Schafehüten als Sport? :: Ungereimtes

Schafehüten als Sport?

von Klaus am 12. Januar 2009 00:54
Hi zusammen,

ich würd gerne mal wissen, was ihr von "Hüten als Sport" (oder Beschäftigung) haltet und von "Hütewettbewerben".

Ich bin auf das Thema letzte Woche gestossen, da lief ja diese Hundedoku im Ersten, wo auch das Hüteverhalten angesprochen wurde. Es ging da um Border Collies im Zusammenspiel mit Schafen.
Das Hüteverhalten - so hab ich erfahren - ist also im Grunde ein astreines Jagdverhalten bei dem eben der finale Teil (Töten und verspeissen der Beute) fehlt. Ähnliches liest man ja auch auf den zahlreichen Border Collie Seiten .
Okay und warum grad Schafe? Weil das Schaf eben auf so eine "Bedrohung" anders reagiert, als andere Fluchttiere. Es sucht sein Heil nicht in der Flucht sondern im Zusammenrotten. Deshalb ist das Schaf der ideale Gegenpart zum Border Collie. So jedenfalls war's in dieser Sendung zu sehen.

Nun frag ich mich, wie sich wohl das gehütete Schaf dabei fühlt? Denn es weiß ja nicht, dass der Border Collie nicht wirklich nach Leib und Leben trachtet obwohl er sich genau so verhält. Wie groß ist die Angst und der Stress für das Schaf bei dieser Aktion?

Bei Berufsschäfern würd ich's noch einsehen, die haben grosse Herden und die Schafe können in der Menge gut untertauchen. Aber wie ist das denn, wenn man sich rein aus Hobbygründen eine Handvoll Schafe anschafft, damit der Border denn auch artgerecht beschäftigt wird, ist das nicht im Grunde unnötiges Leid für die Schafe?
Haben die denn Lust, zu Wettbewerbszwecken durch Gatter getrieben zu werden und wie groß ist ihre Angst dabei?

Im aufgeklärten Hundedeutschland ist es ja strengstens verpöhnt, zu sportlichen Zwecken aversiv auf den Hund einzuwirken (was ich im Grunde auch in Ordnung finde). Beim Hüten aus Hobby oder Sportgründen scheint sich aber niemand daran zu stören, dass hier die Schafe höchst aversiv zu Handlungen gezwungen werden, die sie sonst nicht ausführen würden.
Wie sehr sie das Verhalten der Hunde als existentiell bedrohlich einstufen, würd mich auch mal interessieren. Denn wenn es sie nicht zumindest beunruhigen würde, hätten sie ja keine Veranlassung, sich zusammen zu schliessen oder sich "treiben" zu lassen. Was meint ihr dazu?

lg Klaus

von Yvonne & Ari am 12. Januar 2009 19:54
Ich denke mal, dass es den Schafen nicht schadet, wenn sich zu Sportzwecken gehütet werden. Instiktiv wissen die, dass ihnen nix passiert. Ein Hütehund treibt sie eben gezielt ins Gatter und gut ist. Es wird ja max. mal in die Hinterläufe gezwickt. Schafe haben ja auch keine Angst vor Herdenschutzhunden.
Wenn ich jetzt so an Ari denke (gut er ist nur ein Collie, die Border haben etwas mehr Pfeffer im A...), zu ihm kommen die Schafe sogar freiwillig und es wird "Nasenküsschen" gegeben. Ari hat auch schon auf dem Grundstück einen vom Habicht verletzten Täuberich gehütet. Dieser ist auch nicht vor Schreck kollabiert. Im Gegenteil, er wusste irgendwie, dass er bei uns in Sicherheit ist.
LG
Yvonne

von Klaus am 12. Januar 2009 23:38
Quote Yvonne & Ari:
Ich denke mal, dass es den Schafen nicht schadet, wenn sich zu Sportzwecken gehütet werden. Instiktiv wissen die, dass ihnen nix passiert.

Ja, wissen sie das wirklich? Das würd ich gerne etwas genauer wissen, denn die Körpersprache der Boders ist ja doch recht offensiv und bedrohlich. Fixieren, Anpirschen, Verharren und Durchstarten. Bist Du sicher, dass das Schaf weiß "es passiert mir nichts, der meint es nicht ernst"? Ich bin mir da keineswegs sicher.

Quote :
Ein Hütehund treibt sie eben gezielt ins Gatter und gut ist. Es wird ja max. mal in die Hinterläufe gezwickt.
Naja, aber das ist doch recht heftig, zumal bei Hütewettbewerben gar kein weiterer Sinn darin besteht, dass die Schafe nun in dieses Gatter laufen. Ausser eben zu Wertungszwecken. Wenn ich überlege, was für ein Geschrei dagegen teilweise beim Hund ausbricht, wenn man den mal schräg ansieht, kommt mir das so vor, als würde da mit zweierlei Maß gemessen.

Quote :
Schafe haben ja auch keine Angst vor Herdenschutzhunden.
Die Verhalten sich auch anders, geben sich ihnen gegenüber eher gleichgültig. Die sollen ja Wölfe oder ähnliche Räuber von den Schafen fern halten. An den Schafen selbst haben sie wohl weniger Interesse.

lg Klaus

von Yvonne & Ari am 13. Januar 2009 09:06
Quote Klaus:
Ja, wissen sie das wirklich? Das würd ich gerne etwas genauer wissen, denn die Körpersprache der Boders ist ja doch recht offensiv und bedrohlich. Fixieren, Anpirschen, Verharren und Durchstarten. Bist Du sicher, dass das Schaf weiß "es passiert mir nichts, der meint es nicht ernst"? Ich bin mir da keineswegs sicher.
lg Klaus

Ich bin zwar kein Schäfer, aber ich denke, die Schafe wissen dies wirklich. Zumindest die, welche mit Hütehunden aufgewachsen sind.

