SchH-ausbildung ü. Wehrtrieb - erlaubt? :: Ungereimtes

SchH-ausbildung ü. Wehrtrieb - erlaubt?

von Nelly(YCH) am 10. September 2003 21:03

Hallo Leute,

erst mal vorweg: ich selbst bin aktive Hundesportlerin und trainiere meinen Hund fast ausschliesslich über Beutereiz (ganz ohne Wehrreize geht es nun mal nicht). Ich will keinen "scharfen" Hund sondern biete meinem in der Familie lebenden Hund über diesen Sport einen Ausgleich, der auch mir Spass macht. Aber jetzt zu meiner Frage:
Ich arbeite auf einem Platz, auf dem ein Helfer des Vereins die Hunde rein über Wehrtrieb arbeitet. Z. B. legt er den Ärmel ins Versteck, tritt mit Drohgebärden aus diesem heraus auf den Hund zu, reizt den angeleinten Hund stark durch anspucken, rudernden Armen, verharrendem Anstarren... bis er die gewünschte Trieblage erreicht hat, und dann rennt er zum Versteck und holt den Ärmel für den Anbiss raus! Als ich diesen Helfer darauf ansprach, warum er das mache, erklärte mir dieser, dass das Ausbildungskonzept des Vereins verlange, dass die Hunde über Wehrtrieb ausgebildet werden. Das restliche Blabla könnt Ihr Euch denken.
Was mich jetzt aber irritiert: ist es nicht verboten, wie dort gearbeitet wird? Wirklich Mannscharf werden die Hunde nicht gemacht, aber die Ansätze sind auf jeden Fall erkennbar. Gibt es wirklich Konzepte von Verbänden verschiedener Gebrauchshunderassen, die vorgeben, wie die Hunde im Schutzdienst gearbeitet werden müssen? Ich hätte vermutet, dass aufgrund der Landeshundeverordnung das Ausbilden über reinen Wehrtrieb zu Sportzwecken sicherlich untersagt worden ist.
Neugierige Grüße

Nelly

von Antje(YCH) am 10. September 2003 22:50

Hallo Nelly,

es gibt EINE PO, und die ist für alle der AZG angehörenden Verbände gleich. Und gemäß dieser PO kommst Du mit einem Hund, der über den Wehrtrieb gearbeitet wird, nicht weit, denn Wehrtriebarbeit = z.B. unruhige Griffe. Wie Du schreibst, ganz ohne "Wehrreize" geht es auch in der Arbeit über den Beutetrieb nicht. Ich verwende dafür den Begriff "Beuteaggression". Das Triebziel des Hundes ist der Schutzarm (= Beutetrieb), aber der Hund will natürlich seinen Gegner, der mit ihm um die Beute kämpft (= der Helfer), beeindrucken. Es handelt sich dabei um eine stark ritualisierte Aggression, die auf ein Imponieren/Beeindrucken ausgelegt ist, nicht auf ein "Beschädigenwollen" des Helfers.

Natürlich kann der Helfer dieses Imponiergehabe des Hundes fördern. Unterschreiten der Individualdistanz, Fixieren des Hundes etc., das alles gehört zum Imponiergehabe des Helfers. Dadurch will er das Imponiergehabe des Hundes heraufsetzten, von dem er sich dann im richtigen Moment beeindruckt zeigt. Wenn das von jemandem gemacht wird, der dafür ein Händchen hat, ist das für den Aufbau eines Hundes sehr wertvoll. Das ist so wie mancher Hund einen anderen neckt, damit dieser auf ihn und sein (Beute)Spiel eingeht. Das ist dann aber keine Wehrtriebarbeit derart, wie es früher gemacht wurde, wo dann der Schutzdienst Krieg war und der Helfer der Feind des Hundes. Damit kommt man heute über keine Prüfung mehr.

