Darstellung in den Medien (Experiment) :: Was sonst nirgends passt

Darstellung in den Medien (Experiment)

von Burkhard Redeker(YCH) am 06. Januar 1999 16:27

Hallo Ihr alle,

diese Meldung (siehe oben, ich hoffe jeder kann´s lesen) habe ich am Mittwoch
dem 6. Januar in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung gefunden.
Zu diesem Artikel hätte ich jetzt Fragen zu zwei Themenkomplexen:

1.) Wie ist Eure erste Reaktion auf das vorgefallene und dessen Präsentation (die rein emotionelle Reaktion)?
... Was meint Ihr, ist da wirklich vorgefallen?
... Wie beurteilt Ihr die Verhältnismäßigkeit von Vorfall und Reaktion darauf?
... Wie beurteilt Ihr das öffentliche Interesse an einem solchen Vorfall, gemessen an den Folgen?
... was glaubt Ihr wer hier wie zu schaden gekommen ist?

2.) Könnte jemand (Verhaltenskompetentes) mal die Handlungsweise des Hundes vor und während der Polizeiaktion
... analysieren?

Eure Interpretation würde mich wirklich sehr interessieren, ich persönlich habe mir erlaubt, bei den Behörden
(Polizei) einmal den Ausgang des Ganzen (bis auf das Schiksal des Hundes) zu hinterfragen und bin vorerst ein
wenig schlauer. Mein eigenes Interesse dabei ist, einfach mal herauszufinden, mit welchem Mechanismus solche
Meldungen von den Medien priorisiert und verwertet werden und wie groß die Diskrepanz zwischen emotioneller
Bewertung und real Vorgefallenem ist.

Ich bitte um möglichst viele Antworten.

Ciao Burkhard

von Andreas(YCH) am 06. Januar 1999 18:25

: Hallo Burkhard,

als von den ewigen Darstellungen in den Medien genervter Hundehalter bin ich wohl kein unvorbelasteter Leser. Das einzig erfreuliche an dem Artikel ist für mich, daß der "Kampfhund" wenigstens mit Anführungsstrichen vesrehen wurde.
Zu schaden itst wohl mal wieder der Hund gekommen. Was sich tatsächlich ereignet hat, führt der Verfasser der Meldung nicht aus. Wenn er so schlampig arbeitet, sollte er die Einreichung seines Artikels bei der Redaktion lieber unterlassen.
Unsinnigerweise wird mit einem inhaltlich gar nicht genannten Vorfall mal wieder eine Schlagzeile proziert.
Das ärgerliche an diesen Meldungen ist, daß man ja genausogut täglich die Meldung "Schäferhund greift FRau/Kind an" bringen könnte, da die Statistik des Deutschen SDtädtetages diese als die REasse mit den meisten gemeldeten Vorfällen ausweist.
Der Artikel ist folglich wieder mal reine Stimmungsmache.
Daß der Hund gegenüber "mit Schutzausrüstung ausgestatteten" Polizisten "weiter Aggressiv" war ist wohl der Gipfel des ASrtikels. ERwartet der Autor, daß der Hund sich mehreren mit Schutzkleidung auf ihn zugehenden Polizisten brav wie ein Lamm zu Füßen legt?
Zu überdenken wäre auch die Vorgeschichte, da das Verhalten des Hundes, welches auch immer es war, einen Hintergrund im Verhalten des Hundehalters haben muß. Bedauerlicherweise kann der Besitzer lapidar über die Einschläferung entscheiden, da ist es mit dem Schutz des Lebewesens Hund nicht weit her.

Leider habe ich gerade nicht viel Zeit, daher mu0ß ich nun enden.

Viele Grüße,
Andreas

von sabine & simbär(YCH) am 06. Januar 1999 18:52

: Hallo Burkhard,

1.) Wie ist Eure erste Reaktion auf das vorgefallene und dessen Präsentation (die rein emotionelle Reaktion)?

Antwort: schon wieder einer, Aufmachung reißerisch

Was meint Ihr, ist da wirklich vorgefallen?

Antwort: Da hätte wohl einer besser keinen Hund, oder sich früher mit der Ausbildung/Hundeverhlaten beschäftigen sollen. Kein Hund greift ohne Grund und ohne Vorgeschichte an. Wenn die Frau jetzt flüchten muß, war das Faß beim Hund einfach voll. Es steht natürlich nicht im Bericht, was vorher passiert ist (Hund nur geschlagen, Kind hat Hund geändert....)

Wie beurteilt Ihr die Verhältnismäßigkeit von Vorfall und Reaktion
darauf?

Antwort: Die Überschrift läßt schlimmes ahnen (bitte nicht falsch verstehen, ist bestimmt keine Bagatelle) und man denkt beim Lesen der Überschrift: Frau wird bestimmt "zerfleischt da Kampfhund", beim Lesen des Aktikels ist von Blut dann keine Spur mehr

Wie beurteilt Ihr das öffentliche Interesse an einem solchen Vorfall, gemessen an den Folgen?

Antwort: Ich denke, jeder Vorfall dieser Art (oder schlimmer) ist einer zuviel, allerdings gings es ja für die Frau noch gut aus. Das öffentliche Interesse hängt bestimmt von der Aufmachung des Artikels ab.
Allerdings denke ich das dieser Vorfall keine besonderes Interesse weckt, immerhin lebt die Frau und das Kind ja noch, noch nicht einmal Blut ist geflossen.....

was glaubt Ihr wer hier wie zu schaden gekommen ist?

Antwort:

der Hund - jetzt tot
der Hund - alle Hunde sind gefährlich
der Hund - mal wieder so einer - weg damit (ist nicht meine Meinung)
der Hund - ist immer Schuld
der verantwortungsbewußte Hundehalter, der immer mehr in die Kritik und die "behördlichen Zwänge" gerät.

Zum zweiten Teil kann ich leider nichts sagen...

Ich hoffe, daß Du mit meiner Antwort etwas anfangen kannst. Laß Dir gesagt sein, ich finde Baxter nach wie vor klasse und haben auch weiterhin kein Problem mit am. Staff & co.

Lieben Gruß auch an Renate & Baxter

Sabine & simbär

von Morgaine(YCH) am 07. Januar 1999 01:37

: Hallo Burkhard,

Leider, leidr kann ich auf diese meldung auch nicht ganz voreingenommen antworten, da ich eine absolute Abneigung gegen derartige zeitungsartikel habe. Aber ich werd mal spaßenshalber so tun, als wäre ich kein Hundehalter und hätte auch keine Erfahrungen mit dem Thema (ich find deine Idee übrigens Klasse) und danach sage ich, was ich wirklich denke.:
:
: 1.) Wie ist Eure erste Reaktion auf das vorgefallene und dessen Präsentation (die rein emotionelle Reaktion)?

Schrecklich! Na wenn die Rasse schon Kampfhund heißt, kann das ja nur so ausgehen.

Na, wer weiß, was die wieder mit dem armen Vieh gemacht haben, daß der so wird!! Wer weiß, ob schon der Bericht überhaupt so stimmt! Die Medien lügen ja des öfteren.

: ... Was meint Ihr, ist da wirklich vorgefallen?

Na, bestimmt das, was die schreiben. Die denken sich das doch nicht aus.

Tja, die haben den Hund wohl eher auf die harte Art und weise "verzoegn".

: ... Wie beurteilt Ihr die Verhältnismäßigkeit von Vorfall und Reaktion darauf?

Na klar gehört so eine Kampfbestie eingeschläfert.

Kommt darauf an, wie schwer der Hund schon geschädigt ist, und ob jemand bereit ist, ihn wieder zu einem verhaltensunauffälligen Hund zu erziehen. Sollte das nicht der Fall sein, würde ich ihn auch einschläfern lassen, da der Hund meiner Meinung nach mehr unter sich selbst "leidet". Lieber tot, als unter Qualen leben.

: ... Wie beurteilt Ihr das öffentliche Interesse an einem solchen Vorfall, gemessen an den Folgen?

Kann ich nicht beurteilen, weder als ich noch als jemand anders (haha).

: ... was glaubt Ihr wer hier wie zu schaden gekommen ist?

Die arme Frau und das kind natürlich. was die für Ängste ausgestanden haben müssen. Naja, wer sich so eine Kampfbestie anschafft, der muß halt mit sowas rechnen.

Der Hund. Wahrscheinlich geprügelt und psychisch ver/zerstört, hatte er wohl keine andere Wahl (nach hundlichen "Gesetzen"winking smiley.
:
: 2.) Könnte jemand (Verhaltenskompetentes) mal die Handlungsweise des Hundes vor und während der Polizeiaktion
: ... analysieren?

Naja, das kann ich nicht.
:
: Eure Interpretation würde mich wirklich sehr interessieren, ich persönlich habe mir erlaubt, bei den Behörden
: (Polizei) einmal den Ausgang des Ganzen (bis auf das Schiksal des Hundes) zu hinterfragen und bin vorerst ein
: wenig schlauer. Mein eigenes Interesse dabei ist, einfach mal herauszufinden, mit welchem Mechanismus solche
: Meldungen von den Medien priorisiert und verwertet werden und wie groß die Diskrepanz zwischen emotioneller
: Bewertung und real Vorgefallenem ist.

Vielleicht kannst du uns/mich mal gegebenenfalls darüber aufklären, was die Polizei gesagt hat. Würde mich äußerst interressieren.
:

Bis dann

Morgaine:

von Burkhard Redeker(YCH) am 07. Januar 1999 12:34

Hallo Morgaine!

: Vielleicht kannst du uns/mich mal gegebenenfalls darüber aufklären, was die Polizei gesagt hat. Würde mich äußerst interressieren.

Das möchte ich hiermit gerne tun. Es ist ein wenig schade, daß bisher niemand von denjenigen Teilnehmern
an den YORKIE-Foren seine/ihre Eindrücke zu diesem Vorfall bekundet hat, der den so genannten K-Hunderassen
eher kritisch gegenübersteht und geneigt ist, den Medien eine gewisse Kompetenz und Wahrheitsliebe zuzubilligen
(nach dem Motto "so viele Berichte können nicht irren, ein gewisser Wahrheitsgehalt muß dran sein"winking smiley.

Was ist nun in Wirklichkeit geschehen?

N I C H T S !!!

Meine Nachfrage als interessierter Bürger bei der Polizei-Pressestelle des Polizeiprasidiums Essen hat
ergeben, daß niemandem auch nuch ein Haar gekrümmt wurde. Weder die Hundehalterin noch ihr Kind haben
auch nur einen Kratzer abbekommen. Die eingesetzten Polizeikräfte und der Tierarzt konnten den Schauplatz
des Geschehens mit heiler Haut verlassen.
Wer schon mal einen American Staffordshire Terrier gesehen hat, rätselt nun wie dieses Wunder geschehen
konnte. Die Folgen des Angriffs eines ernsthaft aggressiven AmStaff's wären "nicht unbedeutende gesundheitliche
Probleme". Hätte dieses Tier wirklich wie geschildert angegriffen, wäre es Halterin und Kind nie und nimmer
gelungen, sich irgendwohin zurückzuziehen.

Nach Aussagen des Polizei-Pressesprechers hat sich ungefähr folgendes zugetragen (meine Interpretation ist
natürlich "grob extrapoliert", dabei war ich natürlich nicht):

Der Hund hat spät nachts in der Wohnung angeschlagen (jemand im Treppenhaus, Auto mit Fehlzündung?).
Davon scheint dann das Kind aufgewacht zu sein, hat sich fürchterlich erschreckt und fing an zu schreien.
Dies veranlasste den Staff natürlich, seinem Schutztrieb um so mehr zu entsprechen.
Davon ist dann die Halterin aufgewacht und hat in ihrer Desorientierung messerscharf geschlossen, daß
der Staff gerade dabei war, ihren hoffnungsvollen Nachwuchs aufzufressen.
Ohne weiter nachzudenken, hat sie sich ihren Filius gegriffen, sich im Badezimmer verschanzt und lauthals
um Hilfe gerufen. Der Staff konnte das nun garnicht mehr verstehen, seine Rudelalpha (sollte sie zumindest sein)
zog sich mit dem Welpen in ein ihm unzugängliches Versteck zurück, ein Anzeichen allergrößter Bedrohung.
Zwischenzeitlich betrat nun auch die herbeigeholte Polizei den Schauplatz in Form von gut gerüsteten
Diensthundeführern, denen natürlich nichts anderes übrig blieb, als die Wohnungstür gewaltsam zu öffnen.
Wie mag das wohl auf unseren Staff gewirkt haben? Eine wild vermummte Truppe furchterregender Eindringlinge
betritt sein Revier 1.ter Ordnung, die Rudelalpha ist unerreichbar geflüchtet und hat ihn allein zurückgelassen.
Er ist halt ein Terrier und tut sein bestes, verteidigt das Revier so gut er kann. Gegen Hetzärmel, Fangschlingen
und Betäubungsgewehre hat er allerdings keine Chance.

Die gloreich gerettete Halterin ist natürlich zutiefst schockiert und entschließt kurzfristig aufgrund ihres
ausgeprägten kynologischen Sachverstandes, daß der Staff wohl doch eine "Kampfhund" sei (natürlich, so eine
Bestie überfallt einen heimtückisch im Schlaf) und da er ja nun schon betäubt ist, eine weitere kleine Spritze
nicht schaden kann um dieses Problem auf bequeme Weise "aus der Welt zu schaffen" (im wahrsten Sinne des Wortes).

Dumm gelaufen für unseren Staff, jetzt ist er tot und das hat genau die drei folgenden Gründe:

1.) Eine völlig falsche oder fehlende Sozialisation des Hundes (was auch immer die Halterin mit ihm angestellt hat,
weiß ich nicht) und der Halterin.

2.) Sein Name enthielt das gefährliche Wort "Staffordshire", sein Körperbau war kräftig und sein Ruf als Kampfhund
läßt sich von den Medien vortrefflich ausschlachten.

3.) Er hat das getan, was der Mensch seit nunmehr 20.000 Jahren von seinesgleichen verlangt, hat seine Pflicht
erfüllt, Revier und Rudel verteidigt.

Die mediale Reaktion auf dieses riesige Mißverständnis verläuft nun (wie gewohnt) nach dem Schneeball-Prinzip.
Die Polizei-Pressestelle meldet den Vorfall in relativ neutralen Worten an die Agenturen, die wiederum an
Zeitungen und Funk/Fernsehen. Mit jedem Schritt werden die Schlagzeilen größer, bis schließlich aus ein wenig
heißer Luft ein bundesweit in den Medien gemeldeter Kampfhundevorfall geworden ist.

Nun ist ein jeder der es schon immer wußte zufriedengestellt und eigentlich ist die ganze Welt wieder im Lot,
in der Realitat ist niemand relevantes!!! zu Schaden gekommen.
Da stört es auch nicht groß, daß der AmStaff nun in der Tierkörperbeseitigungsanstalt zu Futtermittel
für seine lieben (nicht Kampfhunde) Artgenossen verarbeitet wird.

Ein bischen traurig
Burkhard


von Morgaine(YCH) am 07. Januar 1999 16:11

hi Burkhard,

jetzt weiß ich endlich, WAS ich den Medien zutrauen und unterstellen kann. Bisher war ich mir immer noch nicht ganz sicher, inwieweit de wirklich übertreiben. Ich hab mir immer gedacht, daß irgendwas schon dran sein wird und das es bloß extrem aufgebauscht sein wird. Jetzt weiß ich, daß die kurzum lügen.

Ebenfalls traurige grüße von Morgaine

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