Blindenführhund & Co, an Tina :: Was sonst nirgends passt

Blindenführhund & Co, an Tina

von Karin M.(YCH) am 20. April 1998 09:34


Liebe Tina!

Ich weiß, daß Du Blindenhunde (in Deinem Fall Deutsche Schäferhunde) ausbildest. Auch Golden bzw. Labrador Retriever werden gerne für diese Arbeit verwendet.

Jetzt habe ich nur ein paar konkrete Fragen zum Alltag eines Blindenhundes im Dienst. Wie kann ein Blindenhund artgerecht gehalten werden? Wann kann er/sie entspannt mit anderen Hunden herumtoben? Für einen Blinden ist es wohl schwer, einen Hund auf Entfernung unter Kontrolle zu haben oder wird auch das trainiert? Ich denke mit nur, meine Goldenhündin ist ein ziemliches Energiebündel und Schäferhunde sind es wohl noch mehr. Wie bekommen sie die Möglichkeit, ihre Energie freizulassen? Oder wird bei nach endgültigen Plazierung auch berücksichtigt, ob es noch eine weiter Person gibt, die mit dem Hund diese Aktivitäten machen kann?

Bitte verstehe mich nicht falsch, ich finde es ganz toll, was Du und Deine Hunde machen. Und für einen/eine Blinden/e ist es sicher eine hohe Lebensqualitätssteigerung.

Liebe Grüße

Karin & Janis

von Tina(YCH) am 20. April 1998 11:02

Hallo Karin,
:Wie kann ein Blindenhund artgerecht gehalten werden?
:Wann kann er/sie entspannt mit anderen Hunden herumtoben?
:Für einen Blinden ist es wohl schwer, einen Hund auf Entfernung unter Kontrolle zu haben oder wird auch das trainiert?
:Ich denke mit nur, meine Goldenhündin ist ein ziemliches Energiebündel und Schäferhunde sind es wohl noch mehr. Wie bekommen sie die Möglichkeit, ihre Energie freizulassen? Oder wird bei nach endgültigen Plazierung auch berücksichtigt, ob es noch eine weiter Person gibt, die mit dem Hund diese Aktivitäten machen kann?
Ich finde es prima, daß sich ein "normaler" Hundehalter Gedanken über die artgerechte Haltung eines Blindenführhundes macht.
Aber du brauchst keine Angst zu haben, die von mir ausgebildeten Hunde werden alle sehr artgerecht gehalten. Außerdem haben sie den großen Vorteil, daß sie wirklich überall hin mitgenommen werden, selbst in die Kirche oder ins Konzert.
Aber jetzt zum Freilauf:
Während der Ausbildung lernen die Hunde einen Radius von ca. 20 m einzuhalten (der später von einem Blinden mittels Gehör sehr gut zu kontrollieren ist.) Und wenn der Hund diese Distanz einmal intus hat, dann wird er sich auch innerhalb dieses Radiuses bewegen.
Jeder Blindenführhund trägt aus diesem Grund beim Freilauf eine kleine Glocke am Halsband und lernt auch schon als Welpe, daß er auch aus dem Spiel mit anderen Hunden abgerufen wird. Der Trick bei der Sache ist nämlich ganz einfach: Viele Hundebesitzer stehen an der Spielwiese, lassen ihre Hunde 20 Minuten miteinander toben und rufen sie erst dann, wenn es nach Hause geht. Der Hund hat bald gerafft, daß rufen=Spielende bedeutet und kommt irgendwann einfach nicht mehr oder erst, wenn ER Lust hat.
Ich rufe meine Hunde alle 2-3 Minuten aus dem Spiel ab (was manche Hundehalter als dem Hund gegenüber unfair empfinden) und dann dürfen sie wieder laufen. Das klappt sehr gut (auch ganz ohne Leckerchen) und die Führhundhalter werden während der Einschulungszeit ebenfalls dazu angehalten ihren Hund alle 1-2 Minuten zu rufen.
Dieses Verhalten wird für die Hunde so zur Gewohnheit, daß sie später von sich aus alle paar Minuten "vorbeikommen" und z.B. mal kurz mit der Nase an die Hand stupsen, so nach dem Mottto "hallo, ich bin noch da".
Ein Blinder kann seinen Hund an Spielwiesen oder in Parks immer ohne sehende Begleitung frei laufen lassen, denn die Hunde werden von klein auf daran gewöhnt, auf den Menschen zu achten, zu dem sie gehören. Ich selbst laufe regelmäßig mit einer Meute von bis zu 5 Junghunden (jetzt 9 Monate) durch den Wald und trotz des Meuteverbundes ist jeder darauf bedacht mich nicht zu verlieren.
Die Hunde, die ich züchte und ausbilde sind extrem ruhige Tiere, die keinen ausgeprägten Spiel- oder Apportiertrieb haben und deshalb z.B. bei Wildkontakt relativ leicht unter Kontrolle zu halten sind.
Der Blinde wird darauf geschult, daß er z.B. anhand der Bewegung des Hundes schn hört, ob dieser etwas interessantes erspäht hat oder ob er ganz entspannt neben ihm schnüffelt.
Da Blindenführhund i.d.R. sehr gesellige und verträgliche Tiere sind finden sich sehr schnell Hundehalter, die ihren Hund mit dem BFH spielen lassen. So kann sich dieser austoben und seine im Geschirr angestauten Bewegungsdefizite abreagieren.
Viele Blinde gehen mit ihren Hunden auch joggen oder langlaufen, im Sommer schwimmen oder Tandemfahren.
Was ich hier schreibe, kann ich natürlich nur für "meine" Hunde schreiben, denn es gibt auch hier immer wieder Ausnahmen. Es gibt durchaus Schulen, bei denen der Blinde die Anweisung erhält, den Hund nur frei laufen zu lassen, wenn er eine sehende Begleitung dabei hat.

Wenn du oder auch andere noch Fragen hast/habt, dann kannst du dich jederzeit melden.
Liebe Grüße Tina

von Juliane(YCH) am 27. April 1998 19:49

Hallo Tina,
Du schreibst, daß Du Deine Hunde von Anfang an immer mal wieder aus dem Spiel abrufst, und sie so lernen, zwischendurch zum Hundeführer zurück zu kommen. Die idee finde ich toll, und würde das meinem 4 Monate alten Hund auch gern beibringen. Ich weiß nur absolut nicht, wie? Youri hört eigentlich schon recht gut, er läuft fast immmer ohne Leine, da wir nur im Wald spazieren gehen. Bei den Spaziergängen rufe ich ihn auch immer mal wieder zu mir, zeige ihm etwas, gebe ihm ein Leckerchen oder werfe einen Stock. Das klappt ganz toll, solange Youri gerade nichts interessantes tut oder entdeckt. Sobald er abgelenkt ist, z.B. irgendwo ganz vertieft rumschnüffelt, kann ich rufen, solange ich will. Irgendwann kommt er dann natürlich, wofür ich ihn dann ja auch lobe. Nur habe ich so die Befürchtung, daß sich in seinem Kopf irgendwann festsetzt, daß es ja auch okay ist, wenn er erst nach dem 5. mal rufen kommt!! Wenn er in ein Spiel mit seiner Lieblingsfreundin vertieft ist, kommt er gar nicht, erst wenn ich weggehe, und nicht mehr zu sehen bin. Es wäre toll, wenn Du mir Tips geben könntest, wie ich dieses "Abrufen" am besten hinbekomme. Oder verlange ich da von so einem jungen Hund schon zuviel?
Viele Grüße, Juliane

von Tina(YCH) am 27. April 1998 21:14

Hallo Juliane,
Du machst das ganz richtig mit dem Zurückrufen. Je früher man mit einem Hund die Grundkommandos einübt (und zwar IMMER spielerisch, d.h. ohne Druck), desto mehr geht das erwünschte Verhalten in den Hund über.
Viele "Hundesportler" sind der Ansicht, daß man erst mit 8-10 Monaten mit der Grundausbildung beginnen sollte. Aber gerade ein junger Hund lernt leicht und und vor allem gerne.
Wenn Youri während des Spazierganges öfters gerufen wird, dann bedeutet das für den Hund ein "Sozialkontakt", der z.B. im Wolfsrudel auch immer wieder gesucht wird (und zwar von rangniederen UND ranghohen Tieren).
Das Abrufen aus einer für den Hund interessanten Situation ist natürlich extrem schwierig.
Ich versuche dann immer so zu tun als hätte ich etwas furchtbar interessantes entdeckt.
Das ganze läuft so ab: Ich rufe meinen Hund einmal mit Namen und deutlichem "Hier", wenn er nicht reagiert bücke ich mich und untersuche den Boden. Bisher hat dieser "Trick" immer geklappt.
Dabei ist es auch nicht wichtig, daß es dort tatsächlich etwas wichtiges gibt, denn wenn der Hund dann zum "schauen" kommt lobe ich ihn so überschwenglich, daß er das (nicht vorhandene) interessante Objekt sofort vergißt.
Ich arbeite dabei auch nie mit Leckerchen, denn wenn der Hund von anfang an lernt, daß es während des Spazierganges nichts zu fressen gibt, dann kann ich so das gezielte Suchen nach Futter auch reduzieren, wenn nicht sogar unterbinden.
Eine weitere Möglichkeit: EINMAL den Namen und "Hier" rufen und dann vom Hund entfernen. Ein junger Hund wird zu 90% (Ausnahmen gibt es immer) versuchen den Kontkt zu dir nicht zu verlieren.
Rufst du einen Hund so lange, bis er endlich kommen WILL, dann nimmst du bei jedem Rufen Kontakt zu ihm auf und versicherst ihm über deine Stimme, daß du noch da bist.
Nicht du, sondern der Hund soll den Kontakt aufrechterhalten.
Es braucht etwas Geduld (und auch eine gehörige Portion Mut von seiten des Hundeführers, wenn er seinem Hund den Rücken zudreht), aber es funktioniert wirklich sehr gut.
Ein Tip: Binde deinem Hund ein keines Katzenglöckchen ans Halsband, dann hast du ihn auch unter "Gehörkontrolle" wenn du dich von ihm abwendest.
Liebe Grüße Tina

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