Frage an Conny Vickers zum Thema: Wild jagen :: Plaudereien um Hunde

Frage an Conny Vickers zum Thema: Wild jagen

von mecki(YCH) am 19. März 1997 13:50

Hallo Conny,

habe gerade durch´s Diskussionsboard gestöbert und nochmal Deine Meldung im Februar zum Thema "Wild jagen" gelesen.

Hat es in dieser Hinsicht bei Deiner Hündin irgendetwas getan. Habe nämlich mit meinen beiden Hunde fast das gleiche Problem erlebt.

Bei meiner Husky-Hündin kann ich mir das "Jagen" ja erklären (Ur-Wolf-Trieb), aber bei meinem Border-Collie/Australien Shepherd-Mischling-Rüden verstehe ich das nicht so ganz. Schießlich hört man immer, daß "Austis" keinen Jagdtrieb hätten.

Bis jetzt hatten die beiden noch keine Gelegenheit Wild zu jagen, aber letzte Woche war ich mit beiden mit Leine im Wald und dort hat doch tatsächlich ein Reh unseren Weg gekreuzt. Beide Hunde sind an der Leine völlig ausgeflippt. Habe beide an der Leine direkt zu mir geholt, Sitz machen lassen, und engerisch "Nein" zu ihren Versuchen, dem Reh dennoch nachzujagen gesagt.

Beide Hunde sind zwar sitzengeblieben haben mich jedoch ansonsten völlig ignoriert und ständig in den Wald, wohin das Reh verschwunden ist, gestarrt und jeden Versuch weiterzugehen, mit heftigen Zerren und Ziehen in Richtung Reh, fast unmöglich gemacht.

Ich bin mir ziemlich sicher, daß beide ohne Leine das Reh gejagt hätten.

... gruß mecki

von Evelyne Bauer(YCH) am 20. März 1997 07:24

Ich beobachte immer wieder, dass Hunde Enten nachjagen. Einige Hundehalter
haben dazu noch einen Spass daran.
Letzte Woche habe ich eine zerrissene Ente am Ufer eines Flusses entdeckt.

Hier fängt es doch gerade an. Wie soll der Hund beim Wild zu stoppen sein, wenn
man ihn Enten und Katzen jagen lässt?

Grundsätzlich ist dies eine reine Erziehungssache. Wenn der Hund aber nicht konsequent
mit Halbherzigkeit und Unkonsequenz erzogen wird, dann muss man sich
nicht darüber wundern dass er dem Halter nicht mehr gehorcht und ständig an der Leine
herumgeführt werden muss. Anderseits gibt man dem Hund nie die Gelegenheit um zu
lernen wenn man ihn stets an der Leine herumführt.

Man kann den Hund durchaus kollegial und familiär behandeln, dies aber mit äusserster
Konsequenz. Es erinnert mich an die Mütter mit dem schreienden Kind, welches unbedingt
im Warenhaus mit viel Zwängerei Schleckzeug erhält, obwohl die Mutter
anfänglich ein deutliches NEIN ausspricht. Am Schluss hält es das gewünschte nun
doch triumphierend in den Händen. Bei den Hunden ist es genauso.

Es ist kein grosser Unterschied zwischen dem Verhalten von kleinen Kindern und die des
Hundes.

Mit den besten Wünschen

Evelyne

von mecki(YCH) am 20. März 1997 11:31

Hallo Evelyne,

Du schreibstHunden das "Wild jagen" abzugewöhnen wäre eine reine Erziehungssache und dies ginge nur mit äussester Konsequenz.

Dies ist schon richtig, aber leider sehr theoretisch.

Kannst Du mir deshalb einige Beispiele aus der Praxis hierzu nennen, die mir weiterhelfen können.

Mit Kindern möchte ich Hunde aber dennoch nicht vergleichen, denn die "Verständigung" mit Kinder, sei es auch mit Kleinkindern, über die "verbale Sprache" ist doch wesentlich "einfacher" als mit Hunden.

