Angsthase :: Hundeerziehung + Soziales

Angsthase

von Ute Izykowski(YCH) am 17. August 1998 16:11

Unsere Golden Retriever Hündin Kira, bald 1 1/2, hat große Probleme im
Umgang mit Menschen. Zuhause und im engeren Familienkreis ist sie sehr
verschmust und sucht den Körperkontakt. Erziehungsprobleme hatten wir,
abgesehen von einigen "Flegelphasen", die wir mit Geduld und Konsequenz
meisterten, keine. Ihr Sozialverhalten anderen Hunden gegenüber ist, dank
ausreichend Kontakt zu Artgenossen seit dem Welpenalter, hervorragend.

Anders ihr Umgang mit Menschen. Kommt ihr jemand zu nahe oder möchte sie
sogar anfassen, reagiert sie mit Angst oder Panik und läßt sich kaum
beruhigen. So gibt es nur sehr Wenige, die Kira anfassen dürfen und
die von ihr freudig überschwenglich begrüßt werden. Nach welchen Kriterien
Kira da urteilt, ist uns bis heute unklar.
Darüberhinaus ist sie sehr interessiert an allem, was Menschen tun, sei
es Gartenarbeit oder Autowaschen. Kira setzt sich daneben und beobachtet
neugierig was passiert. Es kommt vor, daß sie selbst die Leute beschnuppert.
Aber wehe, jemand bewegt sich oder langt nach ihr.
Auch Menschenansammlungen, Feste und dergleichen, sind kein Problem.
Im Gegenteil, Kira liebt den Trubel- solange man ihr nicht zu nahe kommt.

Warum sich ihre Angst so entwickeln konnte- wir wissen es nicht.
Auch nicht, wann genau diese Entwicklung begonnen hat. Niemand
hat ihr etwas angetan, lediglich ein Ereignis hat sie nachweislich
erschreckt. Da lockte damals ein Nachbar unseren Welpen freundlich
zu sich her, und verscheuchte sie, als sie zutraulich herankam, durch
lautes Bellen. Albern, nicht wahr? Aber auf diesen Menschen reagiert
Kira bis heute sehr aufgeregt.Ob es allerdings einen Zusammenhang gibt,
wissen wir nicht. Auch läßt sich nicht mehr genau sagen, wann es mit
ihrer Menschenscheu eigentlich losgegangen ist, denn rückblickend
betrachtet entwickelte sich das ganze langsam und wir haben es am
Anfang nicht ernst genommen. Schließlich ist nichts für uns Nachvollziehbares
geschehen, das ihre Angst begründen könnte. Interessanterweise
reagiert sie aber auf Männer ängstlicher als auf Frauen.
Bestechen funktioniert übrigens nicht. Dann schnappt sie sich halt
vorsichtig das Leckerli, läßt sich aber trotzdem nicht streicheln.
Auch das vorsichtige Annähern wohlwollender Zeitgenossen, die sich
zum Hund hocken und erst mal die Hand beschnüffeln lassen, klappt
nicht. Je vorsichtiger der Mensch, desto unsicherer wird Kira.
Auch kann es sein, daß sie nach langem hin und her endlich zu jemandem
Zutrauen gefaßt hat, sich über die Begegnung freute und plötzlich,
ohne ersichtlichen Grund, wieder Angst hat.
Wir wissen nicht, was wir falsch gemacht haben könnten.
Hat jemand ähnliche Probleme und weiß eine Lösung?
Ratschläge, Tricks und Tips für Angsthasen?

Herzlichen Dank und viele Grüße
Ute & Kira










von elvira(YCH) am 20. August 1998 18:34

Hallo ute,
so, nun versuche ich zum 2. mal was zu antworten.
stürze jedesmal ab!
hätte dir ganz viel zu deinem thema zu erzählen. schick mir doch
bitte mal ne mail, dann schreibe ich dort zurück.
bnk.geldern@t-online.de
grüsse, elvira
:
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:
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von Dagmar & Lena(YCH) am 21. August 1998 08:57

Guten Morgen Ute !

In Deiner Beschreibung habe ich meinen Hund sofort wiedererkannt. Auch ich war total verunsichert, habe mich immer gefragt was ich falsch gemacht habe oder ob meinem Hund in meiner Abwesenheit etwas zugestoßen ist. Auch Lena hat mehr Angst vor Männer als vor Frauen. Leute die sie kennt begrüßt sie stürmisch und "normal". Bei Fremden ist sie handscheu und würde sich lieber an der Leine erdrosseln an sich streicheln zu lassen.
Irgendwann war ich mal so genervt, daß ich mich hingesetzt habe und versucht habe die Sache einfach mal von einer anderen Seite zu betrachten. sonst habe ich allen Leuten gesagt "mein Hund hat Angst" woraufhin die sich noch mehr bemüht haben den Hund zu fassen zu kriegen, während der Hund immer panischer wurde. Auch ich selber war bei solchen Situationen immer angespannt weil ich Angst hatte sie könnte aus der Panik heraus mal schnappen.
Ich habe in einer Hundezeitschrift einen super Artikel gelesen über "Angsthasen". Dort stand die Menschen machen ihre Hunde zu Angsthasen. Nicht durch die Erziehung, sondern sie stempeln sie ab. Ich kann den genauen Wortlaut nicht wiedergeben, aber es ging darum daß es einfach Hunde gibt die sehr vorsichtig sind. Diesen Hunden passiert viel weniger als den Draufgängern. Leider werden Herrchen und Frauchen oft unsicher durch so ein Verhalten und ärgern sich weil der Hund ein "Angsthase" ist.

