Vorurteile zur körperlich/geistigen Auslastung :: Hundesport & Freizeit mit Hund

Vorurteile zur körperlich/geistigen Auslastung

von Anila am 14. Februar 2010 23:18
Hallo,

gerade surfe ich mal so durch die Gegend und immer, wenn es um den Border Collie geht, überschlagen sich die Forenteilnehmer allerorts mit Warnungen, was man auf keinen Fall mit so einem Hund tun kann und darf:

Ihn neben dem Rad herlaufen zu lassen, beispielsweise.

Aber immer wieder wird betont, dass der Border doch eine prima Pferdebegleitung sei.

Ich halte diese These, dass der Border, der am Rad läuft, rettungslos unausgelastet sei, während er als Pferdebegleitung doch 'ne echte Denkaufgabe hat, für ausgemachten Blödsinn.

Wo ist denn da der gravierende Unterschied? Ein Pferd kann langsam und schnell laufen - ein Rad kann langsam und schnell fahren. Beim Pferd muss der Hund aufpassen, dass er dem nicht unter die Hufe kommt - beim Rad muss der Hund aufpassen, dass er nicht vor das Rad läuft. Gehorchen können sollte sowohl die Pferde- als auch die Radbegleitung.

Oder glauben manche Leute, dass ein Hund am Fahrrad immer angeleint sein muss, während er am Pferd grundsätzlich unangeleint läuft? Geht denn die Fantasielosigkeit Mancher so weit? Oder gibt es da was, was ich übersehe?

Ähnlich ergeht es mir mit dem Ball. Als Borderhalterin ziehe ich den schon fast heimlich verschämt aus der Tasche, als würde ich etwas Anstößiges hervor befördern.

Nun oute ich mich mal: Ich besitze einen Ball und mehrere Frisbeescheiben und behaupte mal ganz dreist: Man kann mit einem Ball genauso geistig anspruchsvoll spielen, wie man mit der Frisbeescheibe stumpf und stereotyp vor sich hinwerfen kann.

Oder noch was: Fährtentraining - sehr in Mode. Wer Fährtentraining mit seinem Hund betreibt, geht als kompetenter und verantwortungsvoller Halter durch. Die wenigsten Halter betreiben das aber professionell, viele meinen, wenn sie "ein bißchen Fährte" machen, nämlich nichts anderes, als ein simples Suchspiel. Und dieses nun wiederum - behaupte ich einfach mal - lastet den Hund geistig genauso aus, wie das Verfolgen einer spannenden Hundespur oder einer Mäusespur.

Hier in diesem Forum begegnet mir diese Pauschalisierung nicht so, was ich ganz angenehm finde.

Viele Grüße
Anila

von Jägerin am 15. Februar 2010 09:03
Hallo Anila

Ob der Hund nun einem Pferd oder einem Fahrrad folgt macht wohl kein grosser Unterschied, da gebe ich dir Recht. Auch Ball und Frisbeespiele finde ich eine gute Beschäftigung aber nur solange der Mensch dabei die Regie führt und dem Hund auch mal eine schwierigere Aufgabe bewältigen lässt als nur das sinnlose hinterherrennen des Balles oder Frisbiees.

So kann man den Hund auch mal dirigieren welchen Ball er holen soll (bei mehreren Bällen) oder man gibt ihm auf dem Weg zum Ball auch mal das Signal dass er sich hinlegen muss. So hat er nicht nur die körperliche sondern auch die geistige Bewegung. Vielfach dressiert man den Hund zum Balljunkie (= Besessenheit) und der Mensch wird zum Ballwurfautomaten.

Das Fährten muss klar vom Verfolgen einer Hasenspur unterschieden werden. Niemals sollte man einem Hund das Verfolgen einer Tierspur zulassen. Auch hier kann ein Hund zum Jagdjunkie werden, hat er sogar einmal Erfolg, ist das für den Hund sehr selbstbelohnend und er wird versuchen seine Jagdstrategie zu perfektionieren und es immer und immer wieder machen. Nichts ist geiler als Jagen!

Beim Fährten ist man gemeinsam unterwegs. Auch hier führt wieder Mensch die Regie und kann dem Hund helfen, wenn er die Spur verloren hat. Das schweisst unheimlich zusammen und ist sehr zu empfehlen. Das Fährten kann als Jagdersatzspiel betrachtet werden, welches jederzeit modifiziert werden kann, je nach Leistung des Hundes.

