Was muss sich ändern? :: Hundezucht & Hundeaufzucht

Was muss sich ändern?

von Yvonne & Ari am 11. Juli 2009 16:28
Quote Sciuba:
also, von Zucht verstehe ich auch nichts, denn gezüchtet habe ich bis jetzt nur Wellensittiche grinning smiley Kann man nicht vergleichen, oder?
Doch auch dies kann man vergleichen. Ich war letztes Jahr aus Neugierde auf einer Welli-Ausstellung. Dort wurden riesengroße Wellensittiche ausgestellt und auch mit einem 1. Platz prämiert. In meinen Augen ist auch dies eine Art Qualzucht, da solch große "Brummer" wohl kaum noch richtig fliegen können.......
LG
Yvonne

von Liesel am 11. Juli 2009 22:59
Wenn ich mal zusammenfassen darf:

Ich lese hier viele Wünsche von Hundehaltern, was an ihren eigenen Rassen oder allgemein gesprochen verbessert werden müsste. Keiner traut sich allerdings zu, das ohne züchterisches Wissen in "Thesen" zu fassen. Nun weiß ich ein bisschen über Genetik in der Hundezucht und versuche, eure Wünsche in geänderte Zuchtbestimmungen zu übersetzen.

- größenabhängige Konditionsüberprüfung für ALLE Rassen als Voraussetzungen für die Zuchtzulassung
- Arbeitsprüfungen für ALLE Gebrauchsrassen (=Jagd-, Zug-, Treib-, Hüte- und Dienstrassen)
- Wesensüberprüfungen bezüglich Nervenstärke und Sozialverhalten für ALLE Rassen
- Änderungen der Standards zur Vermeidung von Übertypisierungen
- Neutrale Kontrolle der Zuchtrichter, um Überbewertung und züchterische Herausstellung übertypisierter Hunde zu vermeiden.
- Anpassung der Gesundheitsuntersuchungen an die jeweils aktuellen rassespezifischen Probleme (z.B. Spondyloseuntersuchung beim DSH)

Ich hätte da noch eine, mehr oder weniger betrifft es die Kleinhundezuchten:
- höhere Anforderungen an die Zuchtstätten bezüglich Räumlichkeiten für die Aufzucht, Verbot von "Wohnzimmerzuchten".

Ich finde es nämlich schlimm, dass wir Züchter großer Rassen Auflagen ohne Ende haben, besonders bei Zwingerhaltung, und die armen Kleinen ihre Welpen in einer abgetrennten Wohnzimmerecke bekommen müssen, wo die junge Familie dann Lärm, ständigen Störungen, womöglich noch Zigarettenrauch und hin und wieder der groben Behandlung zu kleiner Kinder ausgesetzt sind. Ein eigenes Wurfzimmer ist das mindeste, was verlangt werden sollte.

Ist meine vorläufige Zusammenfassung so ok? Habe ich etwas übersehen? Mehr Ideen bitte!!!

Wenn es 95 Thesen werden, schlage ich die an die Tür der VDH-Zentrale the finger smiley

LG, Luther ääääh Liesel

von Frieda am 12. Juli 2009 01:05
Huhu,

also viele Dinge, die mir wichtig sind, haben die anderen schon genannt (DSH!!!, Atemprobleme bei kurzen Schnauzen,...).

Was ich nochmal hervorheben würde sind aber wirklich die Vorraussetzungen für die Zuchtzulassung:

Meiner Meinung nach wird das Aussehen viel zu sehr in den Vordergrund gestellt. Klar, eine Rasse braucht einen Rassestandard, aber ist es wirklich wichtig, dass der schwarze Labbi eben keinen weißen Fleck auf der Brust haben darf? Kann nicht gerade ein solches Tier die besten gesundheitlichen und psychischen Vorraussetzungen haben?

Mein Hund würde z.B. nie eine Zuchtzulassung bekommen, weil sicherlich die vorzüglich bei den Ausstellungen fehlen würde, aufgrund von so Dingen wie: dem fehlt ein Zahn (den hat er sich mal im Spiel ausgeschlagen), ... Dabei hat er für mich die Eigenschaften, die für einen Familienlabbi!!! wichtig sind. Er mag arbeiten (sowohl im Wasser als auch an Land), er mag Menschen, er mag alles Getier aber er kann auch faul auf der Haut rumliegen... Für mich ist sowas wichtig und nicht ein perfektes Aussehen (klar die Gesundheit muss auch stimmen und die stimmt bei meinem z.B. auch nicht).

Was mir noch einfällt, was auch wieder auf Qualzuchten hindeutet: Shar Peis mit ihren vielen Falten... Die Entzündungen in den tiefen Furchen sind einfach grausam und kaum zu vermeiden.

