Hundesport, Ehrgeiz, Starkzwang I :: Hundesport & Freizeit mit Hund

Hundesport, Ehrgeiz, Starkzwang I

von Attila(YCH) am 28. Dezember 2002 18:21

: Zitat:"Ein Welpe sollte in seinen ersten Lebensmonaten nicht nur zwei oder drei Stunden täglich mit seinem Sozialpartner Mensch in engem Kontakt stehen. Nach Möglichkeit muss der die Nähe des Menschen Tag und Nacht verspüren. Für mich gibt es heute keine Diskussion mehr darüber, wo sich ein Welpe nach der Trennung von seinen Geschwistern und somit nach dem Eintritt in die Sozialisierungsphase nachts aufzuhalten hat. Die Schlafstelle neben dem Bett des Hundebesitzers ist einfach ein Muß." (Seite 131)


Hi Inge,

das mag alles richtig sein, insofern der Welpe als Einzelhund gehalten wird. Wo mehrere Hunde um ihn herum sind, fühlt er sich nicht allein gelassen. Indem ich den Welpen ständig umsorge, lege ich bereits den Grundstein dafür, daß er z. B. jammert, wenn ich mich entferne - keineswegs erwünscht. Nee nee, ich handhabe das etwas anders. In der ersten Nacht hat der Welpe im Haus geschlafen und ich neben ihm. Am zweiten Tag habe ich ihn bereits daran gewöhnt, daß er auch schon mal draußen sein muß und ich im Haus verschwinde - zwei-, dreimal wurde gejammert, dann war - wegen dauernder Erfolglosigkeit - Ruhe angesagt. Und seit dem dritten Tag habe ich begonnen, ihn kurze Phasen allein zu lassen. Jetzt bleibt er schon eine halbe Stunde allein, ohne zu bellen und zu schreien. Wohlgemerkt, er ist natürlich "trotzdem" auf mich fixiert und folgt mir überallhin - aber er kann meine Gegenwart nicht erzwingen, und es gehört zum Konzept, daß er - im Verbund mit den anderen Hunden - stundenweise auf mich verzichten muß.

Gruß, Attila

von Christine(YCH) am 29. Dezember 2002 00:10

: Ein guter Schutzhund soll seinen Sport mit großer Begeisterung ausüben - ja, ohne Frage! Aber wenn er in ein Loch fällt, weil er ihn nicht mehr machen kann (Alter, Verletzung...), dann wurde er von seinem HF zum seelischen Krüppel degradiert! Ich kenne sie zur Genüge, diese HF, die ihren Hund 23 Stunden im Zwinger halten, nichts mit ihm machen, damit er auf dem Platz so richtig schön triebig ist. Kein Wunder, dass diese armen Geschöpfe nur noch Schutzdienst machen wollen!
:
: Gruß
: Inge + BC
:
Hallo Inge,

also meine Jungs leben mit mir in der Wohnung, jeden Tag gehen wir zwischen 2 und 3 Stunden täglich mit anderen auf die Wiese zum rennen und toben.
Und trotzdem ist der Große -vermenschlicht ausgedrückt- todtraurig, wenn ich den Jungen zum Schutzdienst hole und ihn nicht. Einfach weil er weiß was er versäumt.

Grüße von Christine

von Elke R.(YCH) am 30. Dezember 2002 10:11

Hallo P.H.