Kennst du das Buch "Auf Englands grünen Hügeln" von David Kennard? [sheepdogvideo.co.uk]
Dessen Border treiben u.a. die Schafe auf den Klippen entlang. Dies würden in meinen Augen nicht gehen, wenn die Schafe Angst hätten und durch vielleicht in Panik geraten.
LG
Yvonne

von cathy am 13. Januar 2009 11:20
hallo zusammen, wenn sich ein border collie halter eine hand voll schafe anschafft nur für seinen hund ist dies wirklich umstritten und auch nicht der Sinn und gern gesehen. es gibt heute aber in der CH den SSDS und hier gibt es sehr gute und einfühlsame "Schäfeler" die sich dem Thema Hundeausbildung und auch dem Wettbewerb - dem Trial annehmen. ein guter Ausbildner wird einem "sport-schäfeler" auch vollstens von dieser Disziplin abraten. denn die Ausbildung eines Borders für die Schafe braucht minimum 4 Jahre und mehr. nicht jeder Border Collie hat heute mehr den Shep-Sense - den Züchtern sei "dank" oder eben auch nciht. und dass der Border Collie eigentlich ein absoluter Jäger ist - Ja das ist wahr, und genau hier haben viele leute nähmlich die Verständnislücke - dass der Border Collie nicht ein "hütehund" ist sondern dieses Hüteverhalten wurde gefördert und durch die Zucht selektiert. Der Biss ist nähmlich immer noch vorhanden und kann bei einem jungen Border, der die ersten MAle an die Schafe kommt, noch immer mehr oder weniger ausgeprägt gesehen werden.....- schon da braucht es einen erfahrenen Ausbildner..... Genau aus diesem Grund gibt es genügend Borders die unterbeschäftigt sind und das Jagverhalten stark zeigen, aber die Besitzer sich dem nicht bewusst sind und dann wird der Hund zum Bälliejunkie, stoppt Kinder (andere sagen hütet die Kinder und schnappt unter Umständen auch) früher - war der Border ein harter Arbeitshund - nur die Hunde die die besten Trials oder besten Arbeiter waren - wurden weiter vermehrt und später im ISDS Register registriert. diejenigen Hunde die weniger ausgeprägtes "Jagd-Hüteverhalten" zeigten wurden als "hofhund" oder "familienhunde" weitergegeben. erst mit der FCI kam es zum "Rassestandard" und es wurden ARbeits und Schöhnheitslinien gezüchtet. in der CH ist es heute noch so - dass für die Ankörung der Hund an den SChafen "getestet" wird um einfach Rückschlüsse ziehen zu können wie weit er noch genetisch veranlagt "interesse" an den SChafen hat.

Schafe kommt daher, dass dieser Hund in England für die Arbeit in unwegsamen, rauen und sehr weitläufigen Gelände der Schäfer gezüchtet und gebraucht wurde. die Schafe haben respekt vor dem "Raubtier". jeder Hund hat mehr oder weniger Druck und jeder Hund und Schäfeler muss zuerst lernen damit umzugehen. es gibt Hunde die können absolut nahe an die Schafe und sie rennen nicht davon, es gibt aber Hunde da reicht wenig aus und die Schafe rennen. dies ist die Kunst in der Ausbildung des Hundes, und der Hund bringt auch eine Balance von sich aus natürlich mit, die der Hundeführer weiterfördern und erkennen muss. Die Arbeit an den SChafen ist eine absolut sensible, vertrauensvolle, ruhige und konzentrierte sehr schöne Arbeit. denn ziel ist es dass der Hund ruhig die Schafe treibt. ohne gehast, ohne dass die Schafe davonrennen. denn in einem unwegsamen Gelände wäre dies für die Schafe absolut tödlich. d.h. auch dass der Hundeführer seinen Hund absolut unter Kontrolle haben muss, und der Hund nicht durchdreht. Da man aber dafür keine Leine in der HAnd hat, braucht es vorher ein grosses Vertrauen und Handling und bombenfester Grundgehorsam des Hundes.... Erst wenn man dies bei einem Border schafft, kann man sagen man hat den Hund im Griff.

darum so einfach Sport ist dies nicht, denn dies wäre Tierquälerei für die Schafe, was in der CH absolut verboten und auch verpönt ist. Schafe die nicht Hundegewohnt sind und es nicht gewohnt sind von einem Hunde gehandelt zu werden, doch die kommen in Panik bei einem Hund. Das spielt keine Rolle ob dies ein Spaziergänger oder ein trainierter Hütehund ist.... dazu spielen auch noch Rasse des Schafes und das Gelände eine Rolle. hinzu kommt die Gruppendynamik. somit ein guter Schäfeler oder auch ein Border Collie Besitzer der sich dem ernsthaften Gedanken des Schafe hütens annimmt, muss hund, Gelände und Schafe lesen können - manchmal sogar nur die Schafe da er seinen Hund nicht sieht......

darum so einfach mal etwas schafe hüten und seinen Hund damit beschäftigen geht nicht.... das Schäfele ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit - ich rate jedem sonst mal diese faszinierende Arbeit anzuschauen und sich eingehend damit und dessen Ursprung zu beschäftigen, vielleicht würden ein paar leute dann verstehen welche Faszination von diesem fantastischen hund der Rasse Border Collie ausgeht.

darum schafehüten als Sport - nein - das ist es nicht und wird es auch kaum... zum Glück.

von Yvonne & Ari am 13. Januar 2009 11:51
Danke Cathy, für diese tolle Antwort! cool smiley
LG
Yvonne

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