Ganztagsarbeit und Hund ? :: Hundeerziehung + Soziales

Ganztagsarbeit und Hund ?

von M. Kuhlmann(YCH) am 24. September 1998 13:38


Ich würde gerne trotz meiner Berufstätigkeit einen Hund halten, auch einen älteren aus dem Tierheim.
Ist so etwas überhaupt möglich?
Morgens und abends hätte ich viel Zeit für ihn.

Maritta

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von Michaela(YCH) am 24. September 1998 14:17

Hallo, Maritta,

gerade ein aelterer Hund braucht wieder mehr Zeit, als ein jüngerer, da er einen Teil seiner Selbstsicherheit verliert (abnehmender Orientierungssinn durch nachlassendes Seh- und Hörvermögen, fallweise Beginn von Inkontinenz, etc.). Man darf einen Hund, egal wie alt er ist, nie jeden Tag so lange Zeit alleine lassen, ich weiss, viele machen es trotzdem, doch es ist Tierquälerei. Vielleicht kannst Du den Hund zur Arbeit mitnehmen, das wäre eine Möglichkeit. Wenn nicht, eventuell im Tierheim nachfragen, oft sind die Leute dort froh, wenn sie freiwillige Helfer finden, die mit den Hunden dort spazieren gehen, dann kannst du immer, wenn Du Zeit hast, einen Hund nehmen und mit ihm spaziergehen, das fände ich ebenfalls eine gute Alternative. Es tut mir leid, Maritta, Dir nichts anderes sagen zu können, aber ich glaube, wenn jemand wirklich Hunde mag, dann kann er im Zweifelsfalle auch auf einen verzichten, zum Wohle des Hundes. Wenn Du Dir es leisten kannst, jeden Tag für 4 Stunden einen Hundesitter zu bezahlen, wäre dies natürlich auch noch überlegenswert.

Michaela + Henry (der erschöpft vom Mittagspausenspaziergang nun unter dem Bürotisch liegt und schläft)

von LA(YCH) am 25. September 1998 08:26

:Man darf einen Hund, egal wie alt er ist, nie jeden Tag so lange Zeit alleine lassen, ich weiss, viele machen es trotzdem, doch es ist Tierquälerei.
:

Hallo Michaela !
Was genau verstehst du unter Tierquaelerei, wenn man den Hund ueber eine laengere Zeit alleine laesst. Mich wuerde interessieren, ab wann bei jedem einzelnen Tierquaelerei beginnt. Ich glaube jeder versteht etwas anderes darunter und dann sind wohl der groesste Teil der Bevoelkerung in allen moeglichen Laendern Tierquaeler. Denn ich denke mir mal dass ein nur geringer Prozentsatz die Moeglichkeiten hat, entweder zu Hause zu sein oder den Hund mit in die Arbeit nehmen zu koennen, aber trotzdem einen Hund wollen und fuer ihre Moeglichkeiten das Beste fuer ihren Hund tun. Ich finde es deshalb sehr, sehr hart unter diesen Umstaenden bereits von Tierquaelerei zu sprechen, wenn man vorher und nachher ausgiebig spazieren geht. Und was ich besonders fuer wichtig erachte ist, dass man sich mit seinem Hund beschaeftigt und ihm Aufgaben stellt. Ich kenne ein paar Leute die ihren Hund ins Buero mitnehmen koennen oder wegen Kindern zu Hause sind. Bei denen habe ich aber eher das Gefuehl, dass der Hund gerade dort zu kurz kommt und eher verkuemmert. Meistens haben sie soviel mit den Kindern um die Ohren, dass der Hund froh sein muss, dass er gerade kurz Gassi gefuehrt wird.(man beachte die Leute sind den ganzen Tag zu Hause !!!), oder die die ihre Hunde mit ins Buero nehmen, sagen oh wie gluecklich ist doch mein Hund, er kann immer bei mir sein, aber da muss er auch die Ganze Zeit ruhig sitzen (macht er auch alleine zu Hause). Ich kenne aber wiederum einen grossen Teil, die eben Berufstaetig sind und dann mit ihren Hunden rausfahren und ausgiebig spazieren gehen, spielen und Hundesport betreiben. Das finde ich wichtig, denn ein Hund will auch geistig gefordert werden und ich glaube, solche Leute die den Hund eben nicht immer bei sich haben, geniessen diese Zeit viel, viel intensiver und bemuehen sich viel bewusster um die Auslastung und (geistige) Beschaeftigung seines Lieblings. Ein Hund braucht und vorallem will er eine Aufgabe haben, von der er sich eben ausruht, wenn er dann zu Hause ist. Auch halten einige mehrere Hunde und so haben diese sowieso ein Rudel immer bei sich. Das sind meine persoenlichen Erfahrungen. Aber es gibt auch immer wieder Ausnahmen, wie ueberall, das weiss ich schon, aber immer alle in einen Topf zu werfen finde ich unfair und ungerecht, man muss sich eben die Muehe machen jede einzelene Situation zu betrachten um dann richtig urteilen zu koennen.
Liebe Gruesse
LA