Und ich bin auch gegen diese Mini- und Riesenzuchten... Es sollte einfach Grenzen geben (ich weiß, die gibt es bereits, aber meiner Meinung nacht viel zu harmlos, was ist schon ein Hund von 2-3kg???) und zwar realistische, die den Hunden auch ein angenehmes Leben ermöglichen.

Mir fallen da so viele Sachen ein, die ich unmöglich finde. Lassen sich aber meist auf diese Auftackelei und Unwichtigkeiten von Ausstellungen und Ähnlichem zurück führen. Wesen und Gesundheit sind wichtiger als 100%ig richtiges Aussehen...

LG Frieda

von Sciuba am 12. Juli 2009 08:03
Hallo Yvonne,

wieso werden denn Dalmatiner taub geboren? Hat das was mit Überzüchtung zu tun? HILFE!!!! Das mit dem Irish Wolfhound wusste ich auch nicht, kann ich mir aber sehr gut vorstellen. Ich finde die ja imposant, aber die wären mir dann doch zu groß - und zu energielos wie ich gehört habe. Aber bei der Größe...

Betreff Wellensittiche: bei meiner Zucht - die ich eher aus eigenem Vergnügen gemacht habe und auch nicht lange - sind meine 'neuen' versehentlich auch fast doppelt so groß geworden wie ihre Eltern. Ich habe denen aber jeden Morgen ein ganz bestimmtes Futter bereitet, nach einem 'Rezept', was ich aus einem Wellensittich-Heftchen von anno dazumal (70er Jahre vielleicht) hatte. Interessant fand ich dabei, dass die Gesundheit und der Wuchs von Jungtieren so sehr stark abhängig ist vom Futter/Essen. Einen zweiten 'Beweis' habe ich dann an meinem Hund gesehen, der mit seinem Futter sehr groß und kräftig geworden ist.
Ok, das hat aber nichts mehr mit dem Thema zu tun... wobei auf Umwegen doch: man sollte nicht die Größe so sehr beeinflussen, dass es eben Probleme gibt, das Skelett muss ja noch tragen, in allen Lebensmomenten.

An Frieda: du sprichst so das meiste an, was ich auch schon gesagt hatte. Ich finde diese Punkte auch sehr wichtig. Das mit der Größe, die 'einzugrenzen', darauf wäre ich nicht gekommen, stimmt aber wirklich. Wozu brauchen wir einen Hund so groß wie ein Pony und wozu einen so klein wie eine Ratte? Auf dem ersteren können wir eh nicht reiten und den zweiten können wir zwar in die Tasche stecken, aber eine Ratte auch grinning smiley

An Liesel: Klasse wie du das in Thesen zusammen gefasst hast - auch wenn sie mir so schon fast wieder 'unverständlicher' klingen confused smiley . Das mit den Räumlichkeiten hatte ich, glaube ich, vorher auch schon angedeutet, aber wahrscheinlich nicht richtig ausgedrückt. Ich meinte aber das selbe, dass die Hunde in passender Umgebung eben ihre Jungen bekommen sollen und gerade als Züchter sollte man dafür sorgen. Denn schließlich verdient man als Züchter dran, macht man es professionell und muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Dieses wäre ein ganz wichtiger Aspekt. Und natürlich immer für alle Hunderassen, egal wie groß oder klein sie sind. Mutter werden hat ja nichts mit Größe zu tun grinning smiley

LG

Sciuba

von Liesel am 12. Juli 2009 10:21
Quote Sciuba:
wieso werden denn Dalmatiner taub geboren? Hat das was mit Überzüchtung zu tun? HILFE!!!!

Hi Sciuba,

ich hau dir mal eben ein wenig Fachchinesisch um die Ohren: das ist ein autosomal-rezessives Gen, das an das Weißscheckungsgen gekoppelt ist grinning smiley

Auf deutsch: es wird geschlechtsunabhängig vererbt und tritt nur in Erscheinung, wenn beide Eltern Träger des Defekts sind. Da es rezessiv ist, tritt die Taubheit nur in Erscheinung, wenn der Nachkomme das Gen von beiden Eltern bekommen hat. Die Wahrscheinlichkeit ist 25%. Diese genetisch bedingte Taubheit tritt bei fast allen Rassen auf, die als Grundfarbe weiß mit dunklen Abzeichen haben, so auch beim weißen Bullterrier.

Ich würde da nicht so sehr von "Überzüchtung" sprechen, wenn man 2 verschiedene Rassen, die das Weißscheckungsgen tragen, verpaart, haben die Mischlinge das gleiche Problem. Es steckt halt drin (übrigens bei reinweißen Katzen und Nagern auch!). Allerdings fällt auf, dass Dalmatiner mit fehlerhafter Zeichnung wie zu großer oder ineinander verlaufender Flecken so gut wie nie unter Taubheit leiden. Da frage ich mich natürlich, ob hier nicht wieder die Zucht nach Standard verantwortlich ist für die Häufung des Problems.