Ich habe ca. 15 Jahre lang hauptsächlich mit Rotti, Dobermann und teilweise auch DSH Schutz gearbeitet. Und vor allem die Rottis waren im Schutz alles andere als Schlaftabletten. Trotzdem hatte ich nie die Situation, daß ich zur Durchsetzung eines Kommandos oder zur Triebsteigerung hätte auf Stachel oder Tacker zurückgreifen müssen. Komischerweise waren alle meine Hunde mit anderen Hunden und mit Kindern (hatte damals 2 in Pflege) absolut verträglich.
Ich schätze mal, daß Dein Rüde "anders gar nicht lenkbar wäre" ist ein Fall von wie man sichs richtet, so hat mans. Wobei ich stark bezweifle, daß nicht auch Dein Rüde nach einer mehr oder weniger langen Zeit der Umgewöhnung (je nach Lernfähigkeit des Hundes) ohne Probleme auch anders geführt werden könnte. Das Argument "meiner ist anders nicht zu führen" habe ich schon etwas zu oft gehört und etliche Male den Gegenbeweis angetreten, als daß ich es einfach so akzeptieren würde.
Zu Deiner Aussage - ich störe den Hund nur und tue ihm nicht weh - fällt mir nur eines ein - warum mußt Du dann mit dem Stachel "stören"??? Wenn Du nicht vorhast, Schmerz als Ausbildungsargument zu verwenden, hast Du mit einem normalen Halsband dieselbe Möglichkeit, den Hund zu stören. Ich dachte eigentlich immer, daß man den Wehrtrieb aus der Schutzausbildung raushalten sollte (wird ja auch vom FCI immer im Brustton der Überzeugung rausposaunt, daß Wehrtrieb in der Schutzausbildung nichts zu suchen hat, oder) - und Schutz + Schmerz geht nun mal in Richtung Wehr, da kann man das Kind schönlügen, wie man will.
Ich weiß schon, daß viele Wege nach Rom führen, ich verstehe nur nicht, warum Du gerade den Weg, der für den Hund am leichtesten zu gehen ist, nämlich den, Erziehung ohne Zwang von Anfang an, so verteufelst und glaubst Du würdest dem Hund damit etwas wegnehmen. Klar kann ich auch den Hund "roh" heranwachsen lassen und ihm dann mit Brachialgealt zeigen, wer das Sagen hat. Klar, die meisten Hunde, die so ausgebildet werden, packen das und bringen trotzdem Spitzenleistungen - aber wieso soll man es darauf anlegen??? Das ist es, was meinen Horizont offensichtlich übersteigt.

Liebe Grüße

Elke

von Inge + BC(YCH) am 30. Dezember 2002 19:08

Hi Attila,

: das mag alles richtig sein, insofern der Welpe als Einzelhund gehalten wird.... Indem ich den Welpen ständig umsorge, lege ich bereits den Grundstein dafür, daß er z. B. jammert, wenn ich mich entferne

Sehe ich anders. Meine Hunde habe alle problemlos gelernt, alleine zu bleiben, schließlich hatte ich nicht immer das Glück, von zu Hause aus arbeiten zu können. Und Bonnie, die meinen Mann täglich ins Büro begleitet, muss auch dort öfters alleine bleiben, wenn Dienstbesprechungen anstehen. Wir haben zwar heutzutage grundsätzlich die Möglichkeit, fast 24 Stunden mit unseren Hunden zusammen zu sein - aber eben nur fast. Denn natürlich gibt es immer Gelegenheiten (Arztbesuch, Ausgehen...), wo die Hunde nicht mitkönnen. Alles kein Problem - obwohl, oder vielleicht gerade WEIL? - die Hunde vom ersten Tag an immer bei uns im Schlafzimmer schliefen. Ich sehe das wie bei Kindern: ist erst einmal das sog. Urvertrauen aufgebaut, können Menschen wie Tiere wesentlich besser mit "Vereinsamung" umgehen, als wenn es daran fehlt. Der einzige Hund, der ständig am Rockzipfel klebt, ist die DS-Hündin meiner Schwester - sie stammt aus einem TH in Spanien und durfte gewiss nie als Welpe in einem Schlafzimmer schlafen...