von suki und maxi(YCH) am 25. September 1998 09:03

Hallo LA,
wenn jemand mehrere Hunde hält, ist ganztägige Berufstätigkeit nicht unbedingt ein Problem. Aber ein Hund, der täglich 8 Stunden oder mehr alleine zu Hause verbringen muß, wird nicht artgerecht gehalten. Manche Hunde mit starken Nerven mögen das vielleicht verkraften, aber glücklich sind sie dabei bestimmt nicht. Denn schließlich ist grundsätzlich die Trennung vom Rudel für einen Hund eine der größten Streßsituationen überhaupt. Natürlich braucht auch der Büro- und Familienhund Zuwendung und Aufgaben, die ihn geistig und körperlich fordern. Doch da eigentlich im Büro und mit Kindern zu Hause immer irgendetwas los ist, bedeutet das für seinen Geist schon eine ganze Menge Beschäftigung.
Eine Definition für Tierquälerei zu finden ist kaum möglich, da zumindest die seelische Qual ohnehin von jeder Kreatur ganz individuell empfunden wird. Doch aus oben genannten Gründen würde ich niemals einen einzelnen Hund zu mir nehmen, wenn ich ganztägig berufstätig wäre und ihn alleine zu Hause lassen müßte. Dagegen halte ich wiederum den von vielen Tierheimen ohne Berücksichtigung anderer Umstände verlangten Garten für die Vermittlung von großen Hunden für nicht sinnvoll.
Gruß
suki und maxi (, die das Glück hat, Bürohund MIT viel Auslauf und Action zu sein, jawohl! :-))

von Karen(YCH) am 25. September 1998 09:38

Hallo LA,

ich möchte mich suki und maxi anschließen. Der Hund ist ein Rudeltier, für den die Abwesenheit des Rudels in der Natur eine existientielle Bedrohung darstellt. Zwar ist unser Haushund nicht tatsächlich bedroht, wenn er alleine ist - er fühlt sich aber jedenfalls unwohl, denn das Alleinsein wiederspricht der genannten Natur als Rudeltier. Ich möchte Michaela zustimmen, die davon abrät, einen Hund anzuschaffen, wenn man von vornherein weiß, daß man ihn nicht artgerecht (also hauptsächlich mit ständigem Rudelanschluß) halten kann. Ich denke sie hat zudem recht, wenn sie eine nicht artgerechte Haltung, die dazu führt, daß der Hund sich unwohl führt als Tierquälerei bezeichnet (auch wenn es sicherlich wesentlich schlimmere Formen der Tierquälerei gibt).

Grüße von Karen und Frieda (letztere liegt gerade mit dem Bewußtsein, daß das Rudel bei ihr ist, glücklich schlafend unter dem Schreibtisch - im übrigen muß sie im Büro nicht stilliegen, nur bellen darf sie nicht, was aber auch für daheim gilt -)

von Michaela + Henry(YCH) am 25. September 1998 09:47

Hallo LA,

im Grunde gibt es nicht mehr viel zu der Antwort von Suki + maxi hinzuzufuegen. Fuer mich beginnt Tierquaelerei mit dem Leid des Tieres, dass ein Hund darunter leidet alleine zu sein, ist wohl bekannt, man sollte dem Stress, dem der Hund dann unterliegt, nicht auf ueber 8 Stunden ausdehnen. Stelle Dir vor, wie Du Dich fuehlst, wenn Du fuenf Tage die Woche so ca. 8 - 10 Stunden ununterbrochen unter Stress und Trennungsangst stehst. Gut? Du kannst nicht zu Deinem Hund gehen und ihm sagen: Pass auf, die zehn Stunden schlaefst Du jetzt durch und Du musst keine Angst haben, denn ich komme ja wieder und danach spiele ich auch mit Dir und wir gehen zusammen auf den Hundeplatz. Ein Hund lebt im Moment, er ist ein hochsoziales Tier und orientiert sich an seinem Rudel. Wie soll jemand, der selten daheim ist, gleich mehrere Hunde aufnehmen und diese dann noch erziehen koennen? Wer geht mit dem Hund/den Hunden zu mittags hianus? Ein Hund sollte sich nach spaetestens 4 - 6 Stunden loesen koennen. Wenn sie dies nicht koennen, wird ebenfalls ihre Lebensqualitaet beeintraechtigt. Natuerlich, es gibt Hunde die von sich aus bei Regen oder Kaelte nicht hinausgehen und dann mal freiwillig bis zu zwoelf Stunden oder mehr darauf verzichten, sich zu loesen, aber ich denke, wenn man sie taeglich zu dazu zwingt, besteht ein grosser Unterschied zu solchen Ausnahmesituationen. Ich denke, artgerechte Haltung besteht, wie schon Suki sagte, sich nicht auf eines zu beschraenken, also zu sagen: Mein Hund hat es gut, weil er ohnehin den ganzen Tag bei mir ist" und sich dann nicht mehr sonst um ihn zu kuemmern. Fuer mich ist es artgerecht, den Hund das Leben ein soziales Wesen zu ermoeglichen, mit ihm viel zu unternehmen, zu spielen und sich vorher ueber seine Beduerfnisse zu informieren. Zudem habe ich ja wohl Moeglichkeiten fuer ein Leben mit Hund aufgezeigt.

Michaela + Henry (der gerade versucht mich mit seinem Kauknochen zum Spielen aufzufordern smiling smiley )

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