Viele Grüße

Antje

von Nelly(YCH) am 11. September 2003 09:08

Vielen Dank Antje für Deine ausführliche Antwort. Mir ist nur immer noch unklar, wofür der Helfer den Ärmel weglegt? Wir Schutzhundesportler unterliegen einer starken Kritik der Öffentlichkeit und schon so oft musste ich diesen Hundesport erläutern: Nein, der Hund lernt dabei nicht das Beißen, für ihn ist es ein Spiel, in dem er den Ärmel für sich gewinnen will... Ich hatte eine lange Diskussion z. B. mit meinen Eltern, da sie sich ernsthaft Sorgen um das Wohl ihres Enkelkindes und dessen Freunde machten. Wenn nun meine Eltern sehen würden, wie dieser Helfer arbeitet, wäre meine Argumentation hinfällig. Ich meine, Zuschauer, die zufällig am Platz vorbeigehen bekommen durch diese Art von Training doch alle Vorurteile noch bestätigt. Am Platz wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass das Anhetzen der Hunde ohne Ärmel eigentlich verboten sei. Stimmt das?
Kannst Du mir vielleicht sagen, wo ich die PO im Internet finden kann?

Sportliche Grüße

Nelly

von Antje(YCH) am 11. September 2003 10:47

Hallo Nelly,

: Mir ist nur immer noch unklar, wofür der Helfer den Ärmel weglegt?

Das wirst Du ihn selber fragen müssen. Ob's Humbuk ist oder nicht kann man nicht beurteilen, wenn man es nicht selbst sieht.


: Am Platz wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass das
: Anhetzen der Hunde ohne Ärmel eigentlich verboten sei. Stimmt
: das?

Das stimmt. "Zivilschutzdienst" = Schutzdienst ohne das Beuteobjekt Schutzarm wird von Privatleuten auf den VDH-Plätzen in Deutschland nicht betrieben. In anderen Ländern sieht das anders aus, im Ringsport/Mondioring oder im KNPV trägt der Helfer einen Vollschutzanzug und der Anbiß des Hundes ist nicht auf den Schutzarm beschränkt. Lt. nationaler PO (VPG) bzw. internationaler PO (IPO) führt ein Anbiß außerhalb des Schutzarmes (z.B. wenn der Hund abrutscht und die Schutzjacke erwischt oder wenn er mal an der Schutzhose "nascht"winking smiley zur Disqualifikation, d.h. der Hund geht mit 0 Punkten aus der Prüfung, auch die bereits erreichten Punkte in A und B werden gestrichen.


: Kannst Du mir vielleicht sagen, wo ich die PO im Internet finden kann?

Schau mal im Link nach.

Viele Grüße,

Antje

von Nelly(YCH) am 11. September 2003 13:09

Hi Antje,

nochmals Danke! Ich werde ihn mal nach seiner Begründung fragen - bin gespannt auf seine Antwort!
Was ich gestern beobachtet hatte, machte mich auch stutzig: ein Dritter hält den Hund, in weniger Entfernung pöbelt der Helfer den Hundebesitzer an, greift ihn an (durch Schubsen usw.), dann gibt der Helfer dem Dritten das abgesprochene Zeichen, dieser läßt den Hund los, und der Helfer "ergreift die Flucht" und der Hund bekommt seinen Anbiss im Ärmel. Hmmmm, sehr merkwürdig - anscheinend soll der "Schutztrieb" des Hundes trainiert werden.

Viele Grüße

Nelly

von josh(YCH) am 12. September 2003 16:39

Hi Nelly,
leider ist sowas Verbrecherisches nicht verboten. Ich kann Dir nur raten, möglichst vielen Leuten davon zu erzählen und ihnen von diesem Helfer (nicht unbedingt vom ganzen Verein) abzuraten. Vor allem Anfänger sollte man informieren... solche Leute bringen den ganzen VPG-Bereich in Verruf (leider gibt es ncoh viel zuviele davon).
Grüße
josh
(die zugibt, keine VPG-Expertin und auch nicht Fan zu sein, aber sich über diese Leute a la "Wehrtrieb verbraucht sich nicht, Beutetrieb schon" etc. ziemlich
aufregen kann).

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