Aggressiv gegenüber anderen Rüden ! :: Was sonst nirgends passt

Aggressiv gegenüber anderen Rüden !

von Guido Merker(YCH) am 11. Dezember 1998 15:29

Der Hund meiner Freundin, ein Boxer-Rüde, Menschen gegenüber das liebste Tier das es geben kann, ist absolut aggressiv gegenüber anderen Rüden. Meine Freundin will ihn deshalb kastrieren lassen. Ich will hier nicht als der Beschützer seiner "Männlichkeit" auftreten, denke mir aber, daß das irgendwelche Nachteile gesundheitlicher oder seelischer Art hat. Also mir würde es auf jeden Fall wehtun, wenn er nicht mehr so lebensfroh wäre. Gibt es keine andere Verhaltensmaßregeln oder "Rezepte", ihm diese Aggressivität "abzugewöhnen ???

von Briard-Jutta(YCH) am 12. Dezember 1998 17:04

Lieber Guido,

so ein bißchen "Männlichkeitsbeschützen" klingt für mich schon aus Deiner Meldung, lach. Aber zum Thema "Spaß haben" überlege Dir mal bitte folgendes: Ein intakter Rüde, der eine läufige Hündin riecht und nicht zu ihr darf, leidet. Manche mehr, manche weniger - aber es gibt eine Menge Rüden, die vor Kummer bis aufs Skelett abmagern, weil sie in gewissen Zeiten das Futter verweigern. Und in den meisten Fällen ist es ja wohl (hoffentlich!!) so, daß der Rüde nicht einfach seinem Trieb folgen darf.

Einen Rüden aber einfach so an eine Hündin lassen, ist tierschutzmäßig einfach verantwortungslos. Was wird aus den (Mischlings-)welpen? Viele von ihnen landen, oft nach einem Umweg über diverse Besitzer, irgendwann im Tierheim. Und selbst die Paarung zweier Rassehunde ohne Vorwissen über Genetik ist schlichtweg hirnloser Blödsinn, denn genau auf diese Art werden jährlich tausende von körperlich und verhaltensmäßig gestörten Hunde produziert.

Wird also ein Hund - egal ob Rüde oder Hündin - nicht zur Zucht eingesetzt, steht das Thema Kastration an. Die Diskussion über Für und Wider ist recht kontrovers. Bei Hündinnen hat man nachgewiesen, daß eine Kastration die Neigung zu Gesäugetumoren reduziert, andererseits gibt es (bei Hündinnen und Rüden) immer wieder Fälle von Harnträufeln. Hündinnen, die zu Scheinträchtigkeiten neigen, wird man wohl immer kastrieren lassen, da diese Zustände für die Hündin äußerst strapaziös sind.

Trotz vieler Argumente, die für eine Kastration sprechen, sollte man sich immer klar machen, daß sie kein Allheilmittel für alle möglichen Störungen ist. Das Dominanzgebaren eines Rüden z.B. muß durchaus nicht durch eine Kastration behoben sein, vor allem wenn der Rüde zum Zeitpunkt der Operation schon einige Jahre alt ist. Da sitzt dominantes Verhalten nämlich nicht mehr nur in den Hoden, sondern auch im Kopf. Wir sollten uns auch mal klarmachen, daß Hunde Hunde sind und nicht ausschließlich nach menschlichen Kriterien gemessen werden dürfen. Und unter Hunden sind Kämpfe unter Rüden schlicht und ergreifend normales Verhalten. Sind beide Rüden ausreichend sozialisert, d.h. hatten sie genug Gelegenheit in ihrer Welpen- und Jugendzeit den richtigen Umgang mit anderen Hunden zu lernen, sehen solche Kämpfe zwar furchterregend aus, bestehen aber in den meisten Fällen aus reiner Schau. Die Beteiligten haben ab und zu mal einen Kratzer oder eine Rißwunde, aber selten schwere Verletzungen. Wir sollten also zunächst mal Abstand von der (menschlichen) Traumvorstellung nehmen, daß unser Hund sich gefälligst mit jedem anderen zu vertragen hat, weil das für uns bequemer ist. In Deinem Fall ist also durchaus zu überlegen, ob man nicht einfach akzeptiert, daß der Rüde halt nur mit Hündinnen spielen darf. Um zu vermeiden, daß er beim Anblick eines Rüden an der Leine ausrastet, gibt es wirksame Erziehungsmethoden.

Damit bin ich beim nächsten Punkt: Kastration ist NIEMALS ein Ersatz für Erziehung. Und eine Garantie dafür, daß der Rüde nach der Operation sich fortan freundlich jedem Rüden nähert, gibt es in keinem Fall. Vielleicht tritt sogar das Gegenteil ein: Es gibt durchaus intakte Rüden, die einen Kastraten deswegen attackieren, weil er geruchsmäßig nicht eindeutig einzuordnen ist. Er riecht weder nach Hündin, noch "richtig" nach Rüde.

Ein Grund, der wiederum für eine Kastration sprechen würde, wäre, wenn der Rüde deutliches Aufreitverhalten (bei Hündinnen und Rüden) zeigt. Bei einem geschlechtsreifen Rüden ist diese Art des Dominanzgebarens durchaus sexuell motiviert und damit hormonell beeinflußt. Eine Kastration würde in diesem Fall sicherlich eine Besserung des Verhaltens bringen. Wenn der Rüde also alles bespringt, was sich bewegt, würde ich einer Kastration zuraten.