... gruß mecki



von Sonja Gerberding(YCH) am 20. März 1997 12:11

Hallo Evelyne,

ich seh das genauso wie Du. Mir ist mal etwas übles mit meiner
Katze passiert, die wurde von einem Schäfer gejagdt (ich hatte
ja keine Ahnung wie schnell eine Katze auf einen Baum kommt).
Der Halter des Hundes fand das toll und hat seinen Hund noch
angefeuert.
Ich denke, der Trick bei der ganzen Sache ist, die Jagdlust schon
im Keim zu ersticken und das mit aller Konsequenz und bei jedem
Lebewesen. Wenn der Hund im Park Tauben nachstellen darf, wie soll er
dann wissen, daß er den Fasan im Wald in Ruhe lassen soll??
Ich beobachte meinen Hund immer ganz genau, sobald ich etwas sehe
was ihn interessieren könnte. Oft weiß ich dann schon vor ihm,
was seine nächste Idee ist und beim geringsten Versuch sich dem Objekt
seiner Begierde zu widmen (ich mache hierbei keinen Unterschied ob
es sich um "lästige" oder "wertvolle" Tiere handelt, schon aus
persönlichen Grunden nicht) gibst es was "auf die Nuß". Ist er weiter
entfernt ein energisches, bitterböses NEIN, bin ich in Reichweite, schnapp
ich ihn am Schlawittchen und drücke ihn leicht zu Boden, wieder von einem
NEIN begleitet. Verpasst man diesen Moment, bringt wohl häufig
alles Rufen und schimpfen nichts. Es heißt also Obacht geben und
IMMER konsequent sein. Lässt er dann das Objekt seiner Begierde in Ruhe,
muß natürlich gelobt werden, damit er weiß, er hat sich richtig verhalten.
Ich treffe oft Menschen, die zwar ihren Hund tadeln, gelobt wird aus
meiner Sicht erstaunlich wenig, echt doof für den Hund, finde ich.

Liebe Grüße Sonja

von Cornelia Vickers(YCH) am 02. April 1997 12:43

Hallo Conny,

habe gerade durch´s Diskussionsboard gestöbert und nochmal Deine Meldung im Februar zum Thema "Wild jagen" gelesen.

Hat es in dieser Hinsicht bei Deiner Hündin irgendetwas getan. Habe nämlich mit meinen beiden Hunde fast das gleiche Problem erlebt.

Bei meiner Husky-Hündin kann ich mir das "Jagen" ja erklären (Ur-Wolf-Trieb), aber bei meinem Border-Collie/Australien Shepherd-Mischling-Rüden verstehe ich das nicht so ganz. Schießlich hört man immer, daß "Austis" keinen Jagdtrieb hätten.

Bis jetzt hatten die beiden noch keine Gelegenheit Wild zu jagen, aber letzte Woche war ich mit beiden mit Leine im Wald und dort hat doch tatsächlich ein Reh unseren Weg gekreuzt. Beide Hunde sind an der Leine völlig ausgeflippt. Habe beide an der Leine direkt zu mir geholt, Sitz machen lassen, und engerisch "Nein" zu ihren Versuchen, dem Reh dennoch nachzujagen gesagt.

Beide Hunde sind zwar sitzengeblieben haben mich jedoch ansonsten völlig ignoriert und ständig in den Wald, wohin das Reh verschwunden ist, gestarrt und jeden Versuch weiterzugehen, mit heftigen Zerren und Ziehen in Richtung Reh, fast unmöglich gemacht.

Ich bin mir ziemlich sicher, daß beide ohne Leine das Reh gejagt hätten.

