von Attila(YCH) am 02. Mai 2001 13:34
Hallo Sabine,
Du schreibst:
: Dem kann ich nicht ganz folgen. Dem Hund ist es wohl ziemlich egal, ob er Diensthund oder Sporthund ist. Wieso machst Du da Unterschiede?
Mag sein, daß der Hund den Unterschied nicht versteht. Aber der Hundeführer versteht ihn doch. Was also treibt den Hundeführer zu einer Ausbildung über den verkehrstechnisch erforderlichen Grundgehorsam hinaus, wenn nicht die Triebbefriedigung des Hundes (sogenannte "sportliche" Gesichtspunkte spiegeln mir zu sehr die menschliche Perspektive wider) - um die sollte es doch gehen, nicht um uns selbst: einen besseren Hund zu bekommen, mit dem Hund zu einer Einheit zusammenzuwachsen durch Nutzung und Kanalisierung seiner natürlichen Triebe. Und dafür ist es, wie gesagt, völlig wurscht, ob er zwei Zentimeter mehr vorn läuft oder nicht, solange er versteht, was Leinenführigkeit ist.
Zwang beginnt natürlich dort, wo der Hund etwas möchte und es nicht darf, vielmehr ein anderes Verhalten von ihm gefordert wird. Wenn also im Wald ein totes Wildschweinbaby liegt, der Hund hin möchte und ich ihn abrufe, so ist das Zwang - unerläßlich. Wir wollen aber alltägliche Gefahrensituationen, wo es um Leib und Leben des Hundes gehen kann, nicht mit Ausbildung verwechseln. In der Ausbildung sollten wir nämlich die "Trieblage" des Hundes nutzen und das, was er will, mit dem, was wir wollen, zusammenbringen. Das ist Motivation. Gelingt mir das nicht, habe ich Fehler gemacht und gleiche meine eigenen Fehler durch Starkzwang aus. Endergebnis: Ich werde beim nächsten Mal gleich auf Starkzwang setzen. Die Folgen sieht man auf den Plätzen.
: Ich rede von Zwang und Du von Schmerzen. Zwang fängt bei mir nicht erst bei Schmerzen an. Ich habe mal im Duden unter Zwang nachgeschaut. Zwang, zwängen, bedrängen, klemmen, einpressen. Einpressen kommt für mich am nächsten. Der Hund lernt genau, erwünscht oder unerwünscht.
Tja, wo sind die Grenzen, wo die Übergänge? Wenn Du auf Zwang setzt, mußt Du Steigerungsmöglichkeiten haben, eben bis hin zur Schmerzzufügung. Es gibt nun einmal Hunde, die eine Menge wegstecken, und andere, die schon ein Leinenruck verängstigt.
: Du diskutierst hier über Schutzhundeausbildung und Teletakt. Hast Du schonmal einen Hund für eine "durchschnittliche Schutzhundprüfung" ausgebildet? Hast Du schonmal ein Teletakt in der Hand gehabt oder an Dir selber ausprobiert? Vielleicht solltest Du das mal tun bevor wir hier weiter diskutieren.
Mein Rüde steht ja gerade in der Schutzhundausbildung, meine Hündin hat SchH 1 praktisch fertig, und mein erster Rüde war SchH 1 (was er nie hätte werden dürfen, denn er war durchaus aggressiv, hat aber seine BH vor der Tür des Vereinsgeländes locker bestanden - der Ausgangspunkt des Threads!). Natürlich setze ich Zwang ein, aber ich brauche in der Unterordnung keinen Stachel, und niemand auf dem Platz braucht ihn, soweit ich das jetzt überschlagen kann. Stachel kommt gelegentlich bei sehr hartnäckigen Hunden zum Einsatz, die als Jungtiere keine Leinenführigkeit gelernt haben, und auch dann nur über wenige Wochen, aber ich habe noch keinen einzigen fertigen SchH auf unserem Platz gesehen, der mit Stachel geführt werden mußte. Und das gute Teletakt hat mir eine "Tierschützerin" schon vor Jahren ausgeliehen, damit ich meiner gutmütigen Hündin das Jagen austreiben sollte. Es tut weniger weh als ein Stromstoß am Elektrozaun - bei mir. Ich bin aber auch 1,90 groß und wiege 85 kg. Rennt ein Hund gegen den Weidezaun, jault er laut auf, springt zurück, bellt vielleicht und wird ihn künftig wahrscheinlich MEIDEN. Aber an einer Debatte über Teletakt bin ich nicht interessiert, sie wurde hier schon oft geführt; unser 2. Ausbildungswart, ein ganz alter Hase von 65 Jahren, würde Dich vom Platz prügeln, wenn Du das Wort "Teletakt" nur in den Mund nähmst.
: Vielleicht solltest Du Dir mal überlegen das Zwang nicht gleich Zwang ist. Ich denke da gibt es eine große Spanne. Und wenn der Hund nach einer Zwangseinwirkung ins Meiden geht, war es zu viel.
Na eben! Ich habe mir schon überlegt, "daß Zwang nicht gleich Zwang ist". Es gibt also den guten und den schlechten Zwang, nicht wahr? Nun sind aber Hunde höchst unterschiedlich. Meine alte Hündin blieb schon ängstlich zurück, wenn ich sie nur etwas lauter und mit hartem Tonfall ansprach; ich mußte dann in die Hocke gehen und sie freundlich heranrufen. Nun verrate mir doch mal, mit welcher Art von "gutem Zwang" ich sie wohl hätte ausbilden sollen?
Mit Grüßen, Attila