Eines ist jedenfalls sicher: Der Rüde "leidet" nicht unter der Kastration. Er ist kein Mensch (kein Mann, lach), der sich darüber grämt, daß ihm nun was ganz Tolles entgeht. Dieses Bewußtsein fehlt ihm als Hund völlig.

Liebe Grüße,
Jutta

von katrin(YCH) am 12. Dezember 1998 18:59

Hallo, Guido, ich schließe mich der Meinung von Jutta voll und ganz an.
Vielleicht als Entscheidungshilfe: Als unser Joey (Australian Cattle Dog)
9 Monate alt war, wurde unsere Hündin läufig. Beide litten sehr unter
der Trennung, deshalb ließen wir den Rüden kastrieren (mit der Hündin züchte ich).
Er ist trotzdem ein richtiger Mann, auch wenn ihm nun was wichtiges(?) fehlt ;-).
Und zeigt gegenüber manchen Rüden trotzdem deutliche Dominanz. Er ist auch kein
bischen weniger lebhaft als vorher. Tschüß katrin

von Sonja(YCH) am 13. Dezember 1998 14:00

Hallo Guido,

was heisst "agressiv"?
Wenn er wirklich "agressiv" ist, d.h. grundlos angreift etc. wird auch
eine Kastration wenig helfen.
Spielt er sich nur auf muss mit dem Hund eben gezielt gearbeitet werden.
Kastration ist kein Allheilmittel, nur weil ein Ruede sich nicht so verhaelt wie
gewuenscht.
Ich weiss das hier viele Kastration befuerworten, ich persoenlich denke man
sollte nur kastrieren wenn es medizinisch notwendig ist.

Liebe Gruesse
Sonja und Nero

von Peter Moser(YCH) am 13. Dezember 1998 14:27

Hallo Guido, hallo Jutta,

:so ein bißchen "Männlichkeitsbeschützen" klingt für mich schon aus Deiner Meldung, lach.

Mir war bei der Kastration unseres Rüden auch nicht ganz wohl in den unteren Extremitäten :-), deshalb habe ich auch das ganze dreimal verschoben. Unser Tierarzt hat mich nur noch milde angelächelt.


grinning smileya sitzt dominantes Verhalten nämlich nicht mehr nur in den Hoden, :sondern auch im Kopf.

Absolut richtig Jutta, auch unser Rüde ist ganz Mann im Kopf, was sich gegeben hat ist das er ausbüchst um "Damen" den Hof zu machen.
Ich habe immer um ihn gezittert bis er wieder da war.

grinning smileyamit bin ich beim nächsten Punkt: Kastration ist NIEMALS ein Ersatz :für Erziehung. Und eine Garantie dafür, daß der Rüde nach der :Operation sich fortan freundlich jedem Rüden nähert, gibt es in keinem :Fall. Vielleicht tritt sogar das Gegenteil ein: Es gibt durchaus :intakte Rüden, die einen Kastraten deswegen attackieren, weil er :geruchsmäßig nicht eindeutig einzuordnen ist. Er riecht weder nach :Hündin, noch "richtig" nach Rüde.

Sehr richtig, hätte mir das jemand vorher gesagt, wäre "ER" noch vollständig. Wir stellten fest, das eben andere Hunde ihn nun unverschämt beriechen, da wird er extrem sauer, denn wie du schon geschrieben hast, im Kopf ist er Mann. Wir haben jetzt eigentlich noch mehr Schwierigkeiten mit anderen Rüden als vorher. Er lässt sich das beschnüffeln nicht gefallen und würde seine Kollegen am liebsten in der Luft zerreissen.

Da wir unseren Rüden aus dem Tierheim haben, ist er sehr zurückhaltend gewesen und war lieber woanders als bei uns. Auch unsere Hündin wurde von ihm sehr gestresst. Nach der Kastration taute er richtig auf. Plötzlich konnte er spielen und zeigte auch grosses Interesse an uns, seither lebt er entspannter. Vorher stand er immer unter Strom, der Hormon-Streß war zu sehen. Heute hat er, so glaube ich zumindest, ein angenehmeres Leben. Wenn Kastration, muss man wirklich alles abwägen.

Alles Liebe
Peter



von K. Keck(YCH) am 14. Dezember 1998 12:00


Hallo zusammen,

prinzipiell bin ich mit Jutta einer Meinung. Nur den folgenden Punkt möchte
ich etwas anders darstellen:

Jutta schrieb:
:Vielleicht tritt sogar das Gegenteil ein: Es gibt durchaus intakte Rüden, die einen Kastraten deswegen attackieren, weil er geruchsmäßig nicht eindeutig einzuordnen ist. Er riecht weder nach Hündin, noch "richtig" nach Rüde.

Das kann in wenigen Einzelfällen so sein, aber der Großteil der "intakten"
ist freundlicher zu Kastraten, denn sie sind keine Konkurrenz mehr. Somit
gibt es keinen Grund, dieses Neutrum zu "bekämpfen".

Viele Grüße

K. Keck

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