Kampfhunde im ZDF: Themeninhalt :: Was sonst nirgends passt

Kampfhunde im ZDF: Themeninhalt

von Karen(YCH) am 09. Oktober 1998 07:33

Hallo Tina,

ich weiß, daß ich mit diesem Beitrag höchstwahrscheinlich anecken werde, denn alles was ich bisher "so nebenbei" zum Thema "Kampfhund" in diesem (meinem Lieblings-)Forum gelesen habe, war ein (bezüglich der Einseitigkeit der "Hysterie" sicherlich berechtigtes) Wettern gegen die "Kampfhundhysterie".
Ich stehe diesen Hunderassen auch eher kritisch gegenüber und frage mich (jetzt kommt's), ob derartige Rassen unbedingt gezüchtet werden müssen.
Zunächst einmal meine (bescheidenen) Kenntnisse (vielleicht auch eher übernommenen Mythen) zu den sogenannten Kampfhundrassen (ich weiß - schon die Bestimmung derartigere Rassen ist umstritten - nach meiner Auffassung sind diejenigen Rassen Kampfhunde im engeren Sinn, die ua. speziell für Hundekämpfe gezüchtet wurden):
Soweit ich gehört habe, haben Kampfhunde von ihren angezüchteten Merkmalen her eine eher niedrige Hemmschwelle hinsichtlich der Agressivität gegenüber Artgenossen, während sie ( soweit unverdorben durch "schlechte" Haltung) eigentlich eine hohe Hemmschwelle gegenüber der Gewalt gegenüber Menschen haben. Ich muß sagen, daß ich auch eher wenig Angst habe, wenn ich einem "Kampofhund" begegne (der netteste, den ich je kannte war ein Pitbull, der in meiner früheren Stammdiscothek Türsteher war - das Tier war sehr verschmust). Allerdings habe ich Bedenken (eventuell nicht sehr rational), wenn meine Hündin auf "Kampfhunde" trifft. Außer der genannten tieferen Hemmschwelle habe ich zwei Gründe für diese Bedenken:
1) Ich habe mal einen American Stafford Terrier "in Aktion" gesehen. Vorweg: der Hund war 1 1/2 Jahre und bis dahin eigentlich sehr lieb. Die Agression ging auch nicht vom Amstaff aus, sondern von dem sehr dominanten Rüden meiner Bekannten. Was mich so erschreckte war nicht die Keilerei an sich, sonder die Tatsache, daß der Amstaff gar nicht richtig loslegte, bis der andere Hund auf dem Rücken war. Erst als sich der Hund meiner Bekannten unterwarf, fing der Stafford an (ein bißchen merkwürdig, oder?). Das Ergebnis war ein vollkommen unverletzter Stafford und ein anderer Hund mit 27 Löchern (zum Klammern, nähen, usw.).
2) Nach dem was ich gehört habe, sollen sogenannte Kampfhunde die 5-fache (woanders stand 10-fache) Beißkraft eines Schäferhundes haben. (Frage: stimmt das?)
Insgesamt ist mir klar, daß Unfälle vor allem passieren, weil die Halter Fehler machen (und auch, daß mit anderen Hunden - insb. Schäferhunden - wesentlich mehr Unfälle passieren), aber ich habe halt Bedenken, ob es unter den Dutzenden von Hunderassen in unserer Welt notwendig ist, auch Hunde mit einer derartige "Schlag(=Beiß)kraft" zu züchten? (Jetzt ziehe ich in Erwartung der verbalen Schläge ganz den Kopf ein). Hunde mit einer derartigen Beißkraft sind in den (leider viel zu häufigen) falschen Händen doch eventuell viel (jetzt kommt ein furchtbares Wort) "effektiver" als andere Rassen, oder?
Nochmal - ich bin dankbar für Aufklärung hinsichtlich der Fakten. Auch weiß ich, daß die Abgrenzung der Rassen und noch mehr die Lösung des (von vielen so gesehenen) "Problems" nicht einfach ist. Ich wollte einfach mal die (auch unter den mit mir öfters spazieren gehenden Hundefreunden in "meinem" Wald vorwiegende) Stimme des Bedenkens laut werden lassen.

