Frage zur Genetik :: Hundezucht & Hundeaufzucht

Frage zur Genetik

von Martina+D(YCH) am 08. Februar 2001 10:12

Hallo Yorkies!

Ich habe mal eine Frage zur Genetik.
Angenommen es gibt in einem Wurf einen Welpen mit einem zuchtausschliessenden Fehler(rezessiv). Sind dann alle anderen Welpen genetisch belastet und zumindest rezessiv auch mit diesem zuchtausschliessenden Fehler behaftet?
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein Welpe aus diesem Wurf den Fehler eher weitervererbt, als ein Welpe, bei dessem Wurf der Fehler nicht aufgetreten ist.

Hat jemand möglicherweise ein Buchtipp zur Vererbungslehre bei Hunden?

Viele Grüße
Martina + Drago

von Kathi & 3 Akita(YCH) am 08. Februar 2001 10:28

Hallo Martina,

: Angenommen es gibt in einem Wurf einen Welpen mit einem zuchtausschliessenden Fehler(rezessiv). Sind dann alle anderen Welpen genetisch belastet und zumindest rezessiv auch mit diesem zuchtausschliessenden Fehler behaftet?

Normalerweise verhält es sich so: haben beide Elterntiere einen Gendefekt, wird dieser Defekt an 50% der Nachkommen weitergegeben (also die Hälfte trägt der Welpen trägt das Defekt-Gen, die andere nicht). Von diesen 50% kommt das Defekt-Gen bei ca. 25% zu tastsächlichen Ausbruch (je nach "Erkrankung" sichtbar z.b. Augen), die anderen 25% sind scheinbar gesund, tragen aber ebenfalls das Defekt-Gen.
Leider sieht man den Nachkommen nicht an der Nasenspitze an, ob sie TRäger sind oder nicht.
Es wäre verantwortungslos mit solchen Tieren weiterzuzüchten (je nach Erkrankung).
Schwierige Thematik!!!

: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein Welpe aus diesem Wurf den Fehler eher weitervererbt, als ein Welpe, bei dessem Wurf der Fehler nicht aufgetreten ist.

50%!!!! (s.oben).
Das Problem ist das: nimm einen Welpen der (sichtbar) NICHT erkrankt ist und verpaare ihn (Du weißt aber nicht ob er oder der entspr. Zuchtpartner Genträger sind). Wenn Du "Pech" hast trägt auch der ZUchtpartner das Gen und es geht so weiter wie oben beschrieben. Trägt der ZUchtpartner das Gen nicht, sind alle Welpen augenscheinlich gesund ABER 50% tragen wieder das Defektgen usw., usw.
Wenn also mit definitiv Defekt-Gen befaftetetn Hunden weitergezüchtet wird, versaut man sich unter Umständen GENERATIONEN von Hunden und kann somit eine ganze Sippe und deren Verwandten und Anverwandten für die Zucht knicken!!!!

Du hast Deine Anfrage sehr "vorsichtig" formuliert (versteh ich, ich hatte kürzlich einen ähnlichen Fall).
Wenn Du magst, mail mich doch mal privat an zwecks Erfahrungsaustauch.

: Hat jemand möglicherweise ein Buchtipp zur Vererbungslehre bei Hunden?

M. Willis: Genetik der Hundezucht

Gruß
Kathi

von Birgit Stoll(YCH) am 08. Februar 2001 10:41

Hallo,

theoretisch ist natürlich die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass die Geschwister diesen rezessiven Fehler tragen. Aber nicht alle !!!
Beispiel: Langhaar ist in der Natur ein Fehler, bei unseren Weißen Schäferhunden im Standard nicht. Erfahrungsgem. vererbt sich also das Kurzhaar sehr sehr dominant ! Fällt in einem Wurf "zufällig" ein Langhaarwelpe (Hündin), und ich verpaare diesen wieder mit einem reinerbigen Kurzhaarrüden, so fällt der ganze Wurf in Kurzhaar ! Verpaare ich den gleichen Welpen danach mit einem mischerbigen Kurzhaartier (Ein Elterntier des Vaters war Langhaar), so ist ein drittel bis zur Hälfte der Welpen langhaarig. Verpaare ich 2 Langhaarhunde ( sie tragen selbst äußerlich sichtbar den "Fehler", so kommen nur Langhaarwelpen im Wurf vor) auch wenn die Großeltern der Welpen teilweise Kurzhaar waren, oder sogar, wenn ich 2 Zufallslanghaarwelpen ( wo alle 4 Großeltern Kurzhaar sind), fällt dennoch der ganze Wurf in Langhaar !

Beispiel : Eine Linie brachte bisher über Generationen nur Kurzhaar hervor, 2 Geschwister daraus werden mit dem gleichen Rüden (Langhaar) verpaart. Eine Schwester hat ein Drittel Langhaarwelpen im Wurf, die andere Schwester hatte ausschließlich nur Kurzhaarwelpen im Wurf ! Eine trägt also den "Genfehler", die andere nicht. Diese Verpaarung wurde mind. 3 x mit gleichen Hunden gemacht, es blieb so !

Um welchen Fehler handelt es sich bei Dir ? Wenn es "nur" ein Zahnfehler bei einem Welpen war, oder einer nur mit Übergröße, dann würde ich mir ein Ei drauf pellen ! Damit können die Hunde gut leben und alt werden und ein Welpe für Zuchtzwecke beinhaltet immer das Risiko, dass er sich für diesen Zweck später nicht eignen wird. Züchten heißt immer auch selektieren, und da man an den Unis genetisch meist noch nicht bestimmen kann, welcher Hund rezessiv einen Fehler trägt, solange müssen wir uns auf die sichtbaren Vor und Nachteile der Hunde beschränken.
Handelt es sich allerdings um gesundheitliche Erbfehler ( z.B. mehrere Welpen im Wurf haben HD), dann würde ich aus dieser Linie raus gehen.

Wenn enge In- bzw. Linienzucht in der Linie ist, damit festigt man nicht nur positive Merkmale, sondern auch die versteckten Fehler kommen bei der Nachzucht zum Vorschein ! Deshalb versuche ich über 10 Generationen so fremd als möglich zu verpaaren, nicht nur über 3 oder 4 Gen. Damit schließt man zwar keine Erbfehler aus, minimiert sie aber erheblich. Das kann auf Kosten der Schönheit gehen, na und, gesunde wesensfeste Hunde sind mir lieber.

ups. Kathi ist mir zuvor gekommen, ihre Aussagen sind richtig. Meine waren halt mehr auf Beispiele bezogen. Es kommt entscheidend auf den Fehler an, denn will man alle Eltern (evtl.Genträger) und Geschwister, Enkel, Urenkel aus der Zucht nehmen, so hat man bald keine Tiere mehr, die man ohne Inzucht miteinander verpaaren könnte.

Liebe Grüße
Birgit und die Werntaler

von Kathi & 3 Akita(YCH) am 08. Februar 2001 10:48

Hi Birgit,

Deine beispielhafte Erklärung ist super!!!
Ich bin auch der Meinung, das "Schönheitsfehler" einem nicht die Zucht verderben können und sollten (wenn sie nicht zu gravierend sind), denn eine zu starke Auslese engt den Genpool stark ein was sie wiederum negativ auf die Zucht auswirkt.
Gesundheitliche Probleme (erbgeschädigte Augenerkrankungen, Mißbildungen jeglicher Art usw.) dürfen auf keinen Fall weiter in der ZUcht verbleiben (auch wenn ein Teil der Nachkommen keine sichtbaren Defekte trägt).
Das ist auch der Grund warum unser Club auf "Fremdblut" z,B. von Import-Hunden zurückgreift.

Grüße
Kathi

von Antje(YCH) am 08. Februar 2001 11:18

Hallo Martina,

Du darfst nicht davon ausgehen, daß zuchtausschließende Fehler (Was ist ein "Fehler"?) oder Krankheiten ausschließlich im dominant/rezessiven Erbgang vererbt werden und, wie bei Mendel's Erbsen, nur jeweils ein Gen dafür verantwortlich ist. Oftmals sind an einem Merkmal, egal ob für die Struktur des Felles oder eine Erbkrankheit, mehrere genetische Faktoren beteiligt. Diese können sich potenzieren, gegenseitig aktivieren usw. Zudem könnten selbst Wurfgeschwister theoretisch ein 100%ig verschiedenes Erbgut besitzen (wenn der eine von Vater- und Muterseite jeweils die "einen", der andere jeweils die "anderen" 50% des Erbgutes bei der Zellteilung abbekommen hat), aber auch, im Fall von eineiigen Zwillingen (gibt es bei Hunden öfters), zu 100% identisch sein. Dann kommt noch hinzu, was die Umwelt daraus macht, im Hinblick auf Erbkrankheiten, denn für diese ist eine gewisse genetische Disposition notwendig (daher ja auch der Begriff "Erb"krankheit), oftmals kommt diese Krankheit aber erst dann zum Ausbruch und wird für uns sichtbar, wenn mehrere Schadgene aufeinandertreffen und/oder zusätzliche äußere Faktoren einwirken (z.B. Infektionen, Ernährung, Bewegung). Man kann dann aber in den meisten Fällen nicht behaupten, Vollgeschwister, die phänotypisch gesund sind, sind genetisch belastet (der Verdacht liegt nahe, daß sie es sind), genausowenig kann man behaupten, sie seien unbelastet. Das könnte nur ein genetisches Fingerprintig zeigen, welches es für die allermeisten Erbkrankheiten bei Hunden noch lange Zeit nicht geben wird, geschweige denn für Langhaarfaktoren o.ä. So etwas sind für mich allerdings auch keine "Fehler", wegen denen die Welt untergeht.

Einen Buchtip, der sich aber nicht direkt mit den Erbgängen beim Hund beschäftigt, hätte ich für Dich: "Hundezucht 2000" von Hellmut Wachtel, das einzigste deutschsprachige Buch über Populationsgenetik in der Hundezucht. In diesem Buch findet man so einiges über die Problematik der Inzucht/LInienzucht im Hinblick auf die Potenzierung von Schadgenen.

Viele Grüße

Antje

von Anke + Rico(YCH) am 08. Februar 2001 12:21

Hi Antje,

bin zwar genetisch bewandert, aber für die Tiefen der Hundezucht reicht es dann doch nicht...werde ich mir bei Zeiten mal geben, aber bis dahin könntest Du mir vielleicht meine Frage beantworten...

Meine DSH Dennie (vom Haus Kasfeld) hat in ihren Papieren stehen:

Inzucht auf: Canto Wienerau (5-5)

Was bitte heißt das? Schätzungsweise, dass besagter Canto öfters bei den Vorfahren auftaucht...aber wie und wo?

liebe Grüße
Anke

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