Das eher schwierige bei einem Border ist, dass man die Beschäftigung in der Balance hält. Auch Border können sehr schnell überfordert werden und dadurch ein nervöses Verhalten zeigen. Sie erliegen auch schnell einer Reizüberflutung. Also mit Bedacht einen Trainingsaufbau machen.

von Liesel am 15. Februar 2010 13:41
Hallo Ihr Zwo!

Was für Border gilt, denke ich mal, gilt auch für DSH aus der Leistungslinie: geistige Auslastung ist das A und O.

Wie wichtig die ist, nehme ich jetzt auf sehr unangenehme Art und Weise wahr: der lange Winter ermöglicht es kaum jemand, Hunde genügend auszulasten. Der Hundeplatz ist für ausgiebige Unterordnung nicht bespielbar (für Agi natürlich auch nicht). Schutzdienst kann man erst recht vergessen. Fährtenarbeit? Na ja, wenn man sich die Spurtreue kaputtmachen und das für meine Sportsparte unerwünschte Stöbern fördern will, kann man das wohl machen, aber wettkampfmäßiges Üben ist auch nicht drin. Radfahren ist bei diesen Straßenverhältnissen eher etwas für Adrenalinjunkies, selbst der Spaziergang hat etwas von Abenteuer.

Mit Leckerchenball, Positionswechseltraining und solchen Spielchen kann man diese Hunde vielleicht mal beschäftigen, aber nicht über einen längeren Zeitraum auslasten. Entsprechend habe ich mittlerweile ein überaus nervtötendes Hunderudel hier. Der Rüde hat so viel Triebstau, dass er mir tatsächlich meine XL-Beißwurst beim Spielen halbiert hat.

Dabei überlege ich, ob nicht zumindest ein Teil des Problems hausgemacht ist. Wären diese Hunde sonst nicht so im Training, vielleicht würde ihnen jetzt nicht so viel fehlen? Kann man Hunde auch ZU gut auslasten, sodass sie bei Zwangspausen um so mehr ausrasten?

Helau!
Liesel

von Frieda am 15. Februar 2010 14:58
Huhu Anila,

also ich empfinde viele Border als nervtötend, so wie viele andere Hunde im übrigen auch. Kommt aber daher, das die Mensche nicht mit ihren Tieren umgehen können.
Meiner Meinung nach darf man mit jedem Hund grundsätzlich alles machen in einem Maße, dass es den Hund nicht unter- bzw. überfordert und auch den Möglichkeiten des Hundes gerecht wird (Agility mit nem Berner oder Neufundländer ist ziemlich dämlich, zumindest, wenn man es wirklich intensiv betreibt).
Problem ist nur, das viel NUR auf die körperliche Auslastung achten, sich teilweise super Konditionsmaschinen heranzüchten, aber die Kopfaufgaben vergessen. Und wundern sich dann, dass der Hund zuhause trotzdem Terror macht.
Meiner Meinung nach darf man auch mit einem Border Rad fahren, warum auch nicht? Das macht Spaß, man hat mehr Möglichkeiten, kann zum See fahren oder einfach mal auf einer neuen Wiese üben... Genauso der Ball. Ballspiele gibt es bei meinem Hund wenig, weil er vollkommen drauf abgeht. Einen Ball gibt es häufig nur zur Belohnung, bei ganz toll gemachten Aufgaben.
Frisbee spiele ich dagegen täglich, da er es einfach mag und Apportieren nun mal SEINE Aufgabe ist. Wenn ich Lust und die Möglichkeit habe, arbeite ich aber auch viel mit dem Dummy, da mache ich dann viele Suchspiele.
Aber wie die anderen schon sagten, wenn man sinnvoll mit dem Spielzeug arbeitet und nicht nur dumm das Zeug durch die Gegend wirft, dann ist doch alles ok. Klar, wenn der Hund derjenige ist, der bestimmt wann und wie oft der Ball fliegt, dann läuft da was grundlegend schief (im Luitoldpark hier gibt es einen Herren mit Jack Russel, dieser Hund ist nur damit beschäftigt den Ball zu holen und wenn er nicht sofort wieder geworfen wird fängt Hund an zu kläffen und hört erst wieder auf, wenn der Ball fliegt, andere Hunde werden auch sofort verbissen).