Liebe Grüße
Karen



von Tina Kissel(YCH) am 09. Oktober 1998 07:50

Hallo Karen,

confused smileyoweit ich gehört habe, haben Kampfhunde von ihren angezüchteten Merkmalen her eine eher niedrige Hemmschwelle hinsichtlich der Agressivität gegenüber Artgenossen

Das habe ich auch gehört, aber genaueres weiß ich leider auch nicht. Bei uns in der Tierherberge sind die Bullis und Staffs jedenfalls alle getrennt in Einzelgehegen gehalten, außer zwei die sich schon sehr lange kennen. Wir haben zwei Frauen, die sich um die "Kampfhunde" kümmern und die selbst welche privat haben. Ich muß sagen, die zwei haben ihre Hunde gut im Griff. Ich denke, die Erziehung war schon etwas strenger, als man hier im Forum immer liest, aber sie hören und sind sehr verschmust. Josi, die eine Pitbulldame ist sogar so mütterlich, daß sie sämtliches "junges Kleintier" egal ob Babykatze oder Babyhund dermaßen umsorgt und den ganzen Körper ableckt, daß das dem Babytier wahrscheinlich schon bald zu viel wird. Ich glaube es gibt auch bei diesen Hundenrasse solche und solche. Das Hauptproblem scheint man wieder die Menschheit zu sein, die mit der ein oder anderen Hunderasse völlig überfordert ist, egal ob "Kampfhund" oder nicht.


:2) Nach dem was ich gehört habe, sollen sogenannte Kampfhunde die 5-fache (woanders stand 10-fache) Beißkraft eines Schäferhundes haben. (Frage: stimmt das?)

Kann ich Dir leider nicht beantworten, aber ich versuche mich auch mal schlau zu machen.

Liebe Grüße und einen wunderschönen Freitag

sendet Tina

von Burkhard Redeker(YCH) am 09. Oktober 1998 09:36

Hallo Karen,

:Ich stehe diesen Hunderassen auch eher kritisch gegenüber und frage
:mich (jetzt kommt's), ob derartige Rassen unbedingt gezüchtet werden
:müssen.

Fragt sich, ob es überhaupt nötig ist, bestimmte Rassen selektiv zu
züchten. Ich selber liebe Bullterrier eher wegen ihres Aussehens und
der physisch bedingten Fähigkeit auch mal träge einige Stunden allein
verbringen zu können.
Persönlich glaube ich nicht an die genetische Festlegung von Verhaltens-
eigenschaften. Wenn ich einen Zusammenhang von Verhalten und genetischer
disposition/Rasse konstruiere, kann dieser aus biologischen Gründen nicht
nur für Hunde gelten, gilt also auch für den Menschen. Denk dieses Gedanken-
spiel mal weiter...., einer verbrecherischen Eugenik wäre die Tür geöffnet.

:Zunächst einmal meine (bescheidenen) Kenntnisse (vielleicht auch eher
:übernommenen Mythen) zu den sogenannten Kampfhundrassen (ich weiß -
:schon die Bestimmung derartigere Rassen ist umstritten - nach meiner
:Auffassung sind diejenigen Rassen Kampfhunde im engeren Sinn, die ua.
:speziell für Hundekämpfe gezüchtet wurden)

Der Begriff Kampfhund leitet sich für mich erstmal historisch ab.
Schon von der Antike bis weit in das Mittelalter wurden bestimmte
(große) Rassen als Kriegshunde eingesetzt (vorwiegend Molosserrassen).
Die heute als Kampfhunde verschriehenen (Amstaff, Staff und Bullterrier)
Rassen sind am Anfang des letzten Jahrhunderts in den Arbeitervierteln
englischer Städte (den amerik. Boston Terrier nehme ich jetzt mal aus)
als "Sporthund" für Hunde- oder Bullenkämpfe und als Ratten- und Raubzeug-
fänger entstanden. Im Übrigen, eine Rasse "Pittbull" existiert nicht,
diese Bezeichnung ist genauso sinnvoll wie eine "Staatsangehörigkeit
Preisboxer".
Seit 1835 sind Hunde- und Bullenkämpfe in England verboten und
wurden Streng bestraft. Die absolute Mehrheit aller sog. Kampfhunde
haben seit dem keine "Pit"(Hundekampfarena) mehr gesehen und wurden auch
nicht mehr zu diesem Zweck gezüchtet.