... gruß mecki

Hallo Mecki,
sorry, daß ich so lange gebraucht habe auf Deine Frage zurückzukommen.
Leider hat sich nicht sehr viel getan. Sowie Hase oder Reh gesichtet
werden, legt sie sich ins Geschirr. In dem Moment kennt sie das Kommando
"Fuß" nicht mehr. Genau wie Dein Hund wird die Stelle fixiert, an der
das Wild verschwunden ist. Ich hole sie auch mit der Leine bei Fuß, lasse
sie Sitz machen und warte einen Moment. Leckerlis werden in einer solchen
Situation übrigens verschmäht. Ist das bei Deinen Hunden auch so? Zieht
sie anschließend wieder in die Richtung wird wieder Sitz gemacht und
gewartet. Diese Prozedur wird so lange durchgeführt, bis sie sich
beruhigt hat. Anscheinend lernt sie langsam, was ich von ihr will.
Gestern haben wir beispielweise ein Reh aufgescheucht, das vor uns auf
dem Weg davonlief. Meine Hündin blieb zwar stehen, zog nicht an der
Leine, paßte aber ganz genau auf, wohin das Reh verschwand. Hier war
natürlich viel Lob angesagt. Ich hoffe ja immer noch, daß ich es ihr
abgewöhnen kann. Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig zum Hundeplatz
mit ihr. Der Trainer dort hat meinen Enthusiasmus aber gleich gebremst.
Lt. seiner Aussage kann man das Jagen den Hunden nicht abgewöhnen. Hin
und wieder lasse ich meine Hündin für kurze Strecken von der Leine, schwebe
aber immer in tausend Ängsten, daß ihr vielleicht ein Hase vor die Nase
läuft und ein Jäger hinter der nächsten Ecke lauert, der aus beiden
den Garaus macht. Nun, ich probiere einfach mal weiter. Vielleicht ist
meine Hündin ja anders - und sie lernt es doch noch??!!
Gruß Conny

von mecki(YCH) am 03. April 1997 16:11

Hallo Mecki,
sorry, daß ich so lange gebraucht habe auf Deine Frage zurückzukommen.
Leider hat sich nicht sehr viel getan. Sowie Hase oder Reh gesichtet
werden, legt sie sich ins Geschirr. In dem Moment kennt sie das Kommando
"Fuß" nicht mehr. Genau wie Dein Hund wird die Stelle fixiert, an der
das Wild verschwunden ist. Ich hole sie auch mit der Leine bei Fuß, lasse
sie Sitz machen und warte einen Moment. Leckerlis werden in einer solchen
Situation übrigens verschmäht. Ist das bei Deinen Hunden auch so?

Ist bei meinen beiden Hunden leider genau so.

Zieht sie anschließend wieder in die Richtung wird wieder Sitz gemacht und
gewartet. Diese Prozedur wird so lange durchgeführt, bis sie sich
beruhigt hat.

Probiere ich auf jedem Fall auch mal so aus.

Anscheinend lernt sie langsam, was ich von ihr will.
Gestern haben wir beispielweise ein Reh aufgescheucht, das vor uns auf
dem Weg davonlief. Meine Hündin blieb zwar stehen, zog nicht an der
Leine, paßte aber ganz genau auf, wohin das Reh verschwand. Hier war
natürlich viel Lob angesagt. Ich hoffe ja immer noch, daß ich es ihr
abgewöhnen kann.

Ich geb die Hoffung auch nicht auf, obwohl es sogar Tage gab, an denen
ich die Husky-Hündin wegen ihrer eifrigen Jagdlust zum Züchter zurück-
bringen wollte. Habe mich aber dazu entschlossen durchzuhalten.

Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig zum Hundeplatz mit ihr. Der
Trainer dort hat meinen Enthusiasmus aber gleich gebremst.
Lt. seiner Aussage kann man das Jagen den Hunden nicht abgewöhnen.

Was bietet denn diese Hundeschule sonst noch so. Bin mit meinen Hunden
nämlich auch in einer Hundeschule.

Hin und wieder lasse ich meine Hündin für kurze Strecken von der Leine,
schwebe aber immer in tausend Ängsten, daß ihr vielleicht ein Hase vor
die Nase läuft und ein Jäger hinter der nächsten Ecke lauert, der aus
beiden den Garaus macht.

Habe mit dem Jagdaufseher des Waldes, der in der Nähe des Reitstalles liegt,
wegen dem Problem mit meinen beiden Hunden gesprochen. Er war sehr
kooperativ, kennt inzwischen die beiden Hunde und ist erstaunlicherweise der
Meinung, daß sie kein Wild reisen würden und hat die Husky-Hündin sogar mal
im Wald erwischt und hat sie auf den Hof zurückgebracht.

Könnte immer so sein nicht wahr ?

Nun, ich probiere einfach mal weiter. Vielleicht
ist meine Hündin ja anders - und sie lernt es doch noch??!!

Dies kann ich dir und mir und unseren Hunden nur wünschen.

... gruß mecki


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