Guten Rutsch
Inge + BC

von Inge + BC(YCH) am 30. Dezember 2002 19:17

: Und trotzdem ist der Große -vermenschlicht ausgedrückt- todtraurig, wenn ich den Jungen zum Schutzdienst hole und ihn nicht. Einfach weil er weiß was er versäumt.
:
Hallo Christine,

ich denke, JEDER Hund wäre da todtraurig - denn jeder einigermaßen normale Hund strebt danach, etwas mit seinem HF zu unternehmen. Wo dies nicht der Fall ist, stimmt sowieso etwas mit der Haltung nicht. Kürzlich hatte sich meine eine Hündin die Pfote schwer verletzt, einige Tage lang durfte sie nur kurz ausgeführt werden. Ihre Mimik, wenn es dann mit dem anderen Hund nochmal zum großen Gassigang losging, sprach Bände... Das ist doch normal! NICHT normal ist jedoch, wenn ein Hund so sehr auf eine bestimmte Tätigkeit fixiert ist, dass er in ein psychisches Loch fällt, wenn er sie nicht ausüben kann. Wenn ihm also außer dieser Tätigkeit nichts, aber auch gar nichts anderes mehr Spaß macht. Deine Hunde haben doch auch Freude am Rennen und Herumtoben, wie Du schreibst. Die VPG ist da lediglich eine zusätzliche tolle Beschäftigung für sie. Aber würden sie total psychisch zusammenbrechen, wenn Du den SchH-Sport aus irgeneinem Grund nicht mehr ausüben könntest? Ich glaube nicht - aber wenn ja, dann würde ich mir ernsthafte Sorgen über die Hundehaltung machen. Um auch hier mal zu vermenschlichen: das wäre wie bei manchen Leuten, die einen "Rentenschock" erleiden, weil ihr Leben so armselig ist, dass sie außer ihrem Job an nichts anderem Freude haben. So etwas finde ich traurig - bei Mensch UND Hund!

Liebe Grüße
Inge + BC

von Inge + BC(YCH) am 30. Dezember 2002 23:22

Hallo Elke,

: Ich habe ca. 15 Jahre lang hauptsächlich mit Rotti, Dobermann und teilweise auch DSH Schutz gearbeitet. Trotzdem hatte ich nie die Situation, daß ich zur Durchsetzung eines Kommandos oder zur Triebsteigerung hätte auf Stachel oder Tacker zurückgreifen müssen.

Danke für Deine Antwort - es tut immer wieder gut, wenn auch von aktiven VPG'lern mal so eine Meinung rüber kommt! Schade, dass gerade diejenigen SchH-Sportler, die andere - bessere!!! - Wege beschreiten, sich so selten in Foren zu Wort melden. Der SchH-Sport hat schon mit genügend Vorurteilen zu kämpfen - wenn dann hauptsächlich die Hardliner sich öffentlich kundtun, wird sich daran nichts ändern.

: Ich dachte eigentlich immer, daß man den Wehrtrieb aus der Schutzausbildung raushalten sollte (wird ja auch vom FCI immer im Brustton der Überzeugung rausposaunt, daß Wehrtrieb in der Schutzausbildung nichts zu suchen hat, oder)

Tja, schön wär's. Tatsache ist aber leider, dass der Beutetrieb einer "reiz- und aktionsspezifischen Ermüdung" unterliegt, wie Th. Baumann es so schön formuliert. Statt aber nun dieser Reizermüdung entgegen zu wirken, indem man das Training abwechslungsreicher aufbaut und nur sehr kurze Einheiten mit dem Helfer absolviert, wird dann eben auf die Wehr ausgewichen - denn das Wehrverhalten unterliegt keiner Ermüdung, da es aus Sicht des Hundes hier um den Kampf ums ÜBERLEBEN geht! So etwas einem Hund aus rein sportlichen Gründen zuzumuten, ist eine Unverschämtheit!

: Klar kann ich auch den Hund "roh" heranwachsen lassen und ihm dann mit Brachialgealt zeigen, wer das Sagen hat. Klar, die meisten Hunde, die so ausgebildet werden, packen das und bringen trotzdem Spitzenleistungen - aber wieso soll man es darauf anlegen???

Leider wird ja genau damit argumentiert, so nach dem Motto: "Was nicht umbringt, macht hart - und nur die Härtesten sollen überleben" (bzw. in die Zucht gehen). Wäre nur schön, wenn die entsprechenden HF dieselben Maßstäbe auch an sich selber anlegen würden - vermutlich würden die meisten diesen Test nicht bestehen...

Gruß
Inge + BC

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