confused smileyoweit ich gehört habe, haben Kampfhunde von ihren angezüchteten
:Merkmalen her eine eher niedrige Hemmschwelle hinsichtlich der
:Agressivität gegenüber Artgenossen

Kann ich absolut nicht bestätigen, eigentlich alle mir bekannten Hunde
der Bull-Rassen inkl. meines eigenen Bulli haben ein ganz normales ver-
hältnis zur Aggression, wie jeder andere Hund auch. Da fallen die wenigen
Ausnahmen in Form von stark hormongesteuerten und sozial gestörten
Jugendlichen und jungen Männern nicht ins Gewicht. Das sind dann meist
Fälle für den Psychiater und nicht für den Amtstierarzt.

:1) Ich habe mal einen American Stafford Terrier "in Aktion" gesehen.
:Was mich so erschreckte war nicht die Keilerei an sich, sonder die
:Tatsache, daß der Amstaff gar nicht richtig loslegte, bis der andere
:Hund auf dem Rücken war.

Typisch für eine fehlerhafte sozialisation im Welpenalter, z. B. einer
fehlenden Möglichkeit das Aggressionsverhalten mit anderen Welpen "ver-
nünftig" zu erlernen.

:und ein anderer Hund mit 27 Löchern (zum Klammern, nähen, usw.).

Diese Schicksal wurde meinem letzten Bullterrier auch zuteil.
Ohne angefangen zu haben und ohne nennenswerte Gegenwehr wurde der
zweimal von großen Mischlingsrüden übel zusammengebissen. In den
Augen der dabei zusehenden Passanten war natürlich mein Hund der
"Schuldige", klar, war ja auch ein Kampfhund. Die Folge war 2 mal
ein unverletzter Gegner und eine jeweils sehr hohe Tierarztrechnung
für mich. Klar das die Halter der Mischlingsrüden nicht versichert
oder nicht zu ermitteln war. Damals habe ich sehr geflucht, meinen
Bulli (zu) friedlich erzogen zu haben.


:2) Nach dem was ich gehört habe, sollen sogenannte Kampfhunde die 5-fache
sad smileywoanders stand 10-fache) Beißkraft eines Schäferhundes haben. (Frage:
:stimmt das?)

Lass mich mal rechnen, ein Schäferhund hat zurückhaltend geschätzt eine
Bisskraft von 400 Kg (ob punktförmig pro Zahn oder Verteilt auf die ganze
Gebissfläche weiß ich jetzt nicht). Demzufolge müßte mein Bulli also eine
Bisskraft von 2 bis 4 Tonnen haben. Eine erstaunliche biologische Leistung.
Leider aber nur ein Mythos, außerdem würde ich die gefährlichkeit eines
Tieres nicht allein an der Bisskraft festmachen.

sad smileyJetzt ziehe ich in Erwartung der verbalen Schläge ganz den Kopf ein). Hunde mit einer derartigen Beißkraft sind in den (leider viel zu häufigen) falschen Händen doch eventuell viel (jetzt kommt ein furchtbares Wort) "effektiver" als andere Rassen, oder?

Nicht doch, wir Menschen lieben uns doch alle ;-).

: Ich wollte einfach mal die (auch unter den mit mir öfters spazieren
:gehenden Hundefreunden in "meinem" Wald vorwiegende) Stimme des
:Bedenkens laut werden lassen.

Obacht!!! Ich fürchte die Kampfhundehysterie ist eher ein Zeichen der
Tendenz des Menschen von heute, sich von seinen natürlichen Lebensgrundlagen
zu entfremden. Wenn das Kampfhundeproblem von diese Leute einer Endlösung
zugeführt wurde, könnten auch sehr schnell die "normalen" Hundehalter
dran sein.

Sorry, jetzt habe ich schon wieder einen Roman geschrieben, daß nächste
Mal verspreche ich mich zu Bremsen ;-).

Ciao Burkhard

von suki und maxi(YCH) am 09. Oktober 1998 07:58

Liebe Karen,
laß uns gemeinsam den Kopf einziehen, denn genau die Fragen stelle ich mir nach ganz ähnlichen Erfahrungen auch... Du bist also nicht alleine :-)
Liebe Grüße,
suki und maxi

von Anja Smith(YCH) am 09. Oktober 1998 09:01

Hallo Karen, hallo Suki und Maxi,

ich hatte mir eigentlich geschworen, zu diesem Thema nichts mehr zu sagen, da es meistens sowieso nichts bringt, aber es enttäuscht mich doch sehr, solche Worte von anderen Hundebesitzern zu hören.