Es geht immer um sinnvolles spielen und Beschäftigung...

@Liesel: Das was du beschreibst merke ich auch. Wie ich schon in meinem anderen Beitrag geschrieben hab, mein Hund dreht vollkommen frei, weil ich einfach nicht die Möglichkeit habe wirklich weit zu laufen, draußen zu üben und so weiter. Es ist einfach schrecklich. Mein Hund dreht vollkommen durch und er spielt ja nicht mit anderen Hunden, um so mal ein weng Beschäftigung zu haben. Spiele mittlerweile schon auf Parkplätzen mit großen Schneehaufen Dummyverstecken... Aber irgendwie ist das momentan alles nicht das Wahre.

Naja die nächsten 1 1/2 Wochen hab ich den Nils von meiner Freundin noch mit da, mal schaun ob die zwei sich gegenseitig kaputt spielen können.

LG Frieda

von Anila am 15. Februar 2010 19:13
Hallo,

mir ging es eher um die Pauschalverurteilungen mancher Beschäftigungsmöglichkeiten, ohne halt drauf zu gucken, wie die betrieben werden.

Ansonsten ist Durian ein sehr ausgeglichener Hund. Da wir uns keinem Verein angeschlossen haben, läuft unser Trainingsprogramm auch bei Schnee weiter – nur bewegungsmäßig kommt er nicht so auf seine Kosten, weil ich über vereiste Wege nun wirklich nicht mit dem Rad fahren will und insofern fallen unsere Gassirunden kilometermäßig klein aus, denn ich habe ja stundenmäßig nicht mehr Zeit als vor dem Schnee.

Dass er sich doch mitunter jetzt ganz gut für Mäuse-, Hasen- und Rehspuren interessiert, mag damit zusammen hängen. Vielleicht aber auch nicht, denn wir haben hier im Norden kaum richtigen Wald und die Wildtiere sieht man jetzt einfach viel leichter und häufiger. Und der Schnee überträgt die Gerüche besser.

Jägerin schrieb:
Quote :
Niemals sollte man einem Hund das Verfolgen einer Tierspur zulassen

Ich sehe es eher so, wie Pia Gröning und Ariane Ulrich es in ihrem Buch “Antijagdtraining” schreiben: Man kann einen Hund auch kontrolliert jagen lassen. Es ist immer schwierig, mit konkurrierenden Dingen zu bestärken. Wenn ein Hund jagen will (und letztlich steckt in jedem Hund ein Jagdinstinkt), ist es schwer, mit einem Leckerchen oder Ball dagegen zu halten. Ich bestärke Durian daher durchaus damit, dass er auch mal einer Spur folgen darf, aber: Er muss mich mitnehmen und abrufbar bleiben.

Neulich z.B. rannte Durian ein kleines Stück hinter Rehen her. Ich hatte die dooferweise nicht früh genug entdeckt. Er ließ sich aber abrufen! Dafür ist er natürlich sofort mit einem Super-Leckerchen belohnt worden, dann habe ich ihn an die Leine genommen und er durfte der Spur ein Stück weit folgen.

Viele Grüße
Anila

von Frieda am 15. Februar 2010 21:53
Huhu,

also ich bin gegen solche pauschalen Aussagen.
Viele sagen ja auch, man würde den Jagdtrieb mit Ballspielen und Ähnlichem fördern. Klar, wenn man es unkontrolliert tut. ABER wenn man auch mal Stopps einbaut und das wirklich nur unter Kontrolle macht, denke ich man kann den Hund dann auch besser bei anderen starken Reizen stoppen.
Vasco hat z.B. gar keinen Jagdtrieb. Mittlerweile sind ihm andere Tiere, auch wenn sie noch so schnell vorbei rennen schnubbe. Früher interessierte er sich mal für Eichhörnchen und Katzen, aber das war mit sehr wenig Training unter Kontrolle zu bekommen. Deswegen, die Anlagen zum Jagen hat er irgendwie nicht wirklich. Gefällt mir gut, deswegen würde ich wohl auch keine extremen Jagdhund aufnehmen...
Natürlich muss man da auch den jeweiligen Hund anschauen, aber wenn man kontrolliert alles betreibt, kann man auch viel mit solchen Dingen erarbeiten.

LG Frieda

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