Nicht mehr zu suchen kann bedeuten . :: Rettungshunde

Nicht mehr zu suchen kann bedeuten .

von suchhunde(YCH) am 12. November 2001 21:37

Hallo,

diese Frage kann ich dir nicht einfach so beantworten, da es immer von der jeweiligen Lage abhängt.

Einfach gesagt, wenn ich bei ner Oma noch den Hinweis bekomme, sie wurde zuletzt am Bahnhof gesehen, dann ist die Suche recht schnell beendet.

Wenn ich aber z.B. bei einer Wassersuche weiß, daß der Vermisste drin ist, dann kann es auch über Wochen/Monate gehen, wobei dies dann sícher nicht jeden Tag der Fall ist, sondern nur dann wenn ich auch Taucher habe - also die Wochenenden durch.

Wenn ich einen Vermissteneinsatz in meinem Gebiet habe, also nicht weit fahren muß (der Aspekt der finanziellen Frage leider), dann wird nach anfänglichen täglichen Suchen und der Ausweitung des Gebietes dort am Wochenende einsatzmäßig "geübt". Natürlich fragen wir dann erst bei der PD nach, natürlich fragen wir die Förster etc. - aber ob ich nun in einem Wald übe (weil sowieso Wochenende ist) den ich aus dem FF kenne oder in einem Wald, wo eventuell jemand liegt..... dann lieber in diesem Waldstück. Und die täglichen Spaziergänge werden auch in dieses Gebiet verlegt, denn raus müssen wir sowieso, nur daß man dann zumindest zu zweit geht.

Ich versuche zwar meist so konkret wie möglich zu antworten - aber hier muß ich passen. Wir haben Suchen gemacht die täglich über Wochen gingen, Suchen die Monate gingen jeweils am Wochenende und Suchen bei denen "nur" einmal gesucht wurde - dazwischen ist alles möglich. Wenn allerdings irgendwelche Hinweise oder Bitten kommen, dann stehen wir auf und machen unseren Job.

Und selbst wenn uns die Kripo bittet: könnt ihr mal in dem Waldstück nachschauen, da hat ein Wahrsager den Angehörigen gesagt dort liegt sie verscharrt. wir wissen selber daß das nichts bringt, aber den Angehörigen zuliebe.... Na klar gehen wir, nicht während der Arbeitszeit aber danach. Wir machen dort "ne Übung", die Kripo hat jemanden der den Job macht und die Angehörigen wissen es tut sich was (auch wenn der Vermisste nach Wochen in Italien letztendlich aufkreuzte).

ciao suchhunde

von Andreas(YCH) am 12. November 2001 21:50

Hallo,

:
: Nur richtig wenn es sich um einen KatSchutz Fall handelt. Die Suche nach einer "Oma" ist in der Regel kein Kat Fall. Viele RHS sind zudem nicht im Kat Schutz und haben nicht mal die Berechtigung BOS zu funken.

die Rettung eines Menschenlebens fällt unter den Katschutz, jedenfalls wenn man einer HiOrg angeschlossen ist und offiziell angefordert wurde. Es geht sogar soweit, daß ich auf dem Weg zum Treffpunkt die STVO mißachten darf. In dem Fall darf man auch, sofern man die Qualifikation hat, BOS benutzen. Aber eigentlich solltest du das wissen?
Wie es bei den freien Staffeln ist, weiß ich nicht.

:
: Das entstehen von Lücken wird durch die Verwendung von UTM Karten und GPS vermieden. Bei der Suche im Wald habe ich nicht das Problem des umfriedeten Besitztums den ich nicht betreten darf.

Ich habe längst nicht deinen Erfahrungsschatz, aber bei uns werden in fast der Hälfte der Einsätze auch Gebäude mit abgesucht. Und auch nicht jeder Wald darf einfach so mit freilaufenden Hunden betreten werden.

:
: Dies ist auch bei offiziellen Einsätzen selbst der Polizei bei Nachteinsätzen oftmals nicht möglich (z.B. Industriegrundstücke, Kleingartenanlagen etc.).

Sicher, aber bei einem offiziellen Einsatz geht man trotzdem rauf, ist aber durch die Polizei abgesichert.