Zur niedrigen Reizschwelle:
von den 14 normalerweise (z.B. in Bayerischer und Brandenburger Hundeverordnung) genannten Hunderassen, trifft bei ca 8-9 Rassen sogar das absolute Gegenteil zu. Möglicherweise denkt ihr nur an Pitbulls, Staffordshire Terrier u.ä.. Es werden dadurch aber auch Mastiffs, Dogos, Filas, Bullmastiffs, Mastin Espanol etc in den gleichen Topf geworfen. Ich selbst habe einen Englischen Mastiff und habe in meinem Leben noch keinen ruhigeren Hund erlebt, der durch absolut nichts aus der Ruhe zu bringen ist, sich jedem Dackel unterwirft (nicht aus Angst sondern weil es ihm einfach egal ist und er sich grundsätzlich nicht auf irgendwelche Reibereien zwischen Hunden einläßt). Ihr seid hiermit herzlichst eingeladen, Euch selbst davon zu überzeugen, wenn ihr mal in Bayern seid (das meine ich ernst). Mein Hund ist bereits mehrfach von anderen Hunden (Retrievermischung, Schäferhunde) attackiert worden (die auch nicht aufhörten als er sich sofort unterwarf!!) Niemals ist er dabei aggressiv geworden, sondern hat sich weiterhin nur unterworfen, wonach wir die anderen Hunde wegschleudern mußten, weil deren Besitzer es nicht für nötig hielten, ihre Hunde wegzuholen!

Nur weil ein Hund vor mehreren Jahrhunderten oder oft noch länger zu dem Zweck gezüchtet wurde, gegen irgendetwas oder irgendjemanden zu kämpfen, heißt bei weitem nicht, daß sie sich heute noch dazu eignen. Auch ein sogenannter Kampfhund muß das Kämpfen erst erlernen (so wie ein Jagdhund das Jagen, ein Blindenhund das Führen, ein Retriever das Holen etc.) Heutzutage sind die meisten der sogenannten schlechtgemachten Kampfhundrassen ideale Familienhunde (oft sogar wesentlich besser geeignet als manch kleinere Hunde, eben weil sie viel geduldiger sind), womit wir wieder beim Thema sind - ein Hund ist nur so schlecht wie sein Besitzer!! Und das kann auch für oft verzogene Dackel, Golden Retriever, etc, etc zutreffen.

Was die Beißkraft angeht - mit Sicherheit hat ein großer Hund eine größere Beißkraft - aber viele der großen Rassen haben im Gegensatz zu den Schäferhunden z.B. eine Beißhemmung, d.h. größere Beißkraft ist nicht gleichzusetzen mit größerer "Gefährlichkeit"!!

Also, wie gesagt, wenn Ihr Euch mal eine eigene Meinung bilden wollt, seid Ihr herzlich willkommen, ansonsten schlage ich Euch vor, mal ein paar Ausstellungen zu besuchen und Euch dort die verschiedenen Hunderassen anzusehen. Ihr werdet feststellen, daß die meisten sogenannten Kampfhundrassen sogar eher viel ruhiger und gelassener sind (trotz Ausstellungsstress und vieler Hunde) als die meisten anderen Hunde und auch Pitbulls, Staffordshire Terrier etc., die ja wenn sie eine so niedrige Reizschwelle hätten, aufeinander losgehen müßten, werdet ihr dort friedlich miteinander spielen sehen.

Viele ebenfalls liebe Grüße,
Anja

von Burkhard Redeker(YCH) am 09. Oktober 1998 10:05

Hallo, ich nochmal.

Sorry, es sollte natürlich so lauten:

grinning smileya fallen die wenigen Ausnahmen in Form von stark hormongesteuerten und
:sozial gestörten Jugendlichen und jungen Männern

:mit außergewöhnlich aggressiven Hunden
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^

:nicht ins Gewicht. Das sind dann meist Fälle für den Psychiater und nicht
:für den Amtstierarzt.
Ciao Burkhard

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