Quote Sciuba:
Interessant fand ich dabei, dass die Gesundheit und der Wuchs von Jungtieren so sehr stark abhängig ist vom Futter/Essen. Einen zweiten 'Beweis' habe ich dann an meinem Hund gesehen, der mit seinem Futter sehr groß und kräftig geworden ist.
Ok, das hat aber nichts mehr mit dem Thema zu tun... wobei auf Umwegen doch: man sollte nicht die Größe so sehr beeinflussen, dass es eben Probleme gibt, das Skelett muss ja noch tragen, in allen Lebensmomenten.

Na, und wie das etwas mit dem Thema zu tun hat!!!

Und wieder ein Ausflug in die Welt der Genetik, ich versuche verständlich zu bleiben, frage zur Not nach. Im genetischen Code ist für jeden einzelnen Knochen festgelegt, dass er eine Länge von x-y erreichen kann. Welche Länge er letztendlich erreicht, hängt von den Umweltfaktoren ab, wie Größe des Lebensraumes, Nährstoffangebot, Lichtverhältnisse, Bewegung usw. Ich vermute mal, wenn ein Sittich nur kurze Wege zur Futterquelle hat, eine optimierte Nahrung erhält und natürlich durch die Zimmerhaltung zusätzlich zum natürlichen Licht auch noch einen "verlängerten Tag" durch die abendliche Zimmerbeleuchtung hat, wird sich das Knochenwachstum zum Wert y hin ausrichten.

Im Laufe von Generationen passt sich dann der Gencode sogar an, das nennt man Evolution, und irgendwann sagt dieser Gencode dann, dass der Knochen eine Länge von y-z erreicht.

Auf Fachchinesisch: Größenvererbung ist ein polygener, multifaktorieller Erbgang.


Quote Sciuba:
An Liesel: Klasse wie du das in Thesen zusammen gefasst hast - auch wenn sie mir so schon fast wieder 'unverständlicher' klingen confused smiley .

Oh Schreck, das war nicht meine Absicht. Habe nur versucht, es so zu formulieren, dass die Verwaltungsheinis in den Verbänden es ernster nehmen.


Quote Sciuba:
Das mit den Räumlichkeiten hatte ich, glaube ich, vorher auch schon angedeutet, aber wahrscheinlich nicht richtig ausgedrückt. Ich meinte aber das selbe, dass die Hunde in passender Umgebung eben ihre Jungen bekommen sollen und gerade als Züchter sollte man dafür sorgen.

Das hatte ich wohl überlesen. Bei Zwingerhaltung wird es schon sehr streng überwacht, mir ist das Argument wohl nicht sofort aufgefallen, weil nicht auf die Zucht in der Wohnung hingewiesen wurde.


Quote Sciuba:
Denn schließlich verdient man als Züchter dran, macht man es professionell und muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Dieses wäre ein ganz wichtiger Aspekt. Und natürlich immer für alle Hunderassen, egal wie groß oder klein sie sind. Mutter werden hat ja nichts mit Größe zu tun grinning smiley

Ich weiß nicht, an welchen Rassen man verdienen kann, an Arbeitslinien im Allgemeinen und DSH-Leistungszucht im Speziellen zahlt man mächtig drauf. Verdienen kann man eigentlich nur an Rassen, für die man nur eine einzige Formwertbeurteilung braucht und man anschließend drauf loszüchten kann und die Würfe eine entsprechende Größe haben. Das hat aber für mich nichts mit züchten zu tun, das ist Vermehrung, egal ob auf den Papieren der FCI-Stempel ist oder nicht.

Ich habe mal ausgerechnet, dass ich die Kosten für eine Zuchthündin erst ab dem 10. Welpen heraus habe, und damit meine ich nur die Kosten für die Erlangung der Zuchtvoraussetzungen inklusive meiner eigenen persönlichen Maßstäbe, nicht die allgemeinen Unterhaltskosten wie Steuer, Versicherung, Futter und Tierarzt. Und natürlich nur, wenn sie nie leer bleibt und die Welpen nie krank werden und nichts außerplanmäßiges wie Kaiserschnitt passiert.

Die Zeit, die ich in einen Wurf investiere, könnte ich mit Überstunden im Job erfolgreicher vergolden, davon mal abgesehen. Züchter sind schon irgendwie Exoten smoking smiley

LG, Liesel

von Yvonne & Ari am 12. Juli 2009 10:29
Quote Sciuba:
Hallo Yvonne,
wieso werden denn Dalmatiner taub geboren? Hat das was mit Überzüchtung zu tun? HILFE!!!!

Hallo Sciuba,
ich habe mal irgendwo gelesen (glaub ich confused smiley ), dass es mit der weißen Farbe zu tun hat.... Es gibt auch andere Rassen die Probleme mit Taubheit haben. Aber auch dies kann ein Züchter wieder besser erklären.
Hier mal ein Link dazu (unter Medizinisches/Gesundheit): [www.leveste.de]
LG
Yvonne

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