Ich habe dann für mich die Situation neu bedacht. Muß wirklich jeder der möchte meinen Hund anfassen ? Würde es mir besser gefallen wenn der Hund z.B. auf Sapziergängen auf fremde Leute zustürmt und diese begrüßt ? Fremdeln nicht auch Kinder in einem gewissen Alter und kleben an ihren Eltern ? Das Alter das deine Kira gerade hat war auch bei Lena das extremste. Heute ist sie fast 3 Jahre alt und wir haben keine Problem mehr. Wenn sich Leute nähern die sie streicheln möchten, sage ich einfach "sie mag nicht angefasst werden". Früher hätte ich gesagt sie hat Angst und die Leute hätten sich, wie oben schon erwähnt, noch mehr bemüht. Ich möchte auch nicht von jedem betatscht werden und gestehe meinem Hund dasselbe Recht zu. Du glaubst gar nicht wie viel besser es geworden ist seit ich nicht mehr die Einstellung habe mein Hund ist ängstlich, sondern mein Hund ist ein besonders vorsichtiges, umsichtiges Tier.
Am liebsten mag sie Leute die sich überhaupt nicht um sie kümmern. Da schnuppert sie erst mal von hinten und biedert sich dann geradezu an.
Sag deinem Besuch sie sollen den Hund ignorieren.

In jedem Wurf gibt es vorsichtige und draufgängerische Hunde. Das heißt aber nicht daß Du in der Erziehung was falsch gemacht hast. Nimm deinen Hund so wie er ist und freu dich daran daß er dich und deine Familie liebt. Mehr soll sie doch sicher auch gar nicht.

Ich hoffe ihr könnt sie so annehmen wie sie ist.

Liebe Grüße
Dagmar & Lena

von Ute(YCH) am 21. August 1998 10:44

Hallo Dagmar,
vielen Dank für Deine Antwort.Du hast völlig recht, man sollte sich
wahrscheinlich wirklich nicht durch andere verunsichern lassen.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß sich die Leute unheimlich
bemühen, wenn man sagt, daß der Hund Angst hat. Leute, die uns (und
unser Problem) nicht kennen, und selbstbewußt auf Kira zugehen, dürfen
sie meistens sogar anfassen.
Wahrscheinlich wäre die ganze Sache auch gar nicht so schlimm, wenn
es sich nicht ausgerechnet um einen Retriever handeln würde, noch dazu
um einen recht drolligen, die auch jetzt noch ihr Kindergesicht hat
und immer den Kasper spielen muß, wenn sie Publikum hat. Die Leute
fühlen sich automatisch zu ihr hingezogen. Uns ärgern halt dann doch
die blöden Sprüche der selbsternannten Hundekenner in der Nachtbarschaft,
von wegen der Hund sei verhaltensgestört und so. Aber da muß man wohl
durch. Ich hoffe immer, daß Kira, wenn sie etwas älter ist, auch
gelassener reagiert. Denn mit einem hast du Recht: irgendwie verstehe
ich Kira schon. Von jedem Fremden begrabscht werden, noch dazu auf den
Kopf? Ist schon eine Unart. Außerdem ist es angenehm, daß sie draußen
nicht gleich jeden Spaziergänger anhüpft, das stimmt auch.
Alles in allem, Kira paßt perfekt zu uns, wir haben uns sehr aneinander
gewöhnt und sie gehört zur Familie, ganz gleich, wie sie sich anderen
gegenüber benimmt.

Viele Grüße
Ute
und ein herzliches "Wuff" von Kira

von Dagmar & Lena(YCH) am 21. August 1998 13:02

:Hallo Ute,

:Wahrscheinlich wäre die ganze Sache auch gar nicht so schlimm, wenn
:es sich nicht ausgerechnet um einen Retriever handeln würde, noch dazu
:um einen recht drolligen, die auch jetzt noch ihr Kindergesicht hat
:und immer den Kasper spielen muß, wenn sie Publikum hat. Die Leute
:fühlen sich automatisch zu ihr hingezogen.
Da habe ich es ein wenig besser getroffen, Lena sieht zwar aus wie ein Retriever oder Hovawart, aber sie ist pechschwarz, daß schreckt viele Laien ab. Die meisten Leute versuchen wirklich den Hund hinten am Kopf zu streicheln weil sie der Schnauze entgehen wollen. Dominante Hunde könne das nicht mal leiden, einen "vorsichtigen" (ich schreibe nicht mehr ängstlich) Hund versetzt das noch mehr in Panik......!

Uns ärgern halt dann doch
:die blöden Sprüche der selbsternannten Hundekenner in der Nachtbarschaft,
:von wegen der Hund sei verhaltensgestört und so.
Du weißt es doch besser. Da stehst Du drüber. Dein Hund ist nicht verhaltesgestört, er ist in "seinem" Rudel so gut aufgehoben daß er selber keinen Kontakt zu Fremden will. Freu Dich drüber und sei ´stolz.

Aber da muß man wohl
:durch. Ich hoffe immer, daß Kira, wenn sie etwas älter ist, auch
:gelassener reagiert.
Bei Lena hat sich die Gelassenheit eingestellt weil sie JETZT weiß ich unterstütze die Fremden nicht beim Streichelversuch. Ich sage den Leuten einfach "bitte nicht anfassen". Da sie nicht wissen ob der Hund bissig oder ängstlich ist, lassen es auch wirklich alle bleiben. Seitdem also Lena weiß Fremde fassen sie nicht an, geht sie auch an allen völlig desinteressiert vorbei. früher hat sie versucht einen riesen Bogen zu schlagen.

Denn mit einem hast du Recht: irgendwie verstehe
:ich Kira schon. Von jedem Fremden begrabscht werden, noch dazu auf den
:Kopf? Ist schon eine Unart. Außerdem ist es angenehm, daß sie draußen
:nicht gleich jeden Spaziergänger anhüpft, das stimmt auch.

Eben, mir kommen immer wieder Leute entgegen die sagen, oh, der ist aber gut erzogen, weil sich Lena nicht für Fremde interessiert. Also nutz einfach diese tolle Charaktereigenschaft für Dich und versuche nicht Dein Hund zum Streichelobjekt zu delegieren. Sag den doofen Nachbarn einfach, mein Hund bekommt anscheinend alles was er braucht Zuhause, er will keine anderen Kontakte. Die Ausnahme ist natürlich wenn Kira von sich aus auf Besuch zugeht und Konatkt aufnimmt. das macht Lena jetzt immer öfter und ich lasse sie.

:Alles in allem, Kira paßt perfekt zu uns, wir haben uns sehr aneinander
:gewöhnt und sie gehört zur Familie, ganz gleich, wie sie sich anderen
:gegenüber benimmt.

Genau das ist die Hauptsache. Stell Dir vor sie wäre zu allen Leuten freundlich und würde Dir Zuhause nur Ärger machen. Das wäre ein echtes Problem. So hast Du das Glück einen pfiffigen Hund zu haben der sich ungewollten, platten Annäherungsversuchen entzieht und ganz auf euch geprägt ist. Also hilf mit und halt die fremden Leute ab. Dadurch bekommt dein Hund schon viel mehr Selbstvetrauen als wenn Du dich auch noch auf die Seite der Fremden schlägst.

Viel Erfolg und Geduld
bei der Fremdenabschreckung
wünscht euch
Dagmar & Lena
:

von elvira(YCH) am 21. August 1998 13:36

Hallo Ute, bin ganz happy, dass Dagmar + Lena schon so viel gutes und richtige sachen ge-
schrieben haben. habe richtig aufgeatmet, als ich das bisherige gelesen habe. (puh..)
kann nur zustimmen, da selbst mit meiner haika erlebt.
das wichtigste ist, dass du keine versuche mehr zulassen darfst, wo
fremde oder der besuch meint sich bei eurem hund "einzuschleimen".
ich habe mir das bei bestimmten leuten rigoros verbeten.
bei meinen beiden hunde (habe noch einen kleinen münsterländer) klappt
das hervorragend (der münsterländer hat eine sehr stark ausgeprägte
individualdistanz, die er auch gewahrt wissen will).
bei jimmy ist es sogar so, dass wenn sich jemand nicht daran hält,
er durchaus versucht wäre (noch dazu wenn's der typische griff über
den kopf ist)mal zu schnappen. dann sind die leute selber schuld -
schließlich habe ich es ja vorher gesagt! natürlich will ich unserem
hund nicht zumuten, dass er sich dazu veranlaßt sieht, denn gerne schnappt
er bestimmt nicht, nur leider hat ihn dann mal wieder derjenige nicht
verstanden.
seit haika von allen besuchern vollkommen ignoriert wird, nimmt sie
manchmal ganz von sich aus kontakt auf, aber auch hier muß der besuch wissen,
dass nun nicht sofort der Bann gebrochen ist. wie gesagt, ich kann dagmar
da nur unterstützen, steh zu deinem hund (meine wurde auch schon so
oft als wesensschwach beurteilt!), er ist völlig o.k. möchte nur nicht
mit allen menschen was zu tun haben.
gruß, elvira
P.S. hier noch ein buchtip: G. Feltmann-v.schroeder: "hund und mensch
im zwiegespräch". Demnächst auch neues buch: "die kunst mit dem hund
zu reden".

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