Gruß
Andreas

von Daniela(YCH) am 12. November 2001 21:39

: " Ich war ebenfalls dort (wer war das nicht...)und hab genau dasselbe Dilemma feststellen müssen. Am 2. Tag nach dem Beben wurde von der UN eine Einsatzleitung gebildet, nach der Personalfeststellung wurde das Gebiet auf die Rettungsmannschaften der einzelnen Nationen aufgeteilt. Dabei wurde auch eine etwaige Sprachbarriere bedacht - so teilten sich Österreicher und Deutsche angrenzende Sektoren. Interessanter Weise haben sich aus Deutschland nur ein Teil der anwesenden Organisationen daran gehalten; dazu gehörten die Hilfsorganisationen und eine private Staffel. Alle anderen haben sich selbständig gemacht. Macht international nicht grad den besten Eindruck...Das sind zwar alte Kamellen, aber wenn´s zu Hause schon genauso läuft, was soll dann in der Fremde anders sein? "
:
: Ich kann dir auch heute noch auf der Karte, die wir von der Einsatzleitung bekamen, jederzeit das zugewiesene und abgesuchte Gebiet in Düzce incl. jedes einzelnen von uns markierten Objektes zeigen. Ich kann dir auf der Karte allerdings auch Objekte zeigen, die zugewiesen wurden, angeblich abgesucht wurden, nicht gekennzeichnet wurden und bei denen wir zufällig (weil wir auf den "abgesuchten" Objekten Fotos machen wollten und die Hunde sofort anzeigten) noch einige Leichen heraus geholt haben..... - Die Kommentare der Bergungskräfte zum vorherigen "Absuchen" der Objekte von den bestimmten "kompetenten" Staffeln und die Kommentare der Angehörigen dazu lass ich fairerweise lieber weg.
:

: Na, dann sind wir ja mal einer Meinung... ;-)
Das ist auch eine der Regeln im Einsatz, die halt nicht eingehalten wurden - neben allen möglichen anderen.

von Jo C.(YCH) am 12. November 2001 22:16

"Eine gute Suche setzt voraus, daß Gebiete lückenlos abgesucht werden. Wie könnt Ihr Gebiete lückenlos absuchen, also auch fremden Besitz bzw. fremdes Gelände, ohne dafür eine offizielle Befugniss zu haben."

Das entstehen von Lücken wird durch die Verwendung von UTM Karten und GPS vermieden. Bei der Suche im Wald habe ich nicht das Problem des umfriedeten Besitztums den ich nicht betreten darf.

Lücken bezog sich nicht auf mangelnde Orientierungshilfen, mit Lücken war hier vielmehr gemeint, daß gewisse Geländeabschnitte gar nicht betreten werden dürfen, selbst wenn Du sie betreten könntest. Wenn Dir zum Beispiel der Besitzer einens großen Feldes den Zutritt verweigert, weil er befürchtet, daß dadurch seine Ernte gefährdet wird.
Abgesehen davon hast Du in einem Wald genau das gleiche Problem. Ohne die Zustimmung des Jagdpächters bzw. der zuständigen Forstbehörde dürfen die Wege gar nicht verlassen werden, weder vom Hund noch vom HF. Insbesondere nicht während der Schonzeit des Wildes. Dies ist jedoch zur Durchführung einer korekten Suche unerläßlich.

"Und was macht Ihr, wenn Ihr einen Besitzer/Eigentümer nicht erreicht?"

Dies ist auch bei offiziellen Einsätzen selbst der Polizei bei Nachteinsätzen oftmals nicht möglich (z.B. Industriegrundstücke, Kleingartenanlagen etc.).

Das ist richtig, nur im Gegensatz zu Euch hat die Polizei - in Anbetracht der jeweiligen Situation - die Möglichkeit auch ohne die entsprechende Zustimmung die Suche in dem Gebiet anzuordnen, so daß alles im legalen Bereich bleibt.

"Laßt Ihr das Gelände dann aus und lebt mit der Gefahr das die gesuchte Person dort später gefunden wird?"

Bei einem eingezäunten Gelände, verschlossenen Gartenhäuschen etc. darf ich davon ausgehen, daß ein vermisster Opa weder über den Zaun gekletter ist, noch die Tür aufgebrochen hat und anschließend so repariert hat, daß dies von außen nicht sichtbar ist.

Da stimme ich Dir zu. Doch denke an das bereits geschilderte Beispiel. Was macht Ihr, wenn ein Bauer Euch sein Feld nicht absuchen läßt? Geht Ihr dann trotzdem da rein oder sucht Ihr das Feld nicht ab? Die Polizei könnte die Suche anordnen, Ihr nicht!

Im Übrigen : ich habe nie behauptet """nur""" inofizielle Einsätze zu gehen. Die Anzahl der "normalen" Einsätze mit offizieller Anforderung ist auch nicht gerade wenig. Das hindert mich aber nicht auch Angehörigen zu helfen wenn sie darum bitten.

Auch wenn Ihr in normale Einsätze geht, denke ich, daß selbst ein einziger "unnormaler" Einsatz, also ein Einsatz ohne Alarmierung, ohne die Einsetzung durch ein öffentliches Organ, ein "unnormaler" Einsatz zu viel ist. Wie bereits beschrieben, kann ein solches Vorgehen weitreichende negative Folgen für alle RHS haben, die schlimmstenfalls dazu führen können, daß überhaupt keine offiziellen Alarmierungen mehr erfolgen.

Bye, Bye

Jo C.


von suchhunde(YCH) am 12. November 2001 22:05

"Es geht sogar soweit, daß ich auf dem Weg zum Treffpunkt die STVO mißachten darf. In dem Fall darf man auch, sofern man die Qualifikation hat, BOS benutzen. Aber eigentlich solltest du das wissen?"

Na da verlass dich mal lieber nicht drauf könnte sonst sein, daß dein Lappen mal ganz schnell weg ist. Die STVO gilt für dich genauso bei der Anfahrt - Ausnahme Wegerecht in Verbindung mit SoSi. Nicht mal die FFW mit sehr kurzen Anfahrtswegen zum Treffpunkt darf die STVO mit Privat Pkw übetreten - egal ob da nun nen Dachaufsetzer oder sonstwas drauf ist.

Es gibt in Deutschland mehrere offizielle RHS Verbände, die nicht in den KatSchutz des Landes integriert sind (mit Ausnahme von einigen Bundesländern). Somit dürfen sie selber auch kein BOS funken ....

Die Anforderung zur Rettung eines Menschenlebens fällt zwar unter das Rettungsdienstgesetz nicht jedoch unter den KatSchutz, oder meinst du jede Anfahrt eines RTW zu einem Unfall ist ein Kat Fall. Dann hätte das RP Tag und Nacht alle Hände voll zu tun.
Die Suche nach einer Oma nach zig Tagen (wenn sie aller Wahrscheinlichkeit tot ist) fällt nicht mal mehr unters Rettungsdienstgesetz (weshalb sich die HiOrg auch so schwer tun nochmal raus zu gehen / Versicherung, Lohnausfall, etc.)

Eine freie Staffel ist weder im Katschutz, noch darf sie BOS oder SoSi nutzen.

Wenn die Polizei einen Grundstückeigner erreichen kann, kann ich ihn doch wohl auch erreichen oder? Wenn sie ihn nicht erreichen kann, nutzt mir die Absicherung garnix (wenn die Kugel aus dem Lauf beim Jäger ist nutzt mir die schönste Genehmigung nichts mehr).

von suchhunde(YCH) am 12. November 2001 22:20

Und wer kriegt nun den schwarzen Peter zugeschoben?

Die, die dazu stehen auch Einsätze zu machen die andere ablehnen und trotzdem professionell arbeiten - oder die, die "kompetent" sind?

Sind Katastrophentouristen die, die ein Gebäude frei geben wenn wirklich niemand (also auch keine Leiche) mehr drin ist und ohne großes Aufsehen ihren Job machen oder die, die von Haus zu Haus hecheln auf den Suche nach der schnellen angeblichen Lebendortung für die Statistik und die Presse daheim und schon wieder weiter sind ohne die Bergung abzuwárten, geschweige denn das Objekt zu markieren?

Sind die Rambos diejenigen, die, die auf ihre Teams achten und ehrlich sagen "sorry, aber wir haben nur Leichen gefunden" oder die, die später sagen "es hat uns jemand gesagt daß an der Stelle noch jemand lebend geborgen wurde"?

Und haben, die, die professionell arbeiten immer einen Aufkleber auf dem Rücken und klappern jede Kamera ab - oder machen die vielleicht ganz unbemerkt ihren Job? Erkennt man die Profis am Overall?

Tja......

ciao, ciao

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