Frage zur Genetik :: Hundezucht & Hundeaufzucht

Frage zur Genetik

von Birgit(YCH) am 08. Februar 2001 15:56

Hallo

Taubheit als Problem ist natürlich übel. Ich habe schon davon gehört, dass es gerade bei den Dalmatinern häufiger vorkommt. Kenne da aber leider nicht die genetischen Zusammenhänge und auch nicht die Populationsgröße und % Häufigkeit des Auftretens., Inzuchtbelastungen ....

Hat der Dalmatiner-Club eine Ahnensammlung, wo gelistet ist, bei welchen Verpaarungen es auftrat ? Evtl. gleichzeitig mit Angaben über Paralellen blauer Augenfarbe ?

Dieses wäre sehr von Vorteil . Ich kenne das Problem, dass die meisten Züchter darüber schweigen, einerseits verständlich, da die liebe Konkurrenz nur mit Fingerzeigen und Kesseltreiben reagiert, andererseits sehr zum Nachteil für die Rasse.

Ich hatte mal ein anderes rezessives Problem. In einem 10er Wurf waren gleich 3 Welpen betroffen und mußten eingeschläfert werden. Diese Verpaarung war zu eng ( IK 10 zu AVK 65 ) . Obwohl damals alle anderen 7 Welpen extra an Privat verkauft wurden, wurde mit diesen Hunden später doch gezüchtet ( 3 Rüden und 1 Hündin ). Bei all diesen Würfen mit verschiedenen Zuchtpartnern war der Fehler nicht mehr dabei ! Möglich, dass es eine Generation wieder auftritt, glaube aber dann sehr sehr vereinzelt.

Selbst habe ich von befreundeten Züchtern Daten (zig verschiedene Ahnentafeln mit gemeinsamen Parallelen) gesammelt, bei welchen Verpaarungen es aufgetreten ist. Meine Meinung dazu ist, dass überwiegend nach hinten zu viele gemeinsame Ahnen und auch immer ganz bestimmte Ahnen viel zu oft dabei waren. Man muß sich diese Ahnentafel mglst. über 5 bis 6 (besser noch mehr) Generationen ausdurcken oder aufmalen und Paralellen suchen 8 (gleiche/verwandte Hunde darin).
Aufwendig aber es lohnt.

Die eigene Zuchthündin habe ich das 2. Mal mit einem fast völlig fremden Rüden belegt und es waren alle Welpen gesund. Anschließend hatte die Hündin wieder mit anderem fremden Rüden Welpen und wieder waren alle gesund. Halbgeschwister zu betroffenen Wurf ( gleiche Mutter) habe ich über 2 Generationen bereits in der Zucht und es ist bisher toj toj toj nicht mehr aufgetreten. Wäre es beim 2. Wurf wieder aufgetreten, hätte ich die Hündin aus der Zucht genommen und mir aus dieser Hündin auch keine Nachzucht behalten.

Vielleicht kann man es nicht völlig eliminieren durch Outcrossings, aber die Natur hat sich sicherlich etwas beim rezessiven Erbgang gedacht. Inzucht (verstärkung der Defektgene) verträgt die Spezies einige Male, aber wenn es zu oft praktiziert wird, dann wird u.U. hart durch die Natur selektiert. Kranke Hunde z.B. in einem Wolfsrudel ( ob taub, blind. etc.) werden nicht alt und gelangen nicht zur Paarung. Starke gesunde Geschwister hingegen aus gleichem Wurf vermehren sich durchaus erfolgreich und gefährden damit nicht den Fortbestand des gesamten Rudels. Würden sich Erbfehler dominant vererben, wäre das Rudel sehr schnell ausgerottet.

Leider gibt es nur 2 Alternativen. Probieren und selektieren, oder eben einen Hund ( Nachkommen ) von der Zucht ausschließen.

Liebe Grüße
Birgit und die Werntaler

von Martina+D(YCH) am 08. Februar 2001 18:19

Hallo Birgit,

hier jetzt mal meine ganze Geschichte, ich hoffe ich werde nicht für dumm gehalten.
Mein Rüde hat im letzten Herbst die Zuchtzulassungsprüfung bestanden und nur ist eine Züchterin an uns herangetreten. Ich habe mich nach dem Hörvermögen und HD erkundigt und mir die Zuchtzulassung durchgelesen. Was ich nicht gemacht habe war, jemanden mit Zuchtbuch anzurufen und mir den Wurf, aus dem die Hündin stammt anzuschauen.
Also bin ich, gierig auf Drago-Welpen, zum Decktermin gefahren. Als ich mich jetzt erkundigt habe, musste ich feststellen, daß die Hündin, die Drago schon gedeckt hat, 2 taube Geschwister hatte.
Der Schreck sitzt tief, wie stehen die Chancen, daß er keine taube Welpen bringt. Da dies sein erster Wurf ist, würde er dann nicht mehr eingesetzt werden. Wer nimmt schon ein Risiko auf sich, wenn auch andere, erprobte Rüden zur Verfügung stehen.
Die Hündin selbst stammt aus einem Inzuchtwurf (zweimal gleiche Großmutter), aber Drago ist ein halber Norweger und hat auch sonst keine Verwandschaft zu ihr. Das versteht man dann wohl unter Outcrossing.
Er selbst hat keine tauben Verwandten, sein Vater in 16 Würfen nicht einen tauben Welpen gebracht, trotzdem weiss man nie, wieviel davon auch in ihm steckt.

Ich habe aus der ganzen Geschichte gelernt, würde das nächste Mal viel mehr Ahnenforschung betreiben und meinen Rüden nicht zu jeder Hündin lassen. Ich hoffe nur, daß es nicht in einem Desaster endet.
Ich kann nichts mehr ändern, aber bin deshalb nicht weniger scharf auf statistische Wahrscheinlichkeiten.....

Danke für all die ausführlichen Antworten.
Liebe Grüße

Martina + Drago (Bild hier irgendwo bei Yorkie)

von Birgit(YCH) am 08. Februar 2001 21:22

Liebe Martina,

ich sage dazu nur "ONE WRONG FUCK" und die Karriere Deines Rüden kann zerstört sein. Grundsätzlich werden alle Erbfehler immer auf den Rüden geschoben, schließlich gehört der einem nicht und man hat schließlich für evtl. Rufmord (oder Ehrenrettung der eigenen Hündin) beim Deckgeld bereits mitgezahlt.

Habe selbst 2 erfolgreiche Deckrüden, die Neider unter den Züchtern sind immer groß. Wie oft habe ich mich schon geärgert, was meinen Kerlen alles nachgesagt wurde, eigenartig nur, dass vorgeworfene Fehler nie bei meinen eigenen Hündinnen auftraten !

Wie Du schreibst, ist Dein Rüde "Fremdblut" und die Mutter stammt aus " enger Linienzucht ? ". Nach meiner Meinung stehen die Chancen gut, dass Du Glück hast und keine tauben Welpen hervorkommen. ( Bzgl. meinem Erbfehler war es so, dass mein "Fremdrüde" auf mehreren belasteten Hündinnen, bei deren Geschwistern der Ebfehler nachweislich dabei war, dieser Erbfehler niemals sichtbar wurde ! ).

Man soll sein Glück nicht heraufbeschwören, beim nächsten Mal fragst Du erst den Deckinteressenten, dann den Züchter wo die Hündin heraus stammt und dann noch das Zuchtbuchamt nach Fehlern in der Linie. Ich hoffe, dass Du zumindest eine ehrliche Antwort erhälst (ehr unwahrscheinlich, Schw... was sich manchmal züchter nennt, sorry für die Ausdrucksweise).

Ich kenne einige Weiße Schäferhund-Rüden mit guten Blutlinien, die beim 2. oder 3. Deckakt an eine belastete Hündin gerieten und daraufhin totgeredet wurden. Wie gesagt, nur der Rüde vererbt, die Hündin trägt anscheinend nur aus.

Viel Glück und liebe Grüße
Birgit und die Werntaler

von Antje(YCH) am 09. Februar 2001 06:36

Hallo Birgit,

: Wie Du schreibst, ist Dein Rüde "Fremdblut" und die Mutter stammt aus "
: enger Linienzucht ? ". Nach meiner Meinung stehen die Chancen gut, dass
: Du Glück hast und keine tauben Welpen hervorkommen.

Denke ich auch, warscheinlich noch mal Glück gehabt...


: Man soll sein Glück nicht heraufbeschwören, beim nächsten Mal fragst Du
: erst den Deckinteressenten, dann den Züchter wo die Hündin heraus
: stammt und dann noch das Zuchtbuchamt nach Fehlern in der Linie. Ich
: hoffe, dass Du zumindest eine ehrliche Antwort erhälst (ehr
: unwahrscheinlich...

Das ist das Problem. Ich kenne einige Dalmatiner-Züchter und weiß, daß längst nicht alle ihre tauben Welpen melden (ist nicht nur beim Dalmi so, kann da in anderer Beziehung vom DSH auch ein Liedchen singen...). Somit kann man ja bei "unbelasteten" Linien gar nicht davon ausgehen, daß wirklich keine tauben Welpen gefallen sind, so mancher Züchter ist halt so "dämlich", ein oder zwei taube Welpen aus seiner Zuchtlinie zu melden, ein anderer bringt fünfe "um die Ecke" und steht mit Hunden dar, die erbgesundheitlich eine weiße Weste haben... Das Problem, quer durch alle Rassen, ist, daß Hunde, die befallene Welpen bringen, aus der Zucht genommen werden sollten. Aber gerade deswegen versucht natürlich fast jeder Züchter, so etwas nicht an die große Glocke zu hängen. Ein Teufelskreis...

Viele Grüße

Antje

von Cindy(YCH) am 09. Februar 2001 06:51

: Das Problem, quer durch alle Rassen, ist, daß Hunde, die befallene Welpen bringen, aus der Zucht genommen werden sollten. Aber gerade deswegen versucht natürlich fast jeder Züchter, so etwas nicht an die große Glocke zu hängen. Ein Teufelskreis...


HI Antje,

genau da liegt das Problem. Viele Züchter haben Angst, dass mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Dass sie schlecht gemacht werden. Dass sie ihren guten Ruf verlieren, während die anderen sich als besser darstellen.
Ich weiss von einer Züchterin in Schweden, Grosspudel, die, nachdem der SA-Test bei ihrer Hündin positiv war, dieses öffentlich gemacht hat. Sie hätte die ganze Sache einfach untern Tisch fallen lassen können. Der Hündin hat man zu dem Zeitpunkt noch nichts angesehen.
Hut ab vor dieser Züchterin. Ihr Kommentar dazu war sinngemäss: "Alle Züchter, egal welche Rasse sie züchten, sollten bei Erbkrankheiten innerhalb ihrer Rasse zusammenarbeiten, und nicht alles vertuschen".

Gruss Cindy

von Kathi & 3 Akita(YCH) am 09. Februar 2001 07:19

Hi Cindy,

: Ich weiss von einer Züchterin in Schweden, Grosspudel, die, nachdem der SA-Test bei ihrer Hündin positiv war, dieses öffentlich gemacht hat.

meinst Du "SA" = Sebadenitis?????
Dazu gibt es eine brandneue HP inklusive Mailing-Liste für Betroffene/Interessierte (s. Link)

Grüße
Kathi

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