, wenn er sich auf etwas freut, bzw. während einer hohen Erregungsphase beim Arbeiten, ansonsten ist er relativ ruhig. Er kann sich übrigens ebenfalls nicht lange konzentrieren, gestern waren wir zu viert unterwegs (ich hatte einen Jagdhundmischling namens Henry mit, der zur Zeit bei mir in Pflege ist) und da konnte ich folgendes beobachten: Henry griff einen Ast und forderte Aaron zum Spiel damit auf, doch dieser verbiss sich richtig in das Stück Holz und rannte ca. zehnmal um meine Freundin damit herum, er wollte mit ihr spielen, zugleich war er zu unruhig, es war unmöglich, weder ihn, noch den Ast anzugreifen. Also bewegten wir uns überhaupt nicht mehr, Henry machte brav "Sitz" und irgendwann war es auch Aaron zu langweilig, er beruhigte sich und man konnte den Ast an sich nehmen. Ich frage mich, wie man so einen starken Trieb unter Kontrolle bekommt, jedenfalls habe ich meiner Freundin Deine Antwort ausgedruckt, da viele Tips dabei sind, die ihr sicherlich helfen können.
Vielen Dank für Deine Antwort,

Michaela + Henry (der gerade etwas unruhig wird, weil er auf seinen einstündigen Mittagsspaziergang wartet).

von Dany(YCH) am 23. September 1998 10:03

Hallo Michaela,

jetzt wollte ich gerade nach Hause, da kam noch Deine Nachricht. Also Thema Bellen: Es ist eine furchtbare Aufgabe, einem Hund das abzugewoehnen! Ich hatte es da einfacher, weil ich es von vornherein unterbunden und nicht gefoerdert habe. Besuche von mehreren Ausstellungen, bevor ich meinem Welpen bekam, hatten mich davon ueberzeugt, dass dieser Hund gar nicht erst das Klaeffen lernt. Das Bloede ist ja: Der Hund hat ja Spass dabei, wie bringe ich ihm jetzt bei, dass "Nichtbellen" schoener ist? Ruhig stehenbleiben finde ich schon mal sehr brauchbar. Oder wirklich sich umdrehen und gehen. Ansonsten koennte ich mir das Ganze auch gut mit Clicker vorstellen. Wenn er ruhig ist, wird geclickt und belohnt. Wenn er aufdreht und rumspinnt und klaefft, ist jede schoene Arbeit auf der Stelle beendet, binde (beziehungsweise Deine Freundin) den Hund z.B. am Zaun fest und gehe fuer ein paar Minuten. Erst zurueckgehen, wenn er ruhig ist. Aus welcher Zucht kommt denn Aaron? Das wuerde mich noch interessieren. Antworten kann ich erst in ein paar Tagen. Bis denn und danke fuer die Antworten!
Dany
:

von Michaela(YCH) am 24. September 1998 12:34

Hallo Dany,

Aaron kommt aus einer Hobbyzucht ohne Papiere, da seine Mutter zu klein für den Briard-Standard ist und die Besitzer trotzdem mit ihr züchten wollten. Er hat jedoch eine optimale Prägungszeit erfahren, meine Freundin und ich haben ihn dreimal besucht, ich glaube, er ist genausogut aufgewachsen wie ein Briard mit Papieren von verantwortungsvollen Züchtern. Aaron war auch bei einer Welpenspielgruppe und macht jetzt gerade seine Begleithundeprüfung II. Ich habe ihr die Ausdrucke gestern gegeben und sie war ganz begeistert von Deinen Tips. Sie meinte noch, der Briard wäre ein Hund, auf den man sich immer hundertprozentig konzentrieren müsse, weil er immer auf die nächste Aufgabe wartet, wenn die mal nicht kommt, neigt er zu Überreaktionen, um seine Energie irgendwie sonst loszuwerden. Zum Glück ist er sehr verträglich, mag Menschen, andere Hunde (Rüden allerdings erst, seitdem er kastriert ist) und im Haus selbst verhält er sich auch eher ruhig. Die "Probleme" beginnen erst mit der Erregung, die durch Spiel, oder Arbeit produziert wird